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1 Dies sind die Worte, welche Amos, der unter den Hirten von Tekoa war, über Israel geschaut hat in den Tagen von Ussija, dem König von Juda, und in den Tagen von Jerobeam, dem Sohn des Joas, dem König von Israel, zwei Jahre vor dem Erdbeben. 2 Er sprach: Der HERR wird brüllen aus Zion und seine Stimme erschallen lassen von Jerusalem her; da werden die Auen der Hirten trauern, und der Gipfel des Karmel wird verdorren. 3 So spricht der HERR: Wegen drei und wegen vier Übertretungen von Damaskus werde ich es nicht abwenden, nämlich weil sie Gilead mit eisernen Dreschschlitten zerdroschen haben; 4 darum will ich ein Feuer in das Haus Hasaels senden, und es wird die Paläste Benhadads verzehren; 5 und ich will den Riegel von Damaskus zerbrechen und den, der auf dem Thron sitzt, aus dem Tal Awen ausrotten samt dem, der das Zepter in Beth-Eden hält; und das Volk von Aram soll nach Kir in die Verbannung wandern!, spricht der HERR. 6 So spricht der HERR: Wegen drei und wegen vier Übertretungen von Gaza werde ich es nicht abwenden: Weil sie eine ganze Bevölkerung in die Gefangenschaft abgeführt und an Edom ausgeliefert haben; 7 darum will ich ein Feuer in die Mauern von Gaza senden, das seine Paläste verzehren soll; 8 und ich will den, der [auf dem Thron] sitzt, aus Asdod ausrotten und den, der in Askalon das Zepter hält, und will meine Hand gegen Ekron wenden; und der Überrest der Philister soll zugrunde gehen!, spricht GOTT, der Herr. 9 So spricht der HERR: Wegen drei und wegen vier Übertretungen von Tyrus werde ich es nicht abwenden: Weil sie eine ganze Bevölkerung an Edom ausgeliefert und an den Bruderbund nicht gedacht haben. 10 Darum will ich ein Feuer in die Mauern von Tyrus senden, das ihre Paläste verzehren soll. 11 So spricht der HERR: Wegen drei und wegen vier Übertretungen Edoms werde ich es nicht abwenden: Weil er seinen Bruder mit dem Schwert verfolgt und sein Erbarmen abgetötet hat, und weil sein Zorn stets zerfleischt und er seinen Grimm allezeit behalten hat; 12 darum will ich ein Feuer nach Teman senden, das die Paläste von Bozra verzehren soll. 13 So spricht der HERR: Wegen drei und wegen vier Übertretungen der Ammoniter werde ich es nicht abwenden: Weil sie die Schwangeren in Gilead aufgeschlitzt haben, um ihr eigenes Gebiet zu erweitern; 14 darum will ich ein Feuer in den Mauern von Rabba anzünden, das ihre Paläste verzehren soll, unter Kriegsgeschrei am Tag der Schlacht und im Sturm am Tag des Unwetters. 15 Und ihr König muss in die Gefangenschaft ziehen und seine Fürsten samt ihm!, spricht der HERR.
1 So spricht der HERR: Wegen drei und wegen vier Übertretungen von Moab werde ich es nicht abwenden: Weil sie die Gebeine des Königs von Edom zu Kalk verbrannt haben; 2 darum will ich ein Feuer nach Moab senden, das die Paläste von Kerijot verzehren soll; und Moab soll sterben im Getümmel, im Kriegslärm und beim Schall des Schopharhorns; 3 und ich werde den Richter aus seiner Mitte ausrotten und alle seine Fürsten mit ihm umbringen!, spricht der HERR. 4 So spricht der HERR: Wegen drei und wegen vier Übertretungen von Juda werde ich es nicht abwenden: Weil sie das Gesetz des HERRN verachtet und seine Satzungen nicht bewahrt haben, sondern sich durch ihre Lügen verführen ließen, denen schon ihre Väter gefolgt sind; 5 darum will ich ein Feuer nach Juda senden, das die Paläste Jerusalems verzehren soll! 6 So spricht der HERR: Wegen drei und wegen vier Übertretungen von Israel werde ich es nicht abwenden: Weil sie den Gerechten um Geld verkaufen und den Armen für ein Paar Schuhe; 7 weil sie selbst nach dem Erdenstaub auf den Köpfen der Geringen gierig sind und die Elenden vom Weg stoßen; weil Vater und Sohn zu derselben jungen Frau gehen, um meinen heiligen Namen zu entheiligen; 8 und auf gepfändeten Kleidern strecken sie sich aus neben jedem Altar und vertrinken Wein von auferlegten Abgaben im Haus ihrer Götter! 9 Und doch habe ich den Amoriter vor ihnen her ausgerottet, der so hoch war wie die Zedern und so stark wie die Eichen; ich habe oben seine Frucht und unten seine Wurzel vertilgt; 10 und ich war es, der euch aus dem Land Ägypten heraufgebracht und euch 40 Jahre lang in der Wüste geleitet hat, damit ihr das Land der Amoriter einnehmen konntet; 11 und ich habe von euren Söhnen Propheten erweckt und Nasiräer von euren jungen Männern; oder ist es etwa nicht so, ihr Kinder Israels?, spricht der HERR. 12 Ihr aber habt den Nasiräern Wein zu trinken gegeben und den Propheten geboten und gesagt: Ihr sollt nicht weissagen! 13 Siehe, ich will das Fortkommen bei euch hindern, wie ein Wagen am Fortkommen gehindert wird, der voller Garben ist. 14 Da wird dem Schnellen das Fliehen vergehen und dem Starken seine Kraft versagen, und der Held wird sein Leben nicht retten können, 15 und der Bogenschütze wird nicht standhalten und der Schnellfüßige nicht entkommen und der Reiter sein Leben nicht retten; 16 auch wer unter den Helden das tapferste Herz hat, der wird entblößt fliehen an jenem Tag!, spricht der HERR.

Gegenstand der Betrachtung: Amos 1 und Amos 2.

Einleitung: Das Buch Amos beginnt mit 8 Gerichtsreden. Jedes Gerichtswort beginnt mit einem „So spricht der Herr!“ Angeklagt werden 6 heidnische Völker und das in die beiden Reiche Juda und Israel aufgeteilte Volk Gottes.

1. Was besagt die feierliche Einleitung jeder Gerichtsrede mit den Worten:  „So spricht der Herr!“?

Der Prophet benennt zuerst die himmlische Quelle, aus der er die Inspiration für seine Reden empfangen hat. Amos erklärt unmißverständlich, welche Autorität hinter seinem Auftreten und seinen Worten steht. Er spricht nicht, weil ihn Gefühle der Rache und der Vergeltung gegen die heidnischen Völker bewegen, die sein Volk mißhandelten. Er redet nicht, weil er über den Abfall seines Volkes und die damit verbundenen Sünden verbittert ist.

Amos spricht, weil ihm der Gebieter aller Völker und der Richter aller Welt eine Warnungs- und Gerichtsbotschaft aufgetragen hat. Amos sagt: „Mächtig wie das Brüllen eines Löwen ertönt die Stimme des Herrn!“ Der Prophet weiß, Gott ist nicht nur der barmherzige, gnädige und liebe Vater im Himmel, er ist auch der heilige und gerechter Richter aller Menschen. Diese Tatsache wird heute leider von vielen Christen übersehen. Vom Gericht wird nicht geredet. Der Gott des Gerichts nicht verkündigt.

Doch die Propheten und Apostel und auch Jesus selbst bezeugen, daß Gott Richter ist und Gericht hält. Schauen wir uns dazu einige markante Texte an:

a)     Gott ist Richter

Ps. 7,12 „Gott ist ein gerechter Richter, ein Gott, der noch heute strafen kann!“
Ps. 94,2 „Erhebe dich, du Richter der ganzen Welt!“
Jer. 11,20  „Herr, allmächtiger Gott! Du bist ein gerechter Richter, du kennst jeden Menschen ganz genau.“
Jak. 4,12 „Gott allein ist beides: Gesetzgeber und Richter. Nur er kann verurteilen oder von der Schuld freisprechen“
Jud. 14-15 „Seht, der Herr kommt mit vielen tausend heiligen Engeln, um über alle Menschen Gericht zu halten und alle Gottlosen zu verurteilen, die sich gegen seinen Willen aufgelehnt haben. Ihr gottloses Treiben und ihr höhnisches Geschwätz wird er dann bestrafen.“
Joh. 5,22;27  „Der Vater spricht das Urteil über die Menschen, er hat das Richteramt dem Sohn übertragen. Er hat ihm die Macht gegeben, die ganze Menschheit zu richten, weil er der Menschensohn ist.“

b)     Gott richtet

Ps. 98,9 „Er kommt, um die Welt zu richten. Sein Urteil über die Völker ist unbestechlich und gerecht!“
Jer. 25,31 „Der Herr will mit den Völkern rechten und mit allem Fleisch Gericht halten; die Schuldigen wird er dem Schwert übergeben.“
Jes. 11,4-5 „Sein Urteilsspruch wird die Erde treffen; ein Wort von ihm genügt, um die Gottlosen zu töten. Gerechtigkeit und Treue werden sein ganzes Handeln bestimmen.
Apg. 17,31 „Denn der Tag ist schon festgesetzt, an dem Gott alle Menschen richten wird; richten durch den einen Mann, den er selbst dazu bestimmt hat. Daran hat Gott keinen Zweifel gelassen, indem er ihn von den Toten auferweckte.“
Jud. 14-15 „Seht, der Herr kommt mit vielen tausend heiligen Engeln, um über alle Menschen Gericht zu halten und alle Gottlosen zu verurteilen, die sich gegen seinen Willen aufgelehnt haben. Ihr gottloses Treiben und ihr höhnisches Geschwätz wird er dann bestrafen.“
Joh. 5,22;27  „Der Vater spricht das Urteil über die Menschen, er hat das Richteramt dem Sohn übertragen. Er hat ihm die Macht gegeben, die ganze Menschheit zu richten, weil er der Menschensohn ist.“

Jesus sprach unmissverständlich vom Tag des Gerichts.

Mt. 11,20; 22; 24   „Dann drohte Jesus den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, ohne daß sie sich zu Gott bekehrt hätten: Am Tage des Gerichts wird es Tyrus und Sidon besser ergehen als euch! Darauf kannst du dich verlassen: Es wird Sodom am Gerichtstag besser ergehen als dir!“

Die Gerichtsreden, die Amos im Auftrag desgöttlichen Richters verkündet, setzen bei den Nachbarvölkern des Gottesvolkes ein und kommen gleichsam spiralförmig über Juda auf Israel . Zunächst droht Amos sieben benachbarten Völkern wegen ihrer Frevel gegen das Volk Gottes und gegen den heiligen Bundesgott das Gericht der Verbannung und Ausrottung an. Der Schwerpunkt seiner prophetischen Botschaft aber liegt auf dem Gericht über Israel.

Zuerst trifft der göttliche Zorn drei fremde Völker: Syrer – Philister – Tyrer; dann kommt das Gericht näher und trifft drei verwandte Völker: Edomiter – Ammoniter – Moabiter; Endlich ergeht das Gericht auch über Juda, das begnadigte Brudervolk  und schließlich wird dem Nordreich Israel das Gericht verkündet.

Der Aufbau der Gerichtsreden läßt sich wie folgt gliedern:

a)     Gott spricht

b)     Das Maß des Gerichts ist erreicht

c)     Eine symptomatische Sünde wird genannt

d)     Das Gericht steht bevor

e)     Gott sind alle Völker verantwortlich

2. Warum begann Amos mit Gerichtsreden gegen die Nachbarvölker Israels? Warum sprach er zunächst über die Sünden der Völker, die Israel umgaben? Warum konfrontierte Amos seine Hörer nicht sofort mit der für sie wichtigen Botschaft?

Amos verstand etwas von Psychologie. Er bereitete die Herzen seiner Zuhörer auf die sie betreffende Botschaft sorgfältig vor. Obwohl Amos nicht zögerte,  die ihm von Gott für Israel gegebene Botschaft zu überbringen, so tat er dies doch nicht unmittelbar. Er benutzte eine taktvolle, die Aufmerksamkeit der Hörer gewinnende Methode. Er sprach über Ereignisse, denen sie voll zustimmen konnten.

Wir können uns leicht vorstellen, wie die Hörer auf Amos Rede reagierten, als er die Sünden der Heiden aufzählte und ihnen das Gericht androhte. Es fällt uns immer leichter, die Fehler und Frevel unserer Mitmenschen zu sehen und Gottes gerechte Strafe für sie zu wünschen, als die eigenen Übertretungen und Sünden zu erkennen. Jesus beurteilt diese Situation mit den Worten: „Du regst dich auf über die kleinen Schwächen deines Bruders und erkennst nicht deine eigene, viel größere Schuld“ (Mt. 7,3). Es ist eine erschreckende Tatsache, daß uns die Sünde blind macht für die eigenen Fehler. Thomas Manton sagte: „Zuerst sündigen wir, dann verteidigen wir die Sünde und am Ende rühmen wir uns damit!“

Mit den Ausführungen über die Gerichte an den Nachbarvölkern und dem Gericht gegen das Brudervolk Juda, bahnte sich der Prophet den Weg zum Herzen seiner Hörer. In der Aufzählung ihrer sünden und in dem ihnen widerfahrenen Gericht, sollen die Israeliten ihre eigenen Übertretungen und den auch ihnen drohenden Untergang erkennen.

Sie sollten verstehen, dass Gott kein Spaßvogel ist, der Scherzdrohungen ausspricht. Sie sollten sich durch die den Nachbarvölkern widerfahrenen Gerichte zur Umkehr und zur Rettung führen lassen. Sie sollten begreifen: Wenn der Herr Heidenvölker, ja sogar blutsverwandte Völker, welche sich gegen den heiligen und lebendigen Gott versündigt haben, so schwer straft, was soll dann aus denen werden, denen er sich klar und deutlich offenbart hat. Und wenn selbst Juda, im Besitz des Tempels und des Thrones Davids, Verderben trifft, was hat dann erst Israel zu erwarten?

Das ist genau die Frage, die Petrus stellte (1.Petr. 4,17-18): „Denn es ist Zeit für das Gericht Gottes, und es beginnt bei denen, die zu ihm gehören. Wenn aber schon wir als seine Kinder gerichtet werden, welches Ende werden dann die nehmen, die Gottes Frohe Botschaft ablehnen!  Wenn schon der Gottes Urteil fürchten muß, der nach Gottes Willen lebt, wie wird es erst Gottlosen und Sündern ergehen?“ Paulus schrieb über diese Situation an die Korinther: (1.Kor. 10,11): „Alle diese Ereignisse sollen uns ein abschreckendes Beispiel sein. Sie wurden niedergeschrieben, damit wir gewarnt sind; denn das Ende der Welt ist nahe. Deshalb seid vorsichtig! Gerade wenn jemand denkt: «So etwas kann mir doch nicht passieren!», muß er besonders aufpassen.“

Gerichtsreden gegen drei Nachbarvölker, die Israel unmittelbar umgaben – Syrer – Philister – Tyrus

Die angekündigten Gottesgerichte werden jeweils mit „Freveltaten“ der Völker begründet.

3. Warum beginnt Amos alle drei Gerichtsreden mit den Worten: „…um drei, ja um vier Frevel willen …will ich sie nicht schonen.“? Vgl. die Verse Am. 1,6; 9; 11; 13; Am. 2,1; 4; 6.

Das ABC bemerkt dazu ( IV, 956).:„Die Zahlen müssen nicht wörtlich genommen werden, als würde in jedem Fall eine bestimmte Anzahl von Übertretungen angezeigt. Sie sollen nur auf eine große Menge hinweisen, wobei die vier für ein gutes Maß hinzugefügt wird (vgl. Angaben zu Hi. 5,19; 33,29; Pred. 11,2).  Eine derartige Zahlenangabe war eine antike, poetische Ausdrucksweise, die auch in der kanaanitischen Literatur des Ugarit vorkommt. Hier ein Beispiel aus dem Ugaritischen: ‚Baal hasst zwei Opfer, oder vielmehr drei, ….das Opfer wegen Schande, das Opfer wegen Niederträchtigkeit und das Opfer wegen Missbrauch von Mägden.‘

Wahrscheinlich reichten ‚drei Übertretungen‘ als Nachweis für absichtliches und unheilbares Unrecht aus. Aber die in Kapitel 1 und 2 erwähnten Völker überschritten selbst diese Grenze. Anhaltende Sünde führt zu einer Anhäufung von Schuld. Gott hat lange Geduld mit den Gottlosen, aber am Ende überschreiten sie die Grenzen seiner Nachsicht.“ „Hoffnung für alle“ übersetzt deshalb: „Die Machthaber von…begehen ein abscheuliches Verbrechen nach dem anderen!“

4. Welche abscheulichen Verbrechen erwähnt der Prophet, um derer willen das Gericht über diese Völker kommen sollte?

Am. 1,3 Die Syrer haben die Bewohner Gileads grausam mißhandelt und zu Tode gequält. Siehe 2.Kö. 8,12. –  Brutaler Machtmißbrauch und Grausamkeiten gegen menschliches Leben
1.Joh. 3,15 Die Philister haben Menschen geraubt und als Sklaven verkauft – Skrupellose Gewinnsucht und unbarmherzige Vertreibung aus der Heimat
Am. 1,13 Tyrus (Phönizier) hat den mit Israel unter Salomo geschlossenen Bund gebrochen und die Einwohner ganzer Dörfer an die Edomiter verkauft. – Siehe 1.Kö. 5,15;26 – Die Mächtigen von Tyrus verbanden sich mit den Philistern gegen Gottes Volk –siehe
Ps. 83,2-8 “Höre doch, wie deine Feinde rebellieren; alle, die dich hassen, sind stolz und siegessicher. Sie planen einen heimtückischen Anschlag auf dein Volk; sie halten Kriegsrat gegen jene, die du bisher beschützt hast. »Kommt!« sagen sie, »wir wollen dieses Volk ausrotten! Den Namen Israel soll niemand mehr kennen!«  Darin sind sie sich völlig einig, alle haben sich gegen dich verschworen: die Bewohner von Edom….die Philister und die Bewohner von Tyrus…“

Die Sünden von Tyrus gegenüber Israel bestanden im Niedertreten des Völkerrechts und Bruch des Bundes. Indem die Mächtigen von Tyrus die Einwohner ganzer Dörfer an die Edomiter verkauften, waren sie verantwortlich für die Greuel, die die Juden von den Edomitern erlitten. In Gottes Augen ist jemand, der eine kriminelle Handlung unterstützt oder einleitet, genauso schuldig, wie jemand, der das Verbrechen ausführt.

Gerichtsworte gegen mit Israel verwandte Völker – Edomiter – Ammoniter – Moabiter

5. Welche verwandtschaftlichen Beziehungen bestanden zwischen diesen drei Völkern und Israel?

Die Edomiter waren die Nachkommen Esaus – siehe 1.Mo. 36,9 –  Die Ammoniter und Mobaiter waren Nachkommens Lots, die dieser durch blutschänderisches Verhalten seiner beiden Töchter bekommen hatte – siehe 1.Mo. 19,36-38

6. Welche Sünden sollten Gottes Gericht über diese drei Brudervölker bringen?

Am. 1,11  Sie haben die Israeliten, ihr Brudervolk, erbarmungslos bekämpft und unschuldiges Blut vergossen. Ihr Hass kennt keine Grenzen. (Hfa)

Es ist schlecht einen Feind zu hassen, noch schlechter ist  es, den Freund zu hassen, aber am schlechtesten ist es, den Bruder zu hassen. Der Hass wird an vielen Stellen der Bibel von Gott scharf verurteilt.

1.Joh. 2,9  „Wenn er aber seinen Bruder haßt, beweist  damit nur, daß er immer noch in der Finsternis ist. (11) Wer seinen Nächsten haßt, der lebt ganz und gar in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht. Er ist wie ein Blinder, der nichts sehen kann in all der Dunkelheit, die ihn umgibt.
1.Joh. 3,15 Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder. Und das wißt ihr: Ein Mörder wird das ewige Leben verlieren.
Am. 1,13 Sie führten Krieg, um ihre Herrschaft auszudehnen, sie schlitzten schwangeren Frauen den Bauch auf.

7. Welche Gerichte sollten wegen dieser Sünden über diese sechs Völker kommen? 

Am. 1,4-5; 7-8; 10; 12; 14-15; 2,2-3
Die Städte werden verwüstet, die Paläste ein Raub der Flammen, die Bevölkerung in die Verbannung deportiert, verheerende Stürme richten großes Unheil an (Katastrophen)

8. Wie haben sich diese Gerichtsankündigungen erfüllt?

Das Gericht kam über diese Völker durch die Assyrer und Babylonier, die eine buchstäbliche Erfüllung der Vorhersagen brachten.  siehe  2.Kö. 19,11;  – Jer. 51,20-25

Das Gericht über Juda und Israel

9. Welche Sünden verurteilt Gott bei seinem Volk?

Am. 2,4 Sie treten Gottes Gesetz mit Füßen – sie leben nicht nach seinen Geboten sie treiben Götzendienst
Am. 2,6-7 Unterdrückung und Ausbeutung der Armen – Habgier  – Unmoral – Völlerei – Trunksucht
Am. 2,12 Verachtung der Boten Gottes – Unterdrückung der göttlichen Botschaft – Verführung der Gottgeweihten

Gottes Volk ist auf die Stufe der heidnischen Völker gesunken. Darum trifft Gottes Gericht auch sein einmal von ihm erwähltes Volk. Paulus hat in Rö. 2,21-24 den Widerspruch zwischen dem Anspruch, zu Gottes auserwähltem Volk zu gehören und dem alltäglichen Leben in klare Worte gefaßt:

„Doch wenn du die anderen so gut belehren kannst, weshalb nimmst du selbst keine Lehre an? Du forderst lauthals, daß man nicht stehlen soll, und stiehlst selber? Du sagst den Leuten, daß Ehebruch Sünde ist, aber du selbst riskierst Seitensprünge? Von anderen verlangst du, keine Götzen anzubeten, und dabei bereicherst du dich an ihren Tempelschätzen. Du bist so stolz darauf, daß Gott euch seine Gebote gegeben hat, und dennoch nimmst du ihn nicht ernst, weil du nicht nach seinen Geboten lebst..“

10. Warum wiegen die Sünden des Volkes Gottes besonders schwer?

Weil sie die gnadenreichen Vorzüge, die Gott ihnen gewährt hatte, mißachteten und nicht gemäß ihrer Erkenntnis, Erfahrung und Verantwortung lebten. Amos zählt in Am. 2,10-11 die Vorrechte auf, die Gott den Israeliten gewährt hatte:

1.     die machtvolle Befreiung aus Ägypten

2.     die wunderbare Führung während der 40 jährigen Wüstenwanderung

3.     die Besitznahme des verheißenen Landes

4.     die Offenbarung des Gesetzes Gottes

5.     die fortwährende Offenbarung seines Willens durch die Propheten

Wenn die heidnischen Nationen, die Juda und Israel umgaben, Gottes Gericht nicht entkommen konnten, wieviel größer und heftiger würde sein Zorn über die Menschen sein, mit denen er einen Bund geschlossen und denen er so hohe Offenbarungen und Vorrechte gewährt hatte.

Vorrechte ohne Verantwortung führen zur Verderbtheit. Weil Israel sich mit den heidnischen Religionen und deren Praktiken einließ, wurde das moralische Leben seiner Bürger vergiftet und es kam zu einer solchen Entartung, daß sie es schlimmer trieben als die sie umgebenden Heiden.

Hes. 5,5-9  „Ich, der Herr, sage: Schaut euch Jerusalem an! Ich habe es zum Mittelpunkt aller Völker und Länder gemacht, aber seine Einwohner haben sich gegen mich aufgelehnt und meine Weisungen in den Wind geschlagen. Darin haben sie alle Völker ringsum übertroffen. Ja, sie verwerfen mein Gesetz, sie wollen nicht nach meinen Geboten leben. Nun kündige ich, der Herr, ihnen an: Weil ihr es noch schlimmer getrieben habt als die Völker um euch her, weil ihr euch nicht nach meinen Weisungen und Geboten, ja, nicht einmal nach Recht und Sitte der anderen Völker gerichtet habt, darum wird meine Strafe euch treffen. Vor den Augen aller Völker ziehe ich euch zur Rechenschaft. Weil ihr genau das tut, was ich verabscheue, werde ich euch so hart bestrafen, wie ich es vorher noch nie getan habe und auch nie wieder tun werde.“

„Erwählung darf nicht als göttliche Bevorzugung oder Schutz vor Strafe verstanden werden. Im Gegenteil, sie bedeutet, dem göttlichen Gericht und Bestrafung ernsthafter ausgesetzt zu sein“ (Abraham J.Heschekl, The Prophets, S.32) Jesus sagte: Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern“ (Lk. 12,48).

Die Hauptsünde, die das Maß vollmacht und Gottes richterlichen Eingreifen hervorruft, war bei den Heiden die Feindschaft gegen Gott und sein Volk. Die Hauptsünde Judas und Israels dagegen ist der Abfall von dem Herrn und seiner geoffenbarten Wahrheit. Solcher Abfall war für Gottes Volk ein um so schwereres Verbrechen, da es allein von Gott erwählt war, das reine Wort und den reinen Gottesdienst zu haben.

11.  Welches Gericht kündet Gott über Juda und Israel an?

Am. 2,5          Ich brenne die Stadtmauern von Jerusalem nieder, seine Paläste werden ein Raub der Flammen.

Am. 2,13-16  Die Bürger verlieren ihr Leben. Es gibt keine Sicherheit mehr für sie.

Wenn Gottes Licht und Wahrheit vorsätzlich verletzt, sein Gesetz und sein Bund verstoßen und Religion zur bloßen Form wird, ohne jede moralische und geistliche Verantwortung, dann ist Gottes Gericht sicher. Es gibt keinen Segen ohne Verantwortlichkeit.

12.  Welche Bedeutung haben die Gerichtsreden Gottes, die er vor mehr als 2700 Jahren durch Amos verkünden ließ, für uns Christen im 21. Jahrhundert n. Christus? Wo bestehen Übereinstimmungen? Welche persönliche Botschaft richtet Gott durch dieses Studium an uns?

Alle Sünden, die Amos im Namen Gottes aufdeckt und anprangert, sind auch von den christlichen Nationen begangen worden. Und noch immer werden von ihnen Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und Gottes Gebote mißachtet. Darum ergeht Gottes Ruf in der Endzeit an alle Völker: „Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre, denn die Zeit seines Gerichtes ist gekommen!“