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16 Darum, so spricht der HERR, der Gott der Heerscharen, der Herrscher: Auf allen Plätzen Wehklage! Und auf allen Straßen wird man »Wehe, wehe!« rufen. Man wird den Bauern zur Trauer rufen und die, welche Klagelieder singen können, zur Wehklage. 17 Und in allen Weinbergen wird Wehklage erschallen; denn ich will mitten durch euch dahinschreiten!, spricht der HERR. 18 Wehe denen, die den Tag des HERRN herbeiwünschen! Was soll euch der Tag des HERRN? Er wird Finsternis sein und nicht Licht, 19 wie wenn jemand vor dem Löwen flieht und ihm ein Bär begegnet, und wenn er heimkommt und sich mit der Hand an die Wand lehnt, so beißt ihn eine Schlange! 20 Wird nicht der Tag des HERRN Finsternis sein und nicht Licht, Dunkelheit und nicht Glanz? 21 Ich hasse, ich verachte eure Feste und mag eure Festversammlungen nicht riechen! 22 Wenn ihr mir auch euer Brandopfer und Speisopfer darbringt, so habe ich doch kein Wohlgefallen daran, und das Dankopfer von euren Mastkälbern schaue ich gar nicht an. 23 Tue nur hinweg von mir den Lärm deiner Lieder, und dein Harfenspiel mag ich nicht hören! 24 Es soll aber das Recht einherfluten wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein unversiegbarer Strom!

Gegenstand der Betrachtung: Amos 5,16-24

Wir setzen heute das Studium der dritten Rede des Propheten Amos fort. Unser Studientext ist Am. 5,16-24. Der Herr, der Gott der himmlischen Heerscharen, verkündigt seinem Volk den Tag des Gerichts und sagt ihm, wie es sich auf diesen Tag vorbereiten kann.

In den Versen 16.17a kündigt Gott eine dramatische Wende des täglichen Lebens an.

1.     Wovon würde das tägliche Leben zukünftig geprägt sein?
„Auf allen Plätzen und Straßen wird man lautes Klagen und Trauerlieder hören. Die Landwirte holt man von den Feldern, damit sie wie die Klagefrauen die Toten beweinen. In den Weinbergen – (normalerweise Orte der Freude) – trauern die Menschen laut um die Gestorbenen“ (Hfa).

2. Wie begründet Gott diesen traurigen Zustand? Was ist die Ursache für diese Veränderung?
„Denn ich, der Herr, werde durchs Land schreiten und euch zur Rechenschaft ziehen“ (hfa). Luther übersetzte: „Denn ich will unter euch fahren, spricht der Herr.“

I. Der HERR geht zum Gericht durch sein Volk

Wörtlich übersetzt müsste es lauten: „Ich will durch deine Mitte gehen“. Die Jerusalemer Bibel übersetzte deshalb: „ich werde durch deine Mitte hindurch schreiten“ Hier wird dasselbe Wort gebraucht, wie in 2.Mo, 12,12, wo der Herr spricht: „Ich werde in dieser Nacht durch Ägypten gehen und jeden ältesten Sohn einer Familie töten und auch jedes erstgeborene Tier. Ich werde mein Urteil an allen Göttern Ägyptens vollstrecken, denn ich bin der Herr“ (Hfa).

Doch in jener Gerichtsnacht wollte der Herr an denen schonend vorübergehen, die im gehorsamen Vertrauen das Blut des Lammes an die Pfosten ihrer Türen gestrichen hatten. In Vers 13 steht: „Das Blut an den Türpfosten eurer Häuser aber wird ein Zeichen sein, das euch schützt. Wenn ich das Blut sehe, will ich euch verschonen. Ich werde die Ägypter strafen, doch an euch wird das Unheil vorübergehen.“

3. Warum erinnert Gott sein Volk durch Amos an diese Erfahrung in Ägypten? Was will Er ihm damit sagen?

Beachtet: Gott sagt in dieser Gerichtsrede nicht: „Ich will an euch vorübergehen“, sondern: »Ich, der Heilige und Starke, der Allmächtige und Gerechte, will durch deine Mitte gehen, sowie ich einst durch Ägypten hindurchging.« Damit kündigt Gott seinem Volk das Gericht an. Er sagt, dass er an ihm genauso handeln werde wie an den Ägyptern, weil sie sich von ihm abgewendet haben um erneut den Göttern Ägyptens zu dienen.

Durch den Propheten Hesekiel klagt Gott darüber, daß sie die Götzen Ägyptens nicht verließen (Hes. 20,7-8): „Ich forderte sie auf: »Werft eure abscheulichen Götterfiguren fort, die ihr bisher angebetet habt! Macht euch nicht schuldig, verehrt nicht die Götter Ägyptens! Denn ich, der Herr, bin euer Gott« Aber sie lehnten sich gegen mich auf und wollten nicht auf mich hören. Kein einziger warf die widerlichen Götzen weg, die er angebetet hatte; das ganze Volk verehrte weiterhin die anderen Götter.“

Das „Hindurchgehen“ des Herrn durch sein Volk wird in Hes. 9,3-11 beschrieben. (lesen!)

Hesekiel schaut in einer Vision das göttliche Gericht über Jerusalem. Es ist eines der härtesten Gerichtsbilder der Bibel. Der Heilige, der zugesagt hatte, im Heiligtum unter seinem Volk zu wohnen, erhebt sich von seinem Thron, um den Tempel zu verlassen. Er selbst ordnet das Gericht an. Der Prophet sieht, wie die Engel des Verderbens bereitstehen. Doch ehe das Gericht beginnt, soll ein Gottesbote alle zeichnen, die über die Greuel trauern, wenn sie ihnen auch nicht wehren konnten. Gott sichtet die Schar der Getreuen aus, bevor er das Gericht an seinem treulosen, götzendienerischen Volk vollstreckt. Erst nach dieser bewahrenden Handlung, nach dieser Versiegelung, beginnt das Vernichtungsgericht, das am Heiligtum beginnt. (1.Petr. 4,17)

Auch Jesus sprach wiederholt von dem „Hindurchgehen“ des Herrn, von der Sichtung und Aussonderung, die vor dem Gericht durchgeführt werden würde.

4. In welchen Bildern veranschaulichte Jesus diesen Vorgang?

Königliche Hochzeit (Mt. 22,11):„Da ging der König hinein. die Gäste zu besehen, und sah all da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Kleid an, und er sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die Finsternis hinaus!“

Einsammeln des Unkrauts (Mt.13,30; 40):„Laßt beides bis zur Ernte wachsen. Dann werde ich den Erntearbeitern befehlen: Sammelt zuerst das Unkraut ein und verbrennt es! Den Weizen aber bringt in meine Scheunen! …Wie das Unkraut vom Weizen getrennt und verbrannt wird, so wird es auch beim Gericht Gottes über die Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel senden. Sie werden aus dem Gottesreich alle Verführer und alle, die Unrecht tun, aussondern, sie in den Feuerofen werfen und verbrennen. Aber alle, die Gottes Willen tun, werden im Reich ihres Vaters, leuchten wie die Sonne.“ (Hfa).

II. Der HERR warnt sein Volk vor falscher Erwartung – Am. 5,18-20

Der Tag des Herrn ist ein wichtiges Element in allen prophetischen Botschaften. Die Erwartung des Tages des Herrn gehörte zum festen und nicht aufgebbaren Bestandteil ihres Glaubens. es ist erstaunlich, daß bei den Israeliten in einer Zeit des Wohlstandes, des Friedens und der äußeren Sicherheit  die Erwartung des Tages des Herrn nicht erloschen war. Amos sprach zu seinen Zuhörern: „Ihr wünscht euch: >Wenn nur der Tag schon da wäre, an dem Herr eingreift!<“

Israel wusste, daß die Welt nicht durch einen moralischen Entwicklungsprozeß noch durch menschlichen sozialen Aktivismus heil wird, sondern durch das Eingreifen Gottes, durch das Kommen seines Tages. Der Prophet mu sich nicht gegen eine Erschlaffung der Zukunftserwartung wenden, sondern gegen ihren unsachlichen Inhalt.

5. Warum sprach Amos ein Wehe aus über jene, die des Herrn Tag herbeiwünschen? Sind nicht die glücklich zu preisen, welche die Ankunft des Tages Gottes erwarten und ersehnen? – (2.Petr. 3,12)

Die Israeliten erwarteten den Tag des Herrn im Vertrauen auf seine Vorrechte als auserwähltes Volk.. Sie waren überzeugt, der Tag des Herrn würde für sie ein Tag ihrer Rechtfertigung und für ihre Feinde ein Tag der endgültigen Vernichtung sein. Aber der Bund, den Gott mit Israel geschlossen hatte, rief das Volk dazu auf, seinem Gott treu und gehorsam zu sein und die Mitmenschen gerecht und liebevoll zu behandeln. Sie hatten vergessen, daß der Tag des Herrn einen zweifache Bedeutung hat. Er wird ein Tag der Rechtfertigung und der Errettung sein für alle, die Gott gehorchen, aber für jene, die Gott ungehorsam sind, wird er ein Tag des Gerichts und der Finsternis sein.

Es genügt nicht, den Tag des Herrn zu begehren, man muß auch so leben, wie es diesem Tag entspricht. Diese Wahrheit wird auch im ganzem NT von Jesus und den Apostel bezeugt. Leider wird diese Tatsache heute von vielen Christen übersehen oder geleugnet. Sie meinen, es würde genügen an Jesus zu glauben.

Der Apostel Petrus schrieb an die Gemeinde (2.Petr. 3,10-12; 14):Doch der Tag des Herrn wird so plötzlich und unerwartet da sein wie ein Dieb. Krachend werden dann die Himmel zerbersten, die Elemente werden sich auflösen und im Feuer verglühen, und die Erde wird verbrennen mit allem, was auf ihr ist. Wenn aber alles in dieser Weise zugrunde gehen wird, müßt ihr euch erst recht darauf vorbereiten, das heißt, ihr müßt ein Leben führen, das Gott gefällt… Weil ich weiß, daß ihr, meine Freunde, voller Hoffnung darauf wartet, ermahne ich euch: Lebt so, daß ihr dem Herrn ohne Schuld und mit einem guten Gewissen im Frieden entgegengehen könnt.“ (Hfa)

Jesus ermahnte seine Jünger (Lk. 21,34-36): „Ihr seid in Gefahr! Paßt auf, daß euch nicht die Gier nach Luxus und Wohlstand, auch nicht die Sorgen des Alltags vom Ziel ablenken! Seid jederzeit auf diesen Tag vorbereitet, sonst wird er euch überfallen. Denn das ist sicher: Er kommt für alle plötzlich und überraschend. Bleibt wachsam und betet allezeit, damit ihr das übersteht, was euch erwartet. Dann könnt ihr ohne Furcht vor den Menschensohn treten.»

Im Blick auf den nahenden Tag des Herrn, richtete der Apostel Paulus folgende Aufforderung an die Christen (Rö.13,12-14): „Bald ist die Nacht vorüber, und Gottes Tag bricht an. Deshalb wollen wir uns von den finsteren Werken der Nacht trennen und uns statt dessen mit den Waffen des Lichts rüsten. Wir wollen ein gutes, anständiges Leben führen; ohne üppige Gelage und Saufereien, ohne Ausschweifungen und Sittenlosigkeit, ohne Streit und Eifersucht. Wörtlich: Als am Tage laßt uns unser Leben ehrbar führen. Statt dessen soll Jesus Christus in allem euer Vorbild sein. Hütet euch davor, euern Leib mit seinen Wünschen und Begierden zum Mittelpunkt eures Lebens zu machen“ (Hfa).

Damit sich ja niemand einer trügerischen Sicherheit hingibt und den Tag des Herrn in einer falschen Erwartung begehrt, schrieb der Apostel an die Gemeinde in Rom (Rö.2,5-8): „2:5 „Ihr aber weigert euch hartnäckig, euer Leben zu ändern. Es ist allein eure Schuld, wenn euch Gottes Zorn am Tage des Gerichts mit ganzer Härte trifft; dann nämlich wird Gott jedem nach seinen Werken geben, was er verdient hat. Ewiges Leben wird er denen geben, die sich durch nichts davon abbringen lassen, Gottes Willen zu tun, weil sie sich nach Gott sehnen und ihm gefallen möchten. Die aber aus Selbstsucht Gottes Wahrheit leugnen, sich ihr widersetzen und dafür der Lüge und dem Unrecht gehorchen, die wird Gottes unversöhnlicher Zorn treffen.“ (Hfa).

Gott bezeichnet seinen Tag, an dem er über sein Volk zu Gericht sitzt einen Tag des Zorns, der Angst, des Schreckens, der Finsternis:

Joe. 2,11 Der Tag des Herrn ist groß und voller Schrecken, wer kann ihm ertragen?

Zef. 1,14-15; 18  Der große Tag des Herrn steht vor der Tür. Er kommt näher, immer näher. Es ist ein schrecklicher Tag, an dem sich Gottes ganzer Zorn entlädt, ein Tag voll Angst und Schrecken. Verheerende Unwetter brechen herein, schwarze Wolken verdunkeln den Himmel, und tiefe Finsternis breitet sich aus. Wenn sich an diesem Tag mein Zorn entlädt, hilft ihnen kein Silber und kein Gold mehr: Mein Zorn bricht plötzlich los wie ein Feuer und verwüstet das ganze Land. Alle seine Bewohner lasse ich vom Erdboden verschwinden (Hfa).

Leider gibt es heute viele Christen, die behaupten, dies sei die alttestamentliche Sicht vom Tag des Herrn, die wir als Christen überwinden müßten. Denn das NT würde nur den Gott der Gnade und Liebe verkündigen. Wer so spricht hat nie wirklich das NT gelesen und ernst genommen. Jesus und die Apostel haben ebenfalls den Tag des Herrn als einen Tag des Zorns, der Angst und der Finsternis bezeichnet.

Der Apostel Johannes empfing von Gott eine Vision über den Tag des Herrn. Er beschreibt, wie es an jenem Tage denen gehen wird, die Gottes Gnade verachtet haben (Offb. 6,14-17): Angst und Schrecken ergriff die Mächtigen und Herrscher der Erde, die Heerführer, die Reichen und die Starken, die Herren ebenso wie ihre Untergebenen. Sie alle suchten Schutz in Höhlen und zwischen den Felsen der Berge. Und alle schrien zu den Bergen: «Stürzt doch auf uns herab! Verbergt uns vor den Augen dessen, dem alle Macht gehört! Bewahrt uns vor dem Zorn des Lammes! Der Tag seines Gerichts ist jetzt gekommen. Wer kann da bestehen?(Hfa). Luther übersetzte: „Es ist gekommen der große Tag seines Zorns!“

Wer Jesus nur als das Lamm predigt, das für die Sünden der Welt geopfert wurde, der verkündigt nur die halbe Wahrheit. Die Bibel spricht unmißverständlich auch von dem Zorn des Lammes, der alle treffen wird, die von Gott nichts wissen wollen und die nicht gehorsam sind dem Evangelium (2.Thess. 1,8).

Johannes, der Wegbereiter Jesu, rief der Menschenmenge, die gekommen war, um sich taufen zu lassen, folgende Worte zu (Lk. 3,8): „Ihr Teufelspack! Glaubt ihr etwa, daß ihr dem kommenden Gericht Gottes (dem zukünftigen Zorn – LÜ) entrinnen werdet? Beweist erst einmal durch eure Taten, daß ihr wirklich zu Gott umgekehrt seid! (Hfa).

III. Der äußerliche Gottesdienst rettet nicht. Er ist ein frommer Selbstbetrug!

Betrachten wir nun Gottes Einstellung zum Gottesdienst seines Volkes.

6. Wie dachte Gott über den Gottesdienst seines Volkes? Welches harte Urteil fällte er? Am. 5,21-23 (Hfa)

Der Herr sagt: «Ich hasse eure Feiern, geradezu widerwärtig sind sie mir, eure Opferfeste verabscheue ich. Eure Brand- und Speiseopfer nehme ich nicht an, und wenn ihr Tiere mästet, um sie   mir darzubringen, ist mir das völlig gleichgültig. Eure lauten Lieder kann ich nicht mehr hören, verschont mich mit eurem Harfengeklimper.

7. Warum spricht Gott ein solch hartes Urteil über den Gottesdienst seines Volkes aus?

Jesus brachte die Sache auf den Punkt als er sagte (Mk. 7,6-8): „Jesus antwortete: «Wie recht hat Jesaja, wenn er von euch Heuchlern schreibt: ‚Diese Leute können schön über Gott reden, aber mit dem Herzen sind sie nicht dabei. Es ist alles nur Geschwätz. Ihre Gottesdienste sind wertlos, weil sie ihre menschlichen Gesetze als Gebote Gottes ausgeben.‘ Aber Gottes Gebote beachtet ihr nicht, sondern ersetzt sie durch eure Vorschriften“ (hfa).

Gottesdienst ohne Gehorsam ist vor Gott wertlos und für den Menschen eine fromme Selbsttäuschung. Wahrer Gottesdienst ist, Gott durch Gehorsam und in Liebe im alltäglichen Leben zu dienen. Paulus  beschreibt den Gott wohlgefälligen Gottesdienst in Röm. 12,1: „Weil ihr Gottes Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, liebe Brüder, mit Leib und Leben für Gott dazusein. Seid ein lebendiges und heiliges Opfer, das Gott gefällt. Einen solchen Gottesdienst erwartet er von euch“ (hfa).Und der Apostel Jakobus erklärt (Jak. 1,27): „Witwen und Waisen in ihrer Not zu helfen und sich vom gottlosen Treiben dieser Welt nicht verführen zu lassen: das ist wirkliche Frömmigkeit, mit der man Gott, dem Vater, dient.“ (hfa).

Die Israeliten handelten genau entgegengesetzt.Witwen und Waisen bedrängten sie und sie ließen sich vom Götzendienst verführen. Der Prophet Hosea klagte (Hos 12,1): „Im Hause Israel ist falscher Gottesdienst.“ In Jesus Sirach steht in Kp.35,5: „Von Sünden lassen, das ist ein Gottesdienst, der dem Herrn gefällt!“ Weil das Volk aber nicht von den Sünden der Väter, dem Götzendienst, abläßt, darum ist sein Gottesdienst dem Herrn ein Greuel. Darum spricht der Herr durch den Propheten Jesaja (Jes. 1,13-17):  „Hört endlich mit diesen nutzlosen Opfern auf! Ich kann euren Weihrauch nicht mehr riechen. Ihr feiert bei Neumond und am Sabbat, ihr kommt zu den Festen zusammen, aber ich verabscheue sie, weil ihr an euren Sünden festhaltet.  Darum hasse ich alle diese Festversammlungen! Sie sind mir eine Last, ja, sie sind unerträglich für mich!  Streckt nur eure Hände zum Himmel, wenn ihr betet! Ich halte mir die Augen zu. Betet, soviel ihr wollt! Ich werde nicht zuhören, denn an euren Händen klebt Blut. Wascht euch, reinigt euch von aller Bosheit! Laßt eure Gräueltaten, hört auf mit dem Unrecht! Lernt wieder, Gutes zu tun! Sorgt für Recht und Gerechtigkeit, tretet den Gewalttätern entgegen, und schafft den Waisen und Witwen Recht! (Hfa).

Der Herr spricht durch Amos die Zeit der Wüstenwanderung an und erinnert die Israeliten daran, daß sie schon damals sich Götter machten. Er sagt (Am. 5,26-27): „Habt ihr nicht schon damals die Figuren eurer Sternengötter Sakkut und Kewan herumgetragen, die ihr euch selbst gemacht habt?“(Hfa). Gott offenbart mit diesen Worten die wahre Ursache des Abfalls: Es ist die Sucht nach Selbstbefriedigung, nach autonomen Handeln. Der Sünder will eine Religion, die ihm gefällt.

In den Tagen des Amos hielten sich die Israeliten zwar an die religiösen Ordnungen, aber sie versäumten, deren Bedeutung im alltäglichen Leben zu verwirklichen. Religiöse Gebräuche und Handlungen aber sind sinnlos, wenn das Herz nicht wirklich zu Gott bekehrt ist. Sogar die unaufrichtige Benutzung von Musik und Gesang ist für Gottes Ohren eine Beleidigung.

8. Wozu fordert Gott sein Volk angesichts des bevorstehenden Gerichtstages auf? – Am. 5,24

Mitten hinein in die Gerichtsandrohung stellt Gott seine Forderung nach Recht und Gerechtigkeit: „Setzt euch lieber für die Gerechtigkeit ein! Das Recht soll das Land durchströmen wie ein nie versiegender Fluß“ (Hfa).Die Gläubigen sollen nicht tröpfchenweise gerechte Taten vollbringen, sondern Gerechtigkeit soll das ganze Leben durchströmen.

Es wird berichtet, daß Am. 5,24 ein Lieblingstext von Karl Marx war, als er seine kommunistischen Thesen schrieb. Aber dieser Text ist kein Aufruf zur sozialistischen Utopia, sondern eine Aufforderung, zum Kreuz Christi zu kommen, Gottes Gerechtigkeit anzunehmen und nach dieser Gerechtigkeit zu leben. Es ist ein Aufruf, eine Gemeinschaft zu bilden, die auf seine Gerechtigkeit und Liebe gegründet ist.

Gott ist mehr daran interessiert, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, wie wir Unterdrückten helfen und wie gerecht wir handeln als an unseren religiösen Ritualen und Formen. Alle Propheten haben diese Wahrheit immer wieder dem Volk verkündigt. Durch den Propheten Jesaja hat Gott dies mit einer klaren Zusage verbunden (Jes. 58,9-11) „Beseitigt jede Art von Unterdrückung! Hört auf, verächtlich mit dem Finger auf andere zu zeigen, macht Schluß mit aller Verleumdung! Nehmt euch der Hungernden an, und gebt ihnen zu essen, versorgt die Notleidenden mit allem Nötigen! Dann wird mein Licht eure Finsternis durchbrechen. Die Nacht um euch her wird zum hellen Tag. Immer werde ich euch führen. Auch in der Wüste werde ich euch versorgen, ich gebe euch Gesundheit und Kraft. Ihr gleicht einem gut bewässerten Garten und einer Quelle, die nie versiegt“ (Hfa).

Zusammenfassung: Der Tag des Herrn naht. In seiner Gnade und Barmherzigkeit lädt uns Gott ein, unsere Beziehung zu ihm zu erneuern. Diese neue Gemeinschaft soll von Recht und Gerechtigkeit geprägt sein.
Das heutige Studium veranlaßt uns persönlich darüber nachzudenken, welche Götzen es in unserem Leben noch gibt, die wir aufgeben müssen. Wo wir Gott mit einem unbekehrten Herzen dienen und ihn dadurch beleidigen. Welche religiösen Rituale uns wichtiger sind als ein Leben des Gehorsams und der Liebe.