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Der Unberechenbarer Gott. Wenn unser Gottesbild zerbricht. 

Eine ernste Glaubenskrise. Zornig auf Gott?

Einleitung: Liebe Freunde, ich freue mich, dass wir jetzt die Schlussereignisse in der Geschichte des Propheten Jona und der gerichtsreifen Stadt Ninive zu betrachten. In unserer letzten Studie betrachteten wir, wie der durch Gottes Gnade gerettete Jona auf den Straßen und Plätzen der großen Weltstadt Ninive die Warnungsbotschaft predigte. Durch die gehorsame Erfüllung des göttlichen Auftrages, durch die glaubwürdige, vom Zeugnis der eigenen Erfahrung geprägte Verkündigung, kam es in Ninive zu einer großen Wende. Das durch Jona gepredigte Wort Gottes führte die Bewohner zum Glauben und in die Buße. Gott hatte sein Ziel mit Ninive erreicht. Die Menschen wandten sich Gott zu und erhielten die Möglichkeit, neu anzufangen. Das Gericht wurde ausgesetzt. Jona hätte sich freuen sollen. Unser heutiges Thema müsste darum eigentlich lauten: „Der glückliche Jona!“ Doch die Bibel betreibt keine Schönfärberei, sie sagt uns die ganze Wahrheit. Sie zeigt uns, dass auch Fromme an Gott leiden und an seinem Handeln Anstoß nehmen können. Die Bibel zeigt uns, dass auch Menschen, die eine große persönliche Erfahrung mit Gott machten, wieder rückfällig werden und aufs Neue versagen können. Davon berichtet das 4. Kapitel im Jonabüchlein, dass wir jetzt miteinander lesen wollen: Jon. 4,1-11 Wir könnten dieses Kapitel auch so überschreiben: „Jona, der glaubensstarke Sektierer“ – Das ist gewiss eine kühne Behauptung. Vielleicht für manchen eine zu starke und erschreckende Aussage, die es zu begründen gilt. Jona hat in Ninive heiß gepredigt. Er hat die Feinde seines Volkes nicht geschont. Er hat ihnen ihre Sünden vorgehalten und ihnen den Untergang ihrer Stadt als göttlichen Gerichtsbeschluss mit allem Ernst verkündigt. An den erschrockenen und hilflosen Gesichtern konnte er die Wirkung seiner Worte ablesen. Er freute sich, dass seine Predigt Eindruck machte und Angst vor Gottes Strafe hervorrief. Jona glaubte an seine Predigt. Er hoffte, er wünschte, sie möge sich erfüllen. Er gönnte den Niniviten den Untergang. Darum verließ er die Stadt. Jon. 4,5 .. Und Jona ging zur Stadt hinaus Wir wollen einen Augenblick Jona begleiten und seine Gedanken nachempfinden, die ihn bei seinem Auszug aus der Stadt begleitet haben mögen: Denen habe ich ’s aber gesagt. Die haben keine Entschuldigung mehr. Kein Zweifel, diese Stadt ist reif zum Gericht. Mit meinen eigenen Augen habe ich die Bosheit gesehen. Diese Stadt ist total verdorben. Ein gerechter Gott kann sie nur noch vernichten. Etwas anderes ist überhaupt nicht möglich. So etwas hat es ja noch nie gegeben. Furchtbar! Jona zeigt die moralische Entrüstung eines Frommen. Im stolzen, selbstbewussten Gefühl eines Menschen, der seinen Auftrag korrekt erledigt hat, verlässt er die Stadt. Er wendet sich von den Verdammten ab und denkt: Denen ist ja doch nicht mehr zu helfen. Jetzt werden sie erfahren, wohin es führt, so gottlos zu sein. Gott lässt sich nicht spotten. Was der Mensch sät, das wird er ernten. Der Fromme zieht sich in seine Isolation, auf seine fromme Insel zurück. Er schafft sich ein Stückchen heile Welt. Die Haut der anderen will er brennen sehen, die eigene zu retten, verlässt er die Stadt. Jona sondert sich ab. Jona der Prediger des göttlichen Gerichts wird zum unberührten Zuschauer. Er wird zum harten und selbstgerechten Beobachter, wartend auf die Stunde, wo das Maß voll ist und das Gericht beginnt. Bis dahin macht er es sich in seiner Hütte so gut es geht bequem. Jona wartet auf den Untergang Ninives, auf Gottes gerechtes Gericht. „Und machte sich eine Hütte, darunter setzte er sich, bis dass er sähe…“ Sind wir Wartende wir Jona? Warten wir auf den Untergang der Welt oder bemühen wir uns ‚um die Rettung der Welt? Viele so genannte Fromme erwarten für die Welt nichts als Gericht und Verderben. Sie wollen und können nicht glauben, dass Gottlose sich bekehren und Gott zuwenden. Sie würden sich freuen, den Weltuntergang bald erleben zu können, vorausgesetzt, sie würden ihn überleben. Ob Gott ein solches Warten gefällt? Viele Fromme leben in einer kühlen Distanz zur Welt. Ihr ständiges Gebet lautet: „Ich danke dir Gott, dass Du mich aus der Welt errettet hast. Ich danke dir Gott, dass ich nicht bin wie dieser Mörder, Ehebrecher, Lügner.“ Und während sie so beten, denken sie nur an sich. Sie beginnen eine selbstsüchtige Aktivität zu entwickeln. Genau dies entdecken wir bei Jona. Jona ist nicht untätig. Er entwickelt Phantasie. Er arbeitet und handelt für sich. Er baut sich eine Hütte. Während die Welt ihrem Untergang entgegeneilt, verstricken wir uns immer mehr in unsere eigenen Bauten und Pläne. Doch gibt es einen Ort auf dieser Welt, wo wir sicher auf das Ende warten können? Eine Kirche, die mehr an ihre Bauten denkt als daran, dass Ninive nicht untergehen darf, ist falsch aktiv. Eine Gemeinde, die mehr für Bauten ausgibt, als für Evangelisation, erfüllt den Auftrag Gottes nicht. Ebenso ist eine Haltung zu verurteilen, die aus Abwarten, Zuschauen und Nichtstun besteht. Jesus sagte in Lk. 19,13 zu seinen Nachfolgern: „Handelt, bis dass ich komme!“ Wir sollen nicht untätig auf  Gottes Eingreifen warten, sondern mit unserem Handeln das Dasein Gottes und die Wirksamkeit seiner Liebe bezeugen. Es ist uns nicht erlaubt, einen Außenposten auf einem Hochsitz zu beziehen, um abwartend zuzusehen, was aus dieser Welt wird. Wir müssen wissen: Gott ändert lieber das Wort seiner Gerichtsankündigung, als dass er einen Menschen verloren gehen lässt, der auf ihn hört und nach ihm schreit und ihm damit die Möglichkeit zu seiner Rettung gibt. Noch immer ist Gottes Gerichtsbotschaft mit dem Angebot seiner Gnade gemischt. Solange Gott noch predigen lässt, auch wenn es Gerichtsbotschaft ist, solange ist noch Gnadenzeit und damit die Möglichkeit der Umkehr gegeben. Dies geht auch klar aus der ersten Engelsbotschaft hervor, die nach Offb. 14,6-7. weltweit zu predigen ist. Dort steht: „Die Zeit seines Gerichtes ist gekommen darum betet den an, der Himmel und Erde gemacht hat“. Der Aufruf, den Schöpfergott in der Stunde des Gerichts anzubeten, bezeugt. dass Gott noch Gelegenheit zur Sinnesänderung gibt. Wer aufmerksam das Evangelium liest, stellt fest: Niemand hat so sehr vom Gericht Gottes und der dem Menschen drohenden Verdammnis gesprochen, wie Jesus; denn niemand hat die Menschen so geliebt wie er. Jona hat das Gericht gepredigt und das Gericht erwartet. Die Not der Buße, die Umkehr aus der Sünde, hat er mit Niemandem in Ninive geteilt. Armer Jona! Liebe Freunde: es ist eine Sache, das Gericht zu predigen, den Gesetzesübertretern die Verdammnis anzukündigen. Es ist eine Sache, das Gericht über Babylon zu predigen und die große Hure in dem Bewusstsein zu verurteilen, nicht dazuzugehören, sondern Gottes Wahrheit zu kennen und in Gottes Gemeinde zu sein. Arme Fromme, die nur dies eine wissen und kennen. Arme Menschen, die nichts anderes wissen, als das Gericht zu predigen, und die sich dann abwenden in dem stolzen Gefühl: „Dem hab ich aber Bescheid gegeben. Der hat keine Entschuldigung mehr. Der weiß jetzt, was ihn erwartet, Feuer und Schwefel.“  (Erfahrung bei einer Beerdigung mit einem Bruder) Wie beglückender und Jesus ähnlicher ist es doch, mit einem Menschen den schmerzvollen Weg der Buße zu gehen, mit ihm über seine Sünde zu weinen, mit ihm die Gnade zu suchen, mit ihm und für ihn zu beten, ihn so zu lieben, dass er an Gottes Gnade und an seine Rettung glauben kann. Die schönste Erfahrung in meinem Jahrzehnte langen Predigerdienst ist: zu sehen, wie ein Mensch sich durch Gottes Wort verändert, sich mit ihm über seine Umkehr zu freuen, seine Rettung mit ihm zu feiern. Diese Erfahrung hat mein Leben reich macht und mich tief beglückt. Diese Erfahrung  wünsche ich jedem Gläubigen. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, dass Jesus erzählte, ist eine neutestamentliche Parallele zu Jona. Der ältere, daheim gebliebene Sohn, der dem Vater immer rechtschaffen diente, konnte sich über die Heimkehr seines verlorenen Bruders nicht freuen. Und der Vater musste zu ihm sagen: „Komm, wir haben allen Grund zu feiern. Denn dein Bruder war tot, jetzt hat er ein neues Leben begonnen. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden!“ Jesus sagt nach Lk. 15,10; „Die Engel Gottes freuen sich, wenn ein einziger Sünder zu Gott umkehrt“. Der eigentlich verlorene Sohn ist der daheim gebliebene Sohn. Und manchmal gibt es in den so genannten frommen Kreisen mehr verlorene Menschen als draußen, wo die Hurer und Zöllner sind, die um ihre Verlorenheit wissen und sich nach einem Erlöser sehnen. Während die Daheimgebliebenen sich sonnen in Selbstgerechtigkeit und Werkgerechtigkeit und sagen: „Ich habe dir immer gedient. Ich habe mich für dich aufgeopfert. Ich habe dein Gut nicht mit Prassen verbracht. Jetzt, wo dieser Lump nach Hause kommt, der dir nichts als Schande bereitet hat, machst du ein Festmahl, Nein, da gehe ich nicht hinein.“ Und der Vater ringt mit seinem daheim gebliebenen, rechtschaffenen Sohn und sagt zu ihm: „Du aber solltest dich freuen, den dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden. Er war verloren und hat heimgefunden.“ Welches Glück und welche Erfahrung ist doch Jona verloren gegangen, als er sich aus der Stadt begab und die Rolle eines bloßen, unbeteiligten Zuschauers einnahm. Armer Jona, du bist ein Sektierer! Stimmt diese Behauptung? Wer ist ein Sektierer? Ich fand folgendes, nach meiner Auffassung zutreffendes Zitat:“Für den echten Sektierer gibt es kein Zurück mehr. Seine Lebenskraft verströmt in der Dürre selbst gesetzter Abgeschlossenheit. Er ist nicht mehr imstande, aus der Enge hervorzubrechen und Grenzen zu überschreiten, die nur in seinem Geist existieren.“ Dies ist ein bemerkenswerter Satz! Jona ist ein Sektierer, weil er sich mit seinem Gott gegen andere absondert. Weil er mit Spannung das Gericht Gottes über die böse Welt erwartet, ohne mit Gott für diese Welt zu leiden und mit Christus über Jerusalem zu weinen. Die entscheidende Frage für jeden wirklich gläubigen Menschen lautet: Sondere ich mich von den Mitmenschen ab? Ziehe ich mich in ein frommes, selbst erwähltes Ghetto zurück, oder gehe ich zu den Verlorenen?“ „bis dass er sähe, was der Stadt widerfahren würde…“

Jona wartet auf den Untergang der Stadt

Während Jona in seiner Hütte sitzt, ist es mir, als ob ich ihn beten höre: „Herr, ich danke dir, dass ich zu deinem auserwählten Volk gehöre. Herr, es ist wunderbar, den rechten Glauben zu haben. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, zu wissen, ich bin gerettet während Ninive auf dein Gericht wartet.“ Vielleicht hat er auch mit den Worten des 79. Psalms gebetet: „Herr, schütte deinen Grimm auf die Heiden, die dich nicht kennen, und auf die Königreiche, die deinen Namen nicht anrufen.“ Dass Jona den Heiden die Gnade Gottes nicht gönnt, ist nicht verwunderlich. Denn die Israeliten waren überzeugt, allein Gottes auserwähltes und von ihm geliebtes Volk zu sein. Und es geschah nichts! Tage und Stunden größter Spannung verrinnen. Der 40. Tag kommt heran und vergeht. Besonders aufregend muss der letzte Tag gewesen sein. Doch auch er geht wie alle Tage vor ihm zur Neige. Wieder sinkt die Sonne glutrot über der prachtvollen Stadt Ninive um am nächsten Morgen gnadenvoll aufzugehen. Das, wovon Jona träumte, das, was er erhoffte, das, was er mit heißem Herzen gepredigt hatte, traf nicht ein. Eigentlich müsste die Stadt nach Gottes Gerichtswort untergehen. In seiner Retterliebe aber verschont sie Gott. Warum? Weil die Menschen auf ihn hören. Weil sie sein Wort ernst nehmen und ihr Leben ändern. So lieb hat Gott die Welt, dass er das Übel, das er geredet hat, nicht tat. „das verdross Jona gar sehr und er ward zornig“ Jona ist empört. Ihm reicht es. Warum? Weil seine Predigt nicht Erfüllung ging? Weil er jetzt als falscher Prophet dasteht? Weil sich seine Erwartungen nicht erfüllten? Dies sind nicht die wahren Gründe. Jona zürnt über die Unbegreiflichkeit Gottes. Jona ist von Gott enttäuscht. Weil Ninive steht, geht Jona in den Schmollwinkel.  Der Einsatz hat sich für ihn nicht gelohnt. Hat Gott Jona enttäuscht? Oder hatte Jona ein falsches Gottesbild, das nun von Gott korrigiert wurde? Wie viele schaffen sich ein Bild von Gott, das ihren Vorstellungen und Wünschen entspricht. Sie sperren Gott ein in ihre frommen Kästchen. Sie wissen ganz genau, was dieser Gott darf und nicht darf. Wie er sich verhalten und wie er handeln muss. Und wehe Gott, wenn er es wagt, seine Souveränität zu beweisen. Doch wir müssen wissen, Gott ist immer der ganz andere, nicht fassbare, von uns unabhängige Gott. Wie sehr Jona von Gott enttäuscht ist, wird sichtbar an seinem Gebet, das er zürnend zu Gott spricht: „und er ward zornig und betete zum Herrn“ Im Zorn redet es sich leichter. Jona musste alles, was sich in seinem Innern aufgestaut hatte, loswerden. Als Empörter spricht er mit Gott. Er zieht den Richter aller Welt vor seinen menschlichen Richterstuhl. Jona macht sich Luft im Zorn. Jona ist der Meinung, Gott sei zu nachgiebig. Er hätte ein Exempel statuieren sollen, damit alle Welt sehe, wie er mit den Gottlosen verfährt. Jona ist der Überzeugung, diese Welt braucht einen konsequenten Gott und keinen, der sich von unseren Tränen und Versprechungen umstimmen lässt. Wie oft hören wir auch unserer Zeit: „Durchgreifen müsste Gott. Seine Macht müsste er beweisen. Ich kann nicht begreifen, warum Gott diese Schurken laufen lässt. Wenn ich Gott wäre, diese Welt sähe bald anders aus.“ Das Gute ist, dass Jona sich in seinem Zorn nicht von Gott abwendet, sondern zu ihm betet. Darin unterscheidet er sich von vielen Zeitgenossen. Es ist besser, zornig mit Gott zu reden, als überhaupt nicht. Zornige Gebete führen oft in die Tiefe unseres Denkens und Fühlens. Darum kann zorniges Beten auch eine Brücke sein, über die Gott an den Menschen herankommt. Und wieder erleben wir ein Wunder. Wieder erfahren wir etwas vom Wesen Gottes. Die Liebe Gottes gehört auch dem zornigen Jona, wie den boshaften Leuten in Ninive. Gott schlägt Jona nicht auf den Mund. Gott verbietet ihm nicht, in dieser Weise zu ihm zu beten. Gott hört sich das Gebet seines zürnenden Dieners geduldig an. Welch ein Unterschied zu uns:….. Was betete Jona – Jon. 4,2-3 „als ich noch in meinem Lande war“ Jona erinnert Gott an damals, an die erste Begegnung, an seine Berufung. Also hat sich Jona damals nicht feige davongemacht. Jona muss mit Gott hart diskutiert haben. Er hatte den Auftrag, nach Ninive zu gehen, nicht ohne Begründung abgelehnt. Jona denkt zurück an die Zeit vor seiner Erfahrung auf dem Meer. Jona erinnert sich an die Zeit vor seiner Bekehrung. Wenn Jona Gott an damals erinnert, so zeigt dies einen gefährlichen Rückfall in den alten Zustand an. Kann das einem bekehrten Menschen passieren? Wir müssen wissen: Ein bekehrter Mensch, ein getaufter und von Gott berufener Mensch kann in alte Anfechtungen, Denk- und Wesensarten zurückfallen, kann jederzeit der „Alte“ werden. Die Bibel spricht in klaren Worten von dieser Gefahr: Hebr. 6,4-6: „Für alle, die Gott schon mit seinem hellen Licht erleuchtet hat, die an sich selbst erfahren haben, wie herrlich Gottes himmlische Gaben sind, und denen der Heilige Geist geschenkt wurde, die Gottes gute Botschaft aufnahmen und dadurch etwas von der Kraft der ewigen Welt spürten, – für all diese Menschen ist es unmöglich, wieder zu Gott zurückzukehren, wenn sie sich bewusst von ihm abgewendet haben und ihm untreu geworden sind. Ihre Untreue würde nichts anderes bedeuten, als dass sie den Sohn Gottes noch einmal ans Kreuz schlagen und ihn dem Spott seiner Feinde ausliefern.“ Und der Apostel Petrus ergänzt in 2.Petr. 2,20: „Viele haben Jesus Christus als ihren Herrn und Retter kennen gelernt und sich von der Verdorbenheit dieser Welt getrennt. Wenn sie sich aber dann wieder von der Sünde überwinden und gefangen nehmen lassen, so sind sie schlimmer dran als je zuvor“. „Ich weiß, dass du bist…..“ Jona weiß um Gottes wahres Wesen. Er weiß mit welchen Worten sich Gott Mose offenbart hat z.B.: 2.Mo. 33,19; 34,5; 7 Umso verwunderter fragen wir: Wie kann Jona trotz dieses klaren Gottesbildes und seiner persönlichen Glaubenserfahrung so zornig sein? Hat er nicht selbst in der Tiefe des Meeres, in der Tiefe der Verlorenheit, Gottes rettende Gnade erfahren? Jona erkennt, dass Gottes Herz größer ist, als ihm lieb ist. –Ja, Gottes Herz ist so  groß, dass Juden und Heiden darin Platz haben. Es ist so groß, dass sogar Israels schlimmster Feind, Assyrien, darin Raum hat. „Und wenn Gott sogar die liebt“, denkt er sich, „dann muss er alle lieben. Und ich habe immer geglaubt, Gott lägen nur wenige Auserwählte, nämlich wir Juden, am Herzen.“ Jona zerbricht an der Größe Gottes. Wenn Gott zu allen großzügig ist, lohnt es sich nicht, sich für ihn besonders einzusetzen. Es ist doch ein erhebendes Gefühl, zu einem besonderen, von Gott gesegneten Volk und Stand zu gehören. Damit deckt Jona die kranke Wurzel seines Glaubens und Lebens auf. Egoistischer Glaube will, dass Gott den andern streng auf die Finger sieht. Für sich selbst nimmt er gern die Gnade, das Übersehen Gottes, in Anspruch. Wir alle kennen Aussagen wie diese: „Da hört doch alles auf. Das war entschieden zu viel. Man kann doch jetzt nicht so tun, als ob nichts geschehen sei. Einen Denkzettel sollte man ihm auf alle Fälle verpassen.“ Der falsche Fromme begehrt für sich Nachsicht und Vergebung. Den Feinden Gottes wünscht er Rache und Vergeltung. Ob diese Feinde nun Niniviten oder Katholiken, Kommunisten oder Gammler, Terroristen oder Sozialisten heißen, spielt dabei gar keine Rolle. Die Devise lautet: Gott kann nicht alle gleichermaßen lieben. Es muss Bevorzugte geben. Dies ist genau die Haltung, die Jesus im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner anschaulich dargestellt hat: Lk. 18,9-14 Wer die Gesinnung des Pharisäers hat, ist zum Dienst für Gott untauglich. Ein solcher Mensch kann zwar Gottes Gericht, die Plagen und das Feuer mit Ernst predigen, aber Gottes Liebe zu den Verlorenen niemals glaubwürdig bezeugen. Wer aus Gott einen Privatgott macht, wer sich mit seinem Gott von den andern distanziert, ist für den Zeugendienst unbrauchbar. Denn er übersieht und verneint, dass Gott auch im andern Lager sein rettendes Werk der Liebe wirkt. Doch wir wollen Jona verstehen: Jonas und Israels  Erfahrungen mit den Assyrern waren nicht die besten. Die Assyrer waren brutal und barbarisch. Sie stürzten mit ihren räuberischen Kriegszügen Städte und. Dörfer in Blut, Flammen und Tränen. Jona kann nicht an eine durchgreifende Änderung in Ninive glauben. Seine Ansicht ist: Die Katze lässt das Mausen nicht. So denken auch heute viele Christen: Die Welt ist ein hoffnungsloser Fall. Die Menschen sind ja so schlecht. Die wollen ja nichts von Gott wissen. Die jungen Leute haben keine Antenne für Gott. Es hat gar keinen Zweck, mit ihnen von Gott zu reden. Hört ja doch keiner zu. Am Besten gar nicht erst anfangen. Schade um die Zeit. Und wie die Pauschalurteile alle lauten, mit denen sich so mancher Nachfolger Jesu sein Gewissen erleichtert, das ihn zum Zeugnis für Jesus mahnt. Jona ist überzeugt: Ninive verdient keinen gnädigen Gott. Es wäre besser, Gott würde Ninive vernichten und sein Volk von diesem Feind und Tyrannen befreien, Wie soll denn sonst das Unheil in der Welt aufhören? – Und Gott zeigt Geduld und Langmut in Ninive, im Lager der Feinde, bei den Andersgläubigen, bei den Heiden. Das kann und will Jona nicht verstehen. Das geht ihm gegen den Strich Jona wünscht eine Antwort von Gott und er bekommt sie. Nach der Rettung der Stadt Ninive bietet Gott alle Kunst auf, seinen einsamen und enttäuschten Boten zu retten. So ist Gott. Rettung, das ist sein Werk. Jon. 4,6 Gott ist nie nur in einem Lager am Werk. Während er in Ninive gegenwärtig ist, lässt seine starke Hand den abgesonderten und zürnenden Jona keineswegs los. In die gehässig sture, egoistische Mauer des Jona baut die Güte Gottes eine Sprengladung mit Zeitzünder. Am eigenen Leibe soll Jona noch einmal die Güte Gottes und die freien Entscheidungen Gottes erfahren. „und Gott verschaffte einen Rizinus, dass er Schatten gäbe über Jona“ Gott hilft und Jona freut sich sehr. Diese Hilfe, diesen Schutz empfindet Jona als selbstverständlich und gerecht. So muss Gott sein, voller Güte und Erbarmen. Während es den Feinden Gottes heiß über den Rücken läuft und sie vor dem Gericht zittern, sitzt er, der Knecht des Herrn, im Schatten seiner Flügel. So muss Gott sein. Das ist Jonas Gottesbild. Wie hochmütig kann doch der rechte Glaube machen. Wie stolz kann unser Herz im Besitz der Wahrheit sein. „und Jona freute sich sehr“– Zum  ersten mal wird berichtet, dass der ernste Jona sich freut. Ein kleines privates Glück, schon sieht die Welt ganz anders aus. Da lassen sich die Weltprobleme viel leichter ertragen. Eine unerwartete Gehaltserhöhung, ein neues Auto, ein Urlaub ohne Regen, endlich das eigene Haus, eine gute Ernte, eine Liebeserklärung – Wie sieht dein Rizinus aus? Die Bibel sagt in Ps. 103,2:‘ „Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat.“ „In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet.“ „aber Gott verschaffte einen Wurm – da ging der Rizinus ein“ Ein kleiner Wurm kommt in sein Glück. Der Rizinus verwelkt. Die Sonne brennt. Der Ostwind trocknet die Kehle aus. Unheimlich schnell kommt der Umschwung seiner Gefühle. Von der satten Selbstzufriedenheit geht es zum völligen Versagen: „Ich will lieber tot sein als leben“. Wie vielen schwindet der Lebensmut, sobald entsprechende Lebensgüter nicht mehr verfügbar sind, sobald es unbequem und lästig wird. Was würde aus uns, wenn Gott unsere Stauden nicht wurmstichig werden ließe? Wie heißt der Wurm, der deine Staude zum vertrocknen bringt? Krankheit, Arbeitslosigkeit, Unfall, Trennung vom Partner, Verlust von Vermögen? Gott verschaffte einen Wurm. Da ist sie wieder, die Aktion Gottes. Immer muss man mit Gott rechnen. Mitten in der selbstsicheren Freude. Wenn Gott das Selbstverständliche, das, .wie Jona meint, ihm Zustehende wegnimmt, ganz plötzlich und ohne Erklärung, dann verändert auch Jona sein Gesicht. Meint er doch: Gott hat mir nichts zu nehmen. Gott hat seinen Kindern nur zu geben. Gott hat für ihn, seinen Knecht, da zu sein. Jonas Katechismus bricht auseinander, als der Wurm den Rizinus sticht. Damit ist Jona in die letzte Phase wirklicher Gotteserkenntnis gestellt. Jona begehrte den Tod. Er weiß, dass Gott ihn auf der Stelle töten konnte. Aber Gott hat andere Pläne mit Jona. Der Prophet muss noch eine Menge lernen, und die Pflanze neben ihm gehört zu dieser Lektion. ’Da sprach Gott zu Jona‘ – Jon. 4,9 Noch einmal meldet sich die väterlich geduldige Zurechtbringung Gottes. Das ist Gottes wahre Art. Er hätte auch zornig reagieren können. Er hätte Jona töten können. Und noch einmal trotz Jona mit seiner Glaubensvorstellung auf: „Mit vollem Recht bin ich zornig und wünsche mir den Tod!“ Aber Gott ist mit Jona noch nicht fertig. Die Lektion geht weiter. „Schau her“, sagt der Herr zu ihm, „du hast diese Pflanze nicht großgezogen, du hast dich nicht um sie gekümmert; sie ist in der einen Nacht gewachsen und in der anderen abgestorben. Trotzdem tut sie dir leid. Wie es dir ergeht, Jona,  wenn du ohne mein Erbarmen bist, wenn du nicht mehr im Schatten meiner Güte lebst, hast du am eignen Leib erfahren. Willst nicht einmal in die Haut der andern schlüpfen? Denkst du immer nur an dich? Willst du nicht einmal die Menschen mit meinen Augen betrachten? Du jammerst verlogen über eine Pflanze und beweinst im Grunde genommen nur dich. Schau meinen ehrlichen Jammer an, mein herzliches Erbarmen und Mitleid über die Menschen, die meine Geschöpfe sind.“ So etwa müssen wir uns Gottes Reden mit Jona vorstellen, so väterlich, so gütig. Jona ist wirklich verwirrt. Da steht er nun und kann aus tiefstem Herzen einer Pflanze nachweinen, die heute da ist und morgen vergangen ist. Aber Ninive? Das ist eine große Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern. Und jeden einzelnen Menschen in dieser Stadt hat Gott gemacht. Jeder ist ihm wichtig. Jona regt sich über das Schicksal einer Pflanze auf, das Wohl von Menschen kümmert ihn nicht. Im Gegenteil, er ist zornig, weil Gott ihnen gnädig gewesen ist. Mit wie viel Fürsorge, Mitleid und Liebe umgeben wir oft Pflanzen und Tiere. Ein Kapital an Zeit, Kraft und Geld wird zu ihrer Pflege und Erhaltung aufgewandt. Manchmal kommen die nächsten Angehörigen darüber zu kurz, Ich muss mich doch um meinen Hund kümmern. Mein Garten beansprucht mich doch sehr. Sven Hedin soll einmal gesagt haben: „Seit ich die. Menschen kenne, liebe ich die Tiere.“ Bis heute stehen Tier- und Blumenfreunde hoch im Kurs. Menschenfreunde sind selten geworden. Wo bleibt in solchem Denken die Logik? – Ist sie uns völlig abhanden gekommen?

Gott sagte zu Jona: „Mir sollte nicht diese große Stadt leid tun, in der mehr als 120 000 Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist*?

Die Zahl derer, die nicht wissen, was rechts oder links ist, wird immer größer. Menschen, die keine klare Orientierung mehr haben. Die tun, was alle tun. Hinlaufen, wo die andern auch hingehen. Herdenorientierung. Schafe ohne Hirten. Wie trifft das alles auch auf unsere modernen Städte zu. Stadtnot ist immer auch Gottes Not. Der Evangelist Matthäus hat uns die Gesinnung Jesu im Blick auf uns Menschen in Mt. 9,36 beschrieben:“Und da er das Volk sah, jammerte ihn desselben, denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ In Jesus Christus ist Gottes Erbarmen zu uns gekommen. Jesus ist für alle Menschen gestorben. Er hat sich für alle geopfert, um alle zu retten. Er sagte: „Des Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und selig zu machen, das verloren ist.“ Jesus ist nicht nur für uns gestorben, sondern auch für alle, die uns unsympathisch sind, die uns beruflich, politisch, gesellschaftlich und religiös fern stehen. Die heidnischen Matrosen, die Menschen in  Ninive, die Asozialen und Dirnen sind genauso seine Sorgenkinder wie die Mohammedaner und Katholiken, die Drogenabhängigen und Kommunisten. Wie gehen wir um mit Menschen, die sich verlaufen haben in Schuld und Sünde, in Irrglauben und Aberglauben, in Unglauben und Ideologien? Welche Empfindungen haben wir für sie. Wie ist unsere Einstellung ihnen gegenüber? Welche Forderungen haben wir an sie? – Ein Berliner Junge fragte eine ältere Dame nach einer bestimmten Straße, denn er hatte sich verlaufen. Die Dame schaute den Jungen von Kopf bis Fuß an, dann sagte sie ihm: „Bevor ich dir eine Antwort gebe, nimm erst einmal deine Hände aus der Hosentasche, putz dir gefälligst deine Nase, nimm deine Mütze ab und mache eine Verbeugung.“ – Nun, so kann man vielleicht woanders mit einem Jungen umgehen. Aber nicht in Berlin. Der Junge sagte: „Det is mir zu ville, da verloof ick mir lieber'“ In dieser kleinen Geschichte liegt eine tiefe Wahrheit. Wie oft verurteilen wir die Menschen, weisen sie zurecht, statt sie mit Liebe zu leiten. Gott wartet darauf, dass wir Menschen behutsam bei der Hand nehmen, um sie aus Schuld und Verlorenheit, aus Not und Verderben heraus unter das Kreuz Jesu zu führen. Menschen unter die Güte und Freundlichkeit Gottes zu stellen, das ist unsere Aufgabe. Wir werden diese umso besser tun können, je mehr wir daran denken, welch großes Erbarmen Gott uns erwiesen hat. Worüber sollen wir uns mehr wundern? Über Gottes Wirken für Ninive oder seine unendliche Geduld mit Jona? Es fällt auf, dass das Buch Jona keinen Abschluss hat. Der abschließende Bericht steht noch aus. Ist es zufällig? Ist es Absicht? Lieber Freund, das Buch Jona hat viele Auflagen. Es ist deine und meine Geschichte mit Gott. Ob Gott mit dir und mir zum Ziele kommt, das allein zählt. Was für ein Nachfolger Jesu wirst du sein? Möge doch über deiner und meiner Lebensgeschichte geschrieben sein: Und Jona machte sich und ging nach Ninive. Und Jona freute sich über Gottes Gnade, die Sünder rettet. – Wenn dies über deinem Leben steht, dann wirst du auch jenes Wort mit Freuden hören, das dir zugerufen wird an Gottes großem Gerichtstag: „Komm, mein getreuer Knecht, gehe ein zu deines Herrn Freude.  

Diese Studie ist ein Teil einer ganzen Serie. Die folgenden Themen sind weitere Teile dieser Vertiefung. 

KapitelBibelstudienthemaLink
Jona 1Gott ruft - Jona flieht1.Studie
Gott sucht - Jona schläft                               2.Studie
Jona 2Gott handelt - Jona betet 3.Studie
Jona 3Gott vergibt - Jona predigt 4.Studie
Jona 4Gott rettet - Jona zürnt - Ist Jona ein Selektierer? 5.Studie