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1 Dies ist die Last, das Wort des HERRN über das Land Hadrach, und auf Damaskus wird es ruhen; denn der HERR hat ein Auge auf die Menschen, auch auf alle Stämme Israels, 2 und auch auf Hamat, das daran grenzt, Tyrus und Zidon; denn sie sind sehr weise; 3 denn Tyrus hat sich eine Festung erbaut und Silber angehäuft wie Staub und Gold wie Straßendreck. 4 Siehe, der Herr wird es erobern und wird seine Streitmacht auf dem Meer schlagen, und es selbst soll mit Feuer verzehrt werden. 5 Askalon wird es sehen und schaudern, und Gaza wird sehr erzittern, auch Ekron, weil seine Hoffnung zuschanden geworden ist; und der König wird aus Gaza vertilgt, und Askalon wird unbewohnt bleiben. 6 Und in Asdod wird ein Bastard wohnen, und ich will den Stolz der Philister brechen; 7 und ich will sein Blut aus seinem Mund wegschaffen und seine Gräuel zwischen seinen Zähnen, sodass auch er unserem Gott übrig bleiben und sein soll wie ein Geschlecht in Juda, und Ekron wie die Jebusiter. 8 Und ich will mich um mein Haus her lagern zum Schutz vor dem Kriegsvolk und vor denen, die hin und her ziehen, dass künftig kein Bedränger mehr über sie kommen wird; denn jetzt habe ich es mit eigenen Augen angesehen. 9 Frohlocke sehr, du Tochter Zion; jauchze, du Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir; ein Gerechter und ein Retter ist er, demütig und reitend auf einem Esel, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin. 10 Und ich werde die Streitwagen aus Ephraim ausrotten und die Pferde aus Jerusalem; und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden; und Er wird den Völkern Frieden gebieten; und seine Herrschaft wird reichen von einem Meer zum anderen und vom Strom bis an die Enden der Erde. 11 Und was dich betrifft, so habe ich um des Blutes deines Bundes willen deine Gefangenen entlassen aus der Grube, in der kein Wasser ist. 12 Kehrt wieder zur Festung zurück, ihr, die ihr auf Hoffnung gefangen liegt! Schon heute verkündige ich, dass ich dir zweifachen Ersatz geben will! 13 Denn ich habe mir Juda gespannt, den Bogen mit Ephraim gefüllt, und ich will deine Söhne, o Zion, erwecken gegen deine Söhne, o Griechenland, und will dich machen wie das Schwert eines Helden! 14 Und der HERR wird über ihnen erscheinen, und sein Pfeil wird ausfahren wie ein Blitz; und GOTT, der Herr, wird in die Posaune stoßen und einherfahren in den Stürmen des Südens. 15 Der HERR der Heerscharen wird sie beschirmen, und sie werden [die Feinde] verzehren und mit Schleudersteinen unterwerfen; und sie werden trinken und werden laut sein [vor Siegesfreude] wie vom Wein; und sie werden voll [Blut] sein wie die Opferschalen, wie die Ecken am Altar. 16 Und der HERR, ihr Gott, wird sie erretten an jenem Tag als die Herde seines Volkes, denn Edelsteine am Diadem sind sie, funkelnd über seinem Land. 17 Denn wie vortrefflich und wie schön ist es! Korn gibt’s, das junge Männer, und Most, der Jungfrauen gedeihen lässt!

Gegenstand der Betrachtung: Sacharja. 9.

 

Der Kampf zwischen Weltmacht und Gottesreich

Die Botschaft Gottes in diesem Kapitel ist für uns als Endzeitgemeinde von besonderer Bedeutung und Wichtigkeit. Wir wollen Gott bitten, uns durch den Heiligen Geist, der diese Botschaft dem Propheten gab, das rechte Verständnis zu schenken.

Wir betrachten das 9. Kapitel abschnittweise. Unsere Aufmerksamkeit gilt zunächst den Versen 1-8. Bevor wir die endgeschichtliche Bedeutung dieser Worte ausdeuten, wollen wir auf ihre zeitliche Erfüllung achten.

Durch den Propheten Sacharja, der etwa 520 v.Chr. wirkte, kündete Gott rund 200 Jahre im Voraus den Untergang des Persischen Weltreiches und seiner Verbündeten an. Während Alexander d. Gr. auf seinem Siegszug nach dem Süden, die mit Persien verbündeten Königreiche Syrien, Phönizien, Tyrus und Philistäa verwüstete, blieb Jerusalem von den Schrecken des Krieges verschont. Das Reich Judäa verlor

seinen persischen Statthalter und behielt seinen Hohenpriester, seinen Tempel und seine Freiheiten.

Die Zusage Gottes in Kap. 9.8 für Jerusalem lautete: „Ich will mich selbst als Wache um mein Haus lagern… ich sehe darauf mit meinen Augen“ hat sich erfüllt. Jerusalem sollte noch nicht zerstört werden. Es sollte noch den Einzug des Messias erleben, auf den in Vers 9 hingewiesen wird. Wir werden uns jetzt nicht die Zeit nehmen, auf die detaillierte Erfüllung der Gerichtsweissagung einzugehen. Weil uns die endgeschichtliche Erfüllung viel mehr beschäftigen soll und muss. Ich möchte aber ganz kurz auf den vorhergesagten Untergang der Inselstadt Tyrus eingehen. Kap. 9,3-4

Als das Festland Tyrus sich nicht mehr sicher wähnte, zog es sich auf eine im Meer vorgelagerte Insel zurück. Dort baute es eine mächtige Stadt zu einer gewaltigen uneinnehmbar geltenden Seefestung aus, die unsagbare Reichtümer in sich barg und ständig anhäufte. Die Stadt war durch eine 10 m hohe Mauer geschützt. Der assyrische Herrscher Salmanassar belagerte Tyrus 5 Jahre lang. der babylonische König Nebukadnezar 13 Jahre lang. Beide konnten die stolze Stadt nicht einnehmen. Alexander d.Gr. belagerte die Stadt sieben Monate. Er hatte die geniale Idee, einen gewaltigen Damm vom Land aus zur Insel aufschütten zu lassen, über den seine Armee marschieren konnte. Gleichzeitig griff er von See aus an. Der Bedarf an Steinen und Erde war so groß, dass das alte zerstörte Festland Tyrus völlig abgetragen und der Boden kahl gefegt werden musste. Auf diese Weise gelang es Alexander, Tyrus zu zerstören und die Stadt zu verbrennen.

Durch den Propheten Hesekiel hatte Gott bereits den Untergang Tvrus angekündigt. Durch Hesekiel zeigte Gott aber auch warnend auf, warum das Gericht über Tyrus kommen sollte. Hesekiel 28,2; 6-7 –  Eine andere Übersetzung sagt: „Darum, dass sich dein Herz erhebt und spricht: ‚Ich bin Gott. Ich sitze auf dem Thron Gottes mitten im Meer‘, so du doch ein Mensch und nicht Gott bist“ – Einen weiteren Grund für den Sturz von Tyrus nennt Vers 3-4: Die Übersetzung sagt: Siehe, du hältst dich für klüger… dass dir nichts verborgen sei und habest durch deine Klugheit und deinen Verstand solche Macht zuwege gebracht und Schätze von Gold und Silber gesammelt . “

Diese Aussagen erinnern uns bereits an Worte aus 2.Thess. 2 und Offb. 17 u. 18. Wir werden später darauf zurückkommen. Hesekiel hatte auch bereits die Abtragung der durch Nebukadnezar zerstörten Festlandstadt Tyrus und das ins Meer werfen ihres Schuttes durch Alexander d.Gr. vorausgesagt. Hes. 26,7; 12.

Betrachten wir nun die Verse 1-9 in ihrer endzeitlichen Bedeutung und in ihrer noch ausstehenden Erfüllung.

Denn der siegreiche Eroberungszug Alexanders durch das persische Reich kann nur als der Anfang der Erfüllung dieser Weissagung angesehen werden.

Beginnen wir mit Vers 1: Andere Übersetzungen sprechen nicht von einer Last, sondern sie reden vom Wort,vom Ausspruch des Herrn. Helmuth Frey übersetzt: „Das Wort Jahwes ist eingebrochenim Land Hadrach und Damaskus ist sein Ruheort.“

Der Name „Hadrach“ erscheint nur hier im AT. Für die älteren Ausleger der Bibel umfasst dieser Begriff die Einheit der Völker, die sich gegen Gottes Volk stellt. Der Kirchenvater Hieronymus und später Luther haben angenommen, dass „Hadrach“ ein vom Propheten selbst gebildetes Wort sei, um damit alle dem Reiche Gottes feindlich gesinnten Weltreiche zu bezeichnen.

In der Offenbarung werden die Völker der Welt, die in der Endzeit gegen Gottes Volk und Stadt ziehen, mit dem Sammelbegriff  „Gog und Magog“ benannt.´(Off. 20,8.9). Die neuere Forschung sieht in dem Begriff „Hadrach“ das Gebiet am Unterlauf des Orontes nördlich Hamath, also den Nordwesten Syriens, das alte Einfallstor der „Feinde aus dem Norden“ – Damit wird ebenfalls auf den universalen Feind des Volkes Gottes hingewiesen. Siehe Jer. 1,13-15.

Was besagt die Aufzählung der verschiedenen Völkerschaften und Städte? (Sach. 9,4)

„Der Herr hat ein Auge auf die Menschen und auf alle Stämme Israels“ Gott ist der Herr der Welt. Er hat die Völker unter seiner Kontrolle. Der Gott Israels herrscht auch über die Nationen. Gottes Gericht wird über alle kommen, die sich gegen ihn und seine Gemeinde auflehnen. Gottes Herrschaft hört nicht an den Grenzen Israels auf. Seinem Blick entgeht nichts. Er sieht jedes Unrecht, das seinen Kindern angetan wird. Und er wird nicht dazu schweigen.

Er blickt aber auch auf die „Stämme Israels. Bei Gott ist kein Glied seines Volkes übersehen. Schon Hagar, die Mutter Ismaels, sagte zu Gott nach 1.Mo. 16,13: „Du bist ein Gott, der mich sieht“. Gott lässt seine Gemeinde nicht aus den Augen. In 2.Chr. 16,9 steht die Zusage Gottes: „Des Herrn Augen schauen alle Lande, damit er stärke die, so von ganzem Herzen an ihm sind.“ Unter dieser Verheißung dürfen wir getrost in die Endzeit gehen.

Die Waffe, mit der Gott sein Volk und die Nationen richten und besiegen wird, ist sein Wort. „Das Wort Jawehs ist eingebrochen im Land Hadrach und Damaskus ist, sein Ruheort“ – Durch sein Wort richtet Gott alle menschliche Vermessenheit und allen Hochmut. Über die Wirkung des Wortes Gottes lesen wir in Hos. 6.5 folgenden Ausspruch des Herrn: „Ich töte sie durch die Worte meines Mundes:“

Doch Gott will nicht die Vernichtung aller Menschen. Sein Wille ist, dass aus allen Nationen Menschen zum Heil kommen in der letzten Zeit. Er will sich einen Überrest, eine Gemeinde der Übrigen sammeln aus allen Völkern. (9,7) – Ziel seines Waltens in der Völkerwelt ist die Ausscheidung und Gewinnung eines Restes für Gott. Alle Religiosität, die etwas anderes außer dem Gott der Bibel, den Vater unseres Herrn Jesus Chrisbus, verehrt und ihm auf eine andere Weise als auf dem von ihm offenbarten Wege naht, ist Gott ein Gräuel (Sach. 9,7).

Durch Gottes Eingreifen werden Menschen sich von einem falschen Religions- und Opfersystem abwenden und sich dem Volke Gottes anschließen. Menschen aus allen Völkern sollen vollwertige Glieder des Volkes Gottes werden. Jesus hat dies mit folgenden Worten bezeugt: Joh. 10,16 „Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; und auch diese muss ich herführen.“ – Lk. 13.29

Menschen, die Gott ferne standen, werden durch Gericht und Gnade zu Gott bekehrt. Sie werden nicht als Bürger zweiter Klasse angesehen, sondern wie die Stammes-fürsten Judas, d.h. wie die Führer der Gemeinde, und wie die Jebusiter, d.h. wie die Bewohner der Gottesstadt selbst, die alle Tage seinen Tempel sehen, behandelt. In Vers 8 nennt Gott zweierlei was für uns im Völkergericht Schutz ist und was uns berechtigt, auf diesen Schutz zu zählen.

1.  Ich will mich um mein Haus zum Schutz als Wache lagern. – siehe Sach. 2,9 „Ich will eine feurige Mauer rings um sie her sein!“

Diese Verheißung wird hier noch einmal bestätigt. Gott selber lagert sich als Schutzmacht um sein Volk. „Mein Haus“, das ist nicht nur der Tempel damals, das ist im Neuen Bunde die Christus Gemeinde, das geistlich erneuerte Volk Gottes. Niemand mehr wird Gottes Volk bedrängen oder vernichten können. – 1.Petr. 2,5

Gott schenkt im großen Weltgeschehen und in der endzeitlichen Bedrängnis seiner Gemeinde die Erfahrung seines unsichtbaren Schutzes und seines Gnadenblickes. „…so dass keiner dort hin- und herziehe“! – „Und kein Bedränger mehr über sie komme!“  „…denn ich sehe nun darauf mit meinen Augen!“

Über weite Strecken hin scheint Gott die Weltgeschichte ihrem Lauf zu überlassen. Doch irgendwann – zur rechten Zeit – greift Gott in das Geschick der einzelnen Menschen und der Völker ein, so dass sein Handeln offenbar wird. Dann ist Gottes Stunde gekommen, in der Menschen Gottes Hilfe und Heil erfahren können.

Wenden wir uns noch einmal für einen Augenblick der Weissagung über Tyrus zu, wie sie Hesekiel gegeben hat. Wer seine Bibel kennt, weiß, dass sich der Ausspruch des Herrn mit dem Gerichtswort über die Hure Babylon deckt. Schauen wir uns die Gegenüberstellung an:

Hes. 28, sagt: „Darum, dass sich dein Herz erhebt und spricht: ‚Ich bin Gott. Ich sitze auf dem Thron Gottes mitten im Meer‘, so du doch ein Mensch und nicht Gott bist“ – Gott erwähnt weiterhin den zusammengerafften Reichtum, die Schätze von Sold und Silber. In Offb. 17,1 sagt Gott: „Komm. ich will dir zeigen das Gericht über die große Hure, die an vielen Wassern sitzt“ – Vers 4 sagt: „Und das Weib war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und edlen Steinen und Perlen und hatte einen goldenen Becher in der Hand.“ Nach Offb. 18,7 spricht das Weib in ihrem Herzen: „Ich sitze da und bin eine Königin und keine Witwe, und Leid werde ich nicht sehen.“ Und nach Offb. 17,15 wird über die Wasser gesagt: „Die Wasser, wo die Hure sitzt, sind Völker und Scharen und Nationen.“ Und in 2.Thess. 2,4 spricht die Bibel von dem Widersacher, der sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, so dass er sich setzt in den Tempel Gottes und vorgibt, er sei Gott!“

Es handelt sich also bei Tyrus um einen atl. Typus auf die antichristliche Macht der Endzeit, die von Gott gleichermaßen vernichtet werden wird. Auch das Tyrus der Endzeit verlässt sich auf den Schutz des Meeres, d.h. auf die Völker, die es beherrscht. Aber Gott wird sie dennoch vernichten und seine Gemeinde befreien.

Wenden wir uns nun dem 2. Abschnitt zu: – Sach. 9,9.10

Der König des Friedens als Eroberer der Welt! Sacharja ruft uns und die ganze Gemeinde zu einem Jubelruf auf, zu einer Huldigung an den kommenden Sieger. Hinter dem König, dem die Welt huldigt und vor dem sie zittert, ist ein ganz anderer König im Kommen. „Juble laut, Tochter Zion!. Jauchze auf, Tochter Jerusalem!“ – „Siehe, dein König kommt zu dir!“ – Dieser Jubelruf, diese Aufforderung zur Huldigung des göttlichen Friedenskönigs steht im Gegensatz zur Huldigung der Massen, die sie dem antichristlichen Weltherrscher entgegenbringen. Offb. 13,8: „..und alle, die auf Erden wohnen, beten es an.“

„…Dein König kommt zu dir!“ – Der König der kleinen, verachteten Gemeinde und nicht der gewaltige, glänzende Welteroberer, ist der Sieger im letzten Gefecht zwischen Gut und Böse. Auf das Kommen und Erscheinen dieses Siegers spitzt sich alles zu. Weil in diesem König Gott selber zu seinem Volk kommt, darum beginnt mit seinem Kommen die Zeit der großen Freude. Alle, die zu Gottes Volk gehören, sollen schon jetzt in diesen Freudengesang einstimmen. Die Gemeinde mag angesichts der Endzeit voll bangen Fragens sein. Sie ist aufgerufen, sich der Verheißung Gottes zu erinnern und im Glauben den uralten Adventgesang anzustimmen, wie er in Ps. 24,7-10 aufklingt.

Das Überraschende ist: Dieser König kommt anders als alle anderen Könige der Welt. Vier Kennzeichen werden von ihm ausgesagt: a) er ist gerecht und siegbeschenkt; b) er ist arm und reitet auf einem Esel.

  1. Ein Gerechter ist er:  Er wird der gerechte Vergelter in Weltregierung und Weltgericht sein. – Darauf hat bereits der Messiaspsalm 72 hingewiesen. – Ps. 72,1-3; 8; 11-14; 17 Die Gerechtigkeit des kommenden Königs umschließt Heiligkeit und Gnade, seine
    Hoheit und Liebe. Es ist eine Heil schaffende Gerechtigkeit. Er wird in seiner Zugehörigkeit zu den Armen und Unterdrückten alles zurechtbringen.
  2. Ein Helfer ist er:  – die hebräische Bibel spricht an dieser Stelle nicht vom Helfer, sondern von einem, der Hilfe erfahren hat. Der kommende König ist einer, der in tiefer Drangsal von Gott Heil erfahren hat. d.h. sein Sieg ist nicht durch eigene Kraft. Weisheit oder Genie, nicht durch etwas Menschliches erfochten, sondern dadurch, dass er auf Selbstdurchsetzung verzichtete, seine Hoffnung allein auf Gott setzte und von ihm allein mit Sieg und Heil auch für seine Gemeine beschenkt wurde. Der Messias kommt nicht in eigner Vollmacht! allein durch Gottes Kraft wird ihm Hilfe und Sieg zuteil. – Joh. 5,19; 30; 36. Dieser König erlangt den Sieg nicht durch Waffengewalt, sondern durch Demut und Armut.
  3. Arm, gering, niedrig ist er: – Phil. 2,5-11
    Christus erniedrigte sich selbst, um auf diese Weise auch den geringsten, niedrigsten Gliedern seines Volkes Mut zu machen,  ihm zu vertrauen.  Und seine selbst erwählte Erniedrigung wird sichtbar:
  4. Er reitet auf einem Esel:  – Der Esel war das Reittier der einfachen Leute. Der König des Gottesvolkes ist anders als die Könige der Welt. Er zieht in seine Königsstadt anders ein als irdische Triumphatoren. Er verzichtet auf jedes Zeichen äußerer Macht und irdischen Glanzes, weil Gott seinen eigenen Weg der Hilfe für sein Volk geht. – Jesus ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern, dass er diene! Er konnte von sich sagen: Ich bin in eurer Mitte wie ein Diener!

Gott will seiner Gemeinde nicht helfen durch Bogen, Schwert, Rüstung, Roße und Wagen, sondern durch seine Menschwerdung, durch sein Leben, Leiden und Sterben für uns. Hos. 1,7. (Bild im Mittelalter – Papst – Christus)

In Textabschnitt Vers 9. und 10 gehen die Ereignisse des ersten und zweiten Kommens des Messias ineinander über. Weil die prophetische Perspektive im AT fehlt, sprechen die Propheten‘ von dem zweifachen Kommen des Messias oft als von einem Ereignis. Jedes Versprechen Gottes, sein Volk von seinen Bedrängern zu befreien, sehen die Propheten als Angeld für die letzte große Befreiung, und in jeder beginnenden Befreiung sehen sie bereits die letzte große Erlösung anbrechen,  die der ganzen Welt durch das Kommen des Messias zuteil werden soll.

Als Jesus in Erfüllung des Prophetenwortes zeichenhaft handelte und tatsächlich auf dem Füllen einer Eselin in Jerusalem einzog, erfüllte sich der erste Teil dieser Weissagung. Der zweite Teil wird sich erfüllen, wenn Jesus bei seiner Wiederkunft das Friedensreich aufrichten wird. Gott hat sein eigenes Zeitmaß, mit dem er seine Zusagen zur Erfüllung bringt.

Wo richtet der kommende Friedenskönig zuerst das Reich des Friedens auf? (Sach. 9.10)

„Ich vertilge die Streitwagen aus Ephraim und die Kriegsrosse aus Jerusalem!“ Ephraim ist Sammelbegriff für die 10 Stämme Israels, die nach Salomos Tod das Nordreich bildeten und Jerusalem ist Sammelbegriff für das Südreich, das sich aus den Stämmen Juda und Benjamin ergab. Zwischen diesen beiden Reichen war oft Bürgerkrieg. Es gab viel Streitigkeiten und Zwist aller Art. Manchmal wurden sogar die Grenzen dicht gemacht.

Die erste Auswirkung der Selbsterniedrigung Jesu soll zuerst in der Gemeinde Gottes sichtbar werden. Hier soll der Bruderstreit aufhören. Hier sollen Menschen den Frieden finden, erfahren und verkündigen. Dadurch wird die Gemeinde zu einem Magnet für die Menschen aus anderen Völkern werden. Darum werden wir in Eph. 4,3 aufgerufen: „Seid fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.“ – Und in Eph. 2.14 wird bezeugt: „ER ist unser Friede, der aus beiden eines hat gemacht und abgebrochen hat den Zaun der Feindschaft.“

Haben wir schon Gott erlaubt, die Streitwagen und die Kriegsrosse in unserer Gemeinde und in unserem Herzen zu vernichten?

In Röm. 14,17 steht „das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Frieden“ und in Röm. 14,19 werden wir  aufgerufen, „nach dem zu streben, was zum Frieden dient“

Rosse, Wagen und Kriegsbogen sind aber auch Sinnbild für die unsichtbaren Mächte, die den Krieg machen und die Bruderschaft zerreißen, Bilder für das Widereinander in Gemeinde und Welt. Christus hat diese Mächte besiegt und Frieden gestiftet durch sein Blut am Kreuz. Der Raum seiner Gemeinde soll eine Stätte des Friedens sein. Darum will er zu allererst die Streitwagen in Ephraim und die Kriegsrosse in Jerusalem vernichten.

Wenn die Gemeinde abrüstet wird sie fähig, Botschafter des Friedens zu sein. Nur dann hat sie in dieser Welt Durchschlagskraft und Überzeugungskraft. Nur dann wird die Gemeinde das Friedensreich des Messias erben. Nur dann wird sie erleben, was in Psalm 46,9-11 bereits weissagend bezeugt ist…..

Durch sein Wort hat Christus gesiegt. Die Botschaft vom großen Friedensschluss am Kreuz von Golgatha hat die Menschen zum Frieden geführt. Der Gott, der in Jesus Christus uns die Friedenshand reicht und das Reich des Friedens baut, ist in Wirklichkeit der größte Welteroberer. Sein Reich ist größer als alle Reiche dieser Welt. Er vollbringt, was kein Weltherrscher je vollbrachte. Er überwindet den Streit in unseren Herzen. Er ist Sieger über die Mächte des Bösen und über die Stimme des Verklägers im Gewissen. Es gibt nichts so Bezwingendes, nichts so vom Thron Stürzendes wie den Gott des Alls, von seinem Thron gestiegen, arm und machtlos, der Sünder Genosse, mit der ausgestreckten Friedenshand. Darum erklingt Jesu Name in so vielen Sprachen wie keines menschlichen Herrschers Name. Darum wird sein Friedensreich kein Ende haben. Seine Herrschaft währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Kommen wir nun zum dritten Teil des 9. Kapitels (Sach. 9.11-17)

Was ist die Grundlage für die Hoffnung der Gemeinde? (Sach. 9,11)

Gott hat mit dem neuen Gottesvolk, der Gemeinde Jesu, einen Bund am Kreuz von Golgatha geschlossen, unter dem Zeichen des Bundesblutes. Gott steht zu diesem mit Blut besiegelten Bund. In der Bundestreue Gottes liegt unsere Hoffnung. Paulus schrieb in 2.Tim. 2,13: „Sind wir untreu, so bleibt er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ Darum rühmen die in das neue Jerusalem Einziehenden Jesus mit den Worten: „Du hast uns Gott erkauft mit deinem Blut“ – Offb. 5,9

Wenn Jesus wiederkommt, sein Reich aufzurichten, dann werden die auf Hoffnung Gefangenen des Herrn  befreit und in die Stadt Gottes gebracht werden. Die Grube, in der kein Wasser, d.h. kein Leben ist, erinnert uns an das Totenreich. Hi. 3,18 erinnert uns daran, dass die Toten als Gefangene bezeichnet werden. „..da haben die Gefangenen Frieden und hören nicht mehr die Stimme des Treibers.“ Auch der Prophet Jesaja spricht von den Verstorbenen als von Gefangenen, die gesammelt werden im Gefängnis – Jes. 24,22, die aber nach langer Zeit heimgesucht, d.h. wieder losgelassen würden. Jesaja hat diese Befreiung der im Tode auf Hoffnung gefangen gehaltenen Toten mit folgenden Worten bezeugt: Jes. 26,19…

Vers 13 zeigt einen weiteren Aspekt der durch den Messias erwirkten Heilszeit.

…..Ephraim und Juda sollen ihre Kräfte nicht länger in einem Kampf gegeneinander verzehren, sondern gemeinsam für Gottes Sache streiten und wirken. Wir könnten diesen Vers auch so überschreiben: Gott mobilisiert seine Gemeinde zum Kampf, weil er auf die Entscheidungsschlacht brennt. Die Gemeinde ist nicht aufgerufen, faule Kompromisse zu schließen, sondern den Endkampf für Gottes Wahrheit und Gerechtigkeit zu führen. Der Endkampf kennt nur zwei Lager. Auf der einen Seite das Reich Gottes und auf der anderen Seite die widergöttliche Weltmacht und Weltweisheit. In der Offenbarung wird dieser Endkampf mit folgenden Worten geschildert: Offb. 17,13-14

Vers 14 enthält eine große Ermutigung – „Der Herr wird über ihnen erscheinen!“ Gott selbst greift in den Kampf ein. Das zeigt, dass es sich hier um eine widergöttliche Macht handelt, die alle Kräfte gesammelt hat, um gegen Gott und seine Gemeinde Krieg zu führen. Aber Gott kommt in dieser Auseinandersetzung seinem Volk zu Hilfe. Mit Vergleichen aus dem Naturgeschehen – Blitz, Donner, Sturm – wird geschildert, dass Gottes Gewalt unüberwindbar ist; keine Macht kann sich ihm widersetzen.

Alle feindlichen Waffen werden an Gottes Volk abprallen. „Der Herr Zebaoth wird sie schützen!“ – „Und der Herr, ihr Gott, wird ihnen „zu der Zeit helfen!“ Bilder des Kampfes, der Festfreude und des Opfers fließen ineinander über. Der Text sagt wörtlich: „Sie werden die Feinde vernichten und die Schleudersteine zertreten; sie werden trinken und lärmen wie vom Wein; sie werden voll werden wie eine Opferschale.“

Die Wut der Feinde Christi wird sich einst verbluten müssen. Wer das Blut der Versöhnung und Erlösung verachtete, dessen Blut wird vergossen werden. Diese Texte sagen ein dreifaches Handeln Gottes für seine Endzeitgemeinde aus:

a)   Der Herr wird über ihnen erscheinen V.14

b)   der Herr wird sie beschirmen V.15

c)   der Herr,  ihr Gott, wird ihnen helfen! V.16

Auf die Vernichtung der widergöttlichen Weltmacht wird die Verherrlichung der Gemeinde und ihre Erhöhung erfolgen. Der Ausdruck „zu der Zeit“ – meint: „An jenem Tage“ – gemeint ist der große Tag des Herrn, der Gerichtstag.

Gott wird seiner Gemeinde helfen wie der Hirte seiner Herde.  Durch alle Stürme der Geschichte hindurch bleibt er der treue Hirte der Seinen, der seine Herde auch im Unwetter des Gerichts zu schützen weiß. Sie glänzen wie Edelsteine auf seinem Lande. Werden die Feinde Gottes in V. 15 mit Schleudersteinen verglichen, die zertreten, d.h. zerschmettert werden, so sollen dagegen die Gläubigen Edelsteinen gleichen, die in eine Krone eingelassen werden, „….oh dann werden sie glänzen wie die Sterne so rein, in des Heilandes Krone als Edelgestein!“

Gottes Volk wird sorglos leben dürfen. „Korn und Wein lässt er sprossen“ – Korn und Most sind Zeichen seines Schenkens und ewiger Kraft. Ob nicht in dieser Verheißung von Korn  und Most, eine geheimnisvolle Andeutung jener Feier verborgen liegt, die der Messias den Seinen schenkte, als er sich ihnen in den Zeichen von Brot und Wein offenbarte?

Mit der Aussage „Korn und Wein lassen Jünglinge und Jungfrauen aufblühen und gedeihen“ wird ein Bild der befriedeten und erneuerten Erde gezeichnet. Was für ein wunderbares dreifaches Gemälde„malt hier Gott von der herrlichen Zukunft seiner Gemeinde. Drei Bilder entfalten dieses Heil.

  1. Das Bild von der Herde,  die unter Führung und Schutz des guten Hirten lebt.
  2. Das Bild der Diademsteine – die in eine Krone eingefügt sind
  3. Das Bild von Ähre und Traube – Sinnbilder für ein fruchtbares Leben voller Frieden und Freude.

Schafe in Gottes Herde, Edelsteine in Gottes Krone, Jugendkraft aus Gottes Kräften, so entfaltet sich vor uns die Herrlichkeit der Gemeinde, der Gläubigen

Der erste Teil von Vers 17 lässt sich auch so wiedergeben:

„Wie groß ist seine Herrlichkeit und Schönheit“! Gott wird alles wieder in seiner ursprünglichen Schönheit und Fruchtbarkeit herstellen. Die Neue Erde, die Heimat der Erlösten .wird wunderbar sein. Wie sollten uns diese Zukunftsaussichten anspornen, Bürger der neuen Erde zu sein. Wie sollten sie uns bewegen, alles zu tun, unser Heil nicht zu versäumen. Wie sollten sie uns angesichts einer verdorbenen und zugrunde gehenden Welt voller Hoffnung und Freude erfüllen.