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Einführung

Das Buch Josua enthält einige verstörende Szenen. Ernste Fragen werden durch das Konzept eines göttlichen oder heiligen Krieges aufgeworfen, bei dem einer Gruppe von Menschen die Vernichtung einer anderen Gruppe von Gott aufgetragen wird.

Das Thema „göttlicher Krieg“ im Alten Testament ist herausfordernd. Gott erscheint dort als der souveräne Herrscher des Universums; daher muss alles, was geschieht, mit seinem direkten oder indirekten Willen in Zusammenhang stehen. Die Frage „Wie kann Gott so etwas zulassen?“ wird damit unausweichlich. Letzte Woche sahen wir, dass Gott selbst in einen Konflikt verwickelt ist, der weit größer ist als jede Schlacht und jeder Krieg in der menschlichen Geschichte. Es ist ein Kampf, der jeden Aspekt unseres Lebens durchdringt. Wir sahen auch, dass die Ereignisse der biblischen wie der weltlichen Geschichte nur im Licht dieses Konflikts vollständig verstanden werden können.

Diese Woche erkunden wir die Komplexität von göttlich sanktionierten Kriegen, die Grenzen und Bedingungen des Gotteskrieges, die endgültige, von den alttestamentlichen Propheten angebotene Friedensvision und die geistlichen Implikationen solcher Kriege.

Wie können wir die Kriege des Volkes Israel am Beispiel der Einnahme Kanaans einordnen? Wir lernen Gott als  mächtiger Krieger kennen, der um die Gerechtigkeit kämpft. 

Wir schauen die Gründe für die Gerichte Gottes näher an. Welche Gründe gab es, die kanaanitschen Völker auszurotten? Wie geht Gott bei seinen Gerichten vor und was führt dazu, dass Gott ganze Völker der Vernichtung überhaupt preisgibt? 

Hier wollen wir die Prinzipien für Gottes Zorn explizit untersuchen. Wie können wir den Zorn Gottes unter dem Konzept der bedingungslosen Liebe besser verstehen. Einige biblische Beispiele dienen der Veranschaulichung.

Vers des Themas:

In einem einzigen Feldzug besiegte Josua alle diese Könige und eroberte ihre Länder, denn der HERR, der Gott Israels, kämpfte für Israel. (Jos 10,42 NLB)

Die Schuld der Kanaaniter

 

Lies 1.Mo. 15,16; 3.Mo. 18,24–30; 5.Mo. 18,9–14 und Esr. 9,11.

Was sagen uns diese Textstellen über Gottes umfassenden Plan in Bezug darauf, dass er den Israeliten das Land Kanaan anbot?

Für ein umfassendes Verständnis dessen, was mit der Ungerechtigkeit der Völker in Kanaan gemeint war, müssen wir über das Buch Josua hinausblicken. Die abscheulichen Bräuche dieser Völker wie Kinderopfer, Wahrsagerei, Zauberei, Hexerei, Totenbeschwörung und Spiritismus geben uns einen Hinweis (5 Mo 18,9–12).

Die Entdeckung der antiken ugaritischen Texte (aus Ras Schamra) bietet einen tieferen Einblick in die kanaanitische Religion und Gesellschaft. Die Texte zeigen, dass die Verurteilung dieser Kultur nicht nur verständlich, sondern nach den moralischen Standards des Alten Testaments auch gerechtfertigt war.

Die kanaanitische Religion beruhte auf dem Glauben, dass natürliche Phänomene, die Fruchtbarkeit sicherstellten, durch die sexuellen Beziehungen zwischen Göttern und Göttinnen gesteuert waren. Daher stellten sie sich die sexuelle Aktivität der Götter wie ihr eigenes Sexualverhalten vor und praktizierten entsprechende Riten, um die Götter und Göttinnen zu ähnlichem Verhalten anzuregen. Dieses Konzept führte zur Institution der „heiligen“ Prostitution, bei der sowohl männliche als auch weibliche Prostituierte an orgiastischen Riten teilnahmen – und dies alles im Rahmen ihres religiösen Tuns!

Eine Nation kann sich moralisch nicht höher entwickeln als die Götter, die ihr Volk verehrt. Angesichts einer solchen Sicht ihrer Gottheiten ist es kein Wunder, dass die religiösen Praktiken der Kanaaniter Kinderopfer einschlossen, vor denen die Bibel ausdrücklich warnt.

Archäologische Belege bestätigen, dass die Bewohner Kanaans regelmäßig ihre erstgeborenen Kinder den Göttern – in Wirklichkeit Dämonen, die sie verehrten – opferten. Kleine Skelette, die zerquetscht in großen Krügen mit Weihinschriften gefunden wurden, zeugen von der menschenunwürdigen Religion und was diese für viele Kinder Kanaans bedeutete.

Die Auslöschung der Kanaaniter war daher kein nachträglicher Gedanke, der im Zuge von Gottes Entscheidung entstand, den Israeliten das Land Kanaan zu geben. Den Bewohnern dort wurde eine Zeit der Bewährung, eine Zeit zusätzlicher Gnade gewährt, in der sie die Gelegenheit hatten, Gott und sein Wesen durch das Zeugnis der unter ihnen lebenden Patriarchen zu entdecken. Sie hatten die Chance, aber offensichtlich nutzten sie sie nicht und setzten ihre schrecklichen Praktiken fort, bis Gott schließlich eingreifen musste, um ihnen Einhalt zu gebieten.

 

Der höchste Richter

Lies 1.Mo. 18,25; Ps. 7,12; 50,6; 82,1; 96,10 und 2. Tim. 4,1.8.

Was sagen diese Verse über Gottes moralischen Charakter? Inwiefern hilft uns die Rolle Gottes als Richter des Universums, die Frage nach dem göttlichen Krieg zu verstehen?

Die Heiligkeit von Gottes Wesen bedeutet, dass Gott Sünde nicht tolerieren kann. Er ist geduldig. Doch die Sünde muss ihre endgültige Konsequenz nach sich ziehen – den Tod (Röm. 6,23). Jahwe erklärte der Sünde den Krieg, egal wo sie gefunden wurde, ob in Israel oder bei den Kanaanitern. Israel wurde durch die Teilnahme an heiligen Kriegen nicht mehr als andere Nationen geheiligt (5 Mo 9,4–5; 12,29–30), selbst wenn diese zum Mittel von Jahwes Gericht gegen sein auserwähltes Volk wurden. Im Unterschied zu anderen antiken Völkern des Nahen Ostens erlebten die Israeliten die Umkehr des heiligen Krieges, als Gott nicht für sie, sondern gegen sie kämpfte und ihren Feinden erlaubte, sie zu unterdrücken (vgl. Jos 7).

Das gesamte Konzept des heiligen Krieges kann nur verstanden werden, wenn es im Licht von Gottes Tätigkeit als Richter gesehen wird. In diesem Licht nehmen Israels Eroberungskriege einen völlig anderen Charakter an. Im Gegensatz zu den imperialistischen Kriegen zur Selbstverherrlichung, die in der antiken Welt (und auch heute) so verbreitet sind, sollten Israels Kriege nicht Selbstruhm erreichen, sondern Gottes Gerechtigkeit und Frieden im Land etablieren. Daher steht im Zentrum des Verständnisses des Konzepts des heiligen Krieges das Konzept von Gottes Herrschaft und Souveränität. Diese stehen in der Vorstellung von Gott als Krieger genauso auf dem Spiel wie in der Vorstellung von Gott als König oder Richter.

Jahwe als Krieger ist als Richter verpflichtet, die Herrschaft des Gesetzes, das seinen Charakter widerspiegelt, umzusetzen, zu festigen und aufrechtzuerhalten. Das Bild Gottes als Krieger zeigt ähnlich wie das des Richters und Königs, dass Jahwe den Aufstand gegen seine etablierte Ordnung nicht für immer dulden wird. Daher kann man gewiss sein, dass das Ziel von Jahwes Tätigkeit niemals Krieg oder Sieg an sich ist, sondern die Wiederherstellung von Gerechtigkeit und Frieden. Letztlich sind Richten, Kriegführen oder Vollstrecken von Gerechtigkeit ein und dasselbe, wenn Gott das Subjekt der Handlung ist.

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Nachgedacht

Denke nach über Gott als gerechten Richter, der weder bestochen noch durch Parteilichkeit beeinflusst werden kann. Inwiefern ist ein Gott, der Sünde, Unterdrückung, das Leiden der Unschuldigen und die Ausbeutung der Unterdrückten nicht endlos tolerieren wird, ein wesentlicher Bestandteil des Evangeliums?

Enteignung oder Vernichtung?

Vergleiche 2.Mo. 23,28–30; 33,2; 34,11; 4.Mo. 33,52 und 5.Mo. 7,20 mit 2.Mo. 34,14; 5.Mo. 7,5; 9,3; 12,2–3 und 31,3–4.

Was offenbaren diese Verse über den Zweck der Eroberung und das Ausmaß der Zerstörung?

Gottes ursprünglicher Plan für die Kanaaniter war nicht ihre Vernichtung, sondern ihre Vertreibung. Eine Untersuchung der Passagen, die beschreiben, wie Israel an den Eroberungsfeldzügen beteiligt sein sollte, verwendet Begriffe, die von Vertreibung, Austreibung und Zerstreuung der Bewohner des verheißenen Landes sprechen. Die zweite Gruppe von Begriffen, die Zerstörung ausdrücken und Israel als Subjekt der Handlung haben, bezieht sich hauptsächlich auf unbelebte Objekte wie Gegenstände des heidnischen Gottesdienstes und Objekte, die der Zerstörung gewidmet sind. Offensichtlich bildeten die heidnischen Kultstätten und Altäre die Hauptzentren der kanaanitischen Religion.

Der heilige Krieg richtet sich hauptsächlich gegen die korrupte Kultur und Gesellschaft Kanaans. Um eine Kontamination zu vermeiden, musste Israel alle Elemente zerstören, die die Verderbtheit verbreiteten. Alle Bewohner Kanaans jedoch, die Gottes Souveränität vor oder sogar während der Eroberung anerkannten, konnten durch Einwanderung der Vernichtung entgehen (Jos. 2,9–14; vgl. Ri. 1,24–26). Die einzigen Kanaaniter, die der Vernichtung anheimfielen, waren diejenigen, die sich in die befestigten Städte zurückzogen, weiterhin hartnäckig gegen Gottes Plan für die Israeliten rebellierten und ihre Herzen verhärteten (Jos 11,19–20).

Dies wirft jedoch eine Frage auf: Wenn der ursprüngliche Zweck der Eroberung Kanaans darin bestand, die Bewohner des Landes zu vertreiben und nicht zu vernichten, warum mussten die Israeliten dann so viele Menschen töten?

Eine Analyse der biblischen Texte zur Eroberung Kanaans zeigt, dass das ursprüngliche Ziel der Eroberung die Zerstreuung der kanaanitischen Bevölkerung zum Ziel hatte. Die Mehrheit von ihr jedoch verhärtete, ähnlich dem ägyptischen Pharao, ihre Herzen und wurde so in einem Ausmaß eins mit der Kultur, dass die Zerstörung ihrer Kultur auch ihre Vernichtung nach sich ziehen musste.

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Nachgedacht

Welche Elemente in deinem Charakter und deinen Gewohnheiten müssen ausgerissen und vernichtet werden?

Entscheidungsfreiheit 

Lies 5.Mo. 20,10.15–18; 13,12–18 und Jos. 10,40.

Wie hilft uns das Kriegsgesetz und das Vorgehen gegen eine götzenverehrende Stadt in Israel (siehe 5. Buch Mose), die Grenzen der völligen Vernichtung in dem Krieg zu verstehen, den die Israeliten führten?

Der hebräische Text verwendet einen einzigen Begriff, um die Vernichtung von Menschen im Krieg zu beschreiben: cerem. Dieser Begriff bezieht sich auf das, was „verbannt“, „verdammt“ oder „zur Vernichtung bestimmt“ ist. Meistens bezeichnet er die vollständige und unwiderrufliche Zuordnung von Menschen, Tieren oder unbelebten Objekten in Gottes exklusivem Herrschaftsbereich, was im Krieg in den meisten Fällen ihre Vernichtung bedeutete. Das Konzept und die Praxis von cerem als totale Auslöschung eines Volkes im Krieg müssen im Licht von Jahwes Konflikt mit den kosmischen Kräften des Bösen verstanden werden, bei dem sein Charakter und Ruf auf dem Spiel stehen.

Nochmals: Seit dem Aufkommen der Sünde in der Welt gibt es keine Neutralität. Man steht entweder auf Gottes Seite oder ist gegen ihn. Eine Seite führt zum Leben, zum ewigen Leben, die andere zum Tod, zum ewigen Tod.

Die Praxis der totalen Zerstörung beschreibt Gottes gerechtes Urteil über die Sünde und das Böse. Gott übertrug die Ausführung eines Teils seines Urteils einmalig an sein auserwähltes Volk, das alte Israel. Die Bereitschaft zur Zerstörung stand unter seiner strengen theokratischen Kontrolle, begrenzt auf einen bestimmten historischen Zeitraum, die Eroberung, und auf ein klar definiertes geographisches Gebiet, das antike Kanaan. Wie wir im gestrigen Studienabschnitt sahen, rebellierten diejenigen, die unter den Vernichtungsbann fielen, fortlaufend gegen Gottes Absichten und widersetzten sich ihnen, ohne jemals zu bereuen. Daher war Gottes Entscheidung, sie zu vernichten, weder willkürlich noch nationalistisch.

Darüber hinaus konnte Israel dieselbe Behandlung erwarten, wenn es sich entschied, den Lebensstil der Kanaaniter zu übernehmen (vgl. 5.Mo. 13). Auch wenn es so scheint, als wären die Gruppen auf beiden Seiten des göttlichen Krieges vorbestimmt (die Israeliten sollten das Land erben und die Kanaaniter sollten vernichtet werden), gab es die Möglichkeit, von einer Seite zur anderen zu wechseln, wie wir in den Fällen von Rahab, Achan und den Gibeonitern sehen werden.

Menschen wurden nicht willkürlich geschützt oder unter einen Bann gestellt. Diejenigen, die von einer Beziehung zu Jahwe profitierten, konnten ihren privilegierten Status durch Rebellion verlieren, und wer unter dem Bann stand, konnte sich der Autorität Jahwes unterwerfen und leben.

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Nachgedacht

Welche geistlichen Implikationen ergeben sich aus dem Widerstand der Kanaaniter gegen Gott für unseren heutigen Kontext? Das heißt, welche Konsequenzen hat unsere Entscheidungsfreiheit für uns persönlich?

Der Friedefürst

 

Lies Jes. 9,5; 11,1–5; 60,17; Hos. 2,18; Mi. 4,3

Wie beschreiben die Verse die Zukunft, die Gott sich für sein Volk vorgestellt hatte?

Obwohl der Hauptfokus der Studienbetrachtung dieser Woche auf den von Gott befohlenen und begleiteten Kriegen des Alten Testaments liegt, müssen wir ein anderes ebenso bedeutendes Thema in den prophetischen Schriften des Alten Testaments erwähnen: die zukünftige Vision der friedlichen messianischen Ära. Der Messias wird als der „Friedensfürst“ (Jes. 9,5 NLB) dargestellt. Er wird ein Königreich herbeiführen, das von Frieden dominiert wird, in dem der Löwe und das Lamm zusammen weiden werden (Jes. 11,1–8), in dem es keine Zerstörung und keinen Schmerz geben wird (Jes. 11,9), wo Friede herrschen (Jes. 60,17) und wie ein Strom fließen wird (Jes. 66,12).

 

Lies 2. Könige 6,16–23.

Welche Einsichten vermittelt dieser Bericht über die tieferen Absichten Gottes für sein Volk und die Menschheit?

Betrachte den Bericht über die Speisung der syrischen Armee auf Initiative von Elisa. Anstatt sie zu massakrieren (2.Kön. 6,22), zeigte Elisa ihnen das höchste Ideal, den Frieden, der schon immer Gottes Wunsch für sein Volk war. Es ist interessant zu beobachten, dass Elisa sich der Überlegenheit der unsichtbaren Armee, die den Feind umgab, vollkommen bewusst war (2.Kön. 6,17). So sehr Gott in einen kosmischen Konflikt verwickelt ist, der auch unseren Planeten betroffen hat, ist das Endziel der Erlösung nicht ein ewiger Konflikt oder sogar eine ewige Unterwerfung des Feindes in einen Zustand der Sklaverei, sondern vielmehr ewiger Frieden. So wie Gewalt Gewalt erzeugt (Mt. 26,52), bringt Friede Frieden hervor. Der Bericht endet mit der Feststellung, dass „die aramäischen Plünderer das Land Israel in Frieden“ ließen (2.Kön. 6,23 NLB).

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Nachgedacht

Denke über all die Möglichkeiten nach, wie wir im Versuch, Jesus nachzuahmen, Friedensstifter sein können. Wie steht es mit deinem Leben im Moment? In welchen Konflikten, mit denen du möglicherweise konfrontiert bist, könntest du Friedensstifter statt Konflikterzeuger sein?

Lies Ellen White „Der Fall Jerichos“, S. 470-472 in Wie alles begann.

Wie bei allem in der Bibel ist es entscheidend, den Kontext und den Hintergrund zu kennen. Wie wir gesehen haben, sind der kosmische Konflikt und das Motiv von Gott als Richter entscheidend für das Verständnis dieser Kriege gegen die Kanaaniter.

„Gott ist langsam zum Zorn. Er gab den gottlosen Nationen eine Bewährungszeit, damit sie ihn und seinen Charakter kennenlernen konnten. Je nach der gegebenen Erkenntnis erfolgte ihre Verurteilung dafür, dass sie sich weigerten, diese Erkenntnis anzunehmen, und ihre eigenen Wege statt Gottes Wege wählten. Gott gab den Grund an, warum er die Kanaaniter nicht sofort vertrieb. Die Schuld der Amoriter war noch nicht voll. Durch ihre Ungerechtigkeit brachten sie sich allmählich an den Punkt, an dem Gottes Geduld nicht länger ausgeübt werden konnte und sie vernichtet würden. Bis dieser Punkt erreicht und ihre Schuld voll war, würde Gottes Rache verzögert werden. Alle Nationen hatten eine Zeit der Bewährung. Diejenigen, die Gottes Gesetz außer Kraft setzten, würden von einem Grad der Bosheit zum nächsten fortschreiten. Kinder würden den rebellischen Geist ihrer Eltern erben und schlimmer agieren als ihre Väter vor ihnen, bis Gottes Zorn über sie hereinbrechen würde. Die Strafe war nicht geringer, weil sie aufgeschoben wurde“ (Ellen G. White Kommentare, The SDA Bible Commentary, Bd. 2, 5. 1005).

 

Der Fall Jeriochs (S.470-472)

Eine Siebentägige Prozession Um Die Stadt

Sechs Tage lang zogen die Scharen Israels um die Stadt. Dann kam der siebente Tag, und Josua ließ das Heer des Herrn im frühen Morgengrauen antreten. Nun erhielt es den Befehl, siebenmal um Jericho zu marschieren und bei einem gewaltigen Posaunenton ein lautes Kriegsgeschrei anzustimmen, denn Gott hatte ihm die Stadt übergeben. 

Feierlich umschritt das gewaltige Heer die dem Untergang geweihten Befestigungen. Alle schwiegen. Man hörte nur den gemessenen Schritt vieler Füße und einen gelegentlichen Posaunenstoß, der die Morgenstille unterbrach. Die wuchtigen Mauern aus soliden Steinen schienen jeder Belagerung durch Menschen standzuhalten. Aber die Wächter auf den Festungswällen sahen mit steigender Angst, wie dem ersten Rundgang ein zweiter folgte, dann ein dritter, ein vierter, ein fünfter und ein sechster. Was mochte der Sinn dieser geheimnisvollen Bewegungen sein? Was für ein gewaltiges Ereignis stand ihnen bevor? 

Sie brauchten nicht lange zu warten. Als der siebte Rundgang beendet war, blieb die lange Prozession stehen. Die Posaunen, die eine Zeitlang geschwiegen hatten, schallten nun mit ohrenbetäubendem Lärm, der sogar die Erde erzittern ließ. Da wankten die festen Steinmauern mit ihren massiven Türmen und Zinnen, hoben sich aus ihren Fundamenten und stürzten mit lautem Krachen zur Erde. Die Einwohner Jerichos waren vor schrecklicher Angst wie gelähmt, und die Scharen Israels drangen in die Stadt ein und besetzten sie. 

Nicht aus eigener Kraft hatten die Israeliten den Sieg errungen. Die Eroberung war ausschließlich dem Herrn zu verdanken. Deshalb sollte die Stadt als »Erstlingsfrucht« des Landes mit allem, was sie enthielt, dem Herrn als Opfer zukommen. Es musste den Israeliten eindrücklich nahegebracht werden, dass sie bei der Eroberung Kanaans nicht für sich selbst kämpften, sondern einfach als Gottes Werkzeuge seinen Willen ausführten. Sie sollten nicht nach Reichtümern oder Eigenruhm streben, sondern nach der Verherrlichung Jahwes, ihres Königs. Vor der Einnahme war der Befehl gegeben worden: »Diese Stadt und alles, was darin ist, soll dem Bann des Herrn verfallen sein … hütet euch vor dem Gebannten und lasst euch nicht gelüsten, etwas von dem Gebannten zu nehmen und das Lager Israels in Bann und Unglück zu bringen.« (Josua 6,17.18) 

Die Vernichtung Der Stadt Und Ihrer Bewohner

Alle Bewohner der Stadt und alle lebenden Wesen darin, »Männer und Frauen, Kinder und Alte, Rinder, Schafe und Esel« (Josua 6,21 GNB), sollten mit dem Schwert getötet werden. Nur die gläubige Rahab mit ihren Angehörigen blieb gemäß dem Versprechen der Kundschafter verschont. Die Stadt selbst wurde niedergebrannt. Ihre Paläste und Tempel, die großartigen Wohnhäuser mit allen verschwenderisch ausgestatteten Einrichtungen, die schmucken Behänge und die kostbaren Gewänder wurden den Flammen übergeben. Was jedoch nicht durch das Feuer zu vernichten war, »alles Silber und Gold samt dem kupfernen und eisernen Gerät“, wurde für den Dienst an der Stiftshütte bestimmt (Josua 6,19). Grund und Boden der Stadt wurden verflucht, und Jericho sollte nie wieder als Festung aufgebaut werden. Jedem, der es wagen sollte, die Mauern wiederherzustellen, die Gottes Macht niedergerissen hatte, drohte ein Strafgericht. In Gegenwart des gesamten Volkes gab Josua die feierliche Erklärung ab: »Wer versucht, die Stadt Jericho wieder aufzubauen, den trifft der Fluch des Herrn. Wenn er die Fundamente legt, kostet es ihn seinen erstgeborenen Sohn. Wenn er die Tore einsetzt, kostet es ihn seinen Jüngsten.“ (Josua 6,26 GNB) 

Die vollständige Vernichtung der Einwohner Jerichos war nur der Vollzug eines früheren Befehls durch Mose bezüglich Kanaans Bevölkerung: »Ihr dürft sie nicht verschonen, sondern müsst den Bann an ihnen vollstrecken.“ (5. Mose 7,2b GNB). »Aus den Städten dieser Völker jedoch … darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen.“ (5. Mose 20,16 EÜ) Für viele scheinen diese Gebote dem Geist der Liebe und Barmherzigkeit, zu dem an anderen Stellen der Bibel eindringlich gemahnt wird, zu widersprechen. In Wahrheit sind sie aber das Gebot unendlicher Weisheit und Güte. Gott stand im Begriff, Israel in Kanaan anzusiedeln und dort ein Volk und eine Herrschaft als Offenbarung seines Reiches auf Erden aufzubauen. Sie sollten nicht nur Erben der wahren Religion sein, sondern auch deren Grundsätze in der ganzen Welt verbreiten. Die Kanaaniter hatten sich einem höchst widerwärtigen und herabwürdigenden Heidentum ergeben. Es war notwendig, das Land von allem zu reinigen, was die Erfüllung der gnädigen Absichten Gottes mit Sicherheit verhindern würde. 

Die Bewohner Kanaans hatten reichlich Gelegenheit zur Umkehr gehabt. 40 Jahre zuvor hatten der Durchzug durch das Rote Meer und die Strafgerichte an Ägypten die unanfechtbare Macht des Gottes Israels bezeugt. Und erst kürzlich hatte der Untergang der Könige von Midian, Gilead und Baschan gezeigt, dass Jahwe über allen Göttern stand. Die Heiligkeit seines Charakters und seine Abscheu vor Sittenlosigkeit waren in den Gerichten über Israel wegen dessen Teilnahme an den widerwärtigen Bräuchen des Baal-Peor deutlich genug bekundet worden. Die Einwohner Jerichos kannten diese Ereignisse. Viele teilten Rahabs Überzeugung – obwohl sie ihr nicht folgen wollten -, dass Jahwe, der Gott Israels, »Gott oben im Himmel und unten auf Erden“ ist (Josua 2,11). Wie bei den Menschen vor der Sintflut führte auch das Leben der Kanaaniter nur dazu, dass sie den Himmel lästerten und die Erde schändeten. Sowohl Liebe als auch Gerechtigkeit verlangten die sofortige Hinrichtung dieser Rebellen gegen Gott und Feinde der Menschen. 

Sieg Durch Glauben

Wie leicht brachten die himmlischen Heere die Mauern Jerichos zum Einsturz, die Befestigungen dieser stolzen Stadt, die noch 40 Jahre zuvor den ungläubigen Kundschaftern so viel Schrecken eingejagt hatten! Der Mächtige in Israel hatte gesagt: »Ich habe Jericho … in deine Hand gegeben.« (Josua 6,2) Gegen dieses Wort war menschliche Stärke machtlos. 

»Durch den Glauben fielen die Mauern Jerichos.“ (Hebräer 11,30) Gott offenbarte sich nur Josua, nicht der ganzen Gemeinde. Aber sie musste sich entscheiden, ob sie Josuas Worten glauben oder sie bezweifeln, den Befehlen des Herrn gehorchen oder seine Machtbefugnis ablehnen wollte. Die Israeliten konnten das Heer der Engel nicht sehen, das sie unter der Führung des Sohnes Gottes begleitete. Sie hätten einwenden können: »Was sollen diese sinnlosen Märsche und wie lächerlich ist doch der Auftritt mit der täglichen Umrundung der Stadtmauern und dem Blasen der Widderhörner! Das alles kann doch keine Auswirkung auf diese gewaltigen Befestigungen haben!« Aber gerade der Plan Gottes, diese Zeremonie so viele Tage lang vor dem Sturz der Mauern fortzusetzen, gab den Israeliten Gelegenheit, im Glauben zu wachsen. Es sollte sich ihnen tief ins Bewusstsein einprägen, dass ihre Kraft nicht in der Weisheit oder Macht von Menschen lag, sondern allein im Gott ihres Heils (vgl. Jes 17,10). Auf diese Weise sollte es ihnen zur Gewohnheit werden, sich ganz auf ihren göttlichen Führer zu verlassen. 

Gott wird Großes an denen tun, die ihm vertrauen. Der Grund, weshalb sein Volk, das ihn bekennt, keine größere Kraft besitzt, liegt darin, dass es so viel auf die eigene Klugheit baut und dem Herrn keine Gelegenheit gibt, seine Macht zu ihren Gunsten zu offenbaren. Er will seinen gläubigen Kindern in allen schwierigen Lagen helfen, wenn sie nur ihr volles Vertrauen auf ihn setzen und ihm treu gehorchen. 

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