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1 Dies ließ GOTT, der Herr, mich schauen: Siehe, er bildete Heuschrecken, als das Spätgras zu wachsen begann; und siehe, es war das Spätgras nach der Heuernte des Königs. 2 Und es geschah, als sie nun das Grün des Landes vollends abgefressen hatten, da sprach ich: Herr, HERR, vergib doch! Wie soll Jakob bestehen? Er ist ja so klein! 3 Da reute es den HERRN: »Es soll nicht geschehen!«, sprach der HERR. 4 Dies ließ mich GOTT, der Herr, schauen: Siehe, GOTT, der Herr, rief das Feuer herbei zum Gericht; das fraß ein großes Loch und hatte schon das Erbteil ergriffen. 5 Da sprach ich: Herr, HERR, lass doch ab! Wie soll Jakob bestehen? Er ist ja so klein! 6 Da reute den HERRN auch das: »Es soll nicht geschehen!«, sprach GOTT, der Herr.

Gegenstand der Betrachtung: Amos 7,1-6

Einleitung:

Mit dem siebten Kapitel beginnt ein neuer Abschnitt im prophetischen Dienst des Amos. In den ersten 6 Kapiteln sind uns die Reden mitgeteilt, die Amos im Namen des Herrn den heidnischen Völkern und dem Bundesvolk Gottes verkündigte. Jede Rede ist eingeleitet mit den Worten: „So spricht der Herr, der allmächtige Gott!“ Diese Reden offenbaren die wahre Ursache für die sozialen und religiösen Mißstände. Sie warnen das sündige Volk vor dem Gericht und enthalten einen machtvollen Aufruf zur religiösen Neubesinnung, zur Buße und Umkehr. Gott lädt sein abtrünniges Volk liebevoll ein, zu ihm zurückzukehren. Der Herr spricht (Am. 5,4): „Kommt endlich zu mir zurück, dann bleibt ihr am Leben!“ (Hfa).

In den Kapiteln 7-9 hat der Prophet aufgezeichnet, was geschieht, wenn das Volk es ablehnt, zu Gott zurückzukehren und seine Gnade mißachtet. Dann steht das Gericht unmittelbar bevor. Neutrales Verhalten gegenüber dem göttlichen Bußruf ist auf die Dauer nicht möglich. Entweder kehrt das Volk um, oder es verfällt dem Gericht. Der Prophet sieht in fünf Visionen das Gericht Gottes. Jede dieser Visionen beginnt mit den Worten: „Gott, der Herr, ließ mich schauen“ Es fand also eine dramatische Veränderung statt, auf welche Weise Amos seine Botschaften von Gott empfing. Es ist ein Unterschied, ob wir nur etwas hören oder ob wir es sehen. Das Geschaute beeindruckt unser Gemüt viel tiefer. So erging es auch dem Propheten.

Amos erklärt unmißverständlich, welche Autorität hinter den Reden und Visionen steht, die er dem Volk weitergibt. Er sagt: „Hört, was der Herr wider euch redet!“ (3,1). „Gott, der Herr, ließ mich schauen“ (7,1). Der Prophet benutzt den Namen „Gott, der Herr“ 21 Mal in seinem Buch. Amos hat keine Botschaft außer der, die Gott ihm gegeben hat. Seine Visionen entspringen nicht einer kranken religiösen Phantasie. Was er sieht und verkündigt ist göttliche Offenbarung. Darum sind wir aufgerufen, diesen Visionen größte Aufmerksamkeit zu schenken.

Die fünf Visionen teilen sich in zwei Hauptgruppen. Die ersten vier Visionen beginnen mit den Worten: „Gott, der Herr, gab mir eine Vision“ (Hfa). Die fünfte Vision wird mit dem Wort eröffnet: „Ich sah den Herrn“. Die ersten vier Visionen teilen sich in zwei Gruppen. Die in den ersten beiden Visionen angekündigten Gerichte werden durch die Fürbitte des Propheten abgewendet. Das in der dritten und vierten Vision geschaute Gericht kann durch Fürbitte nicht mehr aufgehalten werden. In dieser Studie werden wir die ersten beiden Visionen betrachten.

Frage 1: Was sah Amos in der ersten Vision? – Am. 7,1

„Siehe, da war einer, der machte Heuschrecken“ (LÜ).

Frage 2: Von wem spricht der Prophet?

Andere Übersetzungen setzen diese Aussage in Beziehung zu Gott, dem Herrn, und sagen: „Ich sah, wie er Heuschrecken entstehen ließ“ (Dr.H.Menge) „Siehe, er bildete Heuschrecken“ (Elberfelder).

Es dürfte wohl kein Zweifel darüber bestehen, daß Gott selbst ein Gericht durch Heuschrecken vorbereitet. Verschiedene Ansichten bestehen bei Bibelauslegern darüber, ob es sich bei den Heuschrecken um Insekten oder um feindliche Soldaten handelt.

Frage 3: Ging es um eine wirkliche Heuschreckenplage oder waren sie nur ein Symbol für Zerstörung?

Die Bibel macht an anderen Stellen deutlich, daß feindliche Mächte, die Israel verwüsteten, als Heuschreckenschwarm bezeichnet wurden. Als die Israeliten taten, was der Herr verabscheute, ließ er die Midianiter und die Amalekiter in Israel einfallen. In Ri. 6,3-5 wird berichtet: „Immer wenn sie ihre Felder bestellt hatten, kamen die Midianiter und Amalekiter…und vernichteten die ganze Ernte…sie ließen nichts übrig, wovon das Volk sich ernähren konnte…sie fielen wie ein Heuschreckenschwarm über Israel her… und verwüsteten es“(Hfa). Diese Worte stimmen mit der Beschreibung von Amos 7 überein. In Jer. 46,23 wird der Einfall der babylonischen Heere in Ägypten mit einem Heuschreckenschwarm verglichen: „Ein riesiges Herr rückt heran, sie fallen über das Land her, als wären sie ein Heuschreckenschwarm. Und In Jer. 51,14 werden die feindlichen Heere der Meder und Perser, die Babylon verwüsten, ebenfalls als ein Heuschreckenschwarm beschrieben.

Es ist also durchaus möglich, bei der von Amos geschauten Heuschreckenplage an die Bedrohung Israels durch die assyrischen Heere zu denken. Diese standen bereit, in Israel eizumarschieren und Samaria und das ganze Land zu vernichten. In Am. 6,14 hatte Gott dem Volk angekündigt: „Ich lasse ein Volk über euch herfallen, das euch besiegen und die Bevölkerung im ganzen Land unterdrücken wird.“ In der darauf folgenden Vision sieht Amos die Erfüllung im Bilde eines Heuschreckenschwarmes.

In dem Bibelkommentar von August Dächsel findet sich dazu folgende Erklärung (Bd. IV,S.802):
„Die Deutung dieses Gesichtes hängt wesentlich zusammen mit dem Verständnis des Ausdrucks „nachdem der König hatte mähen lassen.“ Nirgends im AT steht etwas von dem Recht oder Vorrecht der israelitischen Könige, das Frühgras der Wiesen des Landes zur Unterhaltung ihrer Rosse und Maultiere mähen zu lassen, so daß die Untertanen für ihr Vieh nur das Grummet hätten mähen dürfen. Wenn aber auch dies unerhörte Recht nachzuweisen wäre, so wäre ja, da der König bereits seinen Heubedarf eingeerntet hätte, als die Heuschrecken kamen, dieser gerade von dem Strafgericht nicht getroffen worden, was offenbar gegen den Sinn dieser und der folgenden Visionen ist.

Will man das Gesicht recht verstehen, so darf man nicht vergessen, welches die Natur eines Gesichtes ist…daher ist das Mähen des Königs ebenso, wie auch die Heuschrecken, das Kraut, Frühgras und Grummet geistlich zu verstehen.

Der König ist Israels ewiger König und Herr, Jehova, der unter seinem Volk wohnt und sich in ihm heiliget; er hat das Gras des Landes gemäht, d.h. er hat, wie Am. 4,6-10 aufzählt, bereits viele Strafen über sein abgefallenes Volk gebracht und die Blüte des Landes durch die Feinde, wie z.B. durch die Syrer, zerstören lassen. Dennoch hat sich das Volk und Land wieder erholt, das Grummet, d.i. neuer Wohlstand und Blüte ist wieder aufgesproßt, wie das unter Jerobeam II. und Usia allenthalben sichtbar war; aber innerlich ist’s mit dem Volke nur schlimmer geworden. Da bereitet der Herr ein letztes schwerstes Gericht. dargestellt unter dem Bilde der Heuschrecken, vor, durch welches auch die letzte Blüte vernichtet werden soll. Es sind vor allem die Assyrer gemeint, die er über das Land bringen will.“

Die Geschichte bestätigt, daß die Assyrer bereit standen, in Israel einzufallen, es dann aber zunächst verschonten und an Israel vorbei nach Süden zogen. Wir werden später sehen, warum Gott das Gericht hinauszögerte. Einige Zeit später aber eroberten die asyyrischen Heere das ganze Land, zerstörten und verwüsteten es völlig und deportierten alle Einwohner des Landes in die entlegensten Gebiete des Nordens.

Betrachten wir zunächst die zweite Gerichtsvision – Am. 7,4

Frage 4: Was schaute Amos in der 2. Vision?

In der zweiten Vision sah Amos statt Heuschrecken ein Feuer, das von Gott kommt. Gott kündigt ein Gericht durch Feuer an. Die göttliche Gerichtsandrohung wird damit erweitert und bekräftigt. Die Israeliten hatten sich von dem lebendigen Gott abgewandt und brachten ihre Erstgeborenen dem Feuergott Moloch zum Opfer. (Jer. 32,34-35) Nun sollen sie selbst wegen ihres götzendienerischen Treibens vom Feuer verbrannt werden.
Feuer ist sowohl im AT, wie auch im NT, ein Symbol für das Gericht über die Sünde, deren Urheber und alle Menschen, die der Sünde dienen und nicht von ihr lassen wollen.

Der Prophet Jesaja schildert das Kommen des Herrn zum Gericht. In Kp. 66,15-16 steht: „Denn siehe, der Herr wird kommen mit Feuer und seine Wagen wie ein Wetter, daß er vergelte im Grimm seines Zorns und mit Schelten in Feuerflammen. Denn der Herr wird durch Feuer die ganze Erde richten.“ Und durch den Propheten Maleachi beschreibt Gott den Gerichtstag in Am. 3,19 mit den Worten: „Ja, es kommt der Tag, an dem mein Zorn wie ein Feuer im Ofen sein wird und alle wie Stroh verbrennen wird, die sich frech gegen mich auflehnen. Nichts bleibt dann mehr von ihnen übrig! Darauf gebe ich, der Herr, der allmächtige Gott, mein Wort!“ (Hfa).

Auch Jesus hat vom Feuer des Gerichts gesprochen. In Lk. 3,9 steht: „Es ist höchste Zeit zur Umkehr; denn die Axt ist schon erhoben, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen“ (Hfa). Und in Mt. 13,41 beschreibt Jesus den Gerichtstag mit folgenden Worten: „Der Menschensohn wird seine Engel senden. Sie werden aus dem Gottesreich alle Verführer und alle, die Unrecht tun, aussondern, sie in den Feuerofen werfen und verbrennen“ (Hfa).

Die Apostel wußten ebenfalls um das Feuer des göttlichen Gerichtes und haben es unerschrocken verkündigt. In Hebr. 10,26-27 stehen Worte, die uns tief bewegen sollten: „Sündigen wir auch jetzt noch mutwillig weiter, obwohl wir in Christus die Wahrheit erkannt haben, wird uns kein anderes Opfer mehr von unseren Sünden befreien. Dann bleibt nichts als das schreckliche Warten auf das Gericht, in dem Gottes verzehrendes Feuer alle seine Feinde vernichten wird“ (Hfa). Der Apostel Paulus wußte, daß das Urteil Christi „wie ein vernichtendes Feuer alle treffen wird, die von Gott nichts wissen wollen und die das Evangelium von Jesus Christus abgelehnt haben“ (2.Thess. 1,8 Hfa).

Der Apostel Johannes schaute das Feuer des Gerichtes und schildert es in Offb. 20,9-10: „…da fiel Feuer vom Himmel und vernichtete die Heere Satans. Der Teufel, der sie verführt hatte, wurde nun auch in den See von Feuer und Schwefel geworfen zu dem Tier und dem Lügenpropheten“ (Hfa). Petrus wußte, daß diese Erde einmal wie Sodom und Gomorra im Feuer vernichtet wird und er sagt uns, wozu uns dieses Wissen veranlassen sollte: „Der Tag des Gerichts wird so plötzlich und unerwartet da sein wie ein Dieb. Krachend werden dann die Himmel zerbersten, die Elemente werden sich auflösen und im Feuer verglühen, und die Erde wird verbrennen mit allem, was auf ihr ist. Wenn aber alles in dieser Weise zugrundegehen wird, müßt ihr euch erst recht darauf vorbereiten, das heißt, ihr müßt ein Leben führen, das Gott gefällt“ (2.Petr. 3,10-11 Hfa).

Wir sehen also, der Gedanke eines Gerichts mit Feuer wird im NT fortgeführt. Dort betrifft es die ganze Erde und alle Bewohner, die das Geschenk der Erlösung und Versöhnung durch Jesus abgelehnt haben.

Frage 5: Wie reagierte Amos auf die Gerichtsvision von Heuschrecken und Feuer? Am. 7,2; 5

Als Gott Amos in Visionen das nahende Gericht zeigte, zögerte er nicht, für sein Volk zu beten. Amos bittet den Herrn, die angekündigte Katastrophe abzuwenden. Diese Texte geben uns einen Einblick in das innere fürbittende Ringen des Amos mit seinem Gott im Blick auf das Schicksal seines Volkes. Die in der Vision geschauten Gerichte berühren das pastorale Herz des Propheten.. Amos hatte Blitz und Donner gepredigt. Aber angesichts der unmittelbare bevorstehenden Vernichtung, wird er zum Seelsorger. Der donnernde Prophet, fällt auf seine Knie, um Fürbitte für das sündige Volk einzulegen. Fürbitte gehört zum prophetischen Dienst.

Frage 6: Welche Anliegen brachte Amos fürbittend vor Gott?

Das Gebet des Propheten ist einfach aber direkt. Das erstemal bat er um Vergebung, um Gnade für das Volk. „Ach Herr, Gott, vergib doch“ Das zweite Mal bat er: „Ach, Herr, Gott, bitte höre auf!“ (Hfa). Als Gott seinen Plan für Israels Übertretungen offenbarte, betete Amos für sein Volk um Gnade. Fürbitte ist ein Kennzeichen treuer Diener Gottes, die Gottes Gericht über die Sünde verkündigen, aber gleichzeitig Gott um Errettung der Menschen bitten.

Frage 7: Welche weiteren Vorbilder treuer Fürbitte finden wir in der Bibel?

Abraham 1.Mo. 18 – sechsmal setzt sich Abraham fürbittend für die Menschen ein.
Mose 2.Mo. 32,31-32
Daniel Dan. 9
Jesus Joh. 17 – seine priesterliche Fürbitte für seine Jünger
Epaphras Kol. 4,12-13 – seelsorgerliche Fürbitte für die Gläubigen

Gott möchte daß wir für andere Menschen beten und er freut sich, wenn wir es tun. Fürbitte ist Liebe auf den Knien. Die Endzeit verlangt nach Betern, die um verlorene Menschen ringen, solange es noch Zeit zur Umkehr gibt. Beter, die wissen, wie wichtig jeder einzelne Mensch für Gott ist. Beter, die wie Jesus alles einsetzen, um Verlorene für Gottes Reich zu gewinnen.

Der Apostel schrieb deshalb an seinen Mitarbeiter Thimotheus: „Sorge vor allem und zuerst dafür, daß die Gemeinde nicht aufhört zu beten. Betet für alle Menschen auf dieser Welt und dankt Gott. ….So soll es sein, und so gefällt es Gott, unserem Retter. Denn er will, daß alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen“ (1.Tim. 2,1-3 Hfa). Samuel bezeichnete es sogar als Sünde, in der Fürbitte für andere nachzulassen (1.Sam. 12,23). Große Beter sind immer ausdauernd im Gebet für andere gewesen. Reinhold Schneider sagte: „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen.“

Wir wissen aus dem Brief Jesu an Laodicea, daß der Herr seiner lauen Endzeitgemeinde androht, sie aus seinem Munde auszuspeien. Wie reagieren wir, wenn wir die Lauheit, den Stolz, die Selbstsicherheit, die geistliche Blindheit und Armut der Gemeinde erkennen? Sind wir bereit wie Amos zum Herrn zu flehen?

Frage 8: Wie reagierte Gott auf die Fürbitte seines Propheten? Am. 7,3;6

Als Amos für Israel betete, antwortete Gott sofort: „Wohlan, es soll nicht geschehen!“ Gott läßt sich durch das Gebet seines treuen Dieners dazu bewegen, das Gericht auszusetzen und seinem Volk noch mehr Zeit zur Buße und Umkehr einzuräumen. EGW schrieb: „Gott ist immer willens, das aufrichtige Flehen seiner geringsten Kinder zu erhören“ (WzC S. 68).

Immer wieder finden wir in der Heiligen Schrift Berichte darüber, daß angedrohte Strafgerichte abgewendet oder zumindest hinausgezögert wurden, weil Menschen Fürbitte bei Gott einlegten. Im Zusammenhang mit dem Entschluss Gottes, das Gericht auszusetzen, steht eine interessante Bemerkung, die wir näher betrachten müssen: „Da reute es den Herrn“.

Frage 9: Wie ist die Reue des Herrn zu verstehen?

Das im Hebräischen benutzte Wort „naham“ kann auch „Mitleid haben“ bedeuten. Das ergibt im Textzusammenhang einen besseren Sinn. Jesus kündigte z.B. Jerusalem das Gericht an. Er prophezeite, dass Stadt und Tempel völlig zerstört würden. Doch er weinte über Jerusalem, das nicht erkannte, was zu seiner Rettung diente. Gottes Reue unterscheidet sich von unserer Reue. Wenn Menschen etwas reut, dann möchten sie damit zum Ausdruck bringen, daß sie etwas falsch gemacht haben und es ihnen leid tut. Wenn Gott etwas „gereut,“, dann bedauert er nicht seine vorher gefassten Absichten, Botschaften und Entscheidungen sondern bringt dem Menschen sein Mitleid, seine Gnade entgegen.

Widersteht der Mensch hartnäckig der göttlichen Gnade, dann bringt Gott zur gegebenen Zeit den vorher gefaßten Beschluß zur Ausführung. Dann nimmt das Gericht seinen Lauf. Die göttliche Strafandrohung erfüllt sich. Die göttliche Reue ist also mit der bedingten Prophetie verbunden. Wenn der Mensch sein Verhältnis zu Gott ändert, wenn er zu Gott zurückkehrt, seine Schuld bekennt und von seinem Unrecht läßt, dann begegnet ihm Gottes grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit. Das Gericht muß nicht und wird nicht stattfinden, wenn der Mensch sich zu Gott wendet. Der Herr hebt das Gericht noch einmal auf, weil seine Gnade nicht die gänzliche Vernichtung seines Volkes will, sondern nur seine Läuterung und Heiligung.

In Ps. 106,45-46 steht: „Es reute ihn nach seiner großen Güte und er ließ sie Barmherzigkeit finden“. Durch den Propheten Jeremia erklärt Gott das Konzept der bedingten Prophetie und der göttlichen Reue mit folgenden Worten (Jer. 18,7.8.): „Bald rede ich über ein Volk und Königreich, daß ich es ausreißen, einreißen und zerstören will; wenn es sich aber bekehrt von seiner Bosheit, gegen die ich rede, so reut mich auch das Unheil, das ich ihm gedachte zu tun.“ Hfa gibt Jer. 18,7-10 so wieder: „Wenn ich einem Volk oder Königreich androhe, es auszureißen und zu vernichten, dieses Volk sich aber von seiner Bosheit abwendet, dann werde ich meinen Entschluss ändern – ich lasse das angedrohte Unheil nicht über sie hereinbrechen. Doch wenn ich einem Volk oder Königreich zusage, es einzupflanzen und aufzubauen, dieses Volk aber Böses tut und nicht auf mich hört, dann lasse ich das Gute, das ich vorausgesagt habe, nicht geschehen.“

Gott ändert seine Meinung nicht, seine Sicht der Dinge bleibt unverändert. Sünde bleibt Sünde, die das Gericht herausfordert. Aber Gottes Einstellung zum Sünder verändert sich, wenn der Sünde reumütig zum Herrn zurückkehrt. Gottes Gnade und Gerechtigkeit stehen nicht im Widerspruch. Sie sind zwei Seiten derselben Münze. Wer den barmherzigen und gnädigen Gott will, muß auch den heiligen und gerechten Gott anerkennen.

Angesichts der Nähe des großen und schrecklichen Tages des Herrn spricht der Herr in seiner großen Güte zu uns durch den Propheten Joe. 2,12-13: So spricht der Herr: «Auch jetzt noch könnt ihr zu mir zurückkommen! Tut es von ganzem Herzen, fastet, weint und klagt! Ja, kehrt von ganzem Herzen zu mir um! Zerreißt nicht nur eure Kleider als Zeichen der Trauer!» Kommt zurück zum Herrn, eurem Gott, denn er ist gnädig und barmherzig, seine Geduld ist groß und seine Liebe grenzenlos. Er ist bereit, euch zu vergeben und euch nicht zu bestrafen. Vielleicht wendet er das angekündigte Unheil ab und segnet euch aufs neue!“

Dies ist Gottes gnädiger Ruf an uns in den letzten Tagen, denn die Stunde seines Gerichtes ist gekommen, in der Christus selbst für uns bittet und um Verschonung fleht. „Darum lasset uns mit Freudigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hilfe not sein wird“ (Hebr. 4,16). Die gute Nachricht lautet: Wir haben einen Hohenpriester, der vor Gott für uns eintritt. Das ist Jesus, Gottes Sohn. Weil er für uns eintritt, dürfen wir mit Zuversicht und ohne Angst zu Gott kommen. Er wird uns seine Barmherzigkeit und Gnade zuwenden, wenn wir seine Hilfe begehren und benötigen.