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1 Und ich erhob wiederum meine Augen und schaute, und siehe, eine Buchrolle kam geflogen. 2 Und er fragte mich: Was siehst du? Ich sprach: Ich sehe eine fliegende Buchrolle, 20 Ellen lang und 10 Ellen breit. 3 Und er sprach zu mir: Das ist der Fluch, der über die Fläche der ganzen Erde ausgeht; denn jeder Dieb wird weggefegt werden gemäß dem, was auf dieser Seite [der Rolle] steht, und jeder, der falsch schwört, wird weggefegt werden gemäß dem, was auf jener Seite [der Rolle] steht. 4 Ich habe ihn ausgehen lassen, spricht der HERR der Heerscharen, damit er eindringe in das Haus des Diebes und in das Haus dessen, der fälschlich bei meinem Namen schwört, und damit er in seinem Haus bleibe und es samt seinem Holzwerk und seinen Steinen verzehre! 5 Und der Engel, der mit mir redete, trat hervor und sprach zu mir: Erhebe doch deine Augen und sieh, was da herauskommt! 6 Ich aber fragte: Was ist das? Und er antwortete: Das ist ein Epha, das da hervorkommt. Und er fügte hinzu: Darauf ist ihr Auge gerichtet überall auf der Erde. 7 Und siehe, da erhob sich eine Scheibe von Blei, und eine Frau saß drinnen im Epha. 8 Da sprach er: Das ist die Gesetzlosigkeit! Und er stieß sie wieder in das Epha hinein und warf das Bleigewicht auf dessen Öffnung. 9 Und ich erhob meine Augen und schaute; und siehe, da kamen zwei Frauen hervor, und der Wind blies in ihre Flügel — denn sie hatten Flügel wie Störche —, und sie hoben das Epha empor zwischen Himmel und Erde. 10 Da fragte ich den Engel, der mit mir redete: Wohin bringen diese das Epha? 11 Er antwortete mir: Es soll ihm ein Haus gebaut werden im Land Sinear, und wenn [dieses Haus] aufgerichtet ist, so wird [das Epha] an seinem Ort hingestellt werden.

Gegenstand der Betrachtung: Sacharja 5..

Eine Studie über die 6. und 7. Vision

Wir bitten Gott, uns durch seinen Geist bewusst zu machen, welche persönliche Botschaft in diesen Visionen für uns und unsere Gemeinde enthalten ist.

Was sieht der Prophet zuerst in der Vision?. (Sach. 5,1)

Eine fliegende Schriftrolle erscheint im Blickfeld des Propheten. Sie scheint sich frei schwebend im Raum auf ihn zu zu bewegen. Dieses Bild war dem Propheten nicht ganz unbekannt. Hesekiel hatte schon von einer ähnlichen Offenbarung berichtet. Wir lesen darüber in Hes. 2,9….

Was ist das Neue an der Schriftrolle, die Sacharja schaute? (Sach. 5,2ff.)

Neu ist die überdimensionale Größe der Schriftrolle. Sie ist so groß, dass keine menschliche Hand sie zu halten vermag. Was wird über ihre Größe gesagt? 20 Ellen lang und 10 Ellen breit – das sind etwa 10 m Länge  und 5 m Breite.

Warum wird dieses Maß angegeben? Woran soll dieses Maß den Propheten und uns erinnern?

1.Kön. 6,3 – Die Vorhalle des Tempels, den Salomo erbauen ließ, hatte die gleichen Maße.

Was war das besondere an dieser Vorhalle?  In dieser Vorhalle wurde das Gesetz des Herrn verlesen und der Wille Gottes dem Volke verkündet. Jeremia 26,2-6 Die fliegende Rolle würde also die ganze Halle des Tempels bedecken. Der Inhalt der Schriftrolle hat es mit dem Gesetz Gottes, der moralischen Grundlage des Volkes Gottes, zu tun. Im Tempel waren die 10 Gebote, die beiden steinernen Tafeln, auf denen Gott seinen heiligen Willen niedergeschrieben hatte, aufbewahrt. Wer Gottes Gesetz missachtet,  seinen Willen verwirft, das Gebot übertritt, seine Sünde nicht bekennt  und aufgibt, steht unter dem Fluch des Gesetzes und verfällt dem Gericht Gottes.

Welche Erklärung gibt der Engel über die fliegende Schriftrolle? (Sach.5,3)

Der Engel erklärt das Bild. Das Bild sagt: Gottes Gericht kommt. Gott übersieht nicht länger die Sünde in seinem Volk. Gottes Gericht bringt eine Sichtung über Gottes Volk. Die Sichtung, die Ausfegung, geschieht vom Heiligtum aus. Die Scheidung ist ein endgültiges Urteil. Gott wacht über seiner Gemeinde und er sorgt für ihre Reinigung.

Interessant ist die Reihenfolge der Visionen. Im 5. Nachtgesicht sah der Prophet die Rechtfertigung des Sünders durch einen Gnadenakt Gottes. Er sah, wie der vor Gott stehende Sünder das Kleid der Gerechtigkeit empfing. In der 6. Vision macht Gott klar, dass alle,  die nicht vor ihn treten, um ihre Sünde zu bekennen, ausgefegt werden. EGW schreibt dazu in „Bilder v. Reiche Gottes“ S. 275:

„Die Gerechtigkeit Christi bedeckt keine Sünde, an der wir bewusst festgehalten haben. Jemand mag vor der Welt als rechtschaffen gelten, obwohl er vielleicht in seinem Herzen ein Gesetzesbrecher ist. Gott jedoch sieht auch das, was wir gerne verbergen möchten, und beurteilt alles, was wir tun, nach unseren Beweggründen. Nur was mit den Grundsätzen von Gottes Gesetz übereinstimmt, wird im Gericht bestehen können. Alle Liebe kann Gott nicht dazu verleiten, die Sünde zu entschuldigen. Das tat er weder bei Satan noch bei Adam und Kain; und auch bei keinem andern Menschen wird er das je tun. Er wird nicht eben mal ein Auge zudrücken, wenn wir sündigen, oder unsere Charakterfehler einfach übersehen.“

Jetzt sind in der Gemeinde Gerechte und Ungerechte, Fromme und Gottlose nicht zu unterscheiden. Aber Gottes Untersuchung wird es an den Tag bringen. Die Bibel sagt: „Der Sünder wird nicht bleiben in der Gemeinde der Heiligen“. Wenn unser Urteil über fromm oder unfromm schwanken oder täuschen kann, bei Gott ist jeder Fromme oder Unfromme mit Namen bekannt und Gott selbst ist an der Reinigung seiner Gemeinde von allem, was unfromm ist, interessiert.

Die von Sacharja geschilderte „Ausfegung“ der Sünder wird von Jesus in den Gleichnissen in anderen Bildern ausgesprochen. So z.B., wenn er sagt: „Bündelt mir zuvor das Unkraut, dass ich es verbrenne mit Feuer“ (Mt. 13,30). oder, wenn er sagt, dass die Fische ausgelesen und die unbrauchbaren weggeworfen werden. (Mt. 13,47).

Gott hat in dem 5. Nachtgesicht erneut bezeugt, dass er bereit ist, Sünde wegzunehmen und den Sünder wieder anzunehmen. Gott hat bestätigt, dass er unter der Kraftwirkung seines Heiligen Geistes mit seinem Volk seinen Heilsplan vollenden will. Aber Gott ist nicht bereit, die Sünde in seinem Volk zu übersehen. Gerade weil die Gemeinde sein erwähltes, teuer erkauftes Eigentum ist, trifft sein Gericht es unausweichlich. – Siehe Am. 3.2…

Der Heilige Geist hat die Botschaft der 6. Vision dem Apostel Petrus bestätigt. Sie gilt auch für die ntl. Gemeinde. 1.Petr. 4,17. Innerhalb der Gemeinde gibt es keine Sicherheit. Gott wacht mit heiligem Eifer über der Reinheit seiner Gemeinde, arbeitet an ihrer Reinigung und vertilgt alle, die vor dem Urteil in seinen Gerichtsakten nicht bestehen können. Sein Gericht vollzieht die Scheidung innerhalb seiner Gemeinde.

Gott hat diese Wahrheit durch den Propheten Daniel eindringlich offenbart. Dan. 7,9-10

Der Schreiber des Hebräerbriefes bestätigt diese Wahrheit. Hebr. 10,30-31. Die Größe der Schriftrolle offenbart nicht nur, dass Gottes Gesetz in seiner Gesamtheit der Maßstab für das göttliche Urteil ist. Die überdimensionale Größe ist auch ein Hinweis auf das außergewöhnliche Ausmaß der Sünde und die Vielzahl der Sünder.

Das göttliche Wort nennt die Sünden konkret bei Namen. (Sach. 5,3)

Welche Sünden werden besonders genannt? – Warum erwähnt der Engel in knapper Form nur zwei Gruppen von Übertretern?

Mit dem Hinweis auf den Meinend werden die Sünden gegen die erste Gesetzestafel zusammengefasst. Mit dem Begriff Diebstahl werden die Verstöße gegen die zweite Gesetzestafel hervorgehoben. Oder anders ausgedrückt: Die Gebote, der ersten Tafel, die Gottes Heiligkeit, seine Person, seinen Namen und seinen Gedenktag schützen, werden zusammengefasst in dem Gebot gegen den Meineid, der Lüge im Namen Gottes bedeutet. Das Gebot sagt: „Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen!“. Die Gebote, die den Nächsten und sein Eigentum schützen, werden in dem Gebot gegen den Diebstahl zusammengefasst. Jak. 2,10-12.

Die Anerkennung der Gebote Gottes als Grundlage des Lebens und der Gottesbeziehung ist wichtig für den einzelnen und für die ganze Gemeinde. Der Fluch Gottes geht über jeden, der das Gebot Gottes übertritt. Das Gesetz Gottes ist von ewiger Bedeutung, genauso wie die Naturgesetze, die auch niemand ändern oder modernisieren kann. – Gottes Zusage: Jes. 48,18!

Gott spricht in klaren Worten davon, dass jeden Übertreter seines Gesetzes, der seine Sünde nicht bereut, bekennt und lässt, das unwiderrufliche Strafurteil Gottes treffen wird. 5.Mo. 28,15 – Leider gibt es nicht wenige Christen, die davon überzeugt sind, sie könnten leben wie sie es für richtig halten und dennoch von Gott gesegnet werden. Vor dieser gefährlichen Selbsttäuschung warnt uns Gott eindringlich. 5.Mo. 29,18-19.

Wohin soll der Fluch Gottes kommen und welche Wirkung soll er haben? (Sach.5,4)

Der Fluch kommt wie ein ungebetner Gast. Man kann ihn nicht wieder loswerden. In Spr. 3,23 steht: „Im Hause des Gottlosen ist der Fluch des Herrn,“ – Die Sünde hat ihre zerstörende Wirkung besonders in der Ehe und Familie und von dort aus im ganzen Volk.

Mit welchem Bild wird die alles zerstörende Macht der Sünde beschrieben? (Sach. 5,4b…)

Mit den gleichen Worten wird in den Reinigungsgeboten des mosaischenGesetzes die Zerstörung eines Hauses beschrieben, das durch Aussatz unreingeworden ist. 3.Mo. 14,43-45

Was soll uns dieses Bild sagen?

Was Menschenaugen verborgen bleibt und menschlichem Urteil versagt ist, das tut Gott. Er deckt die heimliche Sünde auf und trifft den Menschen in den Wurzeln seiner Existenz. Im Gericht Gottes werden die verborgenen, geheimsten Bezirke des menschlichen Lebens erreicht und aufgedeckt.

EGW sagt im Buch „Erziehung“, S. 133: „Gegen jeden Übeltäter spricht das Gesetz ein Verdammungsurteil aus. Er mag diese Stimme unbeachtet lassen, er mag ihre Warnungen zu übertäuben suchen, doch vergebens; Sie verfolgt ihn, sie verschafft sich Gehör, sie zerstört seinen Frieden. Wenn er sie nicht beachtet, verfolgt sie ihn bis zum Tod. Im Gericht zeugt sie gegen ihn. Als ein unauslöschliches Feuer verzehrt sie schließlich Leib und Seele.“

Das 6. Nachtgesicht Gottes an Sacharja bestätigt erneut die adv. Lehre vom Prüfungsgericht, in dem Gott die Gläubigen, die in ihren Sünden gestorben sind oder an ihren Sünden hartnäckig festhalten, aussieben wird, um sie der völligen Zerstörung durch sein Strafgericht zu übergeben.

Wenden wir uns nun der siebten Vision zu.

Der Prophet sieht eine Tonne, der Urtext spricht von einem Getreidebehälter, einer Tonne, in die das Getreide gesammelt und in der es aufbewahrt wurde. Und der Engel erklärt, dass sei die Sünde im ganzen Lande. In diesem Bild begegnet uns zunächst die Fülle der Sünde, die wie das volle Korn auf dem Halm, über all emporgewachsen ist. Zugleich spricht dieses Bild auch von der Ernte und sagt, dass jemand da ist, der die Sünde einsammelt wie das Korn, und dass er sein Maß hat, das einmal voll ist. Alle Sünde und Schuld, aller Widerstand gegen den lebendigen Gott und sein Wort, sind in diesem Bild zusammengefasst. In der Getreidetonne ist das Vollmaß des Bösen eingeschlossen.

Plötzlich kommt Bewegung in das Bild,. Der Deckel aus Blei hob sich; da war eine Frau, die saß in der Getreidetonne. Statt einer herausquellenden Fülle von Körnern, sieht der Prophet eine Frau, die aus der Tonne fliehen will.

Wen stellt diese Frau dar? (Sach. 5,8)

Die Zusammenfassung aller Schuld erscheint nicht als Vielzahl böser Taten, sondern als Person. Die Frau ist die personifizierte Gottlosigkeit. Die Macht des Bösen, der Widersacher Gottes erscheint als Person. Hinter den Millionen Körnern der Schuld, da ein Korn sich zum nächsten findet und Schuld zu Schuld, bis das Maß voll ist und Gott seine Ernte hält, steht die Zusammenfassung aller Sünde in einer einzigen lebendigen Macht, der Bosheit oder Gottlosigkeit in einer Person.

Warum erscheint diese symbolische Zusammenfassung in einer Frau?Der Engel gibt darüber keine Erklärung. Wir könnten vielleicht folgendes dazu bemerken: Dahinter steht offenbar die Vorstellung von der Verführungsmacht des Weiblichen, wie sie in der Sündenfallgeschichte zum Ausdruck kommt. – Die Aussage des Apostel Paulus in 1.Tim. 2,14 mag uns hier eine Erklärung geben. In der Heiligen Schrift wird deshalb der Abfall von Gott, die Gottlosigkeit, immer wieder unter dem Bild einer untreuen, verführerischen Frau beschrieben. Diese Vision wird in der Offenbarung wieder aufgegriffen. Dem Apostel Johannes wurde ebenfalls eine Frau gezeigt, die zum In- u. Sammelbegriff für die Gottlosigkeit der letzten Zeit wird. Offb. 17,1-5; Offb. 18,4-8.

Wo trugen geflügelte Wesen die Tonne mit der Gottlosigkeit hin? (Sach. 5,10-11)

Woran erinnert uns der Begriff „Land Sinear“? 1.Mo. 11,1-9.

Wie wir sehen steht der Begriff „Sinear“ gleichbedeutend für Babel. In Babel war die Ursünde in ihrem Wesen offenbar geworden: In maßloser Selbstüberschätzung und im grenzenlosen Selbstvertrauen auf die eigene Macht und Größe, versuchten die Menschen aus eigener Kraft und aus eigenen Möglichkeiten in den Herrschaftsbereich Gottes einzudringen, Gott zu entmachten und selbst Gott zu sein. Damit zerstörten sie alles, was Gott ihnen an Gemeinschaft, Frieden und Heil zugedacht hatte. Sacharja erkennt in diesem Zusammenhang, dass das Babel der Urzeit auf das Babel der Endzeit hinweist. Babylon, die Wohnstätte der personifizierten Gottlosigkeit, wird der Gegenpol für Jerusalem, das wahre Volk Gottes.

Wie Gott ein Haus, seinen geistlichen Tempel, durch seine Gemeinde errichten lässt, so muss auch der Macht des Bösen ein Tempel errichtet werden. Dies Haus soll in Babylon stehen. Gott sagt durch den Propheten Sacharja voraus, dass es in den letzten Tagen eine Zusammenfassung des Bösen geben wird, und dass diese Konzentration der Gottlosigkeit ihren Sitz in Babylon haben wird.

Hellmuth Frey. ein ev. Theologe, bemerkt dazu: „Dem Reiche Gottes tritt ein Reich der Finsternis entgegen, dem Tempel und der Kirche Gottes ein Tempel und eine Kirche der Gottlosigkeit oder der Bosheit, des Götzendienstes. Auch dieses Reich nimmt sichtbare Gestalt an, und der Sinn der Weltgeschichte spitzt sich zu zur letzten Auseinandersetzung zwischen der Gemeinde Gottes und dem Reich der Bosheit.“

Die 6. und 7. Vision beinhaltet:

1.  Gott deckt die Sünde in Seinem Volk auf. Er reinigt und sichtet seine Gemeinde. Er richtet seine Herrschaft auf.

2. Gott sammelt die Bosheit.  Er lässt das Böse ausreifen,  bis es sein Vollmaß erreicht hat. Das Böse wird schließlich in einer Person hervortreten.

Sach. 5,5-11 findet eine Bestätigung durch 2. Thess. 2,3-4.

Die Offenbarung zeigt uns die Konzentration des Bösen am Ende der Zeit unter dem Namen Babylon. Es wird eine Vereinigung der gottlosen politischen und religiösen Macht sein, dargestellt durch die Frau auf dem Tier. die große Hure.

Welche großartige Verheißung und Zusicherung enthält die Vision von der Frau in der Tonne für uns? (Sach. 5,8)

Dis Macht Gottes, des Engels, erweist sich stärker als die Macht der Bosheit. Das Böse kann sich nicht für immer so entfalten, wie es möchte. Gott hält es unter seiner Kontrolle.

Die  Macht  der  Sünde  und  Gottlosigkeit  ist  so  stark,  dass  kein  Mensch  mit  ihr fertig wird, und deshalb kann kein Mensch aus eigener Kraft sein Heil schaffen. Gott selbst muss eingreifen. Der Kampf hört erst auf, wenn Gott seine Herrschaft aufrichtet  und  die  Sündenmacht  endgültig  entfernt.  Darin  besteht  die  Seligkeit der Endzeit. – Offb. 18,21

Sacharja 5,5-11 enthält eine starke Botschaft von Befreiung und Sieg der Endzeitgemeinde.