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1 Hört dieses Wort, dieses Klagelied, das ich über euch anstimme, ihr vom Haus Israel! 2 Sie ist gefallen und kann nicht wieder aufstehen, die Jungfrau Israel; hingestreckt liegt sie auf ihrem eigenen Land, niemand richtet sie auf. 3 Denn so spricht GOTT, der Herr: Die Stadt, die tausend Mann stellt, wird nur hundert übrig behalten, und die, welche hundert stellt, wird nur zehn übrig behalten für das Haus Israel. 4 Denn so spricht der HERR zum Haus Israel: Sucht mich, so werdet ihr leben! 5 Und sucht nicht Bethel auf und geht nicht nach Gilgal und zieht nicht hinüber nach Beerscheba; denn Gilgal wird in die Gefangenschaft wandern und Bethel zum Unheilshaus werden! 6 Sucht den HERRN, so werdet ihr leben! Sonst wird er das Haus Joseph wie ein Feuer überfallen und es verzehren, und niemand wird Bethel löschen. 7 Ihr verwandelt das Recht in Wermut und stoßt die Gerechtigkeit zu Boden. 8 Er aber ist es, der das Siebengestirn und den Orion geschaffen hat, und der den Todesschatten in den Morgen verwandelt, den Tag aber in finstere Nacht; er ruft den Meereswassern und gießt sie auf den Erdboden — HERR ist sein Name. 9 Er lässt blitzschnell Zerstörung über den Starken kommen; ja, Zerstörung bricht über die Festung herein. 10 Sie hassen den, der im Tor Recht spricht, und verabscheuen den, der aufrichtig redet. 11 Darum, weil ihr den Armen niedertretet und Getreideabgaben von ihm erhebt, sollt ihr die Häuser, die ihr aus Quadersteinen gebaut habt, nicht bewohnen und den Wein der lieblichen Weinberge, die ihr gepflanzt habt, nicht trinken. 12 Denn ich weiß, dass eure Übertretungen zahlreich und dass eure Sünden mächtig sind, dass ihr den Gerechten bedrängt, Bestechung annehmt und die Armen im Tor unterdrückt! 13 Darum muss der Kluge zu dieser Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit. 14 Sucht das Gute und nicht das Böse, damit ihr lebt; dann wird der HERR, der Gott der Heerscharen, so mit euch sein, wie ihr es immer sagt! 15 Hasst das Böse und liebt das Gute, und gebt dem Recht seinen Platz im Tor; vielleicht wird der HERR, der Gott der Heerscharen, dem Überrest Josephs gnädig sein.

Gegenstand der Betrachtung: Amos 5,1-15.

Diese Bibelstudie befasst sich mit dem Abschnitt in Amos Kapitel 5, Vers 1-15. Wir betrachten den ersten Teil der dritten Rede des Propheten Amos, die er von Gott für sein Volk empfing.

Am. 5,1-15 nach der Übersetzung „Hoffnung für alle“

Ihr Israeliten, hört die Totenklage, die ich über euch anstimme: 
«Gefallen ist die Jungfrau Israel, und keiner hilft ihr auf. Leblos liegt sie am Boden, nie mehr wird sie sich erheben.» So spricht Gott, der Herr: «Wenn aus einer eurer Städte tausend Männer in den Krieg ziehen, kehren nur hundert zurück, und wenn hundert in den Kampf gehen, bleiben nur zehn übrig!

Ich, der Herr, fordere euch Israeliten auf: Kommt endlich zu mir zurück, dann bleibt ihr am Leben! Geht nicht mehr nach Beerscheba, um mich dort anzubeten, besucht auch nicht mehr die Heiligtümer in Gilgal und Bethel. Denn die Einwohner Gilgals werden in die Gefangenschaft geführt, und Bethel wird zum Unglücksort.»

Ja, kehrt zum Herrn zurück, dann werdet ihr leben! Sonst bekommt ihr Nachkommen Josefs seinen Zorn zu spüren. Er wütet wie ein loderndes Feuer, das sich immer weiter ausbreitet, und wenn es Bethel erreicht hat, kann niemand es dort löschen. Ihr tretet das Recht mit Füßen! Ihr treibt mit der Gerechtigkeit Schindluder, ihr tretet das Recht mit Füßen!

Gott hat das Siebengestirn und den Orion geschaffen. Licht verwandelt er in Finsternis, nach der Nacht läßt er einen neuen Tag anbrechen. Er ruft das Wasser aus dem Meer, und es ergießt sich auf die Erde. «Herr» wird er genannt! Ganz plötzlich vernichtet er die Mächtigen und macht ihre Festungen dem Erdboden gleich.

«Ihr hasst jeden, der vor Gericht für das Recht eintritt, und wer die Wahrheit sagt, den verabscheut ihr. Von den Ärmsten nehmt ihr Pachtgeld und verlangt auch noch Getreideabgaben. Darum werdet ihr nicht mehr in euren prachtvollen Häusern aus behauenen Steinen wohnen, und den Wein aus euren schönen Weingärten werdet ihr nicht trinken.

Ja, ich weiß, wie viele Verbrechen ihr begangen habt und wie groß eure Schuld ist. Ehrliche Menschen bringt ihr in Bedrängnis, ihr nehmt Bestechungsgelder an und laßt die Armen vor Gericht nicht zu ihrem Recht kommen. Wer klug ist, der schweigt in dieser schlimmen Zeit.

Setzt euch für das Gute ein, allem Bösen aber kehrt den Rücken! Dann bleibt ihr am Leben, und der Herr, der allmächtige Gott, steht euch bei, so wie ihr es ja immer behauptet. Ja, hasst das Böse, liebt das Gute! Verhelft vor Gericht jedem zu seinem Recht! Vielleicht erbarmt sich der Herr, der allmächtige Gott, doch noch über euch Nachkommen Josefs, und ihr werdet überleben.

1. Was ist das zentrale Anliegen Gottes in dieser Predigt?

Gott möchte, dass wir leben. Vers   4: dann bleibt ihr am Leben!
Vers   6: dann werdet ihr leben!
Vers 14: dann bleibt ihr am leben!

Gottes größter Wunsch für uns ist, dass wir leben. Durch den Propheten Hesekiel richtet er in Kp. 18,31 die Frage an uns: „Warum wollt ihr sterben?“ Und in Vers 32 versichert er uns: „Ich habe doch keine Freude daran, dass der Gottlose sterben muss. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort.“

Überall in der Welt sehnen sich Menschen nach Leben. Große Anstrengungen werden unternommen, enorme Summen ausgegeben, um das Leben zu erhalten, zu verlängern, Krankheit und Tod zu besiegen. Doch wohin wir auch blicken, überall sehen wir Blutvergießen, Tod und Verderben. In dieser Todessituation der Menschheit ist es gut auf das Wort des Herrn aus Hes. 16,5 zu hören: „Ich aber ging an dir vorüber und sah dich so in deinem Blute liegen und sprach zu dir….: Du sollst leben! Ja, zu dir sprach ich, als du so in deinem Blute dalagst: Du sollst leben!“

Ist es nicht wunderbar, zu hören und zu wissen: Gott möchte, dass wir leben! Jesus sagte: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben sollen“ (Joh. 10,10). Als Paulus den Athenern den ihnen unbekannten Gott verkündigte, sagte er zu ihnen: „Es ist der Gott, der die Welt und alles, was in ihr ist, geschaffen hat… der allen das Leben gibt und was zum Leben notwendig ist“ (Apg. 17,24-25 Hfa).

Zwei Illustrationen:

1)  Als Kinder legten wir uns im Sandkasten ein Gärtlein an. Wir pflückten verschiedene Blumen und steckten sie in den Sand. Wir begossen sie mit Wasser und freuten uns über unser Werk. Es sah schön bunt und lebendig aus. Doch am nächsten Morgen kam die Überraschung. Traurig sahen wir unsere Blümlein welk am Boden liegen, während ihre Schwestern auf der Wiese noch immer kräftig auf ihren Halmen standen.

2)  In einem Teich lebte ein Fisch munter und frisch. Eines Tages kam ein Philosoph an diesen Teich und begann mit dem Fisch ein Gespräch. Er sagte: Du armer Fisch, du mußt all dein Leben lang nur in diesem kleinen begrenzten Gewässer leben. Du hast keine Ahnung von dem Leben, das es außerhalb deiner Grenzen gibt. Und er schilderte dieses Leben in den buntesten Farben und mit den schönsten Worten. Da verlangte es den Fisch nach diesem neuen Leben. Er versuchte sein Lebenselement, das Wasser, zu verlassen. Eines Tages gelang es ihm, sich mit einem großen Sprung aus dem Wasser zu erheben und er landete auf dem warmen Sand. Da lag er nun und die Sonne schien ihm auf den Bauch und er genoß die Wärme und er schlug vor Freude mit dem Schwanz auf den Sand. Er dachte, das muß das neue Leben sein, das der Philosoph mir versprochen hat. Doch es dauerte nicht lange, dann wurden seine Schläge schwächer. Er schnappte noch einmal nach Luft und starb.

2. Warum verwelkten die Blumen im Sandkasten so schnell?  – Warum musste der Fisch sterben?

Die Blumen im Sandkasten starben, weil sie keine Verbindung mehr zu den Leben spendenden Wurzeln hatten. Der Fisch starb, weil er das sein Leben erhaltende Element Wasser verlassen hatte. Es ist eine Narretei, sein Lebenselement zu verlassen.

Der Prophet beginnt seine dritte Predigt mit einer Totenklage über Israel. Er sagt: „Ihr Israeliten, hört die Totenklage, die ich über euch anstimme: Gefallen ist die Jungfrau Israel, und keiner hilft ihr auf. Leblos liegt sie am Boden, nie mehr wird sie sich erheben!“ (Am. 5,1.2) Der Prophet weint. Amos stimmt ein Klagelied über Gottes Volk an. Er verhält sich wie die Klageweiber seiner Zeit, die zusammengerufen werden, um den Tod eines Freundes zu beweinen. Mit seinem Klagelied offenbart er den Geist Christi, der in den Propheten war. Jahrhunderte später wird von Jesus in Lk. 19,41-42 berichtet: „Als Jesus Jerusalem vor sich liegen sah, weinte er über die Stadt. Der Friede war die so nahe, warum nur wolltest du ihn nicht haben?“ (Hfa).

Die Jungfrau Israel sollte sich Gott verlobt wissen. Durch den Propheten Hose hatte ihr Gott folgendes Versprechen gegeben (Hos. 2,21-22):  „Die Ehe, die ich an diesem Tag mit dir, Israel, schließe, wird ewig bestehen. Ich schenke dir Liebe und Barmherzigkeit, ich schütze dich und helfe dir; immer werde ich treu sein und dich nie verlassen. Daran wirst du erkennen, dass ich der Herr bin!“

3. Was ist die Ursache dafür, dass die Jungfrau nun leblos am Boden liegt. – Warum stimmt der Prophet über sie eine Totenklage an?

Die Bibel sagt in Röm. 6,23: „Die Sünde wird mit dem Tod bezahlt“ (Hfa). In Röm. 5,12 wird uns gesagt: „Weil nun alle Menschen gesündigt haben, sind sie alle dem Tod ausgeliefert“ (Hfa). Und in Eph. 2,5 betont Paulus: „Wegen unserer Sünden waren wir in Gottes Augen tot“ (Hfa).

4. Worin bestand die besondere Sünde Israel?

„Die Jungfrau Israel ist gefallen!“ Sie hat dem Herrn die Treue gebrochen.Gott fragte den Propheten Jeremia (Jer. 3,6): „Hast du gesehen, wie Israel mir die Treue bricht? In Jer. 2,13 klagt Gott: „Mein Volk hat eine doppelte Sünde begangen: Erst haben sie mich verlassen, die Quelle mit frischem Wasser, und dann haben sie sich rissige Zisternen ausgehauen, die das Wasser nicht halten können“ (Hfa).

Wasser ist Leben! Komm doch zur Quelle des Lebens! In Hes. 47,12 wird gesagt: „Ihr Wasser fließt aus dem Heiligtum.“ Hesekiel beschreibt in diesem Kapitel, wie dieses Wasser ins Tote Meer fließt und es in Süßwasser umwandelt und überall, wo es hinkommt, Leben in Fülle hervorbringt. Gott ist die Quelle wahren Lebens. Wer die Quelle des Lebens verläßt, kommt früher oder später um. Jeremia betete deshalb zum Herrn (Jer. 17,13): „Herr, du bist die Hoffnung Israels! Wer dich verlässt, der wird scheitern. Wer sich von dir abwendet, dessen Name vergeht so schnell wie ein Wort, das man in den Sand schreibt. Denn er hat dich verlassen, die Quelle mit frischem Wasser“ (Hfa).

Leben existiert nur in Gott und durch Gott. Wer leben will, muß beständig  mit der Quelle des Lebens verbunden sein. Ohne Gott gibt es kein Leben, sondern nur emotionalen, sozialen, geistlichen und letztendlich physischen Tod.

5. Welches Angebot macht Gott seinem Volk?  Wozu fordert er es auf? – Am. 5,4; 6

Das Angebot zum Leben überrascht, weil unmittelbar zuvor über die gefallene „Jungfrau Israel“ eine Totenklage angestimmt wurde. Auch wenn es scheinbar nichts mehr zu hoffen gibt, bietet Gott eine neue Chance an. In seiner grenzenlosen Barmherzigkeit will Gott großzügig denen vergeben, die zu ihm zurückkehren. Nichts erfreut Gott mehr, als die Rückkehr des Sünders zu ihm. Dies ist das Ziel all seiner Bemühungen um uns. Durch den Propheten Hesekiel gibt uns Gott einen Einblick in sein Herz (Hes. 18,23: „Ich, der Herr, frage euch: Meint ihr, ich hätte Freude daran, dass der Gottlose sterben muss? Nein, ich freue mich, wenn er von seinen falschen Wegen umkehrt und am Leben bleibt!“ (Hfa).

In Jer. 3,12-14 wird mitgeteilt, welche Botschaft Gottes Jeremia dem untreuen Volk verkündigen sollte„Deshalb ruf dem Nordreich Israel zu: So spricht der Herr: Komm zurück zu mir! Du warst mir untreu, doch ich will nicht länger zornig auf dich sein! Denn ich bin ein barmherziger Gott und werde dir vergeben. Nur – bekenne offen deine Schuld! Gib zu, dass du dich von mir deinem Gott, losgesagt hast, dass du hinter anderen Göttern hergelaufen bist und nicht mehr auf mich hören wolltest. Kehr um, abtrünniges Volk, denn ich bin immer noch dein Herr!“ (Hfa).

Gott hält seine gnadenreichen Zusagen aufrecht. Während der Sünder von Sünde zu Sünde eilt, wartet Gott geduldig auf dessen Reue und Rückkehr.

Gott ruft:   Suchet „mich“!

Worauf zielt unsere religiöse Sehnsucht? Was suchen wir in unseren Gottesdiensten? Suchen wir religiöse Erbauung, ein Wohlgefühl, eine erhebende Atmosphäre, suchen wir die Segnungen und Gaben des Herrn oder suchen wir den Geber selbst? Suchen wir ihn in seinem Wort und Gebot oder dreht sich alles nur um unsere eigenen Bedürfnisse?

Viele Menschen kamen zu Jesus um der Brote und Fische willen, weil sie geheilt und von Krankheiten befreit werden wollten. Sie nahmen das Brot aus seinen Händen, aber ihn selber nahmen sie nicht an. Jesus sagte zu ihnen: „Ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ich euch das ewige Leben gebe“  (Joh. 5,40 Hfa). Wohl dem, der mit David zu Gott spricht: „Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Ich sehne mich nach dir.“

„Wie eine dürre Steppe nach Regen lechzt, so dürste ich, o Gott, nach dir. Ich suche dich in deinem Heiligtum, Wenn ich nachts in meinem Bett liege, denke ich über dich nach, meine Gedanken sind dann nur bei dir“ (Ps. 63,2-3;7 Hfa). Der Prophet Jesaja betete zu Gott: „Von Herzen verlangt mich nach dir des Nachts, ja, mit meinen Gedanken suche ich dich am Morgen“ (Jes.26,9). Hfa übersetzte: „Wir sehnen uns nach dir – wie könnten wir dich je vergessen? Bei Nacht sind meine Gedanken bei dir, voller Sehnsucht suche ich dich“ (Jes. 26,8-9 Hfa).

David und Jesaja wussten: Echter Glaube ist persönliche Liebe zu Gott. Die Liebe zu Gott umschließt das ganze Leben. Es geht um eine personale Beziehung. Den Herrn zu suchen, dem Herrn zu begegnen, auf den Herrn zu hören, muss auch in unseren Gottesdiensten oberstes Ziel sein. Leider suchen wir oft nur uns selbst, anstatt uns auf Gott hin auszurichten. Wir suchen die Natur, statt den Schöpfer. Wir suchen kosmische Energie zu empfangen, statt uns mit dem Allmächtigen zu verbinden. Wir suchen nach theologischen Konzepten, statt auf die Stimme Gottes zu hören. Wir entwickeln religiöse Aktivitäten, statt den anzubeten und dem zu gehorchen, der Himmel und Erde geschaffen hat.

6. Warum sagte Gott: „Suchet nicht in Bethel, kommt nicht nach Gilgal und geht nicht nach Bersheba?

Jeder Mensch ist ein Suchender. Es kommt aber darauf an, das Rechte und Wahre am richtigen Ort zu suchen. Bethel, Gilgal und Bersheba waren bedeutungsvolle Plätze in Israels Geschichte. In Bethel hatte Jakob seine Begegnung mit Gott (1.Mo. 28,12) In Gilgal feierte Israel das erste Passahfest nach der Überquerung des Jordans. Dort verteilte Josua das verheißene Erbe an die 12 Stämme (Jos. 5,9-10). In Berscheba begegnete Gott Abraham, Isaak und Jakob (1.Mo. 21,15; 26,23-33; 46,1-5).

Aber Israel hatte diese Plätze göttlicher Offenbarung durch Götzendienst entweiht. Es hatte den Dienst für Jaweh mit heidnischer Religiosität vermischt. Durch den Propheten Hose sprach Gott sein Missfallen über diese Entwicklung aus (Hos. 8,2-4b.6): „Wohl schreien sie zu mir: >Du bist mein Gott; wir, Israel, kennen dich< (LÜ). „Doch sie verachten, was in meinen Augen gut und richtig ist… Aus ihrem Silber und Gold gießen sie Götzenstatuen… Was soll diese Götzenstatute in Israel?“ (Hfa).

Ein selbst erwählter Gottesdienst und eine mit fremden Elementen durchsetzte Anbetung, kann Gott nicht annehmen. Viele Israeliten meinten, sie könnten durch Wallfahrten, Opfer und fromme Riten Gottes nähe und Wohlgefallen erlangen und bewahren. Dabei vergaßen sie jedoch, dass die persönliche Beziehung zu Gott durch nichts ersetzt werden kann. Nicht den äußeren Gottesdienst nach eigenen Vorstellungen sollen sie suchen und dabei ihr sündiges Leben weiterführen, sondern den lebendigen, heiligen und majestätischen Gott, der unseren Gehorsam erwartet. Gott machte dies durch den Propheten Micha deutlich: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott!.“

7. Warum stellt sich Gott dem Volk als der vor, der das Siebengestirn und den  Orion schuf,  und der aus der Finsternis den Morgen macht, der das Wasser aus dem Meer herbeiruft? –  Am. 5,8

Gott sagt seinem abgefallenen, die Götzen verehrenden Volk: „Suchet mich, den allmächtigen Schöpfer!“ Gottes mächtiges Handeln in der Schöpfung und die Herrlichkeit seiner Werke sollen Menschen zur Anbetung und Verherrlichung des Schöpfers führen. Das ist der Ruft in der ersten Engelsbotschaft: „…und betet den, der Himmel und Erde gemacht hat“

Der Hinweis auf das Siebengestirn hat aber noch eine weitere Bedeutung. Dieses Gestirn galt als Symbol der universalen Herrschaft. Die römischen Kaiser ließen sich in der Pose des Weltherrschers mit dem Siebengestirn in ihrer Hand darstellen, um ihren universalen Machtanspruch zu begründen. Wer die Sterne des Alls in seiner Hand hielt, war der Mächtigste auf Erden und im Himmel. Israel soll mit dem Hinweis auf das Siebengestirn darauf aufmerksam gemacht werden, dass es in Gnade und Gericht dem Allmächtigen zu begegnen hat.

Der Hinweis auf die herbeigerufenen Wasser, sollte vielleicht an die Sintflut erinnern und aufzeigen, dass Gott als Richter stark genug ist, dem Frevel ein Ende zu setzen.  Er ist der Herr. In Vers 14 wird er „der Herr, der Gott Zebaoth“ genannt. Der Herr, der himmlischen Heerscharen, der für Gerechtigkeit einsteht und dem Recht zum Sieg verhilft.

8. Was bedeutet es, den Herrn zu suchen? –  Woran wird ersichtlich, ob jemand den Herrn sucht? – Am. 5,14-15

Für viele bleibt die Suche nach Gott eine theoretische Übung, ein doktrinaler Streifzug, eine theologische Debatte, für andere eine intellektuelle oder emotionale Fiktion. Gott macht durch Amos unmissverständlich klar, was es bedeutet, ihn zu suchen.

„Suchet das Gute und nicht das Böse…Hasset das Böse und liebet das Gute!“

Setzt euch für das Gute ein, allem Bösen aber kehrt den Rücken! Übt Gerechtigkeit gegenüber den Unterdrückten, den Armen und sozial Schwachen. Verhelft ihnen zu ihrem Recht. Böses hassen und das Gute lieben, schließt das ganze Wesen des Menschen ein. Deshalb sagte Jesus nach Lukas 10,27: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit allen deinen Kräften und von ganzem Gemüte und deinen Nächsten wie dich selbst!“

In unseren Tagen stehen Toleranz, Kompromisse und Anpassung hoch im Kurs. Vielen Menschen fällt es immer schwerer, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, Klare Abgrenzungen werden immer schwieriger. Gott spricht durch den Propheten Jesaja über unsere Gesellschaft und ihre pluralistische Einstellung ein Wehe aus (Jes.5,20): „Wehe denen, die Böses gut und Gutes Böse nennen, die Finsternis als Licht bezeichnen und Licht als Finsternis, die Saures für süß erklären und Süßes für sauer!“ (Hfa).

Wer das Gute lieben und das Böse hassen will, braucht dafür klare und gültige Maßstäbe, mit denen er prüfen und beurteilen kann, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt. Deshalb gibt uns der Heilige Geist durch den Apostel Paulus folgenden Rat (Rö.12,2 Hfa): „Nehmt euch nicht die Forderungen dieser Welt zum Maßstab, sondern ändert euch, in dem ihr euch an Gottes Maßstäben orientiert. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist.“

Auch wir Adventisten leben in der Welt und bleiben vom Zeitgeist nicht unberührt. Täglich wird unser Denken, Fühlen und Wollen durch die Medien beeinflußt. Das, was wir sehen, hören, erleben, beeinflußt uns, prägt uns und leitet uns in unseren Entscheidungen. Das klare Verständnis dafür, was in Gottes Augen Unrecht und Sünde ist, verschwindet immer mehr. Ein jeder tut, was ihm gut dünkt. Das missfällt dem Herrn und hält seinen Segen fern.

9. Wie und wo können wir uns an Gottes Maßstäben orientieren?

Nur ein sorgfältiges Studium des Wortes Gottes und des Gesetzes Gottes kann uns hier weiterhelfen. Der Beter des 119. Psalms hat diese Erkenntnis in folgenden Worten ausgesprochen: – Siehe beigefügte Textzusammenstellung