Die Einführung des Sonntags
Die Christen wurden zunächst als ein Ableger der jüdischen Religion, als jüdische Sekte angesehen (Apg 24,5.14). Die Juden machten sich durch ihre Aufstände in den Jahren 70 und 132 nach Chr. bei den Römern immer mehr verhasst. So gab es Bestrebungen, vor allem in Rom, sich von den Juden deutlicher zu unterscheiden. In Rom legte Bischof Sixtus um 120 das Osterfest nicht mehr auf das Passafest der Juden (am 14.Tag des 1.jüdischen Monats), sondern auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn fest. Etwa Mitte des 2.Jahrhunderts wurde daraus eine wöchentliche Gottesdienstfeier am Sonntag neben der Sabbatfeier (so berichtet Justin der Märtyrer in der Apologie).
Der Sonntag war durch die Verbreitung des persischen Mitraskultes ein heiliger Tag im römischen Reich geworden. Im 3. Jahrhundert erklärten die Bischöfe den Sabbat zu einem Fastentag, werteten ihn also gegenüber dem Sonntag ab. Den Sonntag nannte man nun in Rom und Alexandria den „Tag des Herrn“.
Der römische Kaiser Konstantin der Große beendete 313 die Verfolgungen der Christen und gab ihnen völlige Religionsfreiheit, nachdem er aufgrund eines Traumes seine Gegner im Zeichen des Kreuzes besiegt hatte. Er erließ am 7. März 321 das erste bürgerliche Sonntagsgesetz. Es hatte folgenden Wortlaut: „Alle Richter und Einwohner der Städte, auch die Arbeiter aller Künste, sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen. Doch können sich die Landleute mit aller Freiheit auf den Ackerbau verlegen.“
Auf dem Konzil von Laodizea im Jahr 364 beschloss die Kirche, „dass die Christen nicht judaisieren und am Sabbat nicht müßig sein, sondern an diesem Tag arbeiten sollen; den Tag des Herrn (Sonntag) sollen sie aber besonders ehren und, wenn möglich, an demselben nicht arbeiten als Christen. Werden sie aber als Judaisten (d.h. als Sabbathalter) erfunden, so sollen sie von Christus ausgeschlossen sein.“ Viele treue Christen heiligten aber weiterhin den Sabbat, obwohl bürgerliche und kirchliche Gesetze das verboten. Durch das ganze Mittelalter gab es sabbathaltende Gruppen von Gläubigen, z.B. die Waldenser (siehe M. Finley, The Almost Forgotten Day, S.58-93).
Die römisch-katholische Kirche gibt ganz offen zu, dass sie den Ruhetag verlegt hat:
„Die katholische Kirche verlegte kraft ihrer göttlichen Sendung den Sabbat vom Samstag auf den Sonntag. Frage: Welcher Tag ist der Sabbat?
Antwort: Der Samstag ist der Sabbat.
Frage: Warum feiern wir statt Samstag den Sonntag? Antwort: Wir feiern Sonntag statt Samstag, weil die katholische Kirche auf dem Konzil zu Laodizea 364 n. Chr. die Heiligkeit von Samstag auf Sonntag verlegte.“ (Pater Geiermann – Katechismus für katholische Doktrin)
„Der Sonntag ist das Kennzeichen unserer Autorität. … Die Kirche steht über der Bibel, und die Verlegung der Sabbatheiligung ist ein Beweis dieser Tatsache.“ (The Catholic Record of London“, 1.9.1923)
Ich möchte mich hier ganz freundschaftlich an meine protestantischen Leser wenden: Du glaubst, dass die Bibel allein ein sicherer Führer in religiösen Dingen ist? Du glaubst auch, dass eine der fundamentalsten Pflichten, die dein christlicher Glaube dir auferlegt, die Sonntagsheiligung ist? Ich habe die Bibel ganz durchgelesen und keinen Hinweis auf die Pflicht der Sonntagsheiligung gefunden. Der Tag, von dem die Bibel spricht, ist der Sonnabend.“(S.195) Kardinal John O’Brien in „Der Glaube der Millionen“
Mt. 5,17-19