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I. Geschichtliche Darstellung der Gemeinde Laodizea.

Der Rahmen

Laodizea, die siebente und letzte Stadt, an die Christus sich in einem Schreiben wendet, war ein Paradies für Ge­schäftsleute. Sie war unglaublich reich, und sie war stolz auf ihren Reichtum. Als die Stadt im Jahre 60 n.Chr. durch ein Erd­beben zerstört wurde, nahm Laodizea nicht – wie andere Städte – von Rom eine finanzielle Unterstützung entgegen. Stattdessen bauten sie die Stadt auf eigene Kosten wieder auf.

Ein Großteil ihres Reichtums kam durch den Handel und das Bankwesen. Eine ihrer Besonderheiten war schwarzer, teurer Woll­stoff, weich und glänzend, der hier verkauft und zu wertvoller Kleidung und zu Decken und Teppichen verarbeitet wurde. Laodizea war auch berühmt für seine medizinische Schule und eine Augensal­be, die hier aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt wurde. Laodizea war gleichzeitig ein Kurort. Heiße Quellen spru­delten einige Kilometer südlich aus den Bergen heraus. Wenn das Wasser die Stadt über einen Aquädukt erreichte, war es lauwarm geworden. Man konnte es zwar nicht mehr trinken, aber es war gerade zum Baden recht.

Der Tadel

Die Gemeinde in Laodizea hat offenbar den Geist der Selbstzufriedenheit, der in der Stadt herrschte, Übernommen, aber ohne jede Berechtigung. Jesus tadelte sie besonders scharf und lobte sie Überhaupt nicht: „Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß.“ Er fügte hinzu: Du bist weder kalt noch heiß! Du bist lau!

Christus stellt sich den Christen in entsprechender Weise vor. Er nannte sich „der treue und wahrhaftige Zeuge .“ Er wählte diesen Titel, weil er zu Menschen sprach , die sich selbst belogen. Er wollte, dass sie seiner unangenehmen Diagnose glaubten.

Er stellte sich außerdem als „Amen“ vor; das ist ein hebrä­ischer Begriff, der „wirklich“ oder „in Wahrheit“ bedeutet. Das war ein anderer Weg, die sich selbst belügenden Laodizeaner daran zu erinnern, dass er sie entlarven konnte.

Als er sich „Anfang der Schöpfung Gottes“ nannte, hatte er allerdings etwas anderes im Sinn. Er setzte voraus, dass er sie total umkehren könnte, wenn sie nur seine Worte als Wahrheit annehmen würden. Er könnte sie neu schaffen. (Für eine weitere Diskussion dieses Ausdruckes „der Anfang der Schöpfung Gottes“ siehe „Deine Fragen beantwortet.“ Seite 130 (Hyperlink)

Jesus fuhr fort, sein Rezept gegen ihre Krankheit auszuschrei­ben und verwandte dabei Begriffe, mit denen die dort wohnenden Laodizeaner etwas anfangen konnten. Er schildert sich selbst als der himmlische Kaufmann, der genau solche Produkte anbietet, die sie dringend nötig haben; sie meinten jedoch, sie brauchten das nicht. „Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augen­salbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest.“ Den Leuten, die sich für reich hielten, präsentierte er sich als Quelle wahren Reichtums. Menschen, die meinten, sie hätten das Heilmittel für Augenleiden aller Art, bot er die einzig wirk­same Augensalbe an. Und solchen, die dachten , sie könnten die feinsten Kleider der Welt herstellen, bot er die weißen – nicht schwarzen – Kleider seiner eigenen Gerechtigkeit an.

Die „weißen Kleider “ sind in Offb. 19,7-8 – wo wir über die „feine Leinwand“ der Braut des Lammes lesen – als die „Gerechtigkeit der Heiligen“ definiert. Und woher kommt diese Gerechtigkeit, die sich auch in gerechten Taten zeigt? Von Christus! Denn der „Herr ist unsere Gerechtigkeit.“ Jer. 23,6. Nur weil Christus für unsere Sündhaftigkeit Versöhnungsdienst leistet, unsere Motive verändert und uns hilft und ermutigt,

Können wir gut sein und Gutes tun.

Was die Augensalbe betrifft: Das ist der Heilige Geist, der unser Gewissen unruhig macht, wenn wir etwas Böses beabsichtigen oder es bereits getan haben. Er hilft uns, unsere Fehler zu sehen. Joh. 16,8-10. Wir können an die Augensalbe als Symbol des Heiligen Geistes denken.

Das Wertvollste im Leben sind GLAUBEN und LIEBE. Wir können daran als an das Gold denken. Aber ist Gottes Gnade verkäuflich? Können Glaube, Liebe, Gerechtigkeit, kann der Heilige Geist käuflich erworben werden?

„Wohlan, alle, die ihr durstig seid,“ sagt Gott in Jes. 55,1, „Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“ Doch in Lk. 14,33 sagt Jesus: „So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.“

Christi größte Gaben sind frei, aber sie kosten alles. Nicht Münzen, nicht Schecks oder Kreditkarten kann man dafür geben – nur unser ganzes Herz.

Der Lohn

Sogar die Belohnung, die Laodizea angeboten wird, ent­hält noch einen Tadel. „Ich stehe vor der Tür und klopfe an,“ sagt Jesus, und er zeigt damit, dass er im Herzen der Laodi­zeaner nicht seßhaft ist. Doch „wenn jemand … auftut, zu dem werde ich hineingehen … „

Die reichen Gewänder, das Gold, die Augensalbe, die Jesus anbietet, sind umsonst, aber sie werden nicht über das Versandhaus verkauft. Sie werden persönlich von Jesus ausgeliefert, und er drängt sie uns nicht auf. Er wird nicht eintreten und sie in unser Haus bringen, während wir schlafen. Wir müssen erwachen und aufstehen. Wir müssen zugeben, dass wir tatsächlich nichts zum Anziehen haben. Wir müssen uns anstrengen, die Tür zu öffnen, sein weißes Gewand anzunehmen und ihn hereinzubitten.

Es ist gut, ein Christ sein zu wollen; aber das Wollen ist noch nicht genug. Manche Menschen gehen verloren, während sie hoffen und wünschen, erlöst zu werden. Wir müssen uns klar dafür entscheiden, ein Christ zu sein! Wir müssen uns dafür entscheiden, den Glauben auszuleben, wenn wir eigentlich lieber grollen möchten, Liebe zu leben, wenn wir innerlich bitter sein wollen, Gutes zu tun, wenn wir lieber gar nichts tun möchten oder am liebsten ganz gemein wären. Und wir müssen uns dafür entscheiden, das alles auf dem einzig möglichen Weg zu erreichen: nämlich durch eine lebendige persönliche Beziehung zu Jesus Chri­stus. Wir müssen die Tür öffnen und IHN hereinlassen. Wenn wir wünschen, dass unsere Familie eine christliche Familie wird, dann müssen wir uns darum bemühen, Christus hineinzubringen. 

Die Laodizeaner waren „lau“ wie das Wasser ihres Aquäduktes.

Nicht ganz schlecht. Nicht ganz gut. Nicht gegen Christus. Nicht voll und ganz für Christus. Nicht unbedingt geizig. Nicht von ganzem Herzen großzügig. Nicht dagegen, anderen zu helfen. Aber auch nicht bereit, viel für sie zu tun.

Weder kalt noch warm. „Ach, dass du kalt oder warm wärest!“ seufzte Jesus. Wir verstehen, weshalb er uns gerne warm hätte, denn dann wären wir eifrig darum bemüht, Gutes zu tun, würden in der ersten Liebe glühen, voller Lob und Freude sein. Aber weshalb sollte er uns kalt haben wollen? Weil wir uns dann so unwohl fühlten, dass wir spürten: hier stimmt etwas nicht! „Weil du lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde,“ Offb. 3,16.

Harte Worte. Aber nicht die letzten: ‚Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich.“

Christus tadelt, um uns aufzubauen: „Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.“ Offb. 3,19; 21.

Laodizeanismus ist die schlimmste aller tödlichen Krankheiten, von denen die Gemeinden befallen werden. Lauheit. Langeweile. Desinteressiert. Gleichgültig. Und doch kann das überwunden wer­den. Wenn wir jetzt Christus voll und ganz in unser Leben hinein­lassen, dann wird er uns für alle Ewigkeit in sein Leben hinein­nehmen. Er kann sogar „qualmende Funzeln,“, wie die Leodizeaner sind, zu „Sternen machen, die „für immer leuchten.“ Dan.12,3.

II. Die Gemeinde Laodizea als Prophetie der Christenheit

7. LAODIZEA, ab 1844 n.Chr.

Doch nun erleben wir eine Enttäuschung. Nach der Philadelphia­-Ära kommt Laodizea. Die Schönheit der Bruderliebe wird durch Lauheit und Einbildung ersetzt. Während der Philadelphia-Periode sagte Jesus: „Ich komme bald!“ (0ffb. 3,11). Jesus kommt bald, doch trotz seines Versprechens wendet sich seine Gemeinde von ihm ab.

Über die Glaubenslehren Laodizeas wird hier nichts Direktes ausgesagt. Das Problem, auf das Christus die Aufmerksamkeit lenken will, ist viel grundlegender, es betrifft eine tiefverwurzelte Haltung. Die Gemeinde Laodizea ist halbherzig und selbstzufrieden. Sie ist halbherzig, wenn es um gute Werke geht, und zufrieden mit einem Christentum, das den äußeren Schein hat, aber in Wirklichkeit ohne Christus ist.

Wir haben bereits erfahren, dass zu jeder Zeit einige Christen und auch einige Gemeinden irgendeine dieser sieben Gemeinden dar­stellen können. Als vorhersagende Symbole repräsentieren die sieben Gemeinden lediglich die vorherrschende Strömung in der Gemeinde Christi in der jeweiligen Ära.

Die Christenheit schien längere Zeit nach dem Abschluss der Phila­delphia-Ära noch stark und kräftig zu bleiben und sich auf einigen Gebieten sogar noch zu steigern. Die Missionsunternehmungen weite­ten sich aus. Neue Gemeinschaften kamen auf mit großem Eifer. Enorme Summen wurden für wohltätige Zwecke gespendet. In Wirklichkeit hatte jedoch ein tiefgreifender Wandel begonnen, Veränderungen, die wir besser verstehen werden, wenn wir 0ffb. 12-14 studieren.

Es mag im Augenblick genügen, die Aufmerksamkeit auf solche Vorgänge zu richten, wie den überraschenden Bruch, der im Jahre 1844 die amerikanischen Methodisten und Baptisten spaltete, und bei der jeweils eine Hälfte jeder Gemeinschaft fest entschlossen war, die Sklaverei als gottgewollte Einrichtung aufrechtzuerhalten! Spitzfindiger und mit der Zeit alles durchdringend war die Bereit­willigkeit, mit der die Protestanten sich eiligst an die Evoluti­onstheorie Darwins anpassten. Neue Vorstellungen über den unvermeid­lichen Fortschritt der Menschheit, auf Evolution gegründet, verbun­den mit seltsamen, neuen Ideen über die Wiederkunft Christi, lenkten nun die Aufmerksamkeit unzähliger Christen von ihrem Grundbedürfnis – Jesus als persönlichen Heiland zu haben – ab. Parallel zu dieser Entwicklung erhob sich ein verblüffender Widerstand gegen den Ruhe­tag Gottes, den Siebenten-Tags-Sabbat.

Außerdem fraß der schleichende Materialismus die christlichen Wertvorstellungen allmählich auf.

Wenn jemand eine Lebensversicherung hat, eine Luxusjacht, drei Autos und zwei Häuser, dann liegt ihm der Gedanke nahe, er brauche überdies nicht auch noch eine persönliche Beziehung zu Gott. Jesus sagte: „Du kannst nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Matth. 6,24). Das heißt: „Du kannst nicht Gott dienen und gleichzeitig dem Geld“. Doch die meisten versuchen, beidem gerecht zu werden – und sind schließlich weder zufriedene Weltmenschen noch gute Christen.

Am 2. Mai 1980 veröffentlichte das wichtigste Sprachrohr der evangelikalen Christen in Amerika – die Zeitschrift „Christianity Today“ die Ergebnisse einer Umfrage, nach der 94% aller Amerikaner an Gott glauben; 79% behaupten, sie hätten sich bekehrt, und 45% glauben, das Heil sei durch den Glauben an Christus gewährleistet. Das Magazin schlussfolgert: „Ganz klar: Der religiöse Puls dieses Landes schlägt kräftig.“

Leider zeigte „Christianity Today“ gleichfalls auf, dass ein Drittel der befragten Katholiken zugaben, sie hätten noch nie die Bibel gelesen, dass nur 24% der Protestanten angaben, sie würden jede Woche in die Kirche gehen, und dass sogar unter den Evangeli­kalen 42% nicht mehr als 4 der Zehn Gebote Gottes nennen konnten.

94% der Amerikaner behaupten also, an Gott zu glauben – und doch geben sie 6 Mal so viel Geld für ihre Haustiere aus, als sie für die Außenmission spenden.

In der Dritten Welt sterben jährlich 15 Millionen Kinder unter 5 Jahren. Die Vereinten Nationen sagen, dass 90% davon (also mehr als 13 Millionen Jungen und Mädchen pro Jahr) gerettet werden könnten, wenn ihre Familien nur Zugang zu sauberem Wasser hätten. Die Kosten, das Wasser der Dritten Welt zu klären und aufzubereiten, wurde auf 3-4 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt, und das 10 Jahre lang. Dieser Kostenvoranschlag klingt hoch, und das ist auch teuer. Aber es ist nur ein kleiner Bruchteil dessen, was die „fast­christlichen“ USA jährlich für alkoholische Getränke ausgeben. Die Bürger der Bundesrepublik Deutschland geben mehr als diese Summe von 30 Milliarden Dollar jährlich nur für Tabak und Alkohol aus,

„Ganz klar: Der religiöse Puls dieses Landes schlägt kräftig,“ wurde in der Zeitschrift geschrieben. Nun ja, aber er könnte noch weitaus kräftiger schlagen. Und wenn Amerika vom Ideal Christi meilenweit entfernt ist, dann ist der Zustand der Kirchen in Europa und den anderen westlichen Ländern noch bedauerlicher.

Dass die Gemeinde der letzten Tage träge und lauwarm sein würde, ist nicht nur in den sieben Sendschreiben vorhergesagt worden, sondern auch in der Frage und Klage Christi: „Wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?“ (Luk. 18,8). Auch in seinem Gleichnis von den zehn schläfrigen Mädchen, von denen fünf törichterweise versäumt hatten, sich ausreichend mit Brennöl für ihre Lampen zu versorgen, zeigte sich das. Seite 19.

Als ganze Gruppe waren die zehn Jungfrauen halb-und-halb, wie Laodi­zea. In ähnlicher Tonart sprach Paulus von den Christen der letzten Tage als solchen, die „den Schein der Frömmigkeit“ haben, „aber deren Kraft verleugnen.“ (2.Tim. 3,1.5).

Unsere Untersuchung der Kirchengeschichte hat unsere Erwartungen bestätigt. Als vorhersagende Symbole passen die sieben Gemeinden zu sieben großen Zeitaltern. Wie geduldig war Christus all die Jahre hindurch gewesen! Welche Fürsorge hat der göttliche Lampenwär­ter für seine „trüben Funzeln“ und „qualmenden“ Gemeinden gezeigt.

Wie ernüchternd aber auch, sich klarzumachen, dass wir heute – indem die Wiederkunft Christi sehr nahe gerückt ist – in Laodizea leben.

Gott sei Dank, dass Jesus sich selbst als der Eine darstellt, der an unserer Tür steht und klopft.

Quellenverzeichhnis
  • Gott Sorgt. Band 2. Die Botschaft der Offenbarung für Dich und Deine Familie. Von C. Mervyn Maxwell Ph. D. Originaltitel: GOD CARES, Vol. 2. Copyright für die Übersetzung, Advent-Verlag Kratlingen, CH-3704 Kratlingen, Schweiz. Mit freundlicher genehmigung zur Veröffentlichung auf dieser Website: Advent-Verlag Schweiz.