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1 Hört dieses Wort, das der HERR gegen euch gesprochen hat, ihr Kinder Israels, gegen das ganze Geschlecht, das ich aus dem Land Ägypten heraufgeführt habe! 2 Es lautet so: Nur euch habe ich ersehen von allen Geschlechtern der Erde, darum will ich auch alle eure Missetaten an euch heimsuchen. 3 Gehen auch zwei miteinander, ohne dass sie übereingekommen sind? 4 Brüllt der Löwe im Wald, wenn er keinen Raub hat? Lässt der junge Löwe aus seiner Höhle die Stimme erschallen, wenn er nichts erwischt hat? 5 Gerät auch ein Vogel in die Falle am Boden, wenn ihm kein Köder gelegt worden ist? Schnellt wohl die Falle vom Erdboden empor, obwohl sie gar nichts gefangen hat? 6 Kann man in das Horn stoßen in der Stadt, ohne dass das Volk erschrickt? Geschieht auch ein Unglück in der Stadt, das der HERR nicht gewirkt hat? 7 Nein, GOTT, der Herr, tut nichts, ohne dass er sein Geheimnis seinen Knechten, den Propheten, geoffenbart hat. 8 Der Löwe brüllt; wer sollte sich nicht fürchten? GOTT, der Herr, redet; wer sollte nicht weissagen? 9 Lasst es hören auf den Palästen von Asdod und auf den Palästen im Land Ägypten und sprecht: Versammelt euch auf den Bergen von Samaria und seht, welch wildes Treiben darin herrscht und was für Bedrückungen dort vorkommen! 10 Sie sind unfähig, das Rechte zu tun, spricht der HERR; sie häufen durch Unrecht und Gewalt in ihren Palästen Schätze an. 11 Darum, so spricht GOTT, der Herr: Der Feind wird kommen und dein Land umzingeln; er wird deine Macht zu Boden stürzen, und deine Paläste werden geplündert! 12 So spricht der HERR: Wie ein Hirte aus dem Rachen des Löwen zwei Schenkel oder ein Ohrläppchen rettet, so sollen die Kinder Israels, die in Samaria wohnen, errettet werden: Sie werden nur die Kopfecke des Sofas und den Damast des Ruhebettes [retten]! 13 Hört und legt Zeugnis ab gegen das Haus Jakob!, spricht der Herrscher, der HERR der Heerscharen. 14 An dem Tag, da ich die Übertretungen des Hauses Israel an ihnen heimsuche, werde ich auch die Altäre von Bethel heimsuchen, sodass die Hörner des Altars abgehauen werden und zu Boden fallen. 15 Und ich will den Winterpalast samt der Sommerresidenz zertrümmern, und die Elfenbeinhäuser sollen untergehen und die großen Häuser verschwinden!, spricht der HERR.

Gegenstand der Betrachtung: Amos 3.

Einleitung: Nachdem Amos in  den ersten beiden Kapiteln auf das bevorstehende Gericht hingewiesen und die Ursachen für das Gericht dargelegt hat, begründet er im 3. Kap., warum Gott Israel und Juda zur Rechenschaft zieht. Er beginnt seine Rede mit den Worten: „Hört, was ich, der Herr, euch zu sagen habe!“ (3,1). Gott selbst spricht zu seinem Volk. Der Prophet ist nur der Überbringer göttlicher Botschaft.

Darum gilt in besonderer Weise: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ (Mt. 11,15). Wer seine Ohren zustopft und auf das Wort der Warnung, der Gnade und des Gerichts nicht hört, für den wird es keine Rettung geben.

In Sach. 7,11-14 sagt Gott in sehr deutlichen Worten, warum er sein Volk so hart zur Rechenschaft zog: „Sie wollten mir nicht einmal zuhören. Sie kehrten mir den Rücken und stellten sich taub. Starrköpfig schlugen sie meine Weisungen in den Wind, die ich, der allmächtige Gott, ihnen durch meine geisterfüllten Propheten gegeben hatte…weil sie mich nicht anhörten, als ich sie rief, darum hörte ich auch sie nicht mehr, als sie zu mir um Hilfe schrien.“ (Hfa)

Ein Mensch, der sich weigert auf Gott zu hören  kann dem Tag der Abrechnung nicht entkommen. Der Gott der Gnade, ist auch ein Gott des Gerichts. Gericht ist Gottes Botschaft an Menschen, die sein Rufen und sein Gesetz ignoriert haben.

1. Warum empfindet Gott Trauer und Zorn über sein Volk, das nicht auf ihn hören will? Am. 3,1-2; Rö. 9,4 (Hfa)

a)     Gott hat dieses Volk aus der Knechtschaft  Ägyptens befreit

b)     Er hat es als sein Eigentum erwählt

c)     Er ist zu diesem Volk in eine einmalige Beziehung getreten. Er hat mit ihm einen Bund geschlossen.

d)     Gott hat Israel reich beschenkt

e)     Er hat sich diesem Volk in seiner Macht und Herrlichkeit offenbart

f)      Er hat ihnen seine Gebote und Verheißungen gegeben

Die Befreiung des Volkes aus Ägypten wird in der Heiligen Schrift häufig erwähnt und sollte bei den Nachkommen nicht in Vergessenheit geraten –

Bibelvers
5.Mo. 4,20 „Euch aber hat der Herr aus Ägypten gerettet wie aus einem glühenden Ofen , damit ihr sein Volk werdet, wie ihr es ja heute seid.“ (Hfa)
2.Sam. 7,23-24 „Welches Volk auf der Erde hat solche Wunder erlebt wie wir? Ist je ein anderes Volk von seinem Gott aus der Sklaverei befreit worden, weil er es zu seinem Volk machen wollte? Große und furchterregende Dinge hast du für Israel getan, und so wurde dein Name überall berühmt. Du hast uns von der Unterdrückung der Ägypter befreit….Für alle Zeiten hast du uns zu deinem Volk gemacht: und du selbst, Herr, bist sein Gott geworden.“ (Hfa)
2.Mo. 20,2 „Ich bin der Herr, dein Gott: ich habe dich aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Du sollst keine anderen Götter verehren!“ (Hfa)
5.Mo. 4,9 „Hütet euch davor, etwas von dem, was ihr gesehen habt, zu vergessen! Erinnert euch euer Leben lang daran, und erzählt es euren Kindern und Enkeln weiter!“

2. Warum wird das Volk immer wieder an die Befreiung aus Ägypten erinnert? Warum sollte diese Tat Gottes nicht vergessen werden?

Die Erinnerung anempfangene Wohltaten und Segnungen stärkt die Beziehung, bewahrt vor Undankbarkeit und Stolz. Wohl dem, der mit David bekennt: „Ich will den Herrn loben und nie vergessen, wie viel Gutes er mir getan hat.“ (Ps. 103,2 – Hfa). Die Erinnerung an Gottes Barmherzigkeit und Güte führt  uns zu Gott zurück. Paulus fragte die Christen in Rom: „Verachtet ihr Gottes Güte, Geduld und anhaltende Fürsorge? Seht ihr denn nicht, daß gerade diese Güte euch zur Umkehr bringen will? Ihr aber weigert euch hartnäckig, euer Leben zu ändern. Es ist allein eure Schuld, wenn euch Gottes Zorn am Tage des Gerichts mit ganzer härte trifft“ (Rö. 2,4-5 Hfa).

Immer wieder klagt Gott sein Volk an, ihn und sein Werk zu vergessen, seine Liebe und seine Gebote mit Füßen zu treten.

Jer. 2,32      „Vergisst ein Mädchen seinen Schmuck oder eine Braut ihr Hochzeitskleid? Mein Volk jedoch hat mich seit langer Zeit vergessen!“ (Hfa)

Jer. 13,25    „Dieses Los erwartet dich, das ist der gerechte Lohn, den ich dir gebe, weil du mich vergessen und falschen Göttern geglaubt hast“ (Hfa)

 

3. Warum betont Gott, daß er Israel aus allen Völkern als sein Eigentum erwählt und einen Bund mit ihm geschlossen hat?

Diese Erwählung geschah aus Liebe und aus freien Stücken – 5.Mo. 7,6-7: „Denn ihr seid ein heiliges Volk – ihr gehört ganz dem Herrn, eurem Gott. Unter allen Völkern der Welt hat er euch als sein Volk ausgewählt. Das hat er nicht etwa getan, weil ihr zahlreicher wärt als die anderen Völker. Denn ihr seid ja das kleinste von allen Völkern. Nein, aus Liebe hat er sich euch zugewandt und weil er das Versprechen halten wollte, das er euren Vorfahren gegeben hat. Darum hat er euch mit großer Macht aus der Sklaverei in Ägypten herausgeholt, er hat euch aus der Gewalt des Pharaos, des Königs von Ägypten, befreit. So erkennt doch: Der Herr, euer Gott, ist der wahre und treue Gott! Über Tausende von Generationen steht er zu seinem Bund und erweist allen seine Güte, die ihn lieben und sich an seine Gebote halten.“ (Hfa)

Gott verband sich durch einen feierlichen Eid mit diesem Volk – Hes. 20,5-6. „Sag ihnen: So spricht Gott, der Herr: Als ich die Israeliten zu meinem Volk erwählte, erhob ich meine Hand zum Schwur und band mich durch ein Versprechen an sie, die Nachkommen Jakobs. Während sie in Ägypten lebten, offenbarte ich mich ihnen und schwor: ‚Ich bin der Herr, euer Gott. Ich verspreche, euch aus Ägypten herauszuführen und in ein Land zu bringen, das ich für euch ausgesucht habe. Es ist ein Land, wo Milch und Honig fließen, weitaus schöner als alle anderen.‘ (Hfa).

Gott erinnert das Volk an seine Berufung und Erwählung, um ihm seine Untreue und seinen Bundesbruch bewusst zu machen und die Notwendigkeit des Gerichts zu begründen. – Hes. 20,8: „Aber sie lehnten sich gegen mich auf und wollten nicht auf mich hören.“  (Hfa) Die Hauptsünde Israels war der Abfall von Gott. Israel hat die Bundesbeziehung zu Gott gebrochen. Gott aber ist dem Bund treu geblieben. Hos. 6,7 „Die Israeliten sind mir untreu geworden…sie haben den Bund gebrochen, den ich einst mit ihnen geschlossen habe.“ (Hfa) Hos. 5,2 – „Den Bund, den ich mit euch geschlossen habe, habt ihr verraten…Darum werde ich euch alle bestrafen!“ (Hfa) Diese Wiedergabe des Textes ist in der LÜ nicht zu finden. Der Text scheint schwer aus dem Hebräischen übersetzbar zu sein. Die Jerusalemer Bibel übersetzt: „Sie sanken tief in Verirrung. Ich aber werde sie alle züchtigen“. Die Elberfelder übersetzt: „Und im Verderbt handeln haben es die Abtrünnigen weit getrieben.“ Die Kennzeichnung „Abtrünnige“ ist wohl bei der Hfa mit „den Bund gebrochen“ wiedergegeben.

 

4. Was bedeutet die Aussage Gottes „…aus allen Geschlechtern auf Erden habe ich allein euch erkannt“? Wie ist dieses Erkennen zu verstehen?

Der Herr kennt die Herzen aller Menschen. Aber er erkennet nur die Seinen. Erkennen ist nicht bloß das Wissen vom Anderen, sondern das Sein im Andern. Solches Erkennen setzt einfühlende, hingebungsvolle Liebe voraus, ein sich Öffnen und vertrauliches Mitteilen, das alle Fremdartigkeit überwindet. Lieben und Erkennen ist ein und dasselbe. Der welcher wahrhaft einen anderen Menschen liebt, geht aus sich selbst heraus, und versenkt sich mit seinem ganzen Gemüte in ihn, und so erkennt er ihn.

Jesus hat dies „Erkennen“, diese liebende Innigkeit seiner Jünger, im hohepriesterlichen Gebet  in die Worte gefasst: „So wie du (Vater) in mir bist und ich in dir, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein…Sie bleiben in mir und ich in dir. So sind wir vollständig eins…Wenn die Welt dich auch nicht kennt. ich kenne dich und diese hier haben erkannt, dass du mich gesandt hast“ (Joh. 17,21; 23; 25  Hfa).

Indem der Herr Israel erkannt hat, hat er einen Liebesbund, einen Ehebund mit dem Volke gestiftet und geschlossen. Durch den Propheten Hesekiel hat Gott dieses Erkennen und diesen aus freien Stücken und Erbarmen geschlossenen Liebesbund in ergreifenden Worten beschrieben – Hes. 16,5-7 „Kein Mensch hatte Mitleid mit dir und erbarmte sich über dich. Noch am Tag deiner Geburt warf man dich aufs freie Feld, weil jeder nur Verachtung für dich übrig hatte. Ich kam an dir vorüber und sah dich hilflos und blutverschmiert am Boden liegen. Da sagte ich zu dir: ‚Du sollst am Leben bleiben und heranwachsen wie eine Blume auf dem Feld!’“ .. V.9: „Ich badete dich, wusch dir das Blut ab und salbte dich mit duftenden Ölen.“  V.7.8.10: „Du blühtest auf und wurdest zu einer schönen Frau voller Anmut. Deine Brüste wuchsen, dein Haar war voll und schön. Aber immer noch warst du völlig nackt. Wieder kam ich an dir vorüber, und ich sah, dass du alt genug warst, einen Mann zu lieben. Da breitete ich meinen Mantel über dich aus und bedeckte deinen nackten Körper als Zeichen dafür, dass du meine Frau sein solltest. Ich, der Herr, schwor dir Treue und schloss mit dir einen Bund fürs Leben. So wurdest du meine Frau.“ (Hfa)

Durch den Propheten Hosea klagt Gott sein Volk an, ihn treulos und lieblos zu behandeln. Hos. 6,4-5  „Ach, Ephraim und Juda, was soll ich bloß mit euch machen? Eure Treue ist so flüchtig wie ein Nebelschleier am Morgen, eure Liebe zu mir verschwindet so schnell wie Tau unter der Sonne! Darum habe ich durch die Propheten mein Gericht angedroht und versucht, euch mit harten Worten zur Umkehr zu bewegen.“ (Hfa)

Weil Gott sein Volk liebt, weil ihm das Schicksal seines Volkes nicht gleichgültig ist, darum warnt er es durch seine Propheten, deshalb droht er ihm das Gericht an. Darum rief er dem Volk durch Hosea zu: „Israel, du bringst dich ins Unglück, denn dein Heil steht allein bei mir!“ (Hos. 13,9).

5. Welche Bedeutung haben die Worte in Am. 3,1-2 für uns? Welche Übertragung dürfen und müssen wir vornehmen?

Gott hat auch uns aus der Sklaverei befreit. Durch Jesus Christus hat er uns aus der Sklaverei der Sünde, des Teufels und des Todes freigekauft. Er hat uns aus Liebe erwählt und zu seinem Eigentum gemacht. Wir sind durch die geistliche Geburt, durch den Glauben an Jesus Christus, seine Söhne und Töchter geworden. Wir sind das geistliche Israel. Wir sind berufen, das verheißen Erbe zu empfangen, im himmlischen Kanaan zu leben. Die Apostel haben diese Tatsache immer wieder betont:

Bibelvers
Eph. 1,4-5 „Schon vor Beginn der Welt, von allem Anfang an, hat Gott uns auserwählt. Wir sollten zu ihm gehören, befreit von aller Sünde und Schuld. Ja, seine eigenen Kinder sollten wir werden, durch seinen Sohn Jesus Christus. Das hat Gott schon damals aus Liebe zu uns beschlossen.“ (Hfa)
Eph. 2,1-2;4-5 Wie sah euer Leben früher aus? Ihr seid Gott ungehorsam gewesen und habt gegen ihn rebelliert. Für ihn wart ihr tot…ihr wart dem Satan verfallen…Aber Gottes Barmherzigkeit ist groß. Wegen unserer Sünden waren wir in Gottes Augen tot. Doch er hat uns so sehr geliebt, dass er uns mit Christus neues Leben schenkte.“ (Hfa)
Eph. 2,6; 19 Durch den Glauben an Christus sind wir dem Tod entrissen und haben einen Platz in Gottes Reich…So seid ihr nicht länger Fremde und Heimatlose; ihr gehört jetzt als Bürger zum Volk Gottes, ja sogar zu seiner Familie.“ (Hfa)
1.Thess. 1,4 „Wir wissen, liebe Brüder, dass Gott euch liebt; ihr gehört ja zu denen, die er auserwählt hat, seine Kinder zu sein.“ (Hfa)
1.Petr. 2,9-10  „Ihr aber seid das von Gott auserwählte Volk, seine königlichen Priester, Menschen, die ihm gehorchen und sein Eigentum sind. Deshalb sollt ihr die großen Taten Gottes verkündigen, der euch aus der Finsternis befreit und in sein wunderbares Licht geführt hat. Früher konnte man euch nicht einmal als Volk bezeichnen; wer wart ihr schon? Aber jetzt seid ihr Gottes Volk! Früher kanntet ihr Gottes Gnade nicht; doch jetzt habt ihr seine Barmherzigkeit erfahren.“ (Hfa)

6. Womit muss auch das neue Bundesvolk, das geistliche Israel, rechnen, wenn es nicht auf Gottes Stimme hört und sein Gesetz verwirft?

Auch die christliche Gemeinde wird von Gott zur Rechenschaft gezogen. Petrus schrieb: „Es ist Zeit für das Gericht Gottes, und es beginnt bei denen, die zu ihm gehören. Wenn aber schon wir als seine Kinder gerichtet werden, welches Ende werden dann die nehmen, die Gottes Frohe Botschaft ablehnen?“ (1.Petr. 4,17 Hfa).

Paulus macht in 1.Kor. 11,32 deutlich, dass Gott seine Kinder jetzt richtet, damit sie nicht einmal mit der gottlosen Welt verdammt werden. „Wenn wir aber von dem Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt (erzogen), damit wir nicht samt der Welt verdammt werden.“

Auch die Gemeinde Christi empfängt von Gott Warnungsbotschaften, die zur Buße und Umkehr aufrufen. Offb. 2,5: „Kehre um, und werde wieder so, wie du am Anfang warst. Wenn du dich nicht von Grund auf änderst und zu mir umkehrst, werde ich kommen und deinen Leuchter von seinem Platz stoßen“ (Hfa) Auch für uns Christen gilt deshalb: „Hört, was ich der Herr, euch zu sagen habe!“ (Am. 3,1) „Hört genau hin, und achtet darauf, was Gottes Geist den Gemeinden sagt!“ (Offb. 2,29 (Hfa)

Betrachten wir nun die sieben rhetorischen Fragen, die Amos seinen Zuhörern stellte und fragen wir, was diese Kette von Bildern und Sprüchen bedeutet. 

„Können etwa zwei miteinander wandern, sie seien denn einig untereinander?“ (Am. 3,3)
Worauf zielt diese Frage? Was will der Prophet damit erreichen?

Gott und sein Volk gehören zusammen (wandern miteinander), für das gehorsame Volk zum Heil, für das ungehorsame zum Schrecken und Gericht. Buchstäblich wäre zu übersetzen: „es sei denn, sie haben eine Verabredung getroffen“ Ohne tägliche Verabredung, Verbindung mit Gott, ist es unmöglich, eine lebendige Beziehung zu ihm aufrecht zu erhalten. – Gott macht unmissverständlich klar, dass er die besondere Beziehung, die er zu seinem Volk hat, nicht fortsetzen kann, solange es an seinen verkehrten Wegen festhält und ihm den Rücken zukehrt.

Mit Gott zu gehen, meint nicht eine gelegentliche Handlung, sondern ein beständiges Verhalten, das aus einer  fest gegründeten Beziehung kommt. Es bedeutet eine Gemeinschaft, die auf einer gegenseitigen Übereinstimmung von Seele und Geist beruht. Zwei Menschen, die zusammen gehen wollen, müssen in die gleiche Richtung gehen. Das trifft auch für unsere Gemeinschaft mit Gott zu. Darum sind wir aufgerufen, in den Fußtapfen Jesu zu gehen. (1. Petr. 2,21).

7. Was will Gott mit den Bildern vom brüllenden Löwen, vom fallenden Vogel, der zuschnappenden Falle und der schallenden Posaune sagen? (Am. 3,4-6)

Die unheimliche Spannung in diesen Bildern deutet auf kommendes Unheil. Ein Löwe brüllt fürchterlich, wenn er dabei ist, sich auf sein Opfer zu stürzen. Ein junger Löwe knurrt in seinem Versteck, wenn er eine Beute in seinen Tatzen hält. Ein Vogel fällt zur Erde, wenn er ins Netz geraten ist, und die Falle schnappt zu, wenn ein Tier sie betreten hat.

Diese Bilder besagen:

Wenn Gott wie ein Löwe aus Zion brüllt, dann können die Leute gewiss sein, dass Gott nicht mehr länger zu ihren Sünden schweigt und das Verderben über sie kommt. Der Herr würde seinem Volk nicht das Gericht ankündigen, wenn er es nicht bereits als ein zum Gericht reifes Volk vor sich sähe und es bereits in seiner Gewalt wäre.

Das Volk würde nicht ins Verderben stürzen, wenn es nicht bereits durch seine Sünde wie in ei-  nem Netz gefangen wäre. In Ps. 9,15 steht „Der Gottlose ist verstrickt in dem Werk seiner Hände“

Und in Spr. 5,22 lesen wir: „Wer Gottes Gebote missachtet, dreht sich selbst einen Strick und ist gefangen in seiner Schuld.“ (Hfa)

So wie eine Falle nur zuschnappt, wenn sie etwas gefangen hat, so verkündet der Prophet Gottes Gericht, weil das Volk bereits in der Gefangenschaft seiner Sünde lebt.

So wie die Wächter mit ihren Posaunen die Bürger einer Stadt aus ihrer Sicherheit aufschrecken und sie vor dem kommenden Unheil warnen, so lässt auch Gott das Gericht, ehe es kommt, im voraus verkünden. Der Prophet soll seine Stimme wie eine Posaune erheben und das Volk vor dem drohenden Untergang warnen. Siehe Hes. 33,1-5: ich zu sagen habe: Wenn ich in einem Land Krieg ausbrechen lasse, ernennt das Volk gewöhnlich einen Wächter. Er bläst das Horn und warnt die Menschen, sobald er den Feind kommen sieht. Wenn nun jemand das Horn hört, sich aber nicht darum kümmert, wird der Feind ihn überraschen und töten. Er selbst ist dann schuld an seinem Tod, denn er hat das Hornsignal nicht beachtet und muss die Folgen selbst tragen. Lässt er sich jedoch warnen, dann rettet er sein Leben.“ (Hfa)

8. Welche ermutigende Botschaft wird uns in Am. 3,8 gegeben? 

Die Barmherzigkeit Gottes wird darin sichtbar, dass er sein Gericht nicht vollzieht, bevor er nicht zuerst sein Volk durch seine Propheten auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht hat. Gott hat die Menschen vor kommenden Gerichten stets gewarnt. „Wir rechnen dies zu der Größe der Barmherzigkeit, dass Gott nie die Strafen eher verhängt, ehe er zuvor die Welt hat warnen lassen.“

Der Kirchenvater Hieronymus sagte:: „Wer die Warnungen Gottes beachtet, wird gerettet werden. Gott kündigt das Gericht in der Hoffnung, an, dass er es nicht zur Ausführung bringen muss.

9. An welche Gerichtswarnungen, die Gott im voraus gegeben hat, denkt ihr?

Bevor die Flut kam, warnte er die Menschheit durch Noah. Bevor Gott die Plagen über Pharao brachte, warnte er ihn durch Mose. Bevor Jerusalem und der Tempel durch die Babylonier zerstört wurde. warnte er sie durch die Propheten Jesaja und Jeremia. Bevor die Römer kamen und Jerusalem zerstörten, warnte er sie durch seinen Sohn.

10. Welche Warnungen vor zukünftigen Gerichten sollten wir heute besonders beachten?

Das Gericht über die Unbußfertigen und Lauen in Laodizea – Offb. 3,15-16

Das Gericht über die Anbeter des Tieres – Offb. 13

Das Gericht über Babylon – Offb. 17 u. 18

Das Gericht über alle Gläubigen, die an ihren Sünden festhalten – Hes. 9

11. Welchen ungeheuren Vorwurf macht Gott seinem Volk in Am. 3,10?

„Sie achten kein Recht“ (LÜ) – Dr.H.Menge übersetzte korrekter: „Sie verstehen nicht, zu tun, was recht ist!“  „Sie kennen die Rechtschaffenheit nicht“ (Einheitsübers.)

12. Wie konnte das möglich sein? Wie konnten diejenigen, denen Gott seine Ordnungen und Gebote gab, die er als sein Volk vor allen Völkern auswählte, denen er sich selbst am Sinai machtvoll offenbarte, das Recht nicht kennen? Was war die Ursache für dieses Nichtwissen?

Eine Erklärung finden wir in Hos. 4,6: „Mein Volk läuft ins Verderben, weil es den richtigen Weg nicht kennt. Denn ihr Priester wollt nichts mehr von der Wahrheit wissen. Deshalb will ich auch nichts mehr von euch wissen! Ihr sollt nicht länger meine Priester sein. Weil ihr meine Weisungen vergessen habt, darum werde ich eure Kinder vergessen. „ (Hfa)

Erkenntnisse, die man nicht in die Praxis umsetzt, gehen früher oder später verloren. Wenn das geschehen ist und man sich daran gewöhnt hat, nicht mehr auf Gottes Wort zu hören, weiß man am Ende nicht mehr, „zu tun, was recht ist“. Das kann so weit gehen, dass „Böses gut und Gutes Böse“ genannt wird (Jes. 5,20).

E.G.White schrieb: „Jede sündhafte Befriedigung führt zur Abstumpfung der Geisteskräfte und schwächt das geistige und geistliche Wahrnehmungsvermögen, so daß das Wort oder Geist Gottes das Herz nur schwach beeindrucken kann“ (GK S.474).

Weil die Israeliten die religiösen Praktiken und Ideen der sie umgebenden Völker übernahmen, waren sie trotz ihres Wissens und der ihnen gegeben Offenbarung von Gott abgeirrt. Sie vergaßen, was in Gottes Augen Recht und Unrecht ist, und verschlossen ihre Augen vor den Konsequenzen ihres Handelns. So wurden sie reif für Gottes Gericht.

13. Mit welchem Bild kündete Gott den Israeliten den Umfang des Gerichts an? Am. 3,12

Alles „Retten Israels wird nur so viel sein, als wenn ein Hirte einen Beinknochen oder einen Teil eines Ohres aus den Fängen eines wilden Tieres reißt.“ D.h.: Für das ganze Volk gibt es keine Rettung, nur Einzelne werden überleben. Es gibt keine universelle Rettung aus dem Gericht. Es kommt auf die Umkehr des Einzelnen an. So wird es auch am Ende der Tage sein.

Darum sollten wir die Worte Jesu an Laodizea beachten: „Merkst du es denn nicht? Noch stehe ich vor deiner Tür und klopfe an. Wer jetzt auf meine Stimme hört und mir die Tür öffnet, bei dem werde ich einkehren. Gemeinsam werden wir das Festmahl essen“ (Offb. 3,20 Hfa).