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Das Buch Hiob

Bibelstudium | Studienmaterial und Themenausarbeitungen

Hiob | Kapitelauswahl

Dies ist die Übersichtsseite vom Buch Hiob. Hier kannst du die einzelnen Bibelkapitel schnell auswählen. Willst du dir ein Kapitel und all die verfügbaren Studienmaterialien zu diesem Kapitel genauer anschauen, dann wähle über die Navigationszeile (oben) das gewünschte Kapitel aus. Hier hast du dann auch Bibelstudienhilfsmittel zu den einzelnen Versen. Als Übersetzung wurde hier die Schlachter 2000 verwendet. In den einzelnen Kapitel stehen 2 deutsche und eine englische Übersetzung mit Parallelstellen zum vertieften Studium zur Verfügung.

Hi 1,1 Es war ein Mann im Land Uz, der hieß Hiob; der war ein untadeliger und rechtschaffener Mann, der Gott fürchtete und das Böse mied.

Hi 1,2 Und ihm wurden sieben Söhne und drei Töchter geboren,

Hi 1,3 und an Herden besaß er 7 000 Schafe, 3 000 Kamele, 500 Joch Rinder und 500 Eselinnen; und seine Dienerschaft war sehr groß, sodass der Mann größer war als alle Söhne des Ostens.

Hi 1,4 Seine Söhne aber pflegten einander zu besuchen und ein festliches Mahl zu bereiten, jeder in seinem Haus und an seinem Tag; und sie sandten hin und luden auch ihre drei Schwestern ein, um mit ihnen zu essen und zu trinken.

Hi 1,5 Wenn dann die Tage des Festmahls zu Ende waren, ließ Hiob sie holen und heiligte sie; er stand früh am Morgen auf und brachte Brandopfer dar für jeden von ihnen; denn Hiob sagte sich: Vielleicht könnten meine Kinder gesündigt und sich in ihrem Herzen von Gott losgesagt haben! So machte es Hiob allezeit.

Hi 1,6 Es geschah aber eines Tages, dass die Söhne Gottes vor den HERRN traten, und unter ihnen kam auch der Satan.

Hi 1,7 Da sprach der HERR zum Satan: Wo kommst du her? Und der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln darauf!

Hi 1,8 Da sprach der HERR zum Satan: Hast du meinen Knecht Hiob beachtet? Denn seinesgleichen gibt es nicht auf Erden, einen so untadeligen und rechtschaffenen Mann, der Gott fürchtet und das Böse meidet!

Hi 1,9 Der Satan aber antwortete dem HERRN und sprach: Ist Hiob umsonst gottesfürchtig?

Hi 1,10 Hast du nicht ihn und sein Haus und alles, was er hat, ringsum eingehegt? Das Werk seiner Hände hast du gesegnet, und seine Herden breiten sich im Land aus.

Hi 1,11 Aber strecke doch einmal deine Hand aus und taste alles an, was er hat; lass sehen, ob er dir dann nicht ins Angesicht absagen wird!

Hi 1,12 Da sprach der HERR zum Satan: Siehe, alles, was er hat, soll in deiner Hand sein; nur nach ihm selbst strecke deine Hand nicht aus! Und der Satan ging vom Angesicht des HERRN hinweg.

Hi 1,13 Und es geschah eines Tages, als seine Söhne und Töchter im Haus ihres erstgeborenen Bruders aßen und Wein tranken,

Hi 1,14 da kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten und die Eselinnen weideten neben ihnen;

Hi 1,15 da fielen die Sabäer ein und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwertes; ich aber bin entkommen, nur ich allein, um es dir zu berichten!

Hi 1,16 Während dieser noch redete, kam ein anderer und sagte: Feuer Gottes fiel vom Himmel und hat die Schafe und die Knechte verbrannt und verzehrt; ich aber bin entkommen, nur ich allein, um es dir zu berichten!

Hi 1,17 Während dieser noch redete, kam ein anderer und sagte: Die Chaldäer haben drei Banden aufgestellt und sind über die Kamele hergefallen und haben sie weggenommen und haben die Knechte mit der Schärfe des Schwertes erschlagen; ich aber bin entkommen, nur ich allein, um es dir zu berichten!

Hi 1,18 Während dieser noch redete, kam ein anderer und sagte: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken Wein im Haus ihres erstgeborenen Bruders;

Hi 1,19 und siehe, da kam ein heftiger Wind drüben von der Wüste her und erfasste die vier Ecken des Hauses, sodass es auf die jungen Leute stürzte und sie starben; ich aber bin entkommen, nur ich allein, um es dir zu berichten!

Hi 1,20 Da stand Hiob auf und zerriss sein Gewand und schor sein Haupt; und er warf sich auf die Erde nieder und betete an.

Hi 1,21 Und er sprach: Nackt bin ich aus dem Leib meiner Mutter gekommen; nackt werde ich wieder dahingehen. Der HERR hat gegeben, der HERR hat genommen; der Name des HERRN sei gelobt!

Hi 1,22 Bei alledem sündigte Hiob nicht und verhielt sich nicht ungebührlich gegen Gott.

Hi 2,1 Es geschah aber eines Tages, dass die Söhne Gottes vor den HERRN traten, und unter ihnen kam auch der Satan, um sich vor den HERRN zu stellen.

Hi 2,2 Da sprach der HERR zum Satan: Wo kommst du her? Und der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln darauf!

Hi 2,3 Da sprach der HERR zum Satan: Hast du meinen Knecht Hiob beachtet? Denn seinesgleichen gibt es nicht auf Erden, einen so untadeligen und rechtschaffenen Mann, der Gott fürchtet und das Böse meidet; und er hält immer noch fest an seiner Tadellosigkeit, obwohl du mich gereizt hast, ihn ohne Ursache zu verderben!

Hi 2,4 Der Satan aber antwortete dem HERRN und sprach: Haut für Haut! Ja, alles, was der Mensch hat, gibt er hin für sein Leben;

Hi 2,5 aber strecke doch deine Hand aus und taste sein Gebein und sein Fleisch an, so wird er dir sicher ins Angesicht absagen!

Hi 2,6 Da sprach der HERR zum Satan: Siehe, er ist in deiner Hand; nur schone sein Leben!

Hi 2,7 Da ging der Satan vom Angesicht des HERRN hinweg; und er plagte Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle bis zum Scheitel,

Hi 2,8 sodass Hiob eine Scherbe nahm, um sich damit zu kratzen, während er mitten in der Asche saß.

Hi 2,9 Da sprach seine Frau zu ihm: Hältst du immer noch fest an deiner Tadellosigkeit? Sage dich los von Gott und stirb!

Hi 2,10 Er aber sprach zu ihr: Du redest so, wie eine törichte Frau redet! Wenn wir das Gute von Gott annehmen, sollten wir da das Böse nicht auch annehmen? — Bei alledem versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen.

Hi 2,11 Als aber die drei Freunde Hiobs von all diesem Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie, jeder von seinem Ort, nämlich Eliphas, der Temaniter, und Bildad, der Schuchiter, und Zophar, der Naamatiter; diese verabredeten sich, miteinander hinzugehen, um ihm ihr Beileid zu bezeugen und ihn zu trösten.

Hi 2,12 Und als sie von ferne ihre Augen erhoben, erkannten sie ihn nicht mehr. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten; und jeder zerriss sein Gewand, und sie warfen Staub über ihre Häupter zum Himmel.

Hi 2,13 Dann setzten sie sich zu ihm auf den Erdboden sieben Tage und sieben Nächte lang, und keiner redete ein Wort mit ihm; denn sie sahen, dass sein Schmerz sehr groß war.

Hi 3,1 Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte den Tag seiner Geburt.

Hi 3,2 Und Hiob begann und sprach:

Hi 3,3 O wäre doch der Tag ausgelöscht, da ich geboren wurde, und die Nacht, die sprach: Ein Knabe ist gezeugt!

Hi 3,4 Wäre doch dieser Tag Finsternis geblieben; hätte doch Gott in der Höhe sich nicht um ihn gekümmert, und wäre doch niemals das Tageslicht über ihm aufgeleuchtet!

Hi 3,5 Hätten doch Finsternis und Todesschatten ihn zurückgefordert, Gewölk sich auf ihm niedergelassen und diesen trüben Tag überfallen!

Hi 3,6 Und jene Nacht — hätte doch das Dunkel sie hinweggerafft, hätte sie sich nur nicht gefreut unter den Tagen des Jahres, und wäre sie doch nicht in die Zahl der Monate eingereiht worden!

Hi 3,7 Ja, wäre doch jene Nacht unfruchtbar geblieben, hätte doch kein Jubel sie erreicht!

Hi 3,8 Hätten sie doch die verwünscht, die den Tag verfluchen können, die imstande sind, den Leviathan aufzuwecken!

Hi 3,9 Hätten sich doch die Sterne ihrer [Morgen]dämmerung verfinstert, hätte sie doch auf Licht gehofft, ohne dass es erschienen wäre; hätte sie doch die Strahlen der Morgenröte nicht geschaut!

Hi 3,10 Doch sie verschloss mir nicht die Pforte des Mutterleibes und verbarg nicht den Jammer vor meinen Augen.

Hi 3,11 Warum starb ich nicht gleich bei der Geburt, kam nicht um, sobald ich aus dem Mutterschoß hervorging?

Hi 3,12 Warum kamen mir Knie entgegen, und wozu Brüste, dass ich daran trank?

Hi 3,13 Denn jetzt läge ich da und wäre still; ich wäre entschlafen und hätte nun Ruhe,

Hi 3,14 [zusammen] mit Königen und Ratgebern der Erde, die sich längst verfallene Paläste erbauten,

Hi 3,15 oder mit Fürsten, reich an Gold, die in ihren Häusern Silber häuften.

Hi 3,16 Oder wäre ich doch niemals da gewesen, wie eine verscharrte Fehlgeburt, den Kindern gleich, die nie das Licht erblickten!

Hi 3,17 Dort hört das Toben der Gottlosen auf, dort finden die Erschöpften Ruhe;

Hi 3,18 [dort] sind alle Gefangenen in Frieden, sie hören die Stimme des Treibers nicht mehr;

Hi 3,19 Kleine und Große sind dort gleich, und der Knecht ist frei von seinem Herrn!

Hi 3,20 Warum lässt Er den Mühseligen das Licht sehen und gibt Leben den Verbitterten,

Hi 3,21 [denen], die auf den Tod harren, und er kommt nicht, die nach ihm graben, mehr als nach verborgenen Schätzen;

Hi 3,22 die sich jubelnd freuen würden, die frohlockten, wenn sie ein Grab fänden,

Hi 3,23 dem Mann, dem sein Weg verborgen ist, den Gott ringsum eingeschlossen hat?

Hi 3,24 Denn statt zu essen, seufze ich, und mein Gestöhn ergießt sich wie Wasser.

Hi 3,25 Denn das Schreckliche, das ich befürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, das hat mich getroffen.

Hi 3,26 Ich konnte nicht ruhen und nicht rasten, und kaum hatte ich mich erholt, so kam ein [neuer] Sturm über mich!

Hi 4,1 Da ergriff Eliphas, der Temaniter, das Wort und sprach:

Hi 4,2 Wenn man ein Wort an dich richtet, wird es dich verärgern? Aber Worte zurückhalten, wer könnte das?

Hi 4,3 Siehe, du hast viele unterwiesen und hast müde Hände gestärkt.

Hi 4,4 Deine Worte haben den Strauchelnden aufgerichtet, und wankende Knie hast du gekräftigt.

Hi 4,5 Nun aber, da es an dich kommt, bist du verzagt; weil es dich trifft, bist du bestürzt!

Hi 4,6 Ist nicht deine Gottesfurcht deine Zuversicht, und die Tadellosigkeit deines Weges deine Hoffnung?

Hi 4,7 Bedenke doch: Ist je ein Unschuldiger umgekommen, und wo wurden Rechtschaffene vertilgt?

Hi 4,8 Soviel ich gesehen habe: Die Unrecht pflügen und die Unheil säen, die ernten es auch.

Hi 4,9 Durch Gottes Odem kommen sie um; durch den Hauch seines Zornes werden sie verzehrt.

Hi 4,10 Das Brüllen des Löwen und die Stimme des Junglöwen [verstummt], und die Zähne der jungen Löwen werden ausgebrochen.

Hi 4,11 Der Löwe kommt um aus Mangel an Beute, und die Jungen der Löwin zerstreuen sich.

Hi 4,12 Zu mir aber kam heimlich ein Wort, mein Ohr vernahm ein leises Flüstern;

Hi 4,13 in Schreckgedanken, durch Nachtgesichte erregt, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt,

Hi 4,14 da kam Furcht und Zittern über mich und durchschauerte alle meine Gebeine;

Hi 4,15 denn ein Geist ging an mir vorüber; die Haare meines Leibes standen mir zu Berge.

Hi 4,16 Er trat vor mich hin, und ich konnte sein Aussehen nicht erkennen; eine Gestalt war vor meinen Augen, ich hörte eine flüsternde Stimme:

Hi 4,17 Kann wohl ein Sterblicher gerecht sein vor Gott, oder ein Mann rein vor seinem Schöpfer?

Hi 4,18 Siehe, seinen Dienern traut er nicht, seinen Engeln wirft er Irrtum vor;

Hi 4,19 wie viel mehr denen, die in Lehmhütten wohnen, die auf Staub gegründet sind, die wie Motten zerstört werden!

Hi 4,20 Zwischen Morgen und Abend gehen sie zugrunde; ehe man sich’s versieht, sind sie für immer dahin.

Hi 4,21 Wird nicht ihr Zeltstrick abgerissen? Sie sterben, ohne Weisheit erlangt zu haben.

Hi 5,1 Rufe doch! Ist einer da, der dir antwortet? Und an welchen von den Heiligen willst du dich wenden?

Hi 5,2 Denn den Narren bringt der Unmut um, und den Unverständigen tötet der Eifer.

Hi 5,3 Ich selbst habe einen Narren gesehen, der Wurzel schlug, und sogleich verfluchte ich seine Wohnung.

Hi 5,4 Seine Kinder fanden keine Hilfe, und sie wurden im Tor zertreten, ohne dass es einen Retter gab;

Hi 5,5 seine Ernte verzehrte der Hungrige und holte sie ihm selbst aus den Dornhecken heraus, und sein Vermögen schnappten die Habgierigen weg.

Hi 5,6 Denn Unglück wächst nicht aus dem Staub hervor, und Unheil sprosst nicht aus der Erde;

Hi 5,7 sondern der Mensch ist zum Unglück geboren, wie die Funken nach oben fliegen.

Hi 5,8 Ich jedoch würde Gott suchen und Gott meine Sache darlegen,

Hi 5,9 der große, unerforschliche Dinge tut, Wunder, die nicht zu zählen sind:

Hi 5,10 Er gießt Regen auf die Erde und sendet Wasser über die Fluren;

Hi 5,11 er erhöht die Niedrigen, und die Leidtragenden erlangen das Heil;

Hi 5,12 er vereitelt die Anschläge der Listigen, dass ihre Hand sie nicht ausführen kann;

Hi 5,13 er fängt die Weisen in ihrer List, und der Rat der Verschlagenen wird über den Haufen geworfen;

Hi 5,14 bei Tag stoßen sie auf Finsternis, und am Mittag tappen sie umher wie in der Nacht.

Hi 5,15 Aber er rettet den Elenden vom Schwert, aus ihrem Rachen und aus der Hand des Starken,

Hi 5,16 sodass der Geringe Hoffnung fasst und die Frechheit ihr Maul verschließt.

Hi 5,17 Siehe, wohl dem Menschen, den Gott zurechtweist! Darum verwirf die Züchtigung des Allmächtigen nicht!

Hi 5,18 Denn er verwundet und verbindet; er zerschlägt, und seine Hand heilt.

Hi 5,19 In sechs Bedrängnissen wird er dich erretten, und in sieben wird dich nichts Böses antasten:

Hi 5,20 In Hungersnot wird er dich vom Tod erlösen und im Krieg von der Gewalt des Schwertes;

Hi 5,21 vor der Geißel der Zunge wirst du geborgen sein und wirst die Verwüstung nicht fürchten, wenn sie kommt.

Hi 5,22 Über Verwüstung und Dürre wirst du lachen und vor den wilden Tieren der Erde nicht erschrecken,

Hi 5,23 denn mit den Steinen des Feldes stehst du im Bund, und das Wild des Feldes hält Frieden mit dir.

Hi 5,24 Du wirst erfahren, dass dein Zelt sicher ist, und betrachtest du deine Wohnung, so fehlt dir nichts.

Hi 5,25 Du wirst erfahren, dass dein Same zahlreich wird und deine Sprösslinge wie das Gras auf Erden.

Hi 5,26 Du wirst in gutem Alter begraben werden, wie man Garben einbringt zu ihrer Zeit.

Hi 5,27 Siehe, das haben wir erforscht, so ist es; höre du darauf und merke es dir wohl!

Hi 6,1 Da antwortete Hiob und sprach:

Hi 6,2 O dass man meinen Unmut wiegen könnte und mein Unglück auf die andere Waagschale legte!

Hi 6,3 Denn nun ist es schwerer als der Sand der Meere; darum sind meine Worte so ungestüm.

Hi 6,4 Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, mein Geist trinkt ihr Gift; die Schrecken Gottes bestürmen mich.

Hi 6,5 Schreit auch ein Wildesel auf der Grasweide, oder brüllt ein Stier, wenn er Futter hat?

Hi 6,6 Lässt sich etwa Fades ohne Salz essen? Oder findet man am Eiweiß irgendwelchen Geschmack?

Hi 6,7 Was meine Seele zu berühren verschmähte, das ist jetzt mein tägliches Brot, mir zum Ekel!

Hi 6,8 O dass doch meine Bitte in Erfüllung ginge, und Gott mein Verlangen gewährte:

Hi 6,9 dass doch Gott sich entschlösse, mich zu zermalmen, seine Hand ausstreckte, um mich abzuschneiden!

Hi 6,10 So bliebe mir noch der Trost — und ich frohlockte darüber im schonungslosen Schmerz —, dass ich die Worte des Heiligen nicht verleugnet habe!

Hi 6,11 Wie groß ist denn meine Kraft, dass ich noch ausharren, und wann kommt mein Ende, dass meine Seele sich gedulden soll?

Hi 6,12 Ist mir denn die Kraft der Steine gegeben? Ist mein Fleisch denn aus Erz?

Hi 6,13 Bin ich denn nicht hilflos und jeder Stütze beraubt?

Hi 6,14 Dem Verzagten gebürt Mitleid von seinem Freund, sonst wird er die Furcht des Allmächtigen verlassen.

Hi 6,15 Meine Brüder haben sich trügerisch erwiesen wie ein Wildbach, wie das Bett der Wildbäche, die vergehen,

Hi 6,16 die trübe werden vom Eis, wenn der Schnee sich darin birgt,

Hi 6,17 die aber versiegen zur Zeit der Sommerhitze und von ihrem Ort verschwinden, wenn es heiß wird.

Hi 6,18 Es winden sich die Pfade ihres Laufs; sie ziehen hinauf in die Öde und verlieren sich.

Hi 6,19 die Karawanen Temas halten Ausschau, die Reisegesellschaften von Saba hoffen auf sie.

Hi 6,20 Aber sie werden in ihrer Hoffnung betrogen; sie kommen dorthin und werden enttäuscht.

Hi 6,21 So seid auch ihr jetzt ein Nichts geworden; ihr seht Schreckliches und fürchtet euch davor!

Hi 6,22 Habe ich etwa gesagt: »Gebt mir etwas!«, oder »Macht mir ein Geschenk von eurem Vermögen!«,

Hi 6,23 oder »Rettet mich aus der Hand des Bedrängers und erlöst mich aus der Hand des Tyrannen!«?

Hi 6,24 Belehrt mich doch, und ich will schweigen, weist mir nach, worin ich geirrt habe!

Hi 6,25 Wie eindringlich sind Worte der Wahrheit! Aber was bringen eure Zurechtweisungen schon zurecht?

Hi 6,26 Gedenkt ihr Worte zu bekritteln und haltet die Reden eines Verzweifelten für Wind?

Hi 6,27 Ja, ihr würdet selbst über eine Waise das Los werfen und euren Freund verschachern!

Hi 6,28 Und nun tut mir den Gefallen und schaut mich an; ich werde euch doch wahrhaftig nicht ins Angesicht belügen!

Hi 6,29 Kehrt doch um, tut nicht Unrecht! Ja, kehrt um! Noch bin ich hier im Recht!

Hi 6,30 Ist denn Unrecht auf meiner Zunge, oder unterscheidet mein Gaumen nicht, was verderblich ist?

Hi 7,1 Hat der Mensch nicht harten Frondienst auf Erden; sind seine Tage nicht wie die eines Tagelöhners?

Hi 7,2 Wie einem Knecht, der sich nach dem Schatten sehnt, und wie einem Tagelöhner, der auf seinen Lohn harrt,

Hi 7,3 so wurden [auch] mir Monate voller Enttäuschung beschert und Nächte voller Qual zugeteilt.

Hi 7,4 Wenn ich mich niederlege, so spreche ich: Wann werde ich aufstehen? Aber der Abend zieht sich hin, und ich bin gesättigt mit Unrast bis zur Morgendämmerung.

Hi 7,5 Mein Fleisch ist bekleidet mit Maden und Schorf; meine Haut verkrustet und eitert.

Hi 7,6 Meine Tage gleiten schneller dahin als ein Weberschiffchen; sie entschwinden ohne Hoffnung.

Hi 7,7 Bedenke doch, dass mein Leben [nur] ein Hauch ist, dass mein Auge nichts Gutes mehr sehen wird!

Hi 7,8 Das Auge dessen, der mich [jetzt] erblickt, wird mich nicht mehr sehen; wenn deine Augen [nach mir sehen], so bin ich nicht mehr!

Hi 7,9 Wie die Wolke vergeht und verschwindet, so kommt, wer ins Totenreich fährt, nicht mehr herauf;

Hi 7,10 er kehrt nicht mehr in sein Haus zurück, und seine Stätte kennt ihn nicht mehr.

Hi 7,11 Darum will auch ich meinen Mund nicht zurückhalten; ich will reden in der Bedrängnis meines Geistes, in der Verbitterung meiner Seele will ich klagen:

Hi 7,12 Bin ich denn das Meer oder ein Ungeheuer, dass du eine Wache gegen mich aufstellst?

Hi 7,13 Wenn ich denke: Mein Bett wird mich trösten, mein Lager wird meine Klage erleichtern!,

Hi 7,14 so erschreckst du mich mit Träumen und ängstigst mich durch Gesichte,

Hi 7,15 sodass meine Seele lieber ersticken möchte und ich lieber tot wäre, als ein Gerippe zu sein.

Hi 7,16 Ich habe genug! Ich will nicht ewig leben; lass ab von mir; meine Tage sind [nur] ein Hauch!

Hi 7,17 Was ist der Mensch, dass du ihn so hochhältst und dass du auf ihn achtest?

Hi 7,18 Du suchst ihn Morgen für Morgen heim; alle Augenblicke prüfst du ihn.

Hi 7,19 Warum schaust du immer noch nicht von mir weg und lässt mir nicht einmal so viel Ruhe, dass ich meinen Speichel herunterschlucken kann?

Hi 7,20 Habe ich gesündigt? Was tue ich dir an, du Menschenhüter? Warum hast du mich zu deiner Zielscheibe gemacht, sodass ich mir selbst zur Last bin?

Hi 7,21 Warum vergibst du meine Übertretung nicht und erlässt mir nicht meine Schuld? Denn jetzt muss ich mich in den Staub legen, und wenn du nach mir suchst, so bin ich nicht mehr!

Hi 8,1 Da antwortete Bildad, der Schuchiter, und sprach:

Hi 8,2 Wie lange willst du solche Reden führen, [wie lange] sollen die Worte deines Mundes wie heftiger Wind sein?

Hi 8,3 Beugt denn Gott das Recht, oder verkehrt der Allmächtige die Gerechtigkeit?

Hi 8,4 Wenn deine Kinder gegen ihn gesündigt haben, so hat er sie dahingegeben in die Gewalt ihrer Missetat.

Hi 8,5 Bist du es aber, so suche Gott ernstlich und flehe um Gnade zu dem Allmächtigen!

Hi 8,6 Wenn du lauter und aufrichtig bist, so wird er sich um deinetwillen aufmachen und dein gerechtes Heim wiederherstellen.

Hi 8,7 Da wird dein früheres Glück im Vergleich zu deinem späteren klein sein!

Hi 8,8 Denn frage doch das frühere Geschlecht und beherzige das, was ihre Väter erforscht haben!

Hi 8,9 Denn von gestern sind wir und wissen nichts; ein Schatten nur sind unsere Tage auf Erden.

Hi 8,10 Sind sie es nicht, die dich belehren, es dir sagen und Sprüche hervorholen aus ihrem Herzen?

Hi 8,11 Schießt der Papyrus ohne Sumpf empor, oder gedeiht das Riedgras ohne Wasser?

Hi 8,12 Noch steht es in vollem Trieb, ist nicht zum Schneiden reif — da verdorrt es schon vor allem anderen Gras.

Hi 8,13 Das ist der Weg all derer, die Gott vergessen; ja, die Hoffnung des Ruchlosen geht zugrunde!

Hi 8,14 Seine Zuversicht wird abgeschnitten, und sein Vertrauen ist ein Spinngewebe.

Hi 8,15 Er stützt sich auf sein Haus, aber es hält nicht stand; er hält sich daran fest, aber es bleibt nicht stehen.

Hi 8,16 Er steht voll Saft im Sonnenschein, und seine Ranken überziehen seinen Garten;

Hi 8,17 über Steinhaufen schlingen sich seine Wurzeln, auf ein Haus von Steinen schaut er hin.

Hi 8,18 Doch wenn man ihn von seiner Stätte wegreißt, so verleugnet sie ihn: »Ich habe dich nie gesehen!«

Hi 8,19 Siehe, das ist die Freude seines Weges, und aus dem Staub werden andere wachsen.

Hi 8,20 Siehe, Gott verwirft den Unschuldigen nicht, und er reicht auch keinem Übeltäter die Hand;

Hi 8,21 während er deinen Mund mit Lachen füllen wird und deine Lippen mit Freudengeschrei,

Hi 8,22 werden deine Hasser mit Schande bekleidet werden, und das Zelt der Gottlosen wird nicht mehr sein!

Hi 9,1 Da antwortete Hiob und sprach:

Hi 9,2 Wahrhaftig, ich weiß, dass es sich so verhält; und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?

Hi 9,3 Wenn er mit Ihm rechten wollte, so könnte er Ihm auf tausend nicht eins antworten.

Hi 9,4 Er hat ein weises Herz und ist von ungebrochener Kraft; wer hat ihm je getrotzt und ist heil davongekommen?

Hi 9,5 Er versetzt Berge, und man merkt es nicht; er, der sie umkehrt in seinem Zorn.

Hi 9,6 Er stört die Erde auf von ihrem Ort, sodass ihre Säulen erzittern.

Hi 9,7 Er gebietet der Sonne, und sie geht nicht auf; er verschließt die Sterne mit einem Siegel.

Hi 9,8 Er allein spannt den Himmel aus und schreitet auf Meereswogen einher.

Hi 9,9 Er machte den Großen Bären, den Orion und das Siebengestirn, samt den Kammern des Südens.

Hi 9,10 Er tut große Dinge, die unerforschlich sind, und Wunderwerke ohne Zahl.

Hi 9,11 Siehe, er geht an mir vorüber, und ich sehe ihn nicht; er zieht vorbei, und ich bemerke ihn nicht.

Hi 9,12 Siehe, wenn er dahinrafft, wer kann ihn hindern? Wer kann ihm zurufen: Was machst du da?

Hi 9,13 Gott lässt von seinem Zorn nicht ab; selbst Rahabs Helfer müssen sich unter ihn beugen.

Hi 9,14 Wie viel weniger könnte ich ihm da antworten, und Worte finden, um mit ihm zu reden!

Hi 9,15 Auch wenn ich im Recht wäre, könnte ich ihm nichts erwidern, sondern müsste meinen Richter um Gnade anflehen.

Hi 9,16 Wenn ich rufe, wird er mir antworten? Ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme hört;

Hi 9,17 denn im Sturm zermalmt er mich und fügt mir ohne Ursache viele Wunden zu.

Hi 9,18 Er lässt mich nicht einmal Atem holen, sondern sättigt mich mit bitteren Leiden.

Hi 9,19 Kommt’s auf die Kraft des Starken an, siehe, er hat sie, und wenn aufs Recht, wer lädt mich vor?

Hi 9,20 Wenn ich mich auch rechtfertige, so wird mich doch mein Mund verurteilen, und bin ich auch untadelig, so wird er mich doch für verkehrt erklären.

Hi 9,21 Ich bin untadelig, dennoch kümmert mich meine Seele nicht; ich verachte mein Leben.

Hi 9,22 Darum sage ich: Es ist einerlei; Untadelige und Gottlose bringt er gleicherweise um!

Hi 9,23 Wenn die Geißel plötzlich tötet, so lacht er über die Prüfung der Unschuldigen.

Hi 9,24 Die Erde ist in die Gewalt des Frevlers gegeben; das Angesicht ihrer Richter verhüllt Er; wenn nicht Er, wer dann?

Hi 9,25 Und meine Tage sind schneller dahingeeilt als ein Läufer; sie sind entflohen und haben nichts Gutes gesehen;

Hi 9,26 sie sind vorbeigezogen wie Rohrschiffe, wie ein Adler, der sich auf Beute stürzt.

Hi 9,27 Wenn ich denke: »Ich will meine Klage vergessen, meine Miene ändern und heiter dreinschauen!«,

Hi 9,28 so muss ich meine vielen Schmerzen fürchten; denn ich weiß, dass du mich nicht freisprechen wirst!

Hi 9,29 Soll ich denn schuldig sein, was mühe ich mich vergeblich ab?

Hi 9,30 Wenn ich mich auch mit Schnee waschen würde und meine Hände mit Lauge reinigte,

Hi 9,31 so würdest du mich doch in die Grube tauchen, sodass sich meine eigenen Kleider vor mir ekelten!

Hi 9,32 Denn Er ist nicht ein Mann wie ich, dass ich Ihm antworten dürfte, dass wir miteinander vor Gericht gehen könnten;

Hi 9,33 es gibt auch keinen Mittler zwischen uns, der seine Hand auf uns beide legen könnte.

Hi 9,34 Er nehme aber seine Rute von mir, und sein Schrecken ängstige mich nicht mehr,

Hi 9,35 so wollte ich reden und keine Angst vor Ihm haben — aber so ist es bei mir nicht.

Hi 10,1 Meine Seele ekelt’s vor meinem Leben; ich will mich meiner Klage überlassen, will reden in der Betrübnis meiner Seele.

Hi 10,2 Ich spreche zu Gott: Verdamme mich nicht! Lass mich wissen, weshalb du mich befehdest!

Hi 10,3 Gefällt es dir wohl, dass du bedrückst, dass du das Werk deiner Hände verwirfst, während du über den Rat der Gottlosen dein Licht leuchten lässt?

Hi 10,4 Hast du Fleischesaugen, oder siehst du, wie ein Mensch sieht?

Hi 10,5 Sind denn deine Tage wie Menschentage, deine Jahre den Jahren eines Mannes gleich,

Hi 10,6 dass du nach meiner Schuld forschst und nach meiner Sünde fragst,

Hi 10,7 obwohl du doch weißt, dass ich unschuldig bin, und mich niemand aus deiner Hand erretten kann?

Hi 10,8 Deine Hände haben mich als Ganzes gebildet und rundum gestaltet, und nun verschlingst du mich?

Hi 10,9 Gedenke doch, dass du mich wie Ton gebildet hast; und nun willst du mich wieder in Staub verwandeln!

Hi 10,10 Hast du mich nicht wie Milch hingegossen und wie Käse mich gerinnen lassen,

Hi 10,11 mit Haut und Fleisch mich bekleidet, mit Gebeinen und Sehnen mich durchwoben?

Hi 10,12 Leben und Gnade hast du mir gewährt, und deine Fürsorge bewahrte meinen Geist.

Hi 10,13 Doch dieses verbargst du in deinem Herzen; ich weiß, dass es bei dir so beschlossen war:

Hi 10,14 Wenn ich sündigte, so würdest du darauf achten und mich nicht freisprechen von meiner Missetat.

Hi 10,15 Habe ich Böses getan, dann wehe mir! Und bin ich im Recht, so darf ich mein Haupt doch nicht erheben; ich bin ja gesättigt mit Schande und muss mein Elend ansehen!

Hi 10,16 Wagt [mein Haupt] es aber, sich zu erheben, so verfolgst du mich wie ein Löwe und handelst noch unbegreiflicher mit mir.

Hi 10,17 Du stellst neue Zeugen gegen mich auf und mehrst deinen Zorn gegen mich; du bietest stets frische Scharen, ja ein Heer gegen mich auf!

Hi 10,18 Warum hast du mich aus dem Mutterleib hervorgebracht? Wäre ich doch dabei umgekommen, ohne dass mich ein Auge gesehen hätte!

Hi 10,19 So würde ich sein, als wäre ich niemals gewesen, vom Mutterleib weg ins Grab gelegt.

Hi 10,20 Ist meine Lebenszeit nicht kurz genug? Er höre doch auf, lasse ab von mir, dass ich mich ein wenig erhole,

Hi 10,21 ehe ich dahinfahre auf Nimmerwiederkehren in das Land der Düsternis und des Todesschattens,

Hi 10,22 in das Land, das schwarz ist wie die Finsternis, [das Land] des Todesschattens, wo keine Ordnung herrscht, wo das Licht wie tiefe Finsternis ist!

Hi 11,1 Da antwortete Zophar, der Naamatiter, und sprach:

Hi 11,2 Soll die Menge der Worte unbeantwortet bleiben und der Schwätzer recht behalten?

Hi 11,3 Soll dein Geschwätz Männern den Mund stopfen, dass du spottest und niemand dich beschämt?

Hi 11,4 Und du hast gesagt: »Meine Lehre ist lauter, und ich bin vor deinen Augen rein!«

Hi 11,5 O dass doch Gott reden möchte und seine Lippen auftäte gegen dich!

Hi 11,6 Und dass er dir doch die Geheimnisse der Weisheit verkündete — denn es gibt noch doppelt so viele wie du weißt —, so würdest du erkennen, dass Gott dir noch nachlässt von deiner Schuld!

Hi 11,7 Kannst du die Tiefe Gottes ergründen oder zur Vollkommenheit des Allmächtigen gelangen?

Hi 11,8 Sie ist himmelhoch — was willst du tun? tiefer als das Totenreich — was kannst du wissen?

Hi 11,9 Ihre Ausdehnung ist größer als die Erde und breiter als das Meer.

Hi 11,10 Wenn Er einherfährt, kann er verhaften und vor Gericht stellen — wer will es ihm wehren?

Hi 11,11 Denn er kennt die nichtswürdigen Leute und sieht auch die Schuld, ohne dass er [darauf] achthaben muss.

Hi 11,12 Kann ein Hohlkopf Verstand gewinnen, und ein Eselhengst als Mensch geboren werden?

Hi 11,13 Wenn du nun dein Herz fest ausrichtest und zu ihm deine Hände ausstreckst

Hi 11,14 — wenn Unrecht an deinen Händen ist, so entferne es, und lass in deinen Zelten nichts Böses wohnen!

Hi 11,15 Ja, dann darfst du ohne Scheu dein Angesicht erheben und fest auftreten ohne Furcht;

Hi 11,16 dann wirst du deine Mühsal vergessen, wie man das Wasser vergisst, das vorübergeflossen ist.

Hi 11,17 Heller als der Mittag wird dein Leben dir aufgehen; das Dunkel wird wie der Morgen sein.

Hi 11,18 Dann wirst du getrost sein, weil es Hoffnung gibt, und wirst um dich blicken und in Sicherheit dich niederlegen.

Hi 11,19 Du legst dich zur Ruhe, und niemand schreckt dich auf, und viele werden dann deine Gunst suchen.

Hi 11,20 Aber die Augen der Gottlosen verschmachten, [ihre] Zuflucht geht ihnen verloren, und ihre Hoffnung ist das Aushauchen der Seele!

Hi 12,1 Und Hiob antwortete und sprach:

Hi 12,2 Wahrlich, ihr seid die [rechten] Leute, und mit euch wird die Weisheit aussterben!

Hi 12,3 Auch ich habe Verstand wie ihr und stehe nicht hinter euch zurück; wer wüsste denn diese Dinge nicht?

Hi 12,4 Ich bin wie einer, der zum Gespött für seine Freunde wird; dabei rief ich [einst] zu Gott und wurde von ihm erhört! Der untadelige Gerechte wird zum Gespött!

Hi 12,5 »Dem Unglück gebührt Verachtung!«, so meint der Sichere; ja, einen Stoß noch für die, deren Fuß wankt!

Hi 12,6 Die Zelte der Räuber haben Ruhe, und in Sicherheit leben die, welche Gott reizen, diejenigen, die Gott in ihrer Faust führen.

Hi 12,7 Aber frage doch das Vieh, und es wird dich belehren, oder die Vögel des Himmels, und sie werden dir’s verkünden,

Hi 12,8 oder rede mit der Erde, und sie wird dich unterweisen, und die Fische im Meer erzählen es dir.

Hi 12,9 Wer unter allen diesen wüsste nicht, dass die Hand des HERRN dies gemacht hat,

Hi 12,10 dass in seiner Hand die Seele alles Lebendigen ist und der Geist jedes menschlichen Fleisches?

Hi 12,11 Prüft nicht das Ohr die Worte, wie der Gaumen die Speise schmeckt?

Hi 12,12 Wohnt bei den Greisen die Weisheit und bei den Betagten der Verstand?

Hi 12,13 Bei Ihm ist Weisheit und Stärke, Sein ist Rat und Verstand!

Hi 12,14 Siehe, wenn Er niederreißt, wird nicht wieder aufgebaut; wenn er über dem Menschen zuschließt, wird nicht wieder geöffnet.

Hi 12,15 Siehe, wenn er die Gewässer zurückhält, so vertrocknen sie; lässt er sie los, so verwüsten sie das Land.

Hi 12,16 Bei ihm ist Macht und Verstand; ihm gehört, wer irregeht und wer irreführt.

Hi 12,17 Er führt die Ratgeber beraubt hinweg und macht Richter zu Narren.

Hi 12,18 Die Herrschaft der Könige löst er auf und schlingt eine Fessel um ihre Lenden.

Hi 12,19 Er führt die Priester beraubt hinweg und stürzt die Festgegründeten um.

Hi 12,20 Er nimmt den Wohlbewährten die Sprache weg und raubt den Alten die Urteilskraft.

Hi 12,21 Er schüttet Verachtung über die Edlen und löst den Gürtel der Starken.

Hi 12,22 Er enthüllt, was im Finstern verborgen liegt, und zieht den Todesschatten ans Licht.

Hi 12,23 Er macht Völker groß, und er vernichtet sie; er breitet die Völker weit aus, und er führt sie weg.

Hi 12,24 Den Häuptern des Volkes im Land nimmt er den Verstand und lässt sie irren in pfadloser Wüste;

Hi 12,25 sie tappen in Finsternis ohne Licht; er lässt sie taumeln wie Betrunkene.

Hi 13,1 Siehe, dies alles hat mein Auge gesehen, mein Ohr hat’s gehört und sich gemerkt;

Hi 13,2 was ihr wisst, weiß auch ich; ich stehe nicht hinter euch zurück.

Hi 13,3 Ich aber will nun zu dem Allmächtigen reden; mit Gott zu rechten begehre ich.

Hi 13,4 Ihr hingegen streicht ja nur Lügenpflaster und seid nichts als Quacksalber, ihr alle!

Hi 13,5 O dass ihr doch schweigen könntet; das würde euch als Weisheit angerechnet!

Hi 13,6 So hört nun meine Rechtfertigung, und achtet auf die Verteidigung meiner Lippen!

Hi 13,7 Wollt ihr Gott zuliebe Unrechtes reden und zu seinen Gunsten lügen?

Hi 13,8 Wollt ihr seine Partei ergreifen oder Gottes Anwalt spielen?

Hi 13,9 Wäre es gut [für euch], wenn er euch erforschte? Könnt ihr ihn täuschen, wie man Menschen täuscht?

Hi 13,10 Nein, strafen wird er euch, wenn ihr im Geheimen die Person anseht!

Hi 13,11 Wird nicht seine Majestät euch in Furcht versetzen und Schrecken vor ihm euch überfallen?

Hi 13,12 Eure Denksprüche sind Sprüche aus Asche, und eure Schutzwehren sind Schutzwehren aus Lehm.

Hi 13,13 Schweigt vor mir und lasst mich reden; es komme über mich, was will!

Hi 13,14 Warum sollte ich mein Fleisch in meine Zähne nehmen und mein Leben in meine Hand legen?

Hi 13,15 Siehe, er soll mich töten — ich will auf ihn warten; nur will ich meine Wege ihm ins Angesicht verteidigen!

Hi 13,16 Auch das schon wird mir zur Rettung dienen; denn kein Gottloser kommt vor sein Angesicht.

Hi 13,17 Hört doch, hört auf meine Rede, und meine Erklärung dringe in eure Ohren!

Hi 13,18 Gebt acht, ich habe die Verteidigung vorgebracht; ich weiß, dass ich Recht bekommen werde.

Hi 13,19 Wer ist es, der noch mit mir rechten will? Denn dann wollte ich verstummen und sterben.

Hi 13,20 Nur zweierlei tue mir nicht an, dann will ich mich vor deinem Angesicht nicht verbergen:

Hi 13,21 Tue deine Hand von mir und ängstige mich nicht mit deinem Schrecken!

Hi 13,22 Dann rufe du, und ich will antworten, oder ich will reden, und du erwidere mir!

Hi 13,23 Wie viele Sünden und Vergehen habe ich? Lass mich meine Übertretungen und Missetaten wissen!

Hi 13,24 Warum verbirgst du dein Angesicht und hältst mich für deinen Feind?

Hi 13,25 Verscheuchst du ein verwehtes Blatt und verfolgst einen dürren Halm?

Hi 13,26 Denn du verschreibst mir Bitteres und lässt mich erben die Sünden meiner Jugend;

Hi 13,27 du legst meine Füße in den Stock und lauerst auf alle meine Schritte und zeichnest dir meine Fußspuren auf,

Hi 13,28 da ich doch wie Moder vergehe, wie ein Kleid, das die Motten fressen!

Hi 14,1 Der Mensch, von der Frau geboren, lebt [nur] kurze Zeit und ist voll Unruhe.

Hi 14,2 Wie eine Blume sprießt er auf und verwelkt; gleich einem Schatten flieht er und hat keinen Bestand.

Hi 14,3 Ja, über einem solchen hältst du deine Augen auf, und mit mir gehst du ins Gericht!

Hi 14,4 Wie könnte denn ein Reiner von einem Unreinen kommen? Nicht ein Einziger!

Hi 14,5 Wenn doch seine Tage bestimmt sind, die Zahl seiner Monate bei dir [festgelegt] ist und du ihm ein Ziel gesetzt hast, das er nicht überschreiten kann,

Hi 14,6 so schaue doch weg von ihm und lass ihn in Ruhe, damit er seinen Tag froh beendet wie ein Tagelöhner!

Hi 14,7 Denn für einen Baum gibt es Hoffnung: Wird er abgehauen, so sprosst er wieder, und seine Schösslinge bleiben nicht aus.

Hi 14,8 Wenn seine Wurzel in der Erde auch alt wird und sein Stumpf im Staub abstirbt,

Hi 14,9 so sprosst er doch wieder vom Duft des Wassers und treibt Zweige, als wäre er neu gepflanzt.

Hi 14,10 Der Mann aber stirbt und ist dahin; der Mensch vergeht, und wo ist er?

Hi 14,11 Wie Wasser zerrinnen aus dem See, und wie ein Strom vertrocknet und versiegt,

Hi 14,12 so legt sich auch der Mensch nieder und steht nicht wieder auf; bis die Himmel nicht mehr sind, regen sie sich nicht und werden nicht aufgeweckt aus ihrem Schlaf.

Hi 14,13 O dass du mich doch im Totenreich verstecken, dass du mich verbergen würdest, bis dein Zorn sich wendet; dass du mir eine Frist setztest und dann wieder an mich gedächtest!

Hi 14,14 Aber wird denn der Mensch, wenn er stirbt, [wieder] leben? Die ganze Zeit meines Frondienstes würde ich harren, bis meine Ablösung käme.

Hi 14,15 Dann würdest du rufen, und ich würde dir antworten; nach dem Werk deiner Hände würdest du dich sehnen.

Hi 14,16 Nun aber zählst du meine Schritte; achtest du nicht auf meine Sünde?

Hi 14,17 Versiegelt ist meine Übertretung in einem Bündel, und meine Schuld hast du verwahrt.

Hi 14,18 Doch stürzen ja auch Berge ein und sinken dahin, und Felsen werden von ihrer Stelle weggerückt;

Hi 14,19 das Wasser höhlt Steine aus, und die Flut schwemmt den Staub der Erde fort: So machst du auch die Hoffnung des Sterblichen zunichte.

Hi 14,20 Du überwältigst ihn für immer, und er fährt dahin; du entstellst sein Angesicht und jagst ihn fort.

Hi 14,21 Ob seine Kinder zu Ehren kommen, weiß er nicht, und kommen sie herunter, so merkt er es nicht.

Hi 14,22 Sein Fleisch empfindet nur noch seine eigenen Schmerzen, und seine Seele trauert nur über sich selbst!

Hi 15,1 Da antwortete Eliphas, der Temaniter, und sprach:

Hi 15,2 Soll ein Weiser mit windigem Wissen antworten und seinen Leib mit Ostwind füllen?

Hi 15,3 Soll er mit Worten streiten, die nichts taugen, oder mit Reden, durch die er nichts nützt?

Hi 15,4 Ja, du machst die Gottesfurcht zunichte und schwächst die Andacht vor Gott!

Hi 15,5 Denn deine Missetat lehrt deinen Mund, und du wählst die Sprache der Listigen.

Hi 15,6 Dein eigener Mund verurteilt dich und nicht ich; und deine Lippen zeugen gegen dich!

Hi 15,7 Bist du als erster der Menschen geboren, und bist du vor den Hügeln hervorgebracht worden?

Hi 15,8 Hast du Gottes Geheimnis belauscht und alle Weisheit an dich gerissen?

Hi 15,9 Was weißt du, das wir nicht wüssten? Was verstehst du, das uns nicht bekannt wäre?

Hi 15,10 Auch unter uns sind ergraute Häupter, auch Greise, reicher an Tagen als dein Vater!

Hi 15,11 Sind dir Gottes Tröstungen zu gering, und ein Wort, das sanft mit dir verfährt?

Hi 15,12 Was hat dir die Besinnung geraubt, und wie übermütig wirst du,

Hi 15,13 dass du dein Schnauben gegen Gott kehrst und solche Worte aus deinem Mund ausstößt?

Hi 15,14 Was ist der Sterbliche, dass er rein sein sollte, und wie kann der von einer Frau Geborene gerecht sein?

Hi 15,15 Siehe, seinen Heiligen traut Er nicht, die Himmel sind nicht rein in seinen Augen;

Hi 15,16 wie viel weniger der Abscheuliche und Verdorbene, der Mensch, der Unrecht wie Wasser säuft?

Hi 15,17 Ich will’s dir mitteilen, höre mir zu; und was ich gesehen habe, will ich erzählen,

Hi 15,18 was Weise verkündeten und nicht verborgen haben von ihren Vätern her,

Hi 15,19 als ihnen das Land noch allein gehörte und noch kein Fremder in ihrer Mitte umherzog:

Hi 15,20 Der Gottlose quält sich mit Angst sein Leben lang; nur abgezählte Zeit ist dem Gewalttäter bestimmt;

Hi 15,21 Schreckensrufe sind in seinen Ohren, mitten im Frieden überfällt ihn der Verderber.

Hi 15,22 Er soll nicht glauben, dass er aus der Finsternis je wiederkehrt; für das Schwert ist er ausersehen!

Hi 15,23 Er irrt umher nach Brot: wo [kann er’s finden]? Er weiß, dass der Tag der Finsternis ihm bereitet ist.

Hi 15,24 Not und Bedrängnis überfallen ihn; sie überwältigen ihn wie ein König, der zum Angriff gerüstet ist.

Hi 15,25 Denn er hat seine Hand gegen Gott ausgestreckt und sich gegen den Allmächtigen aufgelehnt;

Hi 15,26 er ist hartnäckig gegen ihn angelaufen, unter dem dicken Buckel seiner Schilde;

Hi 15,27 denn sein Angesicht hat er mit Fett gepolstert, und Speck hat er an seinen Lenden angesetzt.

Hi 15,28 Und er hat seine Wohnung in zerstörten Städten aufgeschlagen, in Häusern, die unbewohnt bleiben sollten, zu Trümmerhaufen bestimmt.

Hi 15,29 Er wird nicht reich, sein Vermögen hat keinen Bestand, und sein Besitz breitet sich nicht aus im Land.

Hi 15,30 Der Finsternis entgeht er nicht, die Flamme versengt seine Sprösslinge; vor dem Hauch Seines Mundes flieht er dahin.

Hi 15,31 Er verlasse sich nicht auf Betrug, sonst wird er irregeführt; und Betrug wird seine Vergeltung sein.

Hi 15,32 Ehe sein Tag kommt, so erfüllt sich [sein Geschick]; sein Zweig grünt nicht mehr.

Hi 15,33 Wie ein Weinstock, der seine unreifen Trauben abstößt, und wie ein Ölbaum [ist er], der seine Blüten abwirft.

Hi 15,34 Denn die Rotte der Ruchlosen ist unfruchtbar, und Feuer verzehrt die Zelte der Bestechung.

Hi 15,35 Mit Mühsal gehen sie schwanger und gebären Unheil, und ihr Schoß bereitet ihnen Enttäuschung!

Hi 16,1 Und Hiob antwortete und sprach:

Hi 16,2 Dergleichen habe ich oft gehört; ihr seid allesamt leidige Tröster!

Hi 16,3 Haben die geistreichen Worte ein Ende? Oder was reizte dich, zu antworten?

Hi 16,4 Auch ich könnte reden wie ihr! Befände sich nur eure Seele an meiner Stelle — da wollte ich Worte gegen euch zusammenreimen und den Kopf schütteln über euch!

Hi 16,5 Ich wollte euch mit meinem Mund stärken und mit dem Trost meiner Lippen euren Schmerz lindern!

Hi 16,6 Wenn ich rede, so wird mein Schmerz nicht gelindert, unterlasse ich es aber, was verliere ich?

Hi 16,7 Doch jetzt hat Er mich erschöpft. Du hast meinen ganzen Hausstand verwüstet

Hi 16,8 und hast mich zusammenschrumpfen lassen; zum Zeugen [gegen mich] ist das geworden; auch mein Hinsiechen tritt gegen mich auf, es zeugt mir ins Angesicht.

Hi 16,9 Sein Zorn hat mich zerrissen und verfolgt, er knirscht mit den Zähnen gegen mich; mein Feind blickt mich mit scharfem Auge an.

Hi 16,10 Sie haben ihr Maul gegen mich aufgesperrt, unter Hohnreden schlagen sie mich ins Gesicht; sie rotten sich gegen mich zusammen.

Hi 16,11 Gott hat mich dem Ungerechten preisgegeben und in die Hände der Gottlosen ausgeliefert.

Hi 16,12 Sorglos war ich, da hat er mich überfallen; er hat mich beim Nacken ergriffen und zerschmettert und mich als seine Zielscheibe aufgestellt.

Hi 16,13 Seine Geschosse umschwirrten mich, er durchbohrte meine Nieren ohne Erbarmen; meine Galle schüttete er auf die Erde aus.

Hi 16,14 Er zerbrach mich, [riss mir] eine Bresche nach der anderen, lief gegen mich an wie ein Krieger.

Hi 16,15 Ich habe einen Sack um meine Haut genäht und mein Horn in den Staub gesenkt.

Hi 16,16 Mein Angesicht ist gerötet vom Weinen, und Todesschatten liegt auf meinen Lidern

Hi 16,17 — obwohl kein Unrecht an meinen Händen klebt und mein Gebet lauter ist!

Hi 16,18 O Erde, decke mein Blut nicht zu, und mein Geschrei komme nicht zur Ruhe!

Hi 16,19 Aber auch jetzt noch, siehe, ist mein Zeuge im Himmel und mein Bürge in der Höhe!

Hi 16,20 Meine Freunde spotten über mich; aber mein Auge blickt unter Tränen auf zu Gott,

Hi 16,21 dass er dem Mann Recht verschaffe vor Gott und dem Menschenkind vor seinem Nächsten.

Hi 16,22 Denn es kommen nur noch wenige Jahre, und ich gehe den Weg ohne Wiederkehr.

Hi 17,1 Mein Geist ist verstört, meine Tage laufen ab; die Grabstätte wartet auf mich.

Hi 17,2 Treibt man nicht Gespött mit mir, und muss nicht mein Auge ständig ihre Herausforderungen ansehen?

Hi 17,3 Setze doch einen ein, verbürge dich selbst für mich! Wer sollte sonst [als Bürge] in meine Hand einschlagen?

Hi 17,4 Denn du hast ihre Herzen der Einsicht verschlossen; darum wirst du sie nicht triumphieren lassen.

Hi 17,5 Wer Freunde der Plünderung preisgibt, dessen Kindern werden die Augen verschmachten.

Hi 17,6 Man stellt mich den Leuten zum Sprichwort hin, und ich muss sein wie einer, dem man ins Angesicht spuckt.

Hi 17,7 Mein Augenlicht erlischt vor Gram, und alle meine Glieder sind wie ein Schatten.

Hi 17,8 Die Gerechten werden sich darüber entsetzen, und der Unschuldige wird sich über den Ruchlosen empören.

Hi 17,9 Aber der Gerechte wird an seinem Weg festhalten, und wer reine Hände hat, dessen Kraft nimmt zu.

Hi 17,10 Ihr dagegen, kehrt nur alle wieder um und geht [heim], ich finde doch keinen Weisen unter euch!

Hi 17,11 Meine Tage sind dahin, zerrissen meine Pläne, die Wünsche meines Herzens.

Hi 17,12 Die Nacht machen sie zum Tag; das Licht sei nahe, nicht die Finsternis!

Hi 17,13 Dabei erwarte ich doch, dass das Totenreich meine Wohnung wird und ich mein Lager in der Finsternis aufschlagen muss;

Hi 17,14 dabei muss ich doch zum Grab sagen: Du bist mein Vater!, zu den Würmern: Ihr seid meine Mutter und meine Schwestern!

Hi 17,15 Wo ist da noch Hoffnung für mich, und wer wird meine Hoffnung [verwirklicht] sehen?

Hi 17,16 Zu den Pforten des Totenreichs fährt sie hinab, wenn wir einmal alle miteinander im Staub ruhen!

Hi 18,1 Da antwortete Bildad, der Schuchiter, und sprach:

Hi 18,2 Wie lange wollt ihr doch Jagd auf Worte machen? Besinnt euch zuerst, und dann wollen wir reden!

Hi 18,3 Warum werden wir dem Vieh gleichgeachtet, sind so dumm in euren Augen?

Hi 18,4 Du, der sich selbst zerfleischt in seinem Zorn: Soll um deinetwillen die Erde veröden und der Fels von seiner Stelle wegrücken?

Hi 18,5 Jawohl, das Licht des Gottlosen wird erlöschen, und die Flamme seines Feuers nicht mehr leuchten.

Hi 18,6 Das Licht verfinstert sich schon in seinem Zelt, und seine Leuchte erlischt über ihm.

Hi 18,7 Seine kräftigen Schritte werden eingeengt, und sein eigener Ratschlag wird ihn zu Fall bringen.

Hi 18,8 Denn er wird mit seinen eigenen Füßen im Netz verstrickt und wandelt über Fallgruben dahin.

Hi 18,9 Eine Schlinge wird ihn an der Ferse ergreifen, und ein Fallstrick hält ihn fest.

Hi 18,10 Ein Strick ist für ihn auf dem Boden versteckt und seine Falle auf dem Pfad.

Hi 18,11 Von allen Seiten ängstigen ihn Schrecknisse und hetzen ihn auf Schritt und Tritt.

Hi 18,12 Sein Verderben verlangt hungrig nach ihm, und sein Unglück steht neben ihm bereit.

Hi 18,13 Es verzehrt die Glieder seines Leibes; der Erstgeborene des Todes zehrt seine Glieder auf.

Hi 18,14 Er wird vertrieben aus seinem Zelt, seinem Zufluchtsort, und es treibt ihn zu dem König der Schrecken.

Hi 18,15 Sein Zelt wird von einem bewohnt, der ihm nicht zugehört; auf seine Wohnung wird Schwefel gestreut.

Hi 18,16 Von unten werden seine Wurzeln verdorren, und von oben seine Zweige verwelken.

Hi 18,17 Sein Gedenken verschwindet von der Erde, und sein Name wird auf den Straßen nicht genannt werden.

Hi 18,18 Man stößt ihn aus dem Licht in die Finsternis und verjagt ihn aus der Welt.

Hi 18,19 Kein Spross noch Schössling bleibt ihm unter seinem Volk und kein Überlebender in seinen Wohnungen.

Hi 18,20 Über seinen Tag entsetzen sich die Abendländer, und die Morgenländer packt der Schauder.

Hi 18,21 So geht es der Wohnung des Ungerechten, und so der Stätte dessen, der Gott nicht kennt!

Hi 19,1 Und Hiob antwortete und sprach:

Hi 19,2 Wie lange wollt ihr meine Seele plagen und mich mit Worten niederdrücken?

Hi 19,3 Zehnmal schon habt ihr mich geschmäht; schämt ihr euch nicht, mich zu misshandeln?

Hi 19,4 Habe ich mich aber wahrhaftig verfehlt, so trifft doch meine Verfehlung mich selbst!

Hi 19,5 Wenn ihr in Wahrheit gegen mich großtun und mir meine Schmach vorwerfen wollt,

Hi 19,6 so erkennt doch, dass Gott mein Recht gebeugt und sein Netz über mich geworfen hat.

Hi 19,7 Siehe, wenn ich schreie »Gewalttat!«, so erhalte ich keine Antwort, und rufe ich um Hilfe, so finde ich kein Recht.

Hi 19,8 Er hat mir den Weg versperrt, sodass ich nicht weiterkomme, und über meine Pfade hat er Finsternis gebreitet.

Hi 19,9 Er hat mich meiner Ehre entkleidet und mir die Krone meines Hauptes weggenommen.

Hi 19,10 Er hat mich gänzlich niedergerissen, sodass ich vergehe, und hat meine Hoffnung entwurzelt wie einen Baum.

Hi 19,11 Sein Zorn ist gegen mich entbrannt, und er sieht mich an wie einen seiner Feinde.

Hi 19,12 Seine Scharen rücken geschlossen an und bahnen sich einen Weg gegen mich und lagern sich um mein Zelt her.

Hi 19,13 Meine Brüder hat er von mir verscheucht, und die mich kennen, sind mir ganz entfremdet.

Hi 19,14 Meine Verwandten bleiben aus, und meine Vertrauten verlassen mich.

Hi 19,15 Meine Hausgenossen und meine Mägde halten mich für einen Fremden; sie sehen mich als einen Unbekannten an.

Hi 19,16 Rufe ich meinen Knecht, so antwortet er mir nicht; ich muss ihn anflehen mit meinem Mund.

Hi 19,17 Mein Atem ist meiner Frau zuwider und mein Gestank den Söhnen meiner Mutter.

Hi 19,18 Sogar Buben verachten mich; stehe ich auf, so reden sie gegen mich.

Hi 19,19 Alle meine Vertrauten verabscheuen mich, und die ich liebte, haben sich gegen mich gewandt.

Hi 19,20 An meiner Haut und meinem Fleisch klebt mein Gebein, und ich habe kaum noch Haut, um meine Zähne zu behalten.

Hi 19,21 Erbarmt euch, erbarmt euch doch über mich, ihr, meine Freunde, denn die Hand Gottes hat mich getroffen!

Hi 19,22 Warum verfolgt ihr mich ebenso wie Gott und werdet nicht satt, mich zu zerfleischen?

Hi 19,23 O dass doch meine Worte aufgeschrieben, o dass sie doch in ein Buch eingetragen würden,

Hi 19,24 dass sie mit eisernem Griffel und Blei für immer in den Felsen gehauen würden:

Hi 19,25 Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er sich über den Staub erheben.

Hi 19,26 Und nachdem diese meine Hülle zerbrochen ist, dann werde ich, von meinem Fleisch los, Gott schauen;

Hi 19,27 ja, ich selbst werde ihn schauen, und meine Augen werden ihn sehen, ohne [ihm] fremd zu sein. Danach sehnt sich mein Herz in mir!

Hi 19,28 Wenn ihr sprecht: »Wie wollen wir ihn zur Strecke bringen?«, und [meint,] die Wurzel der Sache sei in mir zu finden,

Hi 19,29 so fürchtet euch selbst vor dem Schwert! Denn das Schwert wird die Sünden rächen, damit ihr wisst, dass es ein Gericht gibt!

Hi 20,1 Da antwortete Zophar, der Naamatiter, und sprach:

Hi 20,2 Darum veranlassen mich meine erregten Gedanken zu einer Antwort, und deswegen drängt es mich [zu reden].

Hi 20,3 Eine Zurechtweisung zu meiner Schande musste ich hören; aber mein Geist treibt mich zu antworten um meiner Einsicht willen:

Hi 20,4 Hast du dies nicht von alter Zeit her erkannt? Seitdem der Mensch auf die Erde gesetzt wurde,

Hi 20,5 ist das Frohlocken der Gottlosen kurz, und die Freude der Frevler währt nur einen Augenblick.

Hi 20,6 Wenn auch sein Stolz bis zum Himmel reichte und sein Haupt die Wolken berührte,

Hi 20,7 so geht er doch, gleich seinem Kot, auf ewig unter; die ihn gesehen haben, werden sagen: Wo ist er?

Hi 20,8 Wie ein Traum verfliegt er, man wird ihn nicht mehr finden; er wird weggescheucht wie ein Nachtgesicht.

Hi 20,9 Das Auge, das ihn sah, sieht ihn nicht wieder, und erblickt ihn nicht mehr an seinem Ort.

Hi 20,10 Seine Söhne müssen die Armen entschädigen, und seine Hände sein Vermögen wieder herausgeben.

Hi 20,11 Seine Gebeine waren voller Jugendkraft: Die liegt nun mit ihm im Staub.

Hi 20,12 Ist das Böse noch so süß in seinem Mund, dass er es unter seiner Zunge birgt,

Hi 20,13 dass er es hegt und nicht lassen kann und an seinem Gaumen festhält:

Hi 20,14 so verwandelt sich doch seine Speise in seinen Eingeweiden, wird zu Schlangengift in seinem Inneren.

Hi 20,15 Den Reichtum, den er verschlungen hat, muss er wieder von sich geben; Gott treibt es ihm aus seinem Bauch heraus.

Hi 20,16 Schlangengift hat er gesaugt: Darum wird ihn die Zunge der Otter töten.

Hi 20,17 Er wird seine Lust nicht sehen an den Bächen, an den Strömen von Honig und von Milch.

Hi 20,18 Den Gewinn muss er zurückgeben, und er kann ihn nicht verschlingen; an dem Reichtum, den er erwarb, wird er nicht froh;

Hi 20,19 denn er hat Arme misshandelt und sie liegen lassen, hat ein Haus beraubt anstatt gebaut.

Hi 20,20 Sein Bauch kannte keine Ruhe; vor seiner Begehrlichkeit blieb nichts verschont.

Hi 20,21 Nichts entging seiner Fressgier, darum wird auch sein Gut nicht Bestand haben.

Hi 20,22 Mitten in seinem Überfluss wird er in Not geraten; alle Hände der Unglücklichen kommen über ihn.

Hi 20,23 Es wird geschehen, während er seinen Bauch noch füllt, wird Er die Glut Seines Zornes über ihn senden und sie auf ihn regnen lassen, in seine Eingeweide hinein.

Hi 20,24 Flieht er vor eisernen Waffen, so wird ihn der eherne Bogen durchbohren.

Hi 20,25 Er zieht [an dem Pfeil], und er kommt aus dem Rücken hervor; blitzend fährt er aus seiner Galle, Todesschrecken kommen über ihn.

Hi 20,26 Alle Finsternis ist aufgespart für seine Schätze; ihn wird ein Feuer verzehren, das nicht angefacht wird; übel wird es dem ergehen, der in seinem Zelt übrig geblieben ist.

Hi 20,27 Der Himmel wird seine Schuld offenbaren und die Erde sich gegen ihn empören.

Hi 20,28 Der Ertrag seines Hauses fährt dahin, muss zerrinnen am Tag Seines Zornes.

Hi 20,29 Das ist das Teil des gottlosen Menschen von Gott, das Erbe, das Gott ihm zugesprochen hat!

Hi 21,1 Darauf antwortete Hiob und sprach:

Hi 21,2 Hört, o hört doch an, was ich zu sagen habe; das soll der Trost sein, den ihr mir gewährt!

Hi 21,3 Erlaubt mir, dass ich rede; und nachdem ich gesprochen habe, magst du spotten!

Hi 21,4 Richte ich etwa meine Klage an einen Menschen? Und warum sollte ich nicht ungeduldig sein?

Hi 21,5 Wendet euch zu mir und staunt, und legt die Hand auf den Mund!

Hi 21,6 Ja, wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern erfasst meinen Leib.

Hi 21,7 Warum leben denn die Gottlosen, werden alt, groß und stark?

Hi 21,8 Ihr Same gedeiht vor ihrem Angesicht um sie her, und ihre Sprösslinge sind vor ihren Augen.

Hi 21,9 Ihre Häuser haben Frieden, keine Furcht; die Rute Gottes schlägt sie nicht.

Hi 21,10 Sein Stier bespringt, und nicht umsonst; seine Kuh kalbt ohne Fehlgeburt.

Hi 21,11 Ihre Jungen lassen sie ausziehen wie eine Schafherde, und ihre Kinder hüpfen herum.

Hi 21,12 Sie singen laut zur Pauke und Laute und sind fröhlich beim Klang der Schalmei.

Hi 21,13 Sie verbringen ihre Tage in Wohlleben und fahren in einem Augenblick in das Totenreich hinab.

Hi 21,14 Und doch sprechen sie zu Gott: »Weiche von uns; nach der Erkenntnis deiner Wege fragen wir nicht!

Hi 21,15 Was ist schon der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollten, und was nützt es uns, ihn anzurufen?«

Hi 21,16 — Doch siehe, ihr Glück liegt nicht in ihrer Hand; [darum] sei der Rat der Gottlosen fern von mir! —

Hi 21,17 Wie oft erlischt die Leuchte der Gottlosen und ereilt sie ihr Unglück, teilt Er ihnen Verderben zu in seinem Zorn,

Hi 21,18 werden sie wie Stroh vor dem Wind und wie Spreu, die der Sturm entführt?

Hi 21,19 Spart Gott das Unglück [des Gottlosen] für seine Kinder auf? — Ihm selbst sollte er vergelten, sodass er es weiß!

Hi 21,20 Seine eigenen Augen sollen sein Verderben sehen, und den Zorn des Allmächtigen soll er selbst trinken!

Hi 21,21 Denn was liegt ihm an seinem Haus nach seinem Tod, wenn die Zahl seiner Monate abgerissen ist?

Hi 21,22 Kann man Gott Erkenntnis lehren, da er es doch ist, der die Hohen richtet?

Hi 21,23 Der eine stirbt im Vollbesitz seiner Kraft, vollkommen ruhig und sorglos;

Hi 21,24 seine Tröge fließen über von Milch, und das Mark seiner Gebeine ist getränkt.

Hi 21,25 Der andere aber stirbt mit betrübter Seele und hat nie Gutes geschmeckt:

Hi 21,26 Gemeinsam liegen sie im Staub, und Gewürm bedeckt sie beide.

Hi 21,27 Seht, ich kenne eure Überlegungen und die listigen Pläne, mit denen ihr mir Unrecht tun wollt!

Hi 21,28 Denn ihr denkt: »Wo ist das Haus des Fürsten? Und wo ist das Zelt, in dem die Gottlosen wohnten?«

Hi 21,29 Habt ihr nicht die befragt, die auf dem Weg vorüberzogen? Und habt ihr ihre Hinweise nicht beachtet,

Hi 21,30 dass der Böse verschont wird am Tag des Unglücks und dem Tag des Zorns entgeht?

Hi 21,31 Wer kann ihm ins Gesicht seinen Wandel vorhalten, und sein Tun, wer vergilt es ihm?

Hi 21,32 Doch er wird [feierlich] zu Grabe getragen, und über seinem Grabhügel hält man Wache.

Hi 21,33 Angenehm sind ihm die Schollen des Tales; hinter ihm her zieht jedermann, und vor ihm her eine unzählbare Schar.

Hi 21,34 Was tröstet ihr mich da mit Nichtigkeiten? Eure Antworten sind nichts als Trug!

Hi 22,1 Darauf antwortete Eliphas, der Temaniter, und sprach:

Hi 22,2 Kann ein Mann Gott etwas nützen? Es nützt ja der Verständige nur sich selbst.

Hi 22,3 Hat der Allmächtige Freude, wenn du gerecht bist? Ist’s ihm ein Gewinn, wenn du in Unschuld wandelst?

Hi 22,4 Straft er dich etwa wegen deiner Gottesfurcht, und geht er deshalb mit dir ins Gericht?

Hi 22,5 Sind nicht deine Missetaten groß und deine Schulden ohne Ende?

Hi 22,6 Du hast deine Brüder grundlos gepfändet und den Entblößten die Kleider ausgezogen;

Hi 22,7 du hast dem Ermatteten kein Wasser zu trinken gegeben und dem Hungrigen das Brot verweigert.

Hi 22,8 Dem Gewalttätigen gehört ja das Land, und der Angesehene wohnt darin.

Hi 22,9 Du hast Witwen leer fortgeschickt, und die Arme der Waisen wurden zerbrochen.

Hi 22,10 Deshalb waren rings um dich her Fallen, sodass dich plötzlich Schrecken überfiel.

Hi 22,11 Oder siehst du die Finsternis nicht und die Wasserflut, die dich bedeckt?

Hi 22,12 Ist Gott nicht so hoch wie die Himmel? Sieh doch die höchsten Sterne, wie hoch sie stehen!

Hi 22,13 Und du denkst: »Was weiß Gott! Sollte er durch das Wolkendunkel hindurch richten?

Hi 22,14 Die Wolken sind eine Hülle für ihn, sodass er nicht sehen kann, und er wandelt auf dem Himmelsgewölbe umher!«

Hi 22,15 Willst du den Weg der Vorzeit befolgen, den Pfad, auf dem die Frevler einhergingen,

Hi 22,16 die vor ihrer Zeit weggerafft wurden, deren Fundament der Strom wegriss,

Hi 22,17 die zu Gott sprachen: »Weiche von uns!«, und: »Was kann der Allmächtige einem schon tun?«

Hi 22,18 Und er hatte doch ihre Häuser mit Gütern gefüllt! — Doch der Rat der Gottlosen sei fern von mir!

Hi 22,19 Als die Gerechten es sahen, freuten sie sich, und der Unschuldige spottete über sie:

Hi 22,20 »Fürwahr, unsere Widersacher sind vertilgt, und das Feuer hat ihren Überrest verzehrt!«

Hi 22,21 Versöhne dich doch mit Ihm und mache Frieden! Dadurch wird Gutes über dich kommen.

Hi 22,22 Nimm doch Belehrung an aus seinem Mund und lege seine Worte in dein Herz!

Hi 22,23 Wenn du zu dem Allmächtigen umkehrst, so wirst du aufgerichtet werden, wenn du die Ungerechtigkeit aus deinem Zelt entfernst.

Hi 22,24 Wirf das Gold in den Staub und das Ophirgold zu den Steinen der Bäche,

Hi 22,25 so wird der Allmächtige dein Gold und dein erlesenes Silber sein!

Hi 22,26 Dann wirst du dich an dem Allmächtigen erfreuen und dein Angesicht zu Gott erheben;

Hi 22,27 du wirst zu ihm flehen, und er wird dich erhören, und du wirst deine Gelübde erfüllen.

Hi 22,28 Was du dir vornimmst, das wird gelingen, und ein Licht wird auf deinen Wegen leuchten.

Hi 22,29 Wenn sie abwärts führen, so wirst du sagen: »Es geht empor!«, und wer die Augen niederschlägt, den wird er retten.

Hi 22,30 Er wird [selbst] den freilassen, der nicht unschuldig ist: Durch die Reinheit deiner Hände wird er befreit werden.

Hi 23,1 Da antwortete Hiob und sprach:

Hi 23,2 Auch heute noch ist meine Klage bitter; die Hand, die mich trifft, presst mir schwere Seufzer aus!

Hi 23,3 O dass ich wüsste, wo ich ihn fände, dass ich bis zu seinem Thron gelangen könnte!

Hi 23,4 Ich würde ihm [meine] Rechtssache vorlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen.

Hi 23,5 Ich möchte wissen, was er mir antworten, und erfahren, was er zu mir sagen würde.

Hi 23,6 Würde er in seiner Machtfülle mit mir streiten? Nein, er würde mich gewiss anhören.

Hi 23,7 Da würde ein Redlicher bei ihm vorsprechen, und ich würde auf ewig frei ausgehen von meinem Richter.

Hi 23,8 Wenn ich aber nach Osten gehe, so ist er nirgends; wende ich mich nach Westen, so bemerke ich ihn nicht;

Hi 23,9 wirkt er im Norden, so erblicke ich ihn nicht; verbirgt er sich im Süden, so kann ich ihn nicht sehen.

Hi 23,10 Ja, er kennt meinen Weg; wenn er mich prüft, so werde ich wie Gold hervorgehen!

Hi 23,11 Mein Fuß ist seinen Tritten gefolgt; seinen Weg habe ich bewahrt und bin nicht davon abgewichen;

Hi 23,12 vom Gebot seiner Lippen habe ich mich nicht entfernt; die Worte seines Mundes bewahrte ich mehr als meine Grundsätze.

Hi 23,13 Doch Er bleibt sich gleich, und wer will ihm wehren? Was er will, das tut er.

Hi 23,14 Ja, Er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und dergleichen hat er [noch] vieles im Sinn.

Hi 23,15 Darum schrecke ich zurück vor seinem Angesicht, und wenn ich daran denke, so fürchte ich mich vor ihm.

Hi 23,16 Ja, Gott hat mein Herz verzagt gemacht, und der Allmächtige hat mich erschreckt.

Hi 23,17 Damit ich [aber] nicht vergehe vor dem Anblick der Finsternis, hat er vor meinem Angesicht das Dunkel verdeckt.

Hi 24,1 Warum sind vom Allmächtigen nicht Zeiten [des Gerichts] aufbewahrt, und warum sehen die, welche ihn kennen, seine Tage nicht?

Hi 24,2 Man verrückt die Grenzen; sie rauben die Herde und weiden sie.

Hi 24,3 Den Esel der Waisen treibt man fort und pfändet die Kuh der Witwe.

Hi 24,4 Man jagt die Armen aus dem Weg, und die Elenden im Land müssen sich allesamt verbergen.

Hi 24,5 Siehe, wie Wildesel in der Wüste ziehen sie zu ihrem Tagewerk aus, auf der Suche nach Nahrung; die Wildnis bietet ihnen Speise für die Kinder.

Hi 24,6 Sie ernten das Futter auf dem Feld und halten Nachlese im Weinberg des Gottlosen.

Hi 24,7 Entblößt bringen sie die Nächte zu; sie haben kein Gewand, und wenn es kalt wird, keine Decke.

Hi 24,8 Vom Regen der Berge werden sie durchnässt, und weil sie keine Zuflucht haben, klammern sie sich an den Felsen.

Hi 24,9 Man reißt das Waisenkind von der Brust, und was der Arme anhat, nimmt man als Pfand.

Hi 24,10 Entblößt gehen sie umher, ohne Gewand; sie müssen Garben tragen und hungern dabei.

Hi 24,11 Innerhalb der Mauern [der Reichen] pressen sie Öl; sie treten die Kelter und müssen doch Durst leiden.

Hi 24,12 Von der Stadt her ächzen Sterbende, und die Seele der Erschlagenen schreit; aber Gott achtet nicht auf das Unrecht.

Hi 24,13 Jene hassen das Licht, sie wollen seine Wege nicht kennen und bleiben nicht auf seinen Pfaden.

Hi 24,14 Bei Tagesanbruch steht der Mörder auf, um den Elenden und Armen umzubringen; in der Nacht aber ist er wie ein Dieb.

Hi 24,15 Das Auge des Ehebrechers wartet auf die Dämmerung; er spricht: »Kein Auge soll mich sehen!«, und verhüllt sein Angesicht.

Hi 24,16 In der Finsternis bricht man in die Häuser ein; bei Tag halten sie sich eingeschlossen; sie scheuen das Licht.

Hi 24,17 Denn für sie alle ist der Morgen gleich wie Todesschatten; denn sie sind vertraut mit dem Schrecken des Todesschattens.

Hi 24,18 Schnell treibt er auf der Oberfläche des Wassers dahin. Verflucht ist sein Erbteil auf Erden; sein Weg führt nicht durch Weingärten.

Hi 24,19 Wie Hitze und Sonnenglut die Schneewasser wegraffen, so das Totenreich die, welche gesündigt haben.

Hi 24,20 Der Mutterschoß wird ihn vergessen, Würmer laben sich an ihm; nie mehr wird an ihn gedacht, und wie ein Baum wird [sein] Übermut gebrochen,

Hi 24,21 der die Unfruchtbare beraubte, die nicht gebar, und der Witwe nichts Gutes tat.

Hi 24,22 Und Mächtige rafft er dahin durch seine Kraft; steht er auf, so ist man seines Lebens nicht mehr sicher.

Hi 24,23 Er gibt ihm Sicherheit, und jener verlässt sich darauf; und seine Augen [wachen] über ihre Wege.

Hi 24,24 Sie kommen hoch; aber wenig braucht’s, so sind sie dahin; sie sinken hin und werden zusammengerafft, wie alle anderen auch, und wie die Ährenspitze werden sie abgeschnitten.

Hi 24,25 Oder ist’s nicht so? Wer will mich Lügen strafen und meine Rede zunichtemachen?

Hi 25,1 Da antwortete Bildad, der Schuchiter, und sprach:

Hi 25,2 Herrschaft und Schrecken sind bei Ihm; Frieden schafft Er in seinen Höhen.

Hi 25,3 Sind seine Scharen zu zählen? Und über wem erhebt sich nicht sein Licht?

Hi 25,4 Wie kann aber der Sterbliche gerecht sein vor Gott, und wie will der rein sein, der von der Frau geboren ist?

Hi 25,5 Siehe, sogar der Mond leuchtet nicht hell, und die Sterne sind nicht rein in seinen Augen

Hi 25,6 — wie viel weniger der Sterbliche, die Made, und das Menschenkind, der Wurm!

Hi 26,1 Und Hiob antwortete und sprach:

Hi 26,2 Wie hast du doch den Ohnmächtigen unterstützt und dem machtlosen Arm geholfen!

Hi 26,3 Wie hast du den beraten, dem Weisheit fehlt, und Einsicht in Fülle mitgeteilt!

Hi 26,4 Wen hast du mit deinen Worten getroffen, und wessen Odem ist aus dir hervorgegangen?

Hi 26,5 Die Schatten werden von Zittern erfasst unter den Wassern und ihren Bewohnern.

Hi 26,6 Das Totenreich liegt enthüllt vor Ihm, und der Abgrund hat keine Decke.

Hi 26,7 Er spannt den Norden aus über der Leere und hängt die Erde über dem Nichts auf.

Hi 26,8 Er bindet die Wasser in seinen Wolken zusammen, und das Gewölk zerreißt nicht unter ihrem Gewicht.

Hi 26,9 Er verschließt den Anblick des Thrones, er breitet sein Gewölk darüber.

Hi 26,10 Er hat einen Kreis abgesteckt auf der Oberfläche der Wasser bis zur Grenze von Licht und Finsternis.

Hi 26,11 Die Säulen des Himmels erbeben und erschrecken vor seinem Schelten.

Hi 26,12 Durch seine Kraft erregt er das Meer, und mit seinem Verstand zerschlägt er das Ungeheuer.

Hi 26,13 Durch seinen Hauch wird der Himmel klar; mit seiner Hand durchbohrt er die flüchtige Schlange.

Hi 26,14 Siehe, das sind die Umrisse seiner Wege; wie leise ist das Wort, das wir davon vernehmen! Aber den Donner seiner Macht — wer versteht ihn?

Hi 27,1 Und Hiob setzte seine Rede fort und sprach:

Hi 27,2 So wahr Gott lebt, der mir mein Recht entzogen, und der Allmächtige, der meine Seele verbittert hat:

Hi 27,3 Ja, solange noch mein Odem in mir ist und der Hauch Gottes in meiner Nase,

Hi 27,4 sollen meine Lippen nichts Verkehrtes reden und meine Zunge keine Lüge aussprechen!

Hi 27,5 Fern sei es von mir, dass ich euch recht gebe; ich werde mir meine Unschuld nicht nehmen lassen bis an mein Ende!

Hi 27,6 Ich halte an meiner Gerechtigkeit fest und werde sie nicht loslassen; mein Gewissen straft mich über keinen meiner Tage!

Hi 27,7 Meinem Feind aber ergehe es wie dem Gottlosen, und meinem Widersacher wie dem Übeltäter!

Hi 27,8 Denn was für eine Hoffnung hat der Frevler, wenn Gott [ihn] abschneidet, wenn Er ihm seine Seele entzieht?

Hi 27,9 Wird Gott sein Geschrei erhören, wenn Not über ihn kommt?

Hi 27,10 Wird er an dem Allmächtigen seine Lust haben, wird er Gott anrufen zu jeder Zeit?

Hi 27,11 Ich will euch über die Hand Gottes belehren und euch nicht verhehlen, was bei dem Allmächtigen gilt.

Hi 27,12 Siehe, ihr selbst habt es alle gesehen — warum schwatzt ihr dann nichtiges Zeug?

Hi 27,13 Das ist das Teil des gottlosen Menschen von Gott, und dies das Erbe, das die Gewalttätigen empfangen von dem Allmächtigen:

Hi 27,14 Wenn seine Kinder sich mehren, so ist’s für das Schwert, und seine Sprösslinge können sich nicht am Brot sättigen.

Hi 27,15 Die ihm noch übrig bleiben, sinken durch die Pest ins Grab, und ihre Witwen beweinen sie nicht.

Hi 27,16 Wenn er auch Geld zusammenscharrt wie Staub und Kleider aufhäuft wie Straßendreck

Hi 27,17 — er bringt sie zwar zusammen, aber der Gerechte wird sie anziehen, und das Geld wird der Unschuldige erben.

Hi 27,18 Er baut sein Haus wie die Motte, und wie die Laubhütte, die sich der Wächter macht.

Hi 27,19 Reich legt er sich hin, und noch ist ihm nichts weggenommen; er schlägt die Augen auf, und nichts ist mehr da!

Hi 27,20 Schrecken ergreift ihn wie eine Wasserflut, der Sturmwind führt ihn über Nacht davon.

Hi 27,21 Ein Ostwind hebt ihn empor, und er fährt dahin; er rafft ihn von seiner Stätte hinweg.

Hi 27,22 Schonungslos schleudert Er [Geschosse] nach ihm, eiligst muss er fliehen vor seiner Hand.

Hi 27,23 Man klatscht über ihn in die Hände und zischt ihn aus von seinem Wohnort her.

Hi 28,1 Denn für das Silber gibt es einen Fundort und für das Gold einen Platz, wo man es läutert.

Hi 28,2 Eisen wird aus dem Erdenstaub gewonnen, und Gestein schmilzt man zu Kupfer.

Hi 28,3 Man macht der Finsternis ein Ende und forscht alles vollkommen aus; selbst das Gestein, das in Finsternis und Dunkelheit liegt.

Hi 28,4 Einen Schacht bricht man auf von da aus, wo man wohnt; wie vergessen, ohne ihren Fuß aufzusetzen, baumeln und schwanken sie, weit weg von den Menschen.

Hi 28,5 Aus der Erde kommt zwar Speise hervor, aber unter ihr ist’s wie vom Feuer durchwühlt.

Hi 28,6 Ihr Gestein ist der Fundort des Saphirs, und Goldstaub ist in ihr.

Hi 28,7 Ein Pfad [ist’s], den kein Raubvogel kennt und den auch das Auge des Habichts nicht erspäht,

Hi 28,8 den auch das stolze [Wild] nicht betreten hat, auf dem der Löwe nicht geschritten ist.

Hi 28,9 [Der Mensch] streckt seine Hand nach dem Felsgestein aus, wühlt die Berge um von Grund auf.

Hi 28,10 Er treibt Stollen in die Felsen, und sein Auge erfasst alles, was kostbar ist.

Hi 28,11 Die Ströme hat er eingedämmt, damit sie nicht durchsickern, und er bringt das Verborgene hervor ans Licht.

Hi 28,12 Aber die Weisheit, wo wird sie gefunden, und wo ist der Fundort der Einsicht?

Hi 28,13 Der Sterbliche kennt ihren Wert nicht, und im Land der Lebendigen wird sie nicht gefunden.

Hi 28,14 Die Tiefe spricht: »Sie ist nicht in mir!«, und das Meer: »Sie ist nicht bei mir!«

Hi 28,15 Mit Feingold kann man sie nicht bezahlen, und Silber kann nicht als ihr Kaufpreis abgewogen werden.

Hi 28,16 Um Gold von Ophir ist sie nicht zu haben, auch nicht um köstlichen Onyxstein und Saphir.

Hi 28,17 Gold und Glas kommt ihr nicht gleich, noch kann man sie eintauschen gegen ein goldenes Gerät.

Hi 28,18 Korallen und Kristall gelten nichts gegen sie, und der Besitz der Weisheit geht über Perlen.

Hi 28,19 Der Topas aus Kusch ist ihr nicht zu vergleichen; mit reinem Gold wird sie nicht aufgewogen.

Hi 28,20 Woher kommt denn nun die Weisheit, und wo ist die Fundstätte der Einsicht?

Hi 28,21 Sie ist verborgen vor den Augen alles Lebendigen und vor den Vögeln des Himmels versteckt.

Hi 28,22 Der Abgrund und der Tod sprechen: »Wir haben mit unseren Ohren ein Gerücht von ihr gehört!«

Hi 28,23 Gott hat Einsicht in ihren Weg, und er kennt ihre Fundstätte.

Hi 28,24 Denn Er schaut bis zu den Enden der Erde und sieht alles, was unter dem Himmel ist.

Hi 28,25 Als er dem Wind sein Gewicht gab und die Wasser abwog mit einem Maß,

Hi 28,26 als er dem Regen sein Gesetz bestimmte und dem donnernden Unwetter seinen Weg:

Hi 28,27 Da hat er sie gesehen und verkündigt, sie bestätigt und ergründet,

Hi 28,28 und er sprach zum Menschen: »Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und vom Bösen weichen, das ist Einsicht!«

Hi 29,1 Und Hiob fuhr fort im Vortrag seiner Sprüche und sagte:

Hi 29,2 O dass ich wäre wie in den früheren Monaten, wie in den Tagen, als Gott mich behütete,

Hi 29,3 als seine Leuchte über meinem Haupt schien und ich in seinem Licht durch das Dunkel ging;

Hi 29,4 wie ich in den Tagen meiner Mannesreife war, als über meinem Zelt der vertraute Umgang mit Gott waltete,

Hi 29,5 als der Allmächtige noch mit mir war und meine Knechte um mich her;

Hi 29,6 als ich meine Tritte in Milch badete und der Fels neben mir Öl in Strömen ergoss.

Hi 29,7 Wenn ich [damals] zum Tor ging, zur Stadt hinauf, und meinen Sitz auf dem Marktplatz aufstellte,

Hi 29,8 und mich die Jungen sahen, so verbargen sie sich, und die Greise standen auf und blieben stehen.

Hi 29,9 Die Fürsten hörten auf zu reden und legten die Hand auf ihren Mund.

Hi 29,10 Die Stimme der Vornehmen verstummte, und ihre Zunge klebte an ihrem Gaumen.

Hi 29,11 Wessen Ohr mich hörte, der pries mich glücklich, und wessen Auge mich sah, der stimmte mir zu.

Hi 29,12 Denn ich rettete den Elenden, der um Hilfe schrie, und die Waise, die keinen Helfer hatte.

Hi 29,13 Der Segenswunsch des Verlorenen kam über mich, und ich brachte das Herz der Witwe zum Jauchzen.

Hi 29,14 Die Gerechtigkeit, die ich angelegt hatte, bekleidete mich; als Talar und Turban diente mir mein Recht.

Hi 29,15 Ich war das Auge des Blinden und der Fuß des Lahmen.

Hi 29,16 Ich war der Vater des Armen, und die Streitsache dessen, den ich nicht kannte, untersuchte ich.

Hi 29,17 Ich zerbrach die Kinnladen des Frevlers und riss ihm den Raub aus den Zähnen.

Hi 29,18 Und so dachte ich: Ich werde in meinem Nest sterben und meine Tage vermehren wie Sand.

Hi 29,19 Meine Wurzel war an Wassern ausgebreitet, und der Tau übernachtete auf meinem Zweig.

Hi 29,20 Meine Ehre erneuerte sich bei mir, und mein Bogen verjüngte sich in meiner Hand.

Hi 29,21 Auf mich hörte und wartete man und lauschte stillschweigend auf meinen Rat.

Hi 29,22 Auf mein Wort folgte kein Widerspruch, und meine Rede träufelte auf sie.

Hi 29,23 Sie harrten auf mich, wie auf einen Regen, und sperrten ihren Mund auf wie nach einem Spätregen.

Hi 29,24 Ich lächelte ihnen zu, wenn sie kein Zutrauen hatten, und das Licht meines Angesichts konnten sie nicht trüben.

Hi 29,25 Ich wählte für sie den Weg aus und saß an ihrer Spitze und thronte wie ein König inmitten seiner Schar, wie einer, der die Traurigen tröstet.

Hi 30,1 Jetzt aber lachen die über mich, die an Jahren jünger sind als ich, deren Väter ich verschmäht hätte, neben die Hunde meiner Herde zu setzen!

Hi 30,2 Wozu sollte mir die Arbeit ihrer Hände dienen, da es ihnen an ungebrochener Kraft fehlte?

Hi 30,3 Durch Mangel und Hunger abgezehrt, benagen sie das dürre Land, das längst wüst und verödet war;

Hi 30,4 sie pflücken Salzkraut am Gesträuch, und ihr Brot ist die Ginsterwurzel.

Hi 30,5 Aus der Gemeinschaft werden sie gejagt; man schreit über sie wie über Diebe.

Hi 30,6 Am Abhang der Schluchten müssen sie wohnen, in Erdlöchern und Felsenhöhlen.

Hi 30,7 Im Gebüsch schreien sie, unter dem Unkraut finden sie sich zusammen.

Hi 30,8 Als Kinder von Narren, Kinder von Ehrlosen, sind sie aus dem Land hinausgepeitscht worden.

Hi 30,9 Und jetzt bin ich ihr Spottlied geworden und diene ihnen zum Geschwätz!

Hi 30,10 Sie verabscheuen mich, fliehen vor mir, und vor meinem Angesicht halten sie den Speichel nicht zurück.

Hi 30,11 Denn meine Bogensehne hat Er gelöst und mich gebeugt, darum lassen sie den Zügel vor mir schießen.

Hi 30,12 Zu meiner Rechten erhebt sich die Brut; sie stoßen meine Füße weg und schütten ihre Rampen zum Sturm gegen mich auf.

Hi 30,13 Meinen Pfad haben sie eingerissen, zu meinem Untergang helfen sie, die selbst keinen Helfer haben.

Hi 30,14 Wie durch eine weite Bresche rücken sie heran; unter Getöse wälzen sie sich daher.

Hi 30,15 Jähe Schrecken haben sich gegen mich gewendet; meine Ehre ist wie der Wind verflogen, und meine Rettung ist vorübergezogen wie eine Wolke.

Hi 30,16 Und nun zerfließt meine Seele in mir; die Tage des Elends haben mich ergriffen.

Hi 30,17 Die Nacht durchbohrt mein Gebein, und meine nagenden Schmerzen schlafen nicht;

Hi 30,18 durch ihre große Heftigkeit verändert sich mein Gewand; wie der Kragen meines Hemdes schnürt es mich ein.

Hi 30,19 Er hat mich in den Kot geworfen, und ich bin wie Staub und Asche geworden.

Hi 30,20 Ich schreie zu dir, und du antwortest mir nicht; ich stehe da, und du beobachtest mich.

Hi 30,21 Du hast dich mir in einen unbarmherzigen Feind verwandelt; mit deiner gewaltigen Hand widerstehst du mir.

Hi 30,22 Du setzt mich dem Sturm aus, lässt mich dahinfahren, lässt mich vergehen in Unruhe.

Hi 30,23 Denn ich weiß, dass du mich zum Tode führen wirst, in das Haus, wo alle Lebendigen zusammenkommen.

Hi 30,24 Doch streckt man nicht seine Hand aus, wenn man unter Trümmern [begraben] ist, oder ruft man nicht um Hilfe, wenn man untergeht?

Hi 30,25 Habe ich nicht geweint über den, der böse Zeiten hatte, und war meine Seele nicht über den Armen bekümmert?

Hi 30,26 Ja, ich habe auf Gutes gehofft, und es kam Böses; ich wartete auf das Licht, und es kam Finsternis.

Hi 30,27 Meine Eingeweide sind zum Sieden gebracht und haben keine Ruhe; die Tage meines Elends sind mir entgegengetreten.

Hi 30,28 Traurig gehe ich einher, ohne Sonne; ich stehe in der Gemeinde auf und schreie [um Hilfe].

Hi 30,29 Ich bin den Schakalen ein Bruder geworden und ein Gefährte der Strauße.

Hi 30,30 Meine Haut ist schwarz geworden und löst sich von mir ab, und meine Gebeine brennen vor Hitze.

Hi 30,31 Mein Harfenklang ist zu einem Trauerlied geworden und mein Flötenspiel zu lautem Weinen.

Hi 31,1 Ich hatte einen Bund geschlossen mit meinen Augen, dass ich ja nicht [begehrlich] auf eine Jungfrau blickte.

Hi 31,2 Denn was würde mir Gott vom Himmel her zuteilen, und welchen Lohn erhielte ich von dem Allmächtigen aus der Höhe?

Hi 31,3 Ist denn das Unglück nicht für den Ungerechten und das Missgeschick für die Übeltäter?

Hi 31,4 Sieht Er denn nicht meine Wege und zählt alle meine Schritte,

Hi 31,5 sodass er wissen kann, ob ich mit Lügen umgegangen oder auf Betrug ausgegangen bin?

Hi 31,6 Er wäge mich auf der Waage der Gerechtigkeit, so wird Gott meine Tadellosigkeit erkennen!

Hi 31,7 Ist mein Schritt vom Weg abgewichen oder mein Herz den Augen nachgewandelt, und klebt an meinen Händen ein Makel,

Hi 31,8 so will ich säen, und ein anderer soll essen, und meine Pflanzungen sollen entwurzelt werden!

Hi 31,9 Hat sich mein Herz zu einer Frau hinreißen lassen, oder habe ich an der Tür meines Nächsten gelauert,

Hi 31,10 so soll meine Frau für einen anderen mahlen, und andere mögen sich über sie beugen!

Hi 31,11 Denn das wäre eine Schandtat und ein strafwürdiges Vergehen,

Hi 31,12 ja, ein Feuer wär’s, das bis zum Abgrund fräße und all meinen Ertrag verzehren würde mit Stumpf und Stiel!

Hi 31,13 Wenn ich meinem Knecht oder meiner Magd das Recht verweigert hätte, als sie einen Rechtsstreit gegen mich hatten,

Hi 31,14 was wollte ich tun, wenn Gott gegen mich aufträte; und wenn er mich zur Rede stellte, was wollte ich ihm antworten?

Hi 31,15 Hat nicht der, der mich im Mutterleib bereitete, auch ihn gemacht? Hat nicht ein und derselbe uns im Mutterleib gebildet?

Hi 31,16 Habe ich den Armen versagt, was sie begehrten, und die Augen der Witwe verschmachten lassen?

Hi 31,17 Habe ich meinen Bissen allein verzehrt, und hat der Verwaiste nichts davon essen können?

Hi 31,18 Wahrlich, von meiner Jugend auf ist er bei mir aufgewachsen wie bei einem Vater, und von meiner Mutter Leib an habe ich [die Witwe] geführt!

Hi 31,19 Habe ich mit angesehen, wie einer umherirrte ohne Kleider, oder der Arme ohne Decke?

Hi 31,20 Wenn seine Lenden mich nicht gesegnet haben und er sich von der Wolle meiner Lämmer nicht wärmen durfte,

Hi 31,21 wenn ich meine Hand gegen die Waise erhob, weil ich sah, dass man mir helfen würde im Tor,

Hi 31,22 so soll mir meine Schulter vom Nacken fallen und mein Arm aus seinem Gelenk brechen!

Hi 31,23 Denn schrecklich wäre Gottes Strafe für mich gewesen, und vor seiner Hoheit hätte ich nicht bestehen können.

Hi 31,24 Habe ich mein Vertrauen je auf Gold gesetzt und zum Feingold gesagt: »Sei du meine Zuversicht!«,

Hi 31,25 habe ich mich gefreut, weil ich reich geworden bin und meine Hand viel erworben hat;

Hi 31,26 habe ich die Sonne angesehen, wenn sie leuchtete, und den Mond, wie er so prächtig dahinzog,

Hi 31,27 und habe ich mein Herz im Geheimen verführen lassen, dass ich ihnen Kusshände zuwarf,

Hi 31,28 so wäre auch das ein strafwürdiges Vergehen gewesen; denn ich hätte Gott in der Höhe verleugnet.

Hi 31,29 Habe ich mich gefreut über den Sturz meines Feindes und mich ergötzt daran, wenn ihn ein Unglück traf?

Hi 31,30 Nein, ich habe meine Zunge nie hergegeben zum Sündigen, dass ich mit einem Fluch sein Leben gefordert hätte.

Hi 31,31 Haben meine Hausgenossen nicht oft gesagt: »Wer wäre nicht von seinem Fleisch satt geworden?«

Hi 31,32 Kein Fremder brauchte draußen zu übernachten; ich öffnete meine Tür dem Wandersmann.

Hi 31,33 Habe ich, wie Adam, meine Übertretung zugedeckt, sodass ich meine Schuld in meiner Brust verbarg,

Hi 31,34 weil ich die große Menge fürchtete und die Verachtung [meiner] Verwandten mich niedergeschlagen hätte, sodass ich geschwiegen hätte und nicht zur Tür hinausgegangen wäre?

Hi 31,35 O dass ich einen hätte, der mir Gehör schenkte! Siehe, da ist meine Unterschrift; der Allmächtige antworte mir, und mein Gegner schreibe eine Klageschrift gegen mich!

Hi 31,36 Wahrlich, ich würde sie auf meine Schulter nehmen und als Ehrenkranz um mein Haupt winden!

Hi 31,37 Meine Schritte dürfte ich ihm getrost aufzählen und ihm nahen wie ein Fürst!

Hi 31,38 Wenn mein Ackerboden gegen mich schreit und seine Furchen miteinander weinen,

Hi 31,39 weil ich, ohne ihn zu bezahlen, seinen Ertrag verzehrt habe und die Seele seines Besitzers aushauchen ließ,

Hi 31,40 so soll statt Weizen Dorngestrüpp hervorkommen und Unkraut anstatt der Gerste!
Zu Ende sind die Reden Hiobs.

Hi 32,1 Und jene drei Männer hörten auf, Hiob zu antworten, weil er in seinen Augen gerecht war.

Hi 32,2 Da entbrannte der Zorn Elihus, des Sohnes Baracheels, des Busiters, aus dem Geschlecht Ram; über Hiob entbrannte sein Zorn, weil er meinte, er sei Gott gegenüber im Recht;

Hi 32,3 über seine drei Freunde aber entbrannte sein Zorn, weil sie keine Antwort fanden und Hiob doch verurteilten.

Hi 32,4 Elihu aber hatte mit seiner Rede an Hiob gewartet; denn jene waren älter als er.

Hi 32,5 Als aber Elihu sah, dass im Mund jener drei Männer keine Antwort mehr war, da entbrannte sein Zorn.

Hi 32,6 Und Elihu, der Sohn Baracheels, der Busiter, ergriff das Wort und sprach:
Jung bin ich an Jahren, ihr aber seid grau; darum scheute und fürchtete ich mich, euch mein Wissen zu verkünden.

Hi 32,7 Ich dachte: Die Betagten sollen reden und die Bejahrten Weisheit lehren!

Hi 32,8 Aber der Geist ist es im Menschen, und der Odem des Allmächtigen, der sie verständig macht.

Hi 32,9 Angesehene sind nicht weise, und Alte verstehen sich nicht aufs Recht.

Hi 32,10 Darum sage ich: Höre auf mich, so will ich mein Wissen verkünden, ja, auch ich!

Hi 32,11 Siehe, ich habe eure Reden abgewartet, auf eure Einsichten gehört, bis ihr die [rechten] Worte finden würdet;

Hi 32,12 und ich gab aufmerksam auf euch acht — aber siehe, da war keiner, der Hiob widerlegt hätte, der seine Reden beantwortet hätte!

Hi 32,13 Sagt nur ja nicht: »Wir haben die Weisheit gefunden: Gott wird ihn wegfegen, nicht ein Mensch!«

Hi 32,14 Er hat seine Worte nicht an mich gerichtet, so will ich ihm auch nicht mit euren Worten antworten.

Hi 32,15 Sie sind bestürzt, sie geben keine Antwort mehr, die Worte sind ihnen ausgegangen!

Hi 32,16 Und ich sollte warten, weil sie nichts sagen, weil sie dastehen und nicht mehr antworten?

Hi 32,17 So will auch ich nun meinen Teil erwidern und mein Wissen verkünden, ja, auch ich!

Hi 32,18 Denn ich bin voll von Worten, und der Geist, der in mir ist, drängt mich dazu.

Hi 32,19 Siehe, mein Inneres ist wie Wein, der keine Öffnung hat; wie [Wein], der aus neuen Schläuchen hervorbricht.

Hi 32,20 Ich will reden, damit ich Luft bekomme; ich will meine Lippen auftun und antworten.

Hi 32,21 Ich will aber für niemand Partei ergreifen und keinem Menschen schmeicheln;

Hi 32,22 denn ich kann nicht schmeicheln — leicht könnte mein Schöpfer mich sonst wegraffen!

Hi 33,1 Doch höre nun, Hiob, meine Rede, und nimm alle meine Worte zu Ohren!

Hi 33,2 Siehe doch, ich öffne meinen Mund, meine Zunge redet in meiner Mundhöhle;

Hi 33,3 meine Reden kommen aus aufrichtigem Herzen, und meine Lippen sprechen lautere Wahrheit aus.

Hi 33,4 Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen erhält mich am Leben.

Hi 33,5 Kannst du es, so widerlege mich; rüste dich, tritt vor mich hin!

Hi 33,6 Siehe, ich bin vor Gott gleich wie du; auch ich bin aus Lehm gebildet.

Hi 33,7 Siehe, Furcht vor mir soll dich nicht schrecken, und meine Hand soll dich nicht niederdrücken.

Hi 33,8 Nun hast du vor meinen Ohren gesagt, und ich höre [noch] den Klang der Worte:

Hi 33,9 »Rein bin ich, ohne Vergehen, unbefleckt bin ich und ohne Schuld!

Hi 33,10 Siehe, Er erfindet Feindseligkeiten gegen mich, er hält mich für seinen Feind;

Hi 33,11 er legt meine Füße in den Stock und lauert auf alle meine Wege!«

Hi 33,12 Siehe, da bist du nicht im Recht, erwidere ich dir; denn Gott ist größer als der Mensch!

Hi 33,13 Warum rechtest du denn mit ihm, da er doch keine seiner Taten zu verantworten hat?

Hi 33,14 Sondern Gott redet einmal und zum zweiten Mal, aber man beachtet es nicht.

Hi 33,15 Im Traum, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt und sie auf ihren Lagern schlummern,

Hi 33,16 da öffnet er das Ohr der Menschen und besiegelt seine Warnung an sie,

Hi 33,17 um den Menschen von seinem Tun abzubringen und den Mann vor dem Hochmut zu bewahren,

Hi 33,18 damit er seine Seele vom Verderben zurückhalte, und sein Leben davon, in den Wurfspieß zu rennen.

Hi 33,19 Er züchtigt ihn mit Schmerzen auf seinem Lager, ja, er straft sein Gebein sehr hart,

Hi 33,20 dass ihm das Brot zum Ekel wird und seiner Seele die Lieblingsspeise.

Hi 33,21 Sein Fleisch schwindet dahin, man sieht es nicht mehr, und seine Knochen, die man sonst nicht sah, liegen bloß;

Hi 33,22 seine Seele naht sich dem Verderben und sein Leben den Todesmächten.

Hi 33,23 Wenn es dann für ihn einen Gesandten gibt, einen Mittler, einen aus Tausenden, der dem Menschen Seine Gerechtigkeit verkündigt,

Hi 33,24 so wird Er sich über ihn erbarmen und sprechen: »Erlöse ihn, damit er nicht ins Verderben hinabfahre; ich habe ein Lösegeld gefunden!«

Hi 33,25 Alsdann wird sein Fleisch frischer sein als in jungen Jahren; er wird zurückkehren zu den Tagen seiner Jugend;

Hi 33,26 er wird zu Gott flehen, und der wird ihm gnädig sein; ja, Er wird ihn Sein Angesicht sehen lassen mit Jauchzen, und Er wird dem Menschen seine Gerechtigkeit wiedergeben.

Hi 33,27 Der wird [dann] singen vor den Menschen und sagen: Ich hatte gesündigt und das Recht verkehrt; aber er hat mir nicht vergolten [wie ich es verdiente];

Hi 33,28 er hat meine Seele erlöst, dass sie nicht ins Verderben hinabgefahren ist, sodass mein Leben das Licht wieder sieht!

Hi 33,29 Siehe, dies alles tut Gott zwei- oder dreimal mit dem Menschen,

Hi 33,30 um seine Seele vom Verderben zurückzuholen, damit sie erleuchtet werde mit dem Licht der Lebendigen.

Hi 33,31 Habe acht, Hiob, höre mir zu; schweige, und ich will reden!

Hi 33,32 Wenn du Worte hast, so antworte mir; rede nur, denn ich wünsche deine Rechtfertigung!

Hi 33,33 Wenn aber nicht, so höre mir zu; schweige, und ich will dich Weisheit lehren!

Hi 34,1 Und Elihu redete weiter und sprach:

Hi 34,2 Hört, ihr Weisen, auf meine Worte, und ihr Verständigen, gebt mir Gehör!

Hi 34,3 Denn das Ohr prüft die Worte, wie der Gaumen die Speise schmeckt.

Hi 34,4 Das Rechte wollen wir uns erwählen, um untereinander zu erkennen, was gut ist!

Hi 34,5 Denn Hiob behauptet: »Ich bin gerecht, aber Gott hat mir mein Recht entzogen.

Hi 34,6 Trotz meines Rechtes werde ich zum Lügner gestempelt; tödlich verwundet bin ich vom Pfeil — ohne dass ich schuldig wäre!«

Hi 34,7 Wer ist ein Mann wie Hiob, der Lästerung trinkt wie Wasser,

Hi 34,8 der in Gemeinschaft mit Übeltätern wandelt und mit gottlosen Leuten umgeht?

Hi 34,9 Denn er hat gesagt: »Es nützt dem Menschen nichts, wenn er mit Gott Freundschaft pflegt!«

Hi 34,10 Darum, ihr verständigen Männer, hört mir zu: Fern sei es von Gott, dass er gesetzlos handle, und von dem Allmächtigen, dass er Unrecht tue;

Hi 34,11 sondern er vergilt dem Menschen nach seinem Handeln und lässt es jedem ergehen nach seinem Wandel.

Hi 34,12 Ja wahrlich, Gott handelt nicht gesetzlos, und der Allmächtige beugt das Recht nicht!

Hi 34,13 Wer hätte ihm die Erde unterstellt? Und wer hat den ganzen Erdkreis gegründet?

Hi 34,14 Wenn Er nur noch auf sich selbst achtete und seinen Geist und Odem wieder zurücknähme,

Hi 34,15 so würde alles Fleisch miteinander vergehen und der Mensch zum Staub zurückkehren.

Hi 34,16 Hast du nun Verstand, so höre dies; und schenke der Stimme meiner Worte Gehör!

Hi 34,17 Könnte auch einer herrschen, der das Recht hasst? Oder willst du den Gerechten, den Mächtigen, schuldig sprechen?

Hi 34,18 Darf man zum König sagen: Du Nichtsnutz!, und zu Edlen: Du Gottloser?

Hi 34,19 Wie viel weniger zu dem, der die Person der Fürsten nicht ansieht und den Vornehmen nicht mehr achtet als den Geringen; denn sie sind alle das Werk seiner Hände.

Hi 34,20 Plötzlich sterben sie, mitten in der Nacht; ein Volk wird ins Wanken gebracht und geht dahin, und er beseitigt den Tyrannen ohne Menschenhand.

Hi 34,21 Denn Seine Augen sind auf die Wege des Menschen gerichtet, und Er sieht jeden Schritt, den einer macht.

Hi 34,22 Es gibt keine Finsternis und keinen Todesschatten, wo die Übeltäter sich verbergen könnten.

Hi 34,23 Denn er braucht nicht lange auf einen Menschen zu achten, damit der vor Gott ins Gericht kommt.

Hi 34,24 Er zerschmettert Gewaltige ohne Untersuchung und setzt andere an ihre Stelle.

Hi 34,25 Denn Er kennt ihre Werke, und er kehrt sie um über Nacht, sodass sie zermalmt werden.

Hi 34,26 Als Gottlose züchtigt er sie dort, wo alle es sehen,

Hi 34,27 weil sie von ihm abgefallen sind und keinen seiner Wege beachtet haben,

Hi 34,28 sodass sie das Schreien des Geringen zu ihm hinaufdringen ließen und er das Schreien der Unterdrückten hörte.

Hi 34,29 Wenn er sich ruhig verhält, wer kann [ihn] verurteilen? Wenn er sein Angesicht verbirgt, wer kann ihn schauen? So [handelt] er sowohl an einem Volk als auch an dem einzelnen Menschen,

Hi 34,30 damit nicht gottlose Menschen regieren, dass sie nicht Fallstricke für das Volk werden.

Hi 34,31 Denn zu Gott muss man sagen: »Ich habe [meine Strafe] getragen und will nicht mehr verkehrt handeln;

Hi 34,32 was ich nicht sehe, lehre du mich; wenn ich Unrecht getan habe, so will ich’s nicht wieder tun!«

Hi 34,33 Soll Er nach deinem Sinn Vergeltung üben, weil du verwirfst? Denn du musst wählen, und nicht ich; was du weißt, das rede!

Hi 34,34 Verständige Männer werden mir zustimmen, und [jeder] weise Mann, der mir zuhört:

Hi 34,35 Hiob redet wie ein Unwissender, und seine Worte zeugen nicht von Einsicht.

Hi 34,36 O dass doch Hiob fort und fort geprüft würde, weil er antwortet, wie gottlose Männer antworten!

Hi 34,37 Denn zu seiner Sünde fügt er Frevel hinzu; er verhöhnt uns und redet viel gegen Gott!

Hi 35,1 Weiter redete Elihu und sprach:

Hi 35,2 Hältst du dies für Recht, wenn du sagst: »Ich bin gerechter als Gott«?

Hi 35,3 Denn du fragst dich, was es dir nützt: »Was habe ich davon, wenn ich nicht sündige?«

Hi 35,4 Ich will dir Worte erwidern und deinen Gefährten mit dir!

Hi 35,5 Sieh zum Himmel empor und betrachte ihn, und schau die Wolken an, die höher sind als du!

Hi 35,6 Wenn du sündigst, was tust du Ihm zuleide? Und sind deine Missetaten zahlreich, was schadest du Ihm?

Hi 35,7 Bist du aber gerecht, was gibst du Ihm, und was empfängt Er von deiner Hand?

Hi 35,8 Aber ein Mensch wie du leidet unter deiner Gottlosigkeit, und einem Menschenkind nützt deine Gerechtigkeit.

Hi 35,9 Sie schreien unter den vielen Bedrückungen, sie rufen um Hilfe wegen der Gewalt der Großen.

Hi 35,10 Aber man denkt nicht: Wo ist Gott, mein Schöpfer, der Loblieder gibt in der Nacht,

Hi 35,11 der uns mehr Belehrung zuteilwerden ließ als den Tieren des Feldes, und uns mehr Verstand gegeben hat als den Vögeln unter dem Himmel?

Hi 35,12 Dann schreien sie, doch Er antwortet nicht wegen des Übermuts der Bösen.

Hi 35,13 Gott wird auf Nichtigkeit gewiss nicht hören, und der Allmächtige sieht sie nicht an.

Hi 35,14 Auch wenn du sagst, du könntest ihn nicht sehen, so liegt die Rechtssache doch vor ihm; warte du nur auf ihn!

Hi 35,15 Und nun, weil sein Zorn noch nicht gestraft hat, sollte er deshalb um den Übermut nicht sehr wohl wissen?

Hi 35,16 So hat also Hiob seinen Mund umsonst aufgesperrt und aus lauter Unverstand so viele Worte gemacht!

Hi 36,1 Und Elihu fuhr fort und sprach:

Hi 36,2 Gedulde dich noch ein wenig, so will ich es dir mitteilen; ich habe noch mehr Worte für Gott.

Hi 36,3 Ich will mein Wissen von weit her holen und meinem Schöpfer Gerechtigkeit widerfahren lassen!

Hi 36,4 Denn wahrlich, meine Reden sind keine Lügen; vor dir steht ein Mann mit vollkommener Erkenntnis.

Hi 36,5 Siehe, Gott ist mächtig, doch verachtet er niemand; groß ist die Kraft seines Herzens.

Hi 36,6 Den Gottlosen erhält er nicht am Leben, aber den Elenden schafft er Recht.

Hi 36,7 Er wendet seine Augen nicht ab von dem Gerechten, und er setzt sie auf ewig mit Königen auf den Thron, damit sie herrschen.

Hi 36,8 Sind sie aber in Fesseln gebunden, in Banden des Elends gefangen,

Hi 36,9 so hält er ihnen ihre Taten und ihre Übertretungen vor, denn sie haben sich überhoben;

Hi 36,10 er öffnet ihr Ohr der Zurechtweisung und befiehlt ihnen, sich von der Bosheit abzukehren.

Hi 36,11 Wenn sie dann gehorchen und sich unterwerfen, so werden sie ihre Tage in Glück vollenden und ihre Jahre in Wohlergehen.

Hi 36,12 Gehorchen sie aber nicht, so rennen sie in den Wurfspieß und sterben dahin in ihrem Unverstand.

Hi 36,13 Die aber ein gottloses Herz haben, häufen Zorn auf; sie rufen nicht um Hilfe, wenn er sie gefesselt hat.

Hi 36,14 Ihre Seele stirbt in der Jugend, und ihr Leben unter den Hurern.

Hi 36,15 Den Gedemütigten aber rettet er durch die Demütigung und öffnet durch die Not sein Ohr.

Hi 36,16 Und auch dich führt er aus dem Rachen der Bedrängnis; dein Platz wird uneingeschränkte Weite sein und dein Tisch bereitet mit reicher, guter Speise.

Hi 36,17 Bist du aber vom Urteil des Gottlosen erfüllt, so werden Urteil und Gericht dich treffen.

Hi 36,18 Der Zorn aber verleite dich ja nicht zur Lästerung, und die Menge des Lösegeldes besteche dich nicht!

Hi 36,19 Wird dich etwa dein Hilferuf aus der Bedrängnis herausführen und alle deine mühevollen Anstrengungen?

Hi 36,20 Sehne dich nicht nach der Nacht, wenn Völker untergehen werden!

Hi 36,21 Hüte dich, wende dich nicht zum Unrecht, denn dies hast du dem Elend vorgezogen!

Hi 36,22 Siehe, Gott ist erhaben in seiner Kraft; wer ist ein Lehrer wie er?

Hi 36,23 Wer will ihn zur Rede stellen über seinen Weg, und wer will zu ihm sagen: Du hast Unrecht getan?

Hi 36,24 Denke daran, sein Tun zu erheben, das Menschen besingen.

Hi 36,25 Alle Menschen schauen es an; der Sterbliche erblickt es von ferne.

Hi 36,26 Siehe, Gott ist so erhaben, dass wir [ihn] nicht erkennen können; die Zahl seiner Jahre ist unerforschlich.

Hi 36,27 Denn er zieht Wassertropfen herauf; sie sickern als Regen für seinen Wasserstrom herab,

Hi 36,28 den die Wolken niederrieseln, auf viele Menschen herabtropfen lassen.

Hi 36,29 Versteht man auch das Ausspannen der Wolken und den Donnerschall seines Gezelts?

Hi 36,30 Siehe, er breitet sein Licht darüber aus und bedeckt die Gründe des Meeres;

Hi 36,31 denn damit richtet er die Völker und gibt Speise die Fülle.

Hi 36,32 Seine Hände umhüllt er mit dem Blitzstrahl und gebietet ihm, zu treffen.

Hi 36,33 Sein Donnerruf kündigt ihn an, sogar das Vieh sein Heranziehen.

Hi 37,1 Ja, darüber erzittert mein Herz und fährt auf von seiner Stelle!

Hi 37,2 Hört, hört auf das Donnern seiner Stimme und auf das Grollen, das aus seinem Mund hervorkommt!

Hi 37,3 Er lässt es dahinfahren unter dem ganzen Himmel, und sein Licht bis zu den Enden der Erde.

Hi 37,4 Hinter ihm her brüllt der Donner; er donnert mit seiner majestätischen Stimme, und er spart damit nicht, damit seine Stimme gehört werde.

Hi 37,5 Gott donnert mit seiner Stimme wunderbar; er tut große Dinge, die wir nicht verstehen.

Hi 37,6 Denn er gebietet dem Schnee: Falle auf die Erde! und lässt Regen fließen, heftige Regengüsse.

Hi 37,7 Dann zwingt er die Hand jedes Menschen zur Untätigkeit, damit alle Leute sein Werk erkennen möchten.

Hi 37,8 Da sucht das Wild seine Schlupfwinkel auf und bleibt in seinen Höhlen.

Hi 37,9 Aus der Kammer [des Südens] kommt der Sturm und von den Nordwinden die Kälte.

Hi 37,10 Durch den Hauch Gottes entsteht Eis, und die weiten Wasser frieren zu.

Hi 37,11 Mit Wasserfülle belastet er die Wolken; er zerstreut sein helles Gewölk.

Hi 37,12 Und dieses zieht ringsumher, wohin er es lenkt, wendet sich überallhin, um alles auszurichten, was er ihm befiehlt, auf dem ganzen Erdenrund

Hi 37,13 — bald zur Rute für sein Land, bald zur Wohltat lässt er es über sie kommen.

Hi 37,14 Nimm dies zu Ohren, Hiob; steh still und erwäge Gottes Wundertaten!

Hi 37,15 Weißt du, wie Gott ihnen Befehl gibt, wie er das Licht seiner Wolken leuchten lässt?

Hi 37,16 Verstehst du das Schweben der Wolke, die Wunder dessen, der an Verstand vollkommen ist?

Hi 37,17 Du, dem die Kleider zu warm werden, wenn es im Land schwül wird vom Südwind,

Hi 37,18 breitest du mit Ihm das Firmament aus, dass es fest steht wie ein gegossener Spiegel?

Hi 37,19 Lehre uns, was wir ihm sagen sollen; wir können nichts vorbringen vor [lauter] Finsternis!

Hi 37,20 Soll ihm gemeldet werden, dass ich rede? Oder sollte der Mensch wünschen, vertilgt zu werden?

Hi 37,21 Jetzt zwar sieht man das Licht nicht, das doch leuchtend hinter den Wolken steht; aber der Wind wird sich erheben und sie wegfegen.

Hi 37,22 Von Norden her kommt Goldglanz; Gott ist von wunderbarer Pracht umgeben.

Hi 37,23 Den Allmächtigen finden wir nicht; er ist von unbegreiflicher Kraft, voll Recht und Gerechtigkeit; er beugt sie nicht.

Hi 37,24 Darum fürchten ihn die Menschen; er aber sieht keinen an, der sich selbst für weise hält!

Hi 38,1 Da antwortete der HERR dem Hiob aus dem Gewittersturm und sprach:

Hi 38,2 Wer verfinstert da den Ratschluss mit Worten ohne Erkenntnis?

Hi 38,3 Gürte doch deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, und du sollst mich belehren!

Hi 38,4 Wo warst du, als ich den Grund der Erde legte? Sprich es aus, wenn du Bescheid weißt!

Hi 38,5 Wer hat ihre Maße bestimmt? Weißt du das? Oder wer hat die Messschnur über sie ausgespannt?

Hi 38,6 Worin wurden ihre Grundpfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt,

Hi 38,7 als die Morgensterne miteinander jauchzten und alle Söhne Gottes jubelten?

Hi 38,8 Wer hat das Meer mit Schleusen verschlossen, als es hervorbrach, heraustrat [wie] aus dem Mutterschoß,

Hi 38,9 als ich es in Wolken kleidete und Wolkendunkel zu seinen Windeln machte;

Hi 38,10 als ich ihm seine Grenze zog und Riegel und Tore einsetzte

Hi 38,11 und sprach: »Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier soll sich der Stolz deiner Wellen legen«?

Hi 38,12 Hast du, solange du lebst, jemals den Sonnenaufgang angeordnet und dem Morgenrot seinen Platz angewiesen,

Hi 38,13 dass es die Enden der Erde erfasse, damit die Frevler von ihr verscheucht werden?

Hi 38,14 Sie verwandelt sich wie Siegelton, und alles steht da wie ein [Pracht-]Gewand;

Hi 38,15 den Gottlosen wird ihr Licht entzogen, und der erhobene Arm wird zerbrochen.

Hi 38,16 Bist du auch bis zu den Quellen des Meeres gekommen, oder hast du den Urgrund der Meerestiefe durchwandelt?

Hi 38,17 Sind dir die Tore des Todes geöffnet worden, oder hast du die Pforten des Todesschattens gesehen?

Hi 38,18 Hast du die Breiten der Erde überschaut? Weißt du das alles, so sage es mir!

Hi 38,19 Welches ist denn der Weg zu den Wohnungen des Lichts, und wo hat denn die Finsternis ihren Ort,

Hi 38,20 dass du sie bis zu ihrer Grenze bringen und die Pfade zu ihrem Haus kennen könntest?

Hi 38,21 Du weißt es ja, denn zu der Zeit warst du geboren, und die Zahl deiner Tage ist groß!

Hi 38,22 Bist du auch bis zu den Vorratskammern des Schnees gekommen, und hast du die Speicher des Hagels gesehen,

Hi 38,23 die ich aufbehalten habe für die Zeit der Drangsal, für den Tag des Kampfes und der Schlacht?

Hi 38,24 Auf welchem Weg verteilt sich denn das Licht, und wie verbreitet sich der Ostwind über die Erde?

Hi 38,25 Wer hat der Regenflut ein Bett gewiesen und dem Donnerstrahl einen Weg,

Hi 38,26 damit es regne auf ein menschenleeres Land, auf die Wüste, wo kein Mensch ist,

Hi 38,27 um die Einöde und Wildnis zu sättigen, um das junge Grün hervorsprießen zu lassen?

Hi 38,28 Hat der Regen einen Vater, oder wer hat die Tropfen des Taus erzeugt?

Hi 38,29 Aus wessen Schoß ist das Eis hervorgegangen, und wer hat den Reif des Himmels geboren?

Hi 38,30 Wie zu Stein erstarrt das Wasser, und die Oberfläche der Fluten schließt sich fest zusammen.

Hi 38,31 Knüpfst du die Bande des Siebengestirns, oder kannst du die Fesseln des Orion lösen?

Hi 38,32 Kannst du die Sterne des Tierkreises herausführen zu ihrer Zeit, und leitest du den Großen Bären samt seinen Jungen?

Hi 38,33 Kennst du die Gesetze des Himmels, oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?

Hi 38,34 Kannst du deine Stimme zu den Wolken erheben, sodass dich Regengüsse bedecken?

Hi 38,35 Kannst du Blitze entsenden, dass sie hinfahren und zu dir sagen: Siehe, hier sind wir?

Hi 38,36 Wer hat Weisheit in die Nieren gelegt, oder wer hat dem Herzen Verstand verliehen?

Hi 38,37 Wer zählt die Wolken mit Weisheit, und wer schüttet die Schläuche des Himmels aus,

Hi 38,38 dass der Staub zu Klumpen wird und die Schollen aneinanderkleben?

Hi 38,39 Jagst du die Beute für die Löwin und stillst du die Begierde der jungen Löwen,

Hi 38,40 wenn sie in ihren Höhlen kauern, im Dickicht auf der Lauer liegen?

Hi 38,41 Wer verschafft dem Raben seine Speise, wenn seine Jungen zu Gott schreien und herumflattern aus Mangel an Nahrung?

Hi 39,1 Kennst du die Zeit, da die Steinböcke gebären, oder hast du beobachtet, wann die Hindinnen kreißen?

Hi 39,2 Zählst du die Monate, die sie erfüllen müssen, und weißt du die Zeit ihres Gebärens?

Hi 39,3 Sie kauern sich nieder, werfen ihre Jungen und sind ihre Wehen los.

Hi 39,4 Ihre Jungen erstarken, wachsen im Freien auf, verlassen sie und kommen nicht mehr zurück.

Hi 39,5 Wer hat den Wildesel frei laufen lassen, und wer hat die Fesseln des Wildlings gelöst,

Hi 39,6 dem ich die Steppe zur Wohnung angewiesen habe, das salzige Land zum Aufenthalt?

Hi 39,7 Er lacht über den Lärm der Stadt, und das Geschrei des Treibers hört er nicht;

Hi 39,8 er ersieht sich die Berge zu seiner Weide und spürt allen grünen Kräutern nach.

Hi 39,9 Wird der Büffel willig sein, dir zu dienen? Bleibt er an deiner Krippe über Nacht?

Hi 39,10 Führst du den Büffel in der Furche an einem Strick, oder wird er hinter dir her die Talgründe eggen?

Hi 39,11 Vertraust du ihm wegen seiner großen Kraft, und überlässt du ihm deine Arbeit?

Hi 39,12 Rechnest du auf ihn, dass er deine Saat einbringt oder deine Tenne füllt?

Hi 39,13 Die Straußin schwingt fröhlich ihre Flügel; sind es aber treue Schwingen und Federn?

Hi 39,14 Denn sie überlässt ihre Eier der Erde und lässt sie im Sand ausbrüten.

Hi 39,15 Sie vergisst, dass ein Fuß sie zertreten und das Getier des Feldes sie zermalmen kann.

Hi 39,16 Sie ist hart gegen ihre Jungen, als gehörten sie ihr nicht; es macht ihr keinen Kummer, wenn sie sich umsonst abgemüht hat;

Hi 39,17 denn Gott ließ sie die Weisheit vergessen und hat ihr keinen Verstand zugeteilt.

Hi 39,18 Kommt aber die Zeit, da sie in die Höhe schnellt, so verlacht sie Ross und Reiter.

Hi 39,19 Hast du dem Ross Stärke verliehen und seinen Hals mit der Mähne umhüllt?

Hi 39,20 Bringst du es zum Springen wie eine Heuschrecke? Sein stolzes Schnauben klingt schrecklich!

Hi 39,21 Es scharrt den Boden, freut sich seiner Stärke; es zieht los, den Waffen entgegen;

Hi 39,22 es lacht über die Furcht, ist unverzagt und weicht vor dem Schwert nicht zurück;

Hi 39,23 über ihm klirrt der Köcher, die Klinge von Speer und Wurfspieß.

Hi 39,24 Mit wildem Lauf und Ungestüm verschlingt es den Boden und bleibt nicht stehen, wenn das Schopharhorn ertönt;

Hi 39,25 sooft das Schopharhorn erklingt, ruft es: Hui! Von ferne wittert es die Schlacht, die Donnerstimme der Heerführer und das Kriegsgeschrei.

Hi 39,26 Bewirkt dein Verstand, dass der Habicht fliegt und seine Flügel nach Süden ausbreitet?

Hi 39,27 Schwingt sich auf dein Geheiß der Adler empor und legt sein Nest in der Höhe an?

Hi 39,28 Er wohnt in Felsspalten und horstet dort, auf Felsenzacken und Bergesspitzen.

Hi 39,29 Von dort aus erspäht er sich Beute, seine Augen schweifen weit umher;

Hi 39,30 seine Jungen schlürfen Blut, und wo Erschlagene liegen, da ist er.

Hi 40,1 Weiter redete der HERR mit Hiob und sprach:

Hi 40,2 Will der Tadler mit dem Allmächtigen hadern? Wer Gott zurechtweisen will, der antworte nun!

Hi 40,3 Da antwortete Hiob dem HERRN und sprach:

Hi 40,4 Siehe, ich bin zu gering; was soll ich dir erwidern? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen!

Hi 40,5 Ich habe einmal geredet und konnte nichts antworten, und noch ein zweites Mal, und ich will es nicht mehr tun!

Hi 40,6 Und der HERR antwortete dem Hiob aus dem Gewittersturm und sprach:

Hi 40,7 Gürte doch deine Lenden wie ein Mann; ich will dich fragen, und du unterweise mich!

Hi 40,8 Willst du mein Rechtsurteil zunichtemachen, mich schuldig sprechen, damit du gerecht seist?

Hi 40,9 Ist denn dein Arm dem Arm Gottes gleich, oder sprichst du mit Donnerstimme wie er?

Hi 40,10 Schmücke dich doch mit Herrlichkeit und Hoheit, und bekleide dich mit Majestät und Pracht!

Hi 40,11 Gieße die Fluten deines Zornes aus; sieh jeden Hochmütigen an und demütige ihn!

Hi 40,12 Sieh jeden Hochmütigen an, erniedrige ihn; und zertrete die Gottlosen, wo sie stehen!

Hi 40,13 Begrabe sie miteinander im Staub, verhülle ihre Angesichter mit Finsternis!

Hi 40,14 Dann will auch ich dich preisen, dass deine Rechte dir zur Hilfe kommt.

Hi 40,15 Sieh doch den Behemoth, den ich gemacht habe wie dich: Gras frisst er wie der Ochse!

Hi 40,16 Sieh doch, welche Kraft in seinen Lenden liegt und welche Stärke in seinen Bauchmuskeln!

Hi 40,17 Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind fest verflochten.

Hi 40,18 Seine Knochen sind wie eherne Röhren, seine Gebeine wie Eisenstangen.

Hi 40,19 Er ist der Erstling der Wege Gottes; der ihn gemacht hat, reichte ihm sein Schwert.

Hi 40,20 Denn Futter tragen ihm die Berge, wo alle Tiere des Feldes spielen.

Hi 40,21 Unter Lotosgebüschen liegt er, versteckt im Rohr und Sumpf.

Hi 40,22 Lotosgebüsche bedecken ihn mit ihrem Schatten; die Bachweiden umgeben ihn.

Hi 40,23 Siehe, der Strom schwillt mächtig an — er fürchtet sich nicht; er bleibt auch ruhig, wenn ein Jordan sich in seinen Mund ergießt!

Hi 40,24 Kann man ihm in seine Augen greifen, kann man mit Fangseilen seine Nase durchbohren?

Hi 40,25 Ziehst du etwa den Leviathan mit der Angel heraus, und kannst du seine Zunge mit einer Fangschnur fassen?

Hi 40,26 Kannst du ein Binsenseil durch seine Nase ziehen und einen Haken durch seine Kinnbacken stoßen?

Hi 40,27 Wird er dich lange anflehen oder dir freundliche Worte sagen?

Hi 40,28 Wird er einen Bund mit dir schließen, dass du ihn zum ewigen Knecht machst?

Hi 40,29 Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vögelchen oder ihn anbinden für deine Mädchen?

Hi 40,30 Feilschen etwa die Fischersleute um ihn, oder teilen ihn die Händler unter sich?

Hi 40,31 Kannst du seine Haut mit Spießen spicken und mit Fischharpunen seinen Kopf?

Hi 40,32 Lege doch deine Hand einmal an ihn — du wirst den Kampf nicht vergessen, wirst es nicht noch einmal tun!

Hi 41,1 Siehe, die Hoffnung auf ihn wird getäuscht; wird man nicht schon bei seinem Anblick hingestreckt?

Hi 41,2 Niemand ist so tollkühn, dass er ihn reizen möchte; wer aber kann vor mir bestehen?

Hi 41,3 Wer hat mir zuvor gegeben, dass ich ihm vergelten sollte? Alles, was unter dem ganzen Himmel ist, gehört mir!

Hi 41,4 Ich will von seinen Gliedern nicht schweigen, sondern reden von seiner Kraftfülle und von der Schönheit seines Baus.

Hi 41,5 Wer kann sein Gewand aufdecken, und wer greift ihm in die Doppelreihe seiner Zähne?

Hi 41,6 Wer öffnet die Tore seines Rachens? Rings um seine Zähne lagert Schrecken.

Hi 41,7 Prächtig sind seine starken Schilder, fest zusammengeschlossen und versiegelt;

Hi 41,8 einer fügt sich an den anderen, sodass kein Luftzug dazwischenkommt;

Hi 41,9 jedes haftet fest an dem anderen, sie greifen ineinander und lassen sich nicht trennen.

Hi 41,10 Sein Niesen lässt Licht aufleuchten, und seine Augen sind wie die Strahlen der Morgenröte.

Hi 41,11 Aus seinem Rachen schießen Fackeln; Feuerfunken sprühen aus ihm heraus.

Hi 41,12 Aus seinen Nüstern kommt Rauch hervor wie aus einem siedenden Topf und einem Kessel.

Hi 41,13 Sein Hauch entzündet Kohlen, eine Flamme schießt aus seinem Rachen;

Hi 41,14 Stärke wohnt auf seinem Nacken, und Angst springt vor ihm her.

Hi 41,15 Die Wampen seines Fleisches haften aneinander; sie sind ihm fest angegossen, unbeweglich.

Hi 41,16 Sein Herz ist hart wie Stein und so fest wie der untere Mühlstein.

Hi 41,17 Die Helden erbeben, wenn er auffährt; vor Verzagtheit geraten sie außer sich.

Hi 41,18 Trifft man ihn mit dem Schwert, so hält es nicht stand, weder Speer noch Wurfspieß oder Harpune.

Hi 41,19 Er achtet Eisen für Stroh und Erz für faules Holz.

Hi 41,20 Kein Pfeil kann ihn in die Flucht schlagen, und Schleudersteine verwandeln sich ihm zu Spreu.

Hi 41,21 Er achtet die Keule für einen Halm und verlacht das Sausen des Wurfspießes.

Hi 41,22 Auf seiner Unterseite sind spitze Scherben; er zieht einen Dreschschlitten über den Schlamm dahin.

Hi 41,23 Er bringt die Tiefe zum Sieden wie einen Kessel, macht das Meer zu einem Salbentopf.

Hi 41,24 Hinter ihm her leuchtet der Pfad; man könnte die Flut für Silberhaar halten.

Hi 41,25 Auf Erden ist nicht seinesgleichen; er ist geschaffen, um ohne Furcht zu sein.

Hi 41,26 Er schaut alle Hohen [furchtlos] an; er ist ein König über alle Stolzen.

Hi 42,1 Da antwortete Hiob dem HERRN und sprach:

Hi 42,2 Ich erkenne, dass du alles vermagst und dass kein Vorhaben dir verwehrt werden kann.

Hi 42,3 »Wer verfinstert da den Ratschluss mit Worten ohne Erkenntnis?« Fürwahr, ich habe geredet, was ich nicht verstehe, Dinge, die mir zu wunderbar sind und die ich nicht begreifen kann!

Hi 42,4 »Höre nun, ich will reden; ich will dich fragen, und du belehre mich!«

Hi 42,5 Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen.

Hi 42,6 Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und in Asche!

Hi 42,7 Und es geschah, als der HERR diese Worte an Hiob vollendet hatte, da sprach der HERR zu Eliphas, dem Temaniter: Mein Zorn ist entbrannt über dich und deine beiden Freunde, denn ihr habt nicht recht von mir geredet, wie mein Knecht Hiob.

Hi 42,8 So nehmt nun sieben Jungstiere und sieben Widder und geht zu meinem Knecht Hiob und bringt sie als Brandopfer dar für euch selbst! Mein Knecht Hiob aber soll für euch bitten; denn nur ihn werde ich erhören, dass ich gegen euch nicht nach eurer Torheit handle; denn ihr habt nicht recht von mir geredet, wie mein Knecht Hiob!

Hi 42,9 Da gingen Eliphas, der Temaniter, und Bildad, der Schuchiter, und Zophar, der Naamatiter, und machten es so, wie der HERR es ihnen befohlen hatte. Und der HERR erhörte Hiob.

Hi 42,10 Und der HERR wendete Hiobs Geschick, als er für seine Freunde bat; und der HERR erstattete Hiob alles doppelt wieder, was er gehabt hatte.

Hi 42,11 Und alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle seine früheren Bekannten kamen zu Hiob und aßen mit ihm in seinem Haus; und sie bezeugten ihm Teilnahme und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der HERR über ihn gebracht hatte, und schenkten ihm ein jeder eine Kesita und einen goldenen Ring.

Hi 42,12 Und der HERR segnete das spätere Leben Hiobs mehr als sein früheres; er bekam 14 000 Schafe, 6 000 Kamele, 1 000 Joch Rinder und 1 000 Eselinnen.

Hi 42,13 Er bekam auch sieben Söhne und drei Töchter.

Hi 42,14 Und er gab der ersten den Namen Jemima, der zweiten den Namen Kezia und der dritten den Namen Keren-Happuch.

Hi 42,15 Und es wurden im ganzen Land keine so schönen Frauen gefunden wie Hiobs Töchter; und ihr Vater gab ihnen ein Erbteil unter ihren Brüdern.

Hi 42,16 Hiob aber lebte danach noch 140 Jahre und sah seine Kinder und Kindeskinder bis in das vierte Geschlecht.

Hi 42,17 Und Hiob starb alt und lebenssatt.

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