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1 Ich sah den Herrn am Altar stehen, und er sprach: Schlage an den Säulenknauf, dass die Schwellen beben, und zerschmettere sie auf dem Haupt von ihnen allen! Ihren Rest aber will ich mit dem Schwert umbringen, dass kein Flüchtling von ihnen entflieht und kein Entkommener sich retten kann. 2 Wenn sie auch bis ins Totenreich eindrängen, so würde sie doch meine Hand von dort holen, und wenn sie zum Himmel emporstiegen, so würde ich sie von dort hinunterstoßen. 3 Wenn sie sich aber auf dem Gipfel des Karmel versteckten, so würde ich sie dort aufspüren und ergreifen; und wollten sie sich auf dem Meeresgrund vor meinen Augen verbergen, so würde ich dort der Schlange gebieten, sie zu beißen; 4 und wenn sie vor ihren Feinden her in die Gefangenschaft ziehen würden, so wollte ich doch von dort dem Schwert gebieten, sie umzubringen. So will ich mein Auge auf sie richten zum Bösen und nicht zum Guten! 5 Denn der Herrscher, der HERR der Heerscharen, ist es, der das Land anrührt, und es vergeht, und es trauern alle, die darin wohnen; und das ganze [Land] hebt sich empor wie der Nil und sinkt wieder zurück wie der Strom Ägyptens. 6 Er ist es, der seine Obergemächer im Himmel gebaut und sein Gewölbe über der Erde gegründet hat, der den Meereswassern ruft und sie ausgießt über den Erdboden — HERR ist sein Name. 7 Seid ihr Kinder Israels für mich nicht wie die Kinder der Kuschiten?, spricht der HERR. Habe ich nicht Israel aus dem Land Ägypten herausgeführt und die Philister aus Kaphtor und die Aramäer aus Kir? 8 Siehe, die Augen GOTTES, des Herrn, sind auf das sündige Königreich gerichtet, dass ich es vom Erdboden vertilge. Aber ich will das Haus Jakob nicht ganz und gar vertilgen, spricht der HERR. 9 Denn siehe, ich lasse das Haus Israel durch alle Heidenvölker sichten, wie Getreide mit einem Sieb gesichtet wird; und es soll nicht ein Körnlein auf die Erde fallen! 10 Durchs Schwert sollen alle Sünder meines Volkes sterben, die sagen: »Kein Unglück wird uns erreichen noch überfallen!«

 

Gegenstand der Betrachtung: Amos 9,1-10.

Einleitung:

Wir betrachten heute die fünfte Vision, die Amos von Gott empfing. Die ersten beiden Visionen zeigten die bevorstehenden Strafgerichte – Heuschrecken und Feuer. Gott hielt diese Gerichte zurück, weil der Prophet Fürbitte einlegte. Die Dritte Vision handelte von dem Bleilot, mit dem Gott sein Volk, seinen Tempel maß. In der vierten Vision wurde im Bilde eines Korbes mit reifen Früchten offenbart, daß die Sünden des Volkes reif zum Gericht sind. In der fünften und letzten Vision erscheint der Richter selbst und macht deutlich, daß kein Sünder sich vor Gott verbergen kann und keiner dem Gericht entrinnen wird.

Während die ersten vier Visionen das bevorstehende Gericht ankündigen und deshalb mit den Worten eingeleitet sind: „Der Herr zeigte mir ein Gesicht“ – sieht der Prophet in der fünften Vision den Herrn, der zum Gericht erscheint. Die Vision beginnt deshalb mit den Worten: „Ich sah den Herrn“ Wichtig für das rechte Verständnis dieser Vision ist der Ort der Erscheinung.

Frage 1: An welchem Ort erscheint der Herr zum Gericht über sein abtrünniges Volk? Am. 9,1

Die verschiedenen Übersetzungen sagen: Ich sah den Herrn am Altar, über, auf, oder bei dem  Altar stehen“ Viele Ausleger meinen,  es würde sich um  den Altar von Bethel handeln. Dächsel bemerkt dazu in seinem Bibelkommentar Bd IV,S.807: „Dem widerspricht aufs Klarste der Gebrauch des bestimmten Artikels. In Bethel gab es nicht einen, sondern mehrere Altäre“ Dies wird in Am. 3,14 bestätigt, wo der Herr spricht: „An dem Tag, an dem ich die Israeliten zur Rechenschaft ziehe, zerstöre ich auch die Altäre im Heiligtum von Bethel“ (Hfa). Außerdem gab es in Israel zwei Heiligtümer von gleicher Würde und Bedeutung. Das Heiligtum in Dan und das andere in Bethel. Doch Amos erwähnt weder den Altar von Dan noch den von Bethel.

Frage 2: Um welchen Altar muß es sich darum handeln?

Dächsel erklärt: „Der Altar, kann nur derjenige sein, an welchen jeder dachte, wenn von einem Altar im höchsten Sinne, ohne nähere Bezeichnung, die Rede war. Dies war der eherne oder Brandopferaltar in Jerusalem.“ Diese Ansicht wird auch im ABC vertreten (Bd.4,S.982). Dort war die Stätte des von Gott verordneten Opfers. An diesem Altar geschah die Versöhnung des Volkes mit Gott. Dies war der Altar, den Gott als seinen Altar bezeichnete. Nach 1.Sam. 2,28 sprach Gott zum Hohenpriester Eli: „Aus allen Stämmen Israels habe ich Aaron und seine Nachkommen als meine Priester erwählt. Sie sollten auf meinem Altar Opfer darbringen“ (Hfa). König Hiskia hatte deshalb bei seiner Reformation dem Volk geboten: : „Nur vor diesem Altar sollt ihr anbeten!“ (2.Kö.18,22). König David betete deshalb zu Gott nach Ps.26,6: „Ich halte mich, Herr, zu deinem Altar“.

Der Prophet Hesekiel sah den Herrn auch zum Gericht erscheinen und beschreibt diese Vision in den Kapiteln 8 u. 9. In dieser Vision sieht Hesekiel Gott im Tempel zu Jerusalem im Vorhof am Altar stehen. Und er sieht die Gerichtsengel Gottes, wie sie an den kupfernen Altar treten, bevor sie das Gericht vollstrecken. Ich empfehle euch, diese Kapitel einmal aufmerksam zu studieren. Wir haben jetzt nicht die Zeit sie zu lesen.

Frage 3: Welche Bedeutung hatte der Altar des Herrn für Gottes Volk?

Der Psalmbeter bekennt in Ps. 43,4: „An deinem Altar will ich dich anbeten, will mich über dich freuen und dir zujubeln,…dir meinem Gott!“ In der Geschichte des Volkes Gottes ist der Altar von großer Bedeutung. Bereits Abel, Noa, und Abraham und die Erzväter bauten dem Herrn einen Altar. Zu Gideon sprach der Herr: „Reiß den Altar Baals nieder…dann bau für mich, den Herrn, deinen Gott, einen Altar!“ (Ri. 6,25-26 Hfa).

Der Altar war die Stätte der Gottesbegegnung, der Ort wahrer Anbetung, wo der Sünder sich bußfertig vor Gott beugte und sich ihm durch das Opfer nahte, um Gewißheit der Vergebung zu erhalten. Im Alten Testament offenbart sich Gott als eifernder Gott, der den Altar bewacht und sein Volk warnt, etwas mit heidnischen Altären und anderen Anbetungsformen zu tun zu haben. In 5.Mo. 12:2-5 lesen wir: „Zerstört alle Stätten, an denen die Völker, die ihr vertreibt, ihre Götter verehrt haben: auf den Berggipfeln und Hügeln und unter allen dichtbelaubten Bäumen. Reißt die Altäre nieder, zerschlagt die heiligen Säulen! Verbrennt die Pfähle der Göttin Aschera, und zerschmettert alle Götzenstatuen! Löscht jede Spur davon aus!

Ihr dürft den Herrn, euren Gott, nicht auf die gleiche Weise verehren wie diese Völker ihre Götter. Der Herr wird mitten in Israel einen Ort auswählen, an dem er wohnen will. Nur dort sollt ihr dann eure Brand- und Schlachtopfer darbringen“ (Hfa).

Leider hat Gottes Volk dieses Gebot übertreten. Es hat sich mit den anderen Religionen eingelassen. Es hat falschen Göttern Altäre gebaut und andere Formen der Anbetung angenommen. Der Herr schaute lange dieser falschen Entwicklung zu. Geduldig warnte er seine Kinder vor den Folgen falscher Anbetung. Durch seine Propheten forderte er sie immer wieder, die falschen Altäre niederzu -reissen und allein ihn, den Schöpfer und Erlöser anzubeten. Doch dann kam der Tag, an dem Herr über seinem Altar erschien.

Frage 4: Welche Bedeutung hat das Erscheinen des Herrn am Altar, der Stätte der Anbetung?

Offb. 11,1 macht deutlich, daß es nicht nur um den Altar, sondern auch und vor allem um die Anbeter geht. Johannes erhielt den Befehl: „Steh auf und miß den Tempel Gottes aus und den Altar. Zähle alle, die dort anbeten!“ Die Apostel bezeichneten die Gemeinde als den Tempel Gottes. Die Anbetung des Volkes Gottes kommt auf den Prüfstand. Die falsche, selbsterwählte Anbetung führt in das Gericht.. Das wird auch am Ende der Gnadenzeit nicht anders sein. In Offb.14,9-10 ergeht eine eindringliche Warnung: «Wehe allen, die das Tier aus dem Meer und sein Standbild verehren und anbeten, die das Kennzeichen des Tieres an ihrer Stirn oder Hand tragen! Denn sie werden schonungslos und ohne Erbarmen Gottes Zorn erfahren. In Gegenwart der Engel und vor den Augen des Lammes werden sie in Feuer und Schwefel qualvoll leiden“ (Hfa).

Dem Gericht über die falschen Anbeter steht in der Offenbarung die Siegesfeier der treuen Anbeter gegenüber. In Offb. 20,4 ist zu lesen: das Recht hatten, über andere Gericht zu halten. Ich sah die Menschen, die man getötet hatte, weil sie sich treu zu Jesus bekannt hatten und sich durch nichts von ihrem Glauben abbringen ließen. Sie hatten das Tier und sein Standbild nicht angebetet, hatten sein Zeichen nicht auf ihrer Stirn oder Hand getragen. Jetzt lebten sie mit Christus und herrschten mit ihm tausend Jahre lang“ (Hfa)

Frage 5: Wo befindet sich der Altar für die Gemeinde Christi?

In Hebr. 13,10 wird bezeugt: „Wir haben einen Opferaltar“ (EÜ). Dieser Altar steht auf Golgatha. Er ist das Kreuz Jesu. Dort hat uns Jesus durch sein Opfer mit Gott versöhnt. Dort sühnte er unsere Schuld durch seinen Tod. Dort fand das Gericht Gottes über die Sünde statt. Wer zu diesem Altar demütig und bußfertig kommt, wer dort seine Schuld bekennt und Jesu Opfer für sich beansprucht, der wird nicht gerichtet. Wer seinen eigenen Altar baut und seinem eigenen Opfer vertraut, muß die Strafe für seine Sünden selber tragen. Über ihn kommt das Gericht Gottes. So wird es im ganzen Neuen Testament bezeugt.

Der Schreiber des Hebräerbriefes betont in Hebr. 9,14: „Erfüllt vom Heiligen Geist, hat er, der ohne jede Sünde war, sich selbst für uns als fehlerloses Opfer Gott dargebracht. Jetzt brauchen wir unser Vertrauen nicht länger auf Ordnungen zu setzen, die uns doch nicht vom Tod erretten. Wir sind frei, um dem lebendigen Gott zu dienen“ (Hfa). Vers 12 sagt: „Als er (Christus) im Allerheiligsten sein eigenes Blut ein für allemal zum Opfer gab, hat er uns für immer und ewig von unserer Schuld vor Gott befreit.“ (Hfa).

Der Apostel Paulus betont in Rö. 5,6-10, wie wichtig der Tod Jesu für uns im Blick auf den Zorn und Gerichtstag Gottes ist. „Schon damals, als wir noch hilflos der Sünde ausgeliefert waren, ist Christus für uns gottlose Menschen gestorben. Gott aber hat uns seine große Liebe gerade dadurch bewiesen, daß Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren. Wieviel weniger müssen wir einmal am Gerichtstag Gottes Zorn fürchten, nachdem wir jetzt durch den Opfertod Jesu von unserer Schuld freigesprochen sind. Als wir noch seine Feinde waren, hat Gott uns durch den Tod seines Sohnes mit sich selbst versöhnt. Wieviel mehr werden wir, da wir jetzt Frieden mit Gott haben, am Tage des Gerichts bewahrt bleiben, nachdem ja Christus auferstanden ist und lebt“ Hfa).

Die Bibel macht in diesen Versen aber ebenso deutlich, daß jeder, der dieses Opfer verachtet, der nicht zu diesem Altar des Herrn kommt, der seine eigenen Altäre errichtet, Gottes Zorn und sein Gericht fürchten muß. Es wird dem neutestamentlichen Bundesvolk nicht anders ergehen als dem alten Israel. Es war das Vertrauen in die fremden Götter, in die selbstgemachten Altäre und die falsche Anbetung, die das Gericht brachte. In Hebr. 10,29-31 wird deshalb eine feierliche Warnung ausgesprochen: „Was meint ihr, um wieviel härter die Strafe für den sein wird, der den Sohn Gottes verachtet, ihn gleichsam mit Füßen tritt, dem das Blut Jesu nichts mehr bedeutet, das doch zu seiner Vergebung vergossen wurde? Ein solcher Mensch beleidigt Gottes Heiligen Geist, von dem er nichts als

Gnade und Barmherzigkeit erfahren hat!  Wir alle kennen doch den, der gesagt hat: «Ich werde Rache nehmen und Vergeltung üben!» Von ihm heißt es auch: «Der Herr wird über sein Volk das Urteil sprechen.»  Wie furchtbar wird es allen ergehen, die dem Glauben an Christus absagen. Sie werden in die Hände des lebendigen Gottes fallen!“ (Hfa).

Es ist eine unleugbare Tatsache, die Stätte des Opfers und der Versöhnung wird zum Ort des Gerichts für alle, die dieser Stätte fernbleiben oder sie mißachten. Jesus selbst hat dies unmißverständlich in Joh. 3,36 erklärt: „Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber nicht an ihn glaubt, wird nie zum Leben gelangen, sondern Gottes Zorn wird ihn treffen.» Wörtlich: sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm“ (Hfa).

Das Befolgen religiöser Formen und die Verehrung heiliger Stätten und Dinge schützt nicht vor Gottes richterlichem Eingreifen. Er wird die falsche Religiosität, die selbsterbauten Heiligtümer verwüsten und ihre Anbeter umkommen lassen.

Auf der Flucht vor dem Richter

Frage 6: Wie reagieren Menschen, wenn sie wissen, daß die Staatsanwalt nach ihnen sucht?

Jeden Tag erfahren wir in den Medien, daß Menschen. die strafrechtlich verfolgt werden, untertauchen, abtauchen, unter falschem Namen sich in fremden Ländern einbürgern, ihr Äußeres verändern, um nicht aufzufallen. Nach dem Krieg ist es vielen prominenten Nazis gelungen, sich in Südamerika zu verbergen. Erst viele Jahre später konnten sie aufgespürt, gefaßt und vor Gericht gestellt werden.

Frage 7: Mit welchen Bildern macht Gott durch Amos klar, daß es vor dem allmächtigen Gott, dem gerechten Richter, kein Versteck und kein Entrinnen gibt? – Am. 9,2-4

An keinem Ort ist der Sünder vor dem Zugriff des heiligen, die Sünde hassenden Gottes, sicher: weder im Totenreich noch im Himmel, weder auf den Gipfeln der Berge noch in der Tiefe des Meeres, auch nicht in fernen Ländern. Keiner wird fliehen können, niemand wird entkommen und sich retten. Nicht einmal die Gemeinde, die Kirche, die Religion bietet ein sicheres Versteck. Nach Hes. 9,6 erhalten die Gerichtsengel den Auftrag: „Beginnt in meinem Heiligtum. Einmal muß jeder Mensch vor Gottes Angesicht treten und sein Tun und Leben vor Gott verantworten. “ Das muß auch der moderne Mensch neu hören und wissen. Flucht vor Gott endet in einer Sackgase, anderen Ende die Engel des Gerichts stehen. Man wird Gott nicht dadurch los, daß man vor ihm flieht. Allein das Kreuz von Golgatha, wo Gott das Gericht über die Sünde an seinem Sohn für uns vollzog, bietet Zuflucht.

Frage 8: Warum kann sich keiner vor Gott verstecken? Am. 9,8

„Ich, der Herr, sehe ganz genau, wie ihr Israeliten in eurem Land gegen mich sündigt“ – Dieselbe Botschaft hat der auferstandene Christus seiner Gemeinden gesandt. Offb. 2,17 „Ich weiß, wo du wohnst“ (Hfa). Offb. 2,19 „Ich sehe alles, was du tust“ (Hfa). Offb. 3,1) „Ich weiß alles, was du tust!“ (Hfa). Offb. 3,15 „Ich kenne dich genau und weiß alles, was du tust“ (Hfa).

Durch den Propheten Jeremia stellt der Herr in Jer. 23,24 die Frage an alle, die auf der Flucht sind, die sich vor ihm verstecken wollen: „Meint ihr, jemand könnte sich so vor mir verstecken, daß ich ihn nicht mehr sehe? Ich bin es doch, der den Himmel und die Erde erfüllt, ich, der Herr!“

David wußte um die Unentrinnbarkeit vor Gottes Angesicht. Darum betete er in Psalm 139 zu Gott: Herr, du durchschaust mich,  du kennst mich durch und durch. Ob ich sitze oder stehe – du weißt es,

aus der Ferne erkennst du, was ich denke. Ob ich gehe oder liege – du siehst mich, mein ganzes Leben ist dir vertraut. …Wie könnte ich mich dir entziehen;  wohin könnte ich fliehen, ohne daß du mich siehst? Stiege ich in den Himmel hinauf – du bist da! Wollte ich mich im Totenreich verbergen – auch dort bist du! Eilte ich dorthin, wo die Sonne aufgeht,  oder versteckte ich mich im äußersten Westen,

wo sie untergeht, dann würdest du auch dort mich führen und nicht mehr loslassen. Wünschte ich mir: «Völlige Dunkelheit soll mich umhüllen, das Licht um mich her soll zur Nacht werden!» – für dich ist auch das Dunkel nicht finster; die Nacht scheint so hell wie der Tag und die Finsternis so strahlend wie das Licht“ (Hfa).

Der Prophet Jona versuchte, dem Herrn aus den Augen zu kommen, aber es gelang ihm nicht. Im Sirach 23,28 steht: „Die Augen des Herrn sind heller als die Sonne“ – Und in Hebr. 4,13 wird gesagt: „Gottes Augen bleibt nichts verborgen; vor ihm ist alles sichtbar und offenkundig. Jeder – ohne Ausnahme – muß Gott Rechenschaft geben.“

Frage 9: Welcher Trost liegt für gläubige Menschen in dem Wissen, das Gott alles sieht und um alles weiß?

Kann niemand vor Gott, dem Richter, fliehen, so kann auch niemand von Gott, dem Retter, übersehen werden. Auch dies wird in der Bibel bezeugt. in 2.Chr.16,9 steht: „Die Augen des Herrn schauen alle Lande, daß er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.“ In Ps. 101,6 verspricht Gott: „Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande“. In Psalm 34,16 wird bezeugt „Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten“. Gott überseht keines seiner Kinder. Er kennt alle ihre Wege, ihre Nöte, ihre Bedürfnisse, ihre Bedrängnis und ihre Hoffnungen, und er seine Augen sehen mit Wohlgefallen auf sie, daß er sie führe und behüte.

Frage 10: Durch welche Ereignisse bezeugt Gott seine Allmacht und die Nähe des Gerichts? (Am. 9,5-6)

Gott erinnert uns daran, daß seine Macht horizontal und vertikal umfassend ist. Sie umfaßt Himmel und Erde. Die ganze Schöpfung steht ihm zur Verfügung, um seine Macht im Gericht zu offenbaren. In diesem Zusammenhang sollten wir das Wort aus Hebr. 12,25-27 beachten: „Hört also auf den, der jetzt zu euch redet. Weigert euch nicht – wie damals das Volk Israel -, auf seine Stimme zu hören. Sie sind ihrer Strafe nicht entgangen, weil sie am Berg Sinai Gott nicht gehorchen wollten. Uns wird die Strafe noch viel härter treffen, wenn wir den zurückweisen, der jetzt vom Himmel her zu uns spricht.

Damals hat seine Stimme nur die Erde erbeben lassen. «Noch einmal werde ich die Erde erschüttern und auch den Himmel!» spricht er durch den Propheten. (Hag. 2,6) Dieses «Noch einmal» bedeutet: Alles, was Gott geschaffen hat, wird er dann grundlegend verändern. Bleiben wird allein das Ewige, das nicht erschüttert werden kann. „Hfa).

E.G.White schrieb an die Gemeinde: „Orkane, Stürme, Unwetter, Feuer und Flutkatastrophen, große Unglücksfälle auf den Meeren und auf dem Lande folgen schnell aufeinander. Die Wissenschaft versucht all dies zu erklären. Doch die Zeichen um uns, die immer mehr zunehmen und die baldige Wiederkunft des Sohnes Gottes ankündigen, werden allem andern, nur nicht der wirklichen Ursache zugeschrieben.“ (Sch.III,10).

PK.196.01
„Es steht uns eine Zeit bevor, in der die Welt mit einem Leid erfüllt sein wird, das kein menschliches Mittel heilen kann. Der Geist Gottes zieht sich zurück. Unglücksfälle zu Wasser und zu Lande ereignen sich in schneller Folge. Wie oft hören wir von Erdbeben und Wirbelstürmen, von Verheerungen durch Feuer und Hochwasser mit großen Verlusten an Menschenleben und Sachwerten! Anscheinend sind diese Unglücksfälle nichts als unberechenbare Ausbrüche aufrührerischer, ungezügelter Naturgewalten, die sich der menschlichen Herrschaft entziehen; in Wirklichkeit aber können wir an ihnen Gottes Absicht erkennen. Sie gehören zu den Mitteln, deren Gott sich  bedient, um die Menschen auf die drohende Gefahr aufmerksam zu machen.“

CKB.021.01 Durch Feuersbrünste, Überschwemmungen, Erdbeben, im Toben des Meeres, durch Katastrophen zu Wasser und zu Land wird uns die Warnung gegeben, daß Gottes Geist nicht immer um den Menschen ringen wird. – 3MR, 315 (1897)

Frage 11: Welches besondere Werk wird Gott unter seinem Volk ausrichten, bevor der endgültige Tag des Gerichts kommt?  Am. 9,9-10

Gott wird sein Volk sichten, wie man Korn und Spreu durch ein Sieb zur Zeit der Ernte voneinander scheidet. Johannes der Täufer wandte dieses Bild auf den Messias an, als er von ihm sagte (Lk. 3,17): „Schon hat er die Schaufel in der Hand, mit der er die Spreu vom Weizen trennt. Den Weizen wird er in seine Scheune bringen, aber die Spreu mit Feuer verbrennen, das niemand löschen kann“ (Hfa).

Dieses Werk der Sichtung wird im Alten und Neuen Testament in verschiedenen Bildern beschrieben.

In Jer. 9,6 steht: „Darum sage ich, der Herr, der allmächtige Gott: Ich will sie schmelzen und läutern wie Metall im Feuer; was sollte ich sonst mit meinem Volk tun?“ Dieses Bild wird auch in Mal. 3,2-3 wieder aufgegriffen: „Doch wer kann mein Kommen ertragen? Wer kann vor mir bestehen? Ichwerde für euch wie Feuer im Schmelzofen sein und wie scharfe Lauge im Waschtrog. So wie man Gold und Silber schmilzt, um es zu läutern, so werde ich die Nachkommen Levis von ihrer Schuld reinigen.“

Jesus hat diesen Vorgang der Sichtung ebenfalls in Bildern beschrieben. Er spricht von den Fischern, welche die faulen Fische ins Meer zurückwerfen und die guten in Körben sammeln. Er spricht von den Engeln, die zuvor das Unkraut sammeln, bündeln und mit Feuer verbrennen, bevor sie den Weizen in die himmlischen Scheunen sammeln.

Durch den Propheten Maleachi spricht der Herr davon, daß am Gerichtstag klar entschieden sein wird, wer zu den Geretteten und wer zu den Verlorenen gehört.. Mal. 3,17-18: „ Der Herr, der allmächtige Gott, sagt: «An dem Tag, wenn ich mein Urteil spreche, werden diese Menschen zu mir gehören. Ich will sie verschonen, so wie ein Vater seinen Sohn verschont, der zu ihm gehalten hat. Dann werdet ihr den Unterschied sehen zwischen einem Menschen, der mir die Treue hält, und einem Gottlosen; ihr werdet erkennen, welche Folgen es hat, ob jemand mir dient oder nicht.“

In einem biblischen Kommentar zum Alten Testament wird folgende Erklärung zu Am. 9,9-10 gegeben: „„Wo immer sein Volk unter den Nationen verstreut ist, wird Gott es unparteiisch schütteln, wie Korn in einem Sieb geschüttelt wird. Aber kein Körnchen wird auf die Erde fallen. So wie ein feines Sieb Spreu und Dreck hindurch läßt, aber das gute Korn nicht, so wird Gott jeden Gerechten in seinem Volk herauslesen und retten. Andere Ausleger denken, daß es sich bei dem Sieb um das grobe Sieb am Anfang des Mahlprozesses handelt, in diesem Fall ist das Körnchen (wörtlich „Kiesel“, ein Sünder, der nicht entkommen wird, indem er durch die Maschen des Gerichtes Gottes schlüpft. In jedem Fall soll deutlich werden: Gottes unparteiisches Sieben wird den Gerechten von den Sündern trennen.“

Die Bibel sagt: Der Herr kennt die Seinen. Gott wird sorgfältig zwischen den Treuen und den Untreuen unterscheiden. Mögen wir jetzt in der Zeit der Gnade unsere Berufung und Erwählung festmachen, damit wir nicht einmal vom Herrn ausgesiebt werden und zu denen gehören, die dem Gericht übergeben werden.