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I. Geschichtliche Darstellung der Gemeinde Ephesus.

Der Rahmen

Ephesus war die wichtigste Stadt der römischen Provinz Asia (Klein-Asien). Sie war nicht die Hauptstadt, das war Perga­mon. Aber Ephesus hatte einen herrlichen Hafen, und seine Lage am Kopf einer wichtigen Ost-West-Fernstraße machte die Stadt zu einem starken Handelszentrum. Ephesus erfreute sich auch als Zentrum heidnischer Religionen einer hohen Achtung. ARTEMIS, die Fruchtbarkeitsgöttin mit den vielen Brüsten, auch Diana ge­nannt, wurde hier angebetet. Apg. 19,35. Ihr prächtiger Tempel wurde unter den Zeitgenossen als eins der sieben Weltwunder bezeichnet.

Die christliche Gemeinde in dieser geschäftigen heidnischen Stadt wurde von Aguila und Priscilla. gegründet – einem gottgeweih­tem Ehepaar, beides Laien. Auch Apollos, ein redegewandter Evange­list, half heim Aufbau mit, außerdem der Apostel Paulus. Apg. 18,18-26. Paulus verbrachte sogar drei Jahre in Ephesus. Während zwei dieser drei Jahre gab er täglich in einer gemieteten Halle Bibelunterricht; er benutzte die heiße Tageszeit von 11 bis 16 Uhr, wenn das Arbeitstempo in der Stadt herabgesetzt war und die Halle nicht anderweitig benötigt wurde. Apg.19,8-10; 20,31.

Viele Leute kauften hinfort keine silbernen Souvenirs der Göttin Artemis mehr, so dass die örtlichen Silberschmiede einen Aufruhr gegen die Christen erregten. Apg.19,23-41.

Als Paulus die Leiter der Gemeinde Ephesus einige Zeit später besuchte, warnte er sie, dass aus ihren eigenen Reihen schon bald Irrlehrer auftreten würden. Apg. 20,29-30. Später mahnte er sie in seinem Briet zur Vorsicht: „Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten.“ „Seid nicht ihre Mitgenossen,“ – damit sind alle gemeint, die andere verführen. Eph. 5,6-7.

(*) „TAMID“ bedeutet: beständig. Es wird in hebräischen Manus­kripten, die Dan. 8 zugrunde liegen, in einer sehr auffälligen Weise benutzt, wobei sich dieser Begriff besonders auf den „beständigen“ stellvertretenden Hohenpriesterdienst Christi bezieht.

Das Lob

Die Christen in Ephesus nahmen den Rat des Paulus an. Dreißig Jahre später spricht ihnen Jesus in der Offenbarung ein Lob aus, weil sie „geprüft haben, die sagen, sie seinen Apostel und sind’s nicht,“ und haben sie „als Lügner erfun­den,“ und weil sie „die Werke der Nikolaiten“ gehasst haben,“ die ich auch hasse.“ Jesus lobt die Epheser auch für ihre „Werke,“ ihre „Mühsal und Geduld.“ Offb. 2,2; 6.

Wer aber waren die NIKOLAITEN? Irenäus, ein Prediger im 2. Jahrhundert, der in der Nähe von Ephesus aufgewachsen war, erwähn­te sie in einer seiner Schriften. Die Nikolaiten gaben vor, Chri­sten zu sein, so sagte er, aber sie betrachteten „Ehebruch und das Essen von Götzenopferfleisch als etwas Belangloses.“ Es sieht so aus, als wären die Nikolaiten Christen gewesen, die meinten, ihr Glaube an Jesus hätte sie vom Gehorsam gegen einige der Zehn Gebote entbunden. In 1.Joh. 2,4 wandte sich Johannes gegen ähnliche Leute, die sagten: „Ich kenne ihn (Jesus),“ dabei brachen diese Leute die Gebote. Jeder, der so spricht, sagt Johan­nes, „ist ein Lügner.“

Einen Christen, der die Gebote missachtet, als „Lügner“ zu bezeichnen, heißt, eine starke Sprache zu sprechen. Jesus benutzte eine harte Sprache, als er sagte, dass er die Werke und Lehren der Nikolaiten „hasse.“ Offb. 2,6; 15. Wir erinnern uns, dass Jesus in der Bergpredigt sagte: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“ Mt. 7,21. Solche Sprache ernüch­tert uns, besonders, wenn wir bedenken, dass heute viele sagen, der Glaube entbinde den Christen davon, eines oder mehrere der Zehn Gebote zu halten. Gewöhnlich nehmen solche Christen das 7. Gebot, das vom Ehebruch handelt, auf die leichte Schulter, oder aber das biblische 4.Gebot, das die Heiligung des siebenten Tages gebietet.

Der Tadel

Wir freuen uns über die Nachricht, dass die Christen in Ephesus die irreführenden Vorstellungen der Nikolaiten zurück­wiesen. Dadurch befolgten sie den Rat des Paulus, sich nicht mit Verführern zu verbinden und einzulassen. In Eph. 5,2 hatte Paulus ihnen dringend nahegelegt, „in der Liebe“ zu leben, „wie auch Christus uns geliebt hat.“ Doch in Offb. 2,4 musste Jesus sagen: „Aber ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlässt.“ Die Christen in Ephesus hatten den Glanz der ersten Liebe zu Gott verloren. Sie hatten auch die Wärme ihrer damaligen Zuneigung zueinander eingebüßt.

Jesus betrachtete diesen Verlust an Liebe als eine Sünde der schlimmsten Art. „S o denke daran, wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!“ bat er sie. „Wenn aber nicht, werde ich über dich kommen und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte – wenn du nicht Buße tust.“

Jesus behandelte die schwierigen Gemeindeglieder in Ephesus einfühlsam und doch fest. Er sprach zuerst von ihren guten Quali­täten, dann sagte er ihnen offen heraus ihre schlechten Seiten. Wenn eine Kirche christlich sein will – wirklich christlich – ein echtes Licht in der Welt, dann hat sie notwendigerweise die Pflicht, Liebe auszuleben. „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ Joh. 13,35. „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Mt. 5,16.

Vom Leben benachteiligte Leute sehen die Gemeinde als ein Licht und ehren Gott, wenn Christen ihnen auf eine praktische Weise unter die Arme greifen. Geschäftsleute sehen die Gemeinde als ein Licht und ehren Gott, wenn Christen ihre Rechnungen recht­zeitig bezahlen und Beschwerden, die sich nicht vermeiden lassen, nur in freundlicher Weise vorbringen. Nicht-Christen sind von der Macht Gottes überrascht, wenn eine Gemeinde, die als zerstrit­ten bekannt ist, damit aufhört, eine „trübe Funzel“ zu sein und zu der gegenseitigen Liebe zurückfindet.

Der Lohn

Das Glück einer neu erweckten Liebesbeziehung der wiedergefundenen ersten Liebe – ist nur der Anfang der Beloh­nungen, die der Epheser-Gemeinde angeboten werden. „Wer über­windet,“ das heißt, einem jedem, der die Nicht-Liebe überwin­det, sagt Jesus: „dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist.“ Der Lebensbaum wuchs ursprünglich im Garten Eden. 1.Mo. 2,8-9. Das Paradies ist jetzt im Himmel. 2.Kor. 12,2-3. Wir wünschen uns alle, zum damaligen Baum des Lebens Zugang gehabt zu haben. Jesus verspricht, dass wir schon bald im Himmel freien Zugang zum Lebens­baum haben werden.

II. Die Gemeinde Ephesus als Prophetie der Christenheit

1. Ephesus, 31-100 n.Chr.

Ephesus wurde getadelt, die erste Liebe verlassen zu haben. Gleichzeitig wird sie für ihre Ausdauer und ihre guten Werke gelobt. Christus stellt ganz besonders lobenswert heraus, dass sie falsche Apostel und Lehrer geprüft und „sie als Lügner befun­den“ hat. Ihr Eifer war ermattet, doch die Glaubenslehren strahl­ten wie eh und je. Jeder wird zustimmen, dass diese Beschreibung sehr gut auf die Kirche während der Entstehung des Neuen Testamen­tes passt bis etwa 100 n. Chr. Die Reinheit der neutestamentlichen Gemeinde stellt ein Ideal dar, zu denen man durch viele Reforma­tionsbewegungen zurückkommen wollte.

Quellenverzeichhnis
  • Gott Sorgt. Band 2. Die Botschaft der Offenbarung für Dich und Deine Familie. Von C. Mervyn Maxwell Ph. D. Originaltitel: GOD CARES, Vol. 2. Copyright für die Übersetzung, Advent-Verlag Kratlingen, CH-3704 Kratlingen, Schweiz. Mit freundlicher genehmigung zur Veröffentlichung auf dieser Website: Advent-Verlag Schweiz.